Die SDAG Wismut galt zwar als „Staat im Staate“, war aber zugleich mit dem Alltag im Bezirk verbunden. Die Staatssicherheit war in Gera überdurchschnittlich präsent, sie und die Gewerkschaft verfassten kontinuierlich Berichte zu Stimmungen und Auffälligkeiten im Betrieb.
Widersprüche, wie die Gleichzeitigkeit von Wertschätzung und Kontrolle, prägten alle Bereiche des Geheimunternehmens: Wie stark Staat und Wismut auf die Bürger:innen zugriffen, war abhängig von vielen Faktoren. Zwischen Zufriedenheits- und Einschränkungserfahrung im Alltag mussten sich Personen, so auch unsere Zeitzeug:innen, immer wieder neu positionieren.
An Feiertagen wie dem 1. Mai oder dem Tag des Bergmanns wurden Bergleute offiziell gewürdigt und häufig ausgezeichnet, Bergleute galten als Stütze des sozialistischen Wohlstandes. Die gegenseitige Vergewisserung war auch in den Brigaden an der Tagesordnung.
Gleichzeitig litten Kumpel und ihre Familien häufig unter Planerfüllungsdruck oder mussten die Widersprüche im Gesundheitssystem und im Arbeitsschutz hinnehmen, um ihre Privilegien nicht zu gefährden.
In der deutsch-sowjetischen Aktiengesellschaft arbeiteten auch sowjetische Militärs und sog. „Spezialisten“. Viele schätzten den hohen Lebensstandard der DDR und versorgten Angehörige daheim mit Konsumgütern. Eine Tätigkeit für die Wismut war zudem karrierefördernd.Unsere Zeitzeug:innen erlebten die propagierte deutsch-sowjetische Freundschaft im Alltag kaum: Die „Russen“ lebten isoliert, romantische Beziehungen waren oft ein Tabuthema, die Geheimhaltung, aber auch Sprachbarrieren trugen dazu bei, dass wenig Austausch entstand.