Grit Ruhland

Lebenslauf
Grit Ruhland kommt als Tochter einer Chemikerin mit dem Themen „Strahlung und Umweltschäden“ früh in Kontakt. Sie geht diesen biografischen Spuren in ihrem Kunststudium nach. Ihre Großeltern in Paitzdorf und deren Perspektive auf die Wismut lernt sie erst durch alte Briefe besser kennen. Heute arbeitet sie als Künstlerin, in der Forschung und Lehre und ist kulturpolitisch aktiv.
Gesamtinterview
Ich bin am 13.12.1979 in Gera geboren. Ich arbeite als Lehrbeauftragte an der TU Dresden und unterrichte Studierende, im Lehrstuhl, oder im Fachbereich Architektur und Landschaftsarchitektur und ich unterrichte die Studierenden in künstlerischen Grundlagen.
Ich bin aber vor allem freischaffende Künstlerin und bin außerdem stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Bildende Kunst Sachsen. Ich bin in verschiedenen Initiativen aktiv und zum Teil auch Mitglied.
Ich beteilige mich am Kirchlichen Umweltkreis Ronneburg. Manchmal brauche ich meinen eigenen Lebenslauf, um zu sehen, was ich so alles mache.
Aber das sind, glaube ich, die wichtigsten Sachen. Habe ich irgendwas vergessen? Nee,
also ich arbeite künstlerisch und sozusagen im Bereich Kulturpolitik und in künstlerischer Bildung würde ich es nicht nennen, sondern in der Ausbildung von künstlerischen Tätigkeiten. Okay. Soll ich das chronologisch machen?
Ist das eine gute Idee? Ja, also ich glaube das Früheste, wo ich mit der Wismut in Kontakt gekommen bin, ist einfach, ich bin nicht in den Wismutgebieten aufgewachsen, jedenfalls nicht ganz direkt dran, sondern ich bin in der Nähe von Meißen in der Industrie- und Gartenstadt aufgewachsen in Coswig.
Und tatsächlich gab es da schon einen Berührungspunkt. Und zwar sind wir in unseren Spaziergängen mit meiner Familie auch gerne mal an die Elbe gegangen.
Wir sind ein Stück an der Elbe gegangen und dann wieder hoch. Und ich durfte die Elbe immer nie anfassen.
Sie hat auch furchtbar gestunken, also man wollte sie auch nicht anfassen. Aber da hieß es schon immer, fließen die ganzen Abwässer von der Wismut rein.
Das war der erste Berührungspunkt. Meine Mutter, ausgebildete Chemikerin, kannte die ganzen Industriebetriebe, die Strom aufwärts in die Elbe abgelassen haben.
Das waren nicht nur die Wismut, da waren noch viel chemischere Abwässer drin. Aber das war so ein Moment, wo ich mit der Wismut in Berührung gekommen bin.
Und da ist es mir vielleicht sogar weniger aufgefallen,
also meine Familie mütterlicherseits, die kommen aus Paitzdorf, bei Ronneburg, bei Gera und haben dort ein Haus gebaut, also 1900 hat mein Ungroßvater ein Haus gebaut. Und das ist sozusagen seitdem im Familienbesitz.
Und wir haben dort eben, also ich bin in Gera geboren, wir sind dann aber relativ schnell nach Coswig umgezogen, zu meinem Vater. Und wir sind aber recht häufig nach Paitzdorf in dieses Haus gefahren, für mich war das eher so eine Sommerfrische.
Und Paitzdorf ist, jetzt für alle, die sich mit der Materie auseinandergesetzt haben, eigentlich schon sowas wie das Zentrum des ostdeutschen Uranbergbaus. Also das ist immer so, für manche, die sagen so, hä, Paitz-was?
Also, sondern die, die es nicht wissen und die, die sich damit auskennen, die können halt oft schon genau was damit verbinden. Meine Familie hat aber nie in der Wismut gearbeitet. Allerdings, und das ist jetzt vielleicht nochmal so ein anderer Aspekt,
meine Mutter hat schon Berührungspunkte mit der sowjetischen Nuklearindustrie gehabt. Allerdings, sozusagen, nicht mit der Wismut.
Und das war dann auch schon Thema in meiner Kindheit, dieses Risiko von Strahlung und so. Das war aber sozusagen in einem anderen Punkt, dieser nuklearen Kette. Also, ich würde sagen, ein bisschen kleinbürgerlich, würde ich schon sagen.
Und der Teil von meiner Mutter, es waren oft Freundinnen und Freunde von meiner Mutter mit da, das war so ein Ingenieursumfeld, also Chemieingenieure ganz viel. Und von meinem Vater war es halt so ein bisschen mehr Industriehandwerker.
Aber auf jeden Fall war sozusagen das Nonplusultra war die Industrie. Und das war das Maß aller Dinge. Wobei man sagen muss, zum Beispiel mein Vater war dann schon kritisch, also der hat schon so ein, obwohl er in so einem Industriebetrieb gearbeitet hat, hat nie in so einem krassen, naja, krassen Industriebetriebe sind ein bisschen zu umgangssprachlich ausgedrückt:
Er hat in einem Industriebetrieb gearbeitet, in einem zu DDR-Zeiten Hightech-Vorzeige-Industriebetrieb. Die haben Mikroelektronik hergestellt in Dresden, Elektromat. Und das war auch wirklich Hightech.
Wir hatten als einzige auf der Straße ein Telefon. Und da kam auch oft die Straße zum Telefonieren.
Also die anderen BewohnerInnen der Straße standen dann in unserem Hausflur und haben stundenlang telefoniert. Das ist auch so eine Erinnerung aus meiner Kindheit, weil mein Vater an so einer Maschine gearbeitet hat, an so einer Drahterodiermaschine, die war irgendwie super teuer und der Betrieb konnte sich nicht leisten, dass die stehen bleibt.
Deswegen war die Maschine tatsächlich mit dem Telefonnetz verbunden. Und wenn die Maschine stehen geblieben ist, hat die sogar bei uns zu Hause angerufen.
Also das war sozusagen, das meine ich mit so einem Elitebetrieb oder so einem Vorzeigebetrieb. Obwohl die anderen auf der Straße kein Telefon hatten, hatten wir dieses Telefon, weil eben die Maschine hätte angerufen, wenn sie stehen geblieben wäre.
Das ist so, genau. Aber so ungefähr muss man sich das vorstellen. Es war eben so ein Zweifamilienhaus, also so ein, wie heißt das? Zweifamilienhaus? Reihenhaus? Nein, Reihenhaus ist es nicht. In der Doppelhaushälfte bin ich tatsächlich, zumindest in Coswig, aufgewachsen und mit einem Garten und einer Schildkröte.
Sehr. Also das war wirklich ein großes Thema.
Meine Mutter war immer sehr, sehr kritisch mit allem. Ich versuch s jetzt mal so ein bisschen wertneutral auszudrücken. Mein
Vater eher so vorsichtig. Sie haben dieses System eigentlich nie infrage gestellt.
Man muss sagen, sie sind auch noch tatsächlich beide zu NS-Zeiten geboren. Also das heißt, sie haben auch noch so ein bisschen, auch als Kinder, von diesem NS-System mitbekommen. Und ich glaube, da ist das nochmal so eine andere, also sie haben auch sozusagen den Krieg miterlebt und dann sozusagen diese Aufbauphase, die waren ja diese Aufbau-Generationen und hatten da glaube ich nochmal so ein einen anderen Zugang und vielleicht auch ein Stolz. Mein Vater hat mir dann auch vom Wiederaufbau in Dresden
erzählt, wie er da mitgemacht hat und wie er gesehen hat, wie Dresden gebrannt hat. Die haben da, glaube ich, einfach nochmal mehr mitbekommen, Die waren kritisch auch zu DDR-Zeiten, aber zum Beispiel dann in der Wende waren sie gar nicht so, sie haben sich dann eher Sorgen gemacht, was das wird. Die haben vieles kritisch gesehen, aber sie haben, glaube ich, gut gefunden, dass das Wirtschaftssystem eigentlich nicht kapitalistisch war.
Dazu muss man aber auch nochmal sagen, dass meine Großväter auch in der SPD waren, vor der NS-Zeit. Ich würde sagen,
also Demokratie war eben, glaube ich, das war nicht so ihr Hauptthema, dass es das nicht gibt, sondern sie waren schon, irgendwie fanden sie es, glaube ich, schon gut, diese Gemeinschaft. Das war schon das, was sie gut fanden, aber sie fanden nicht gut, wie es umgesetzt ist. Das war, glaube ich, schon so ein... Aber es war oft Thema. Mein Onkel war auch relativ hoch angebunden im FDGB und da gab es halt auch immer wieder, da gab es mit dem dann auch Diskussionen und da hat sich auch niemand in der Familie irgendwie wahnsinnig zurückgehalten, jedenfalls nach meiner Wahrnehmung. Und es gab so einen Witz, irgendwie, ich hab's irgendwie mitgekriegt, mein Vater hat immer, also hat er auch immer so, hat er auch ein paar Witze immer drüber gemacht und ich weiß noch, dass ich meinen Onkel immer begrüßt hab mit “Reich mir die Flosse, Genosse!” und alles und dann war’s so: Lass das sein! Ja,
also sie waren jetzt nicht dissidentisch, das auf gar keinen Fall, sondern so vorsichtig kritisch.
Geschwister habe ich keine, das ist sehr leicht zu beantworten. Interessen... ..mh, ich glaube, ich habe schon gerne gebaut. Also irgendwelche, also mein Vater ist Werkzeugmacher, genau, also das habe ich noch gar nie gesagt, der hatte mir so ein kleines Set gebaut mit so Säge und Hammer und was war da noch dabei? Es waren drei Sachen, Säge, Hammer und… ach Beil, genau. Und da habe ich irgendwie gerne immer Sachen gebaut. Ich wollte auch Erfinderin werden und ich finde dadurch, ich bin ja mit meinem Bildhauereistudium, also Freie Kunst, bin ich da
schon so nah dran gekommen, wie es geht. Ich habe auch, ja, also ich habe immer gern auch gezeichnet, gebaut. Das habe ich schon gern gemacht, habe mich aber auch für Tiere und Pflanzen interessiert, auch schon immer.
Also, was ich da wiedergebe, sind ja nur Geschichten, die ich mir gemerkt habe. Meine Mutter hat ganz offensichtlich Ende der 1950er Jahre im Isotopenlabor in Hermsdorf, soweit weiß ich, gearbeitet.
Sie hat da, und jetzt versuche ich das so wiederzugeben, sie hat da als junge Laborantin gearbeitet und sie musste, so hat sie es mir erzählt, Mini-Brennstäbe vermessen.
Ich habe versucht, das zu recherchieren. Ich komme da immer nur so schrittweise voran. Also ich kann mir auch erst jetzt wirklich die Unterlagen angucken und kann schauen: Wo könnte das gewesen sein?! Also das ist was, wo ich selber auch noch dran bin, das rauszufinden. Aber sie hat gesagt, dass sie eben bemerkt hat, dass die Arbeitsschutzrichtlinien nicht eingehalten wurden und dass sie dann nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder aufgehört hat, weil sie das beunruhigt hat, weil ihr das einfach zu gefährlich war.
Das ist, was sie da erzählt hat. Ich kann es jetzt nicht prüfen. Ich kann sozusagen, das ist die Geschichte, wie ich sie erfahren habe. Und tatsächlich habe ich auch darüber schon einen Artikel geschrieben, der jetzt hoffentlich demnächst veröffentlicht wird, so eine Auto-Ethnographie darüber: Weil das mein erster Kontakt eigentlich mit der Nuklearindustrie war, sozusagen in so einem Kindesalter. Und ich meine, dass sie mir das angefangen hat zu erzählen, dass ich da so vielleicht fünf war oder sowas in der Richtung. Also sie hat mir auch erzählt irgendwie sozusagen, ihr Verständnis von Chemie, dass die Welt aus Atomen besteht und ein Tisch eigentlich kein Tisch ist, sondern eine Ansammlung von Atomen und man könnte da theoretisch durchgehen, weil da ist ganz viel Platz dazwischen. Sie hat mich auch mit zur Vorlesung nach
Dresden genommen, weil sie da ihre Promotion gerade geschrieben hat, als ich da so in dem Alter war, von fünf. Da hat sie mich relativ früh damit konfrontiert. Womit sie mich aber auch konfrontiert hat, ist sozusagen, dass sie mir dann die Geschichte erzählt hat, dass sie ihre Freundin vorgeschickt hat ins Krankenhaus, weil ich per Kaiserschnitt geboren wurde, um nachzuzählen, ob ich denn die richtige Anzahl Finger und Zehen hätte. Und das ist natürlich eigentlich auch eine ganz schöne Überforderung, weil du kannst das als Kind ja gar nicht verarbeiten. Das wird sozusagen dir gesagt und du denkst so, also du wächst halt mit einem ganz komischen Verständnis dann auf. Und da bin ich auch noch dabei, das zu verstehen. Aber das war sozusagen meine erste Begegnung. Ah, okay, irgendwas war da mit mir und es hätte irgendwie... vielleicht bin ich auch ganz komisch. Da bleibt ja irgendwas zurück, von dieser seltsamen,
unsichtbaren Kraft. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich dir das erlauben werde, das zu benutzen, aber für das Archiv auf jeden Fall! Sie hat auch immer gesagt: “Ich werde nie lange leben, weil ich habe das ja gemacht.” Dazu kommt jetzt auch noch eben, dass sie da einfach auch eine psychische Disposition hatte, das sozusagen, ist da jetzt noch als Schicht dann da drüber. Aber das ist sozusagen, also das ist auch vielleicht der Punkt, weswegen ich mich dann da sozusagen so intensiv damit beschäftige, weil es ist oft auch belastend. Also wir haben jetzt ja noch nie darüber gesprochen, dass ich meine Dissertationen auch darüber geschrieben habe, aber da gibt es viele, also es gibt mit Abstand vielleicht ein bisschen weniger schwere Themen. Und meine Studierenden haben mich zum Teil
auch gefragt: Warum beschäftigst du dich so damit, das ist doch voll anstrengend?! Und dann denke ich so: Ja! Das habe ich halt mitbekommen. Das wurde mir irgendwie in meinem Leben mitgegeben. Und es wurde mir halt als Thema, sozusagen, ich trage in dem Sinne dieses Erbe sowieso mit mir. Und dann kann ich mich ja auch versuchen, produktiv damit zu befassen. Das ist, glaube ich, so ein bisschen was, also das ist jetzt gerade meine Erklärung dafür.
Interessanterweise war da die Wismut noch gar nicht so, das war dann sozusagen schon die geringere Stufe. Obwohl ich natürlich sagen würde, na klar hängt das letzten Endes ja auch zusammen, weil Brennstäbe gibt es ja ncht ohne Wismut. Ich versuche herauszufinden, wie sozusagen - Dokumente zu finden. Hat meine Mutter irgendetwas geschrieben an meine Großmutter über diese Zeit? Gibt es da irgendetwas Aktuelles? Und es gibt auch noch andere Geschichten, die ich gerne prüfen wollte, ob die in irgendwelchen Briefen stehen. Deswegen habe ich Briefe vom Dachboden, habe ich mir zwischendurch mal die Zeit genommen und habe Briefe angeguckt, und habe Briefe von meiner
Großmutter an meine Mutter gefunden. Ich habe die jetzt nicht mitgebracht, aber ich habe die gescannt und habe die auf dem Tablet. Also der Blick von meiner Großmutter auf die Wismut, das ist zum Teil auch wirklich, also es ist auch oft sehr lustig, finde ich, wie sie da drüber schreibt. Vielleicht finde es auch nur ich lustig, weil es meine Großmutter ist. Ich habe die auch kaum kennengelernt. Dadurch, dass diese Generationenfolgen so weit auseinander sind. Ich war vier, als meine Großmutter gestorben ist. Da habe ich einfach nicht so viel mitbekommen. Ich habe nur so ein ganz vages Bild von ihr. Und das ist irgendwie ganz schön, sozusagen ihre Stimme in diesen Briefen dann auch zu hören und wie sie darüber schreibt. Also habe ich auch was rausgesucht, wenn wir das angucken wollen oder anhören?
Meine Großeltern waren ganz offensichtlich ziemlich kritisch mit der Wismut. Die hatten da nicht viel Lust auf diese Bismut. Und weswegen ich auch die Briefe durchgeguckt habe, ist, dass mir erzählt wurde, dass mein Großvater, gestorben der war Landmaschinenschlosser, also in Paitzdorf, das Haus, wo ich jetzt unter anderem auch wohne, ist halt auch noch so eine Werkstatt von ihm, die ist zum Teil noch mit den alten Geräten eingerichtet und so. So, der hat da als Landmaschinenschlosser in Paitzdorf gearbeitet, hatte eine eigene Firma und meine Großmutter hat da mitgearbeitet. Und mein Großvater war da überhaupt nicht begeistert über die Wismut und meine Großmutter eben auch nie. Und mein Großvater hat das auch wirklich kritisiert. Also er hat sich da eben als ehemaliges SPD-Mitglied, dann sozusagen Zwangs-SED-Mitglied,
hat er sich auch berechtigt gefühlt oder so, das auch zu sagen: “Hey Leute, was ist denn das? Was machen wir denn da?” Also so wurde es mir erzählt, warum gehen dann die ganzen Ressourcen in die Wismut?
Warum verwenden wir die nicht für wichtige Sachen? Und meine Großmutter hat dann noch so ein bisschen umgangsweise darüber geschrieben. Und die Erzählung ist, dass er dann eben Ärger gekriegt hat, verhört wurde. Er ist dann relativ bald sowieso gestorben, aber die Erzählung war eben, naja, der hätte nochmal richtig Ärger bekommen, sozusagen für diese Kritik. Also wir müssen den wirklich auch verhört haben, so als schwerkranken Menschen. Da wollte ich gerne auch was irgendwie da zu finden. Aber dazu muss ich wahrscheinlich noch mehr Briefe lesen. Das habe ich jetzt noch nie geschafft. Das hätte ich gerne noch irgendwie so nochmal mit so einer anderen Quelle
Weiß ich halt noch nie so richtig. Also im Moment habe ich so, ich weiß ja gar nicht, wo das alles ist. Ich habe jetzt ein paar Schränke, wo ich dachte, da könnte was sein, habe ich durchgeguckt. Im Moment ist es so ein Schuhkarton mit Briefen, aber es hat auch noch von irgendwelchen anderen Leuten was dabei, die von meiner Großmutter waren halt ganz gut zu erkennen, weil die mit Schreibmaschine geschrieben waren, zum Glück. Mein Großvater hat auch manchmal geschrieben und dann ist das
so Schreibschrift, die kann ich halt wirklich schlecht lesen, die von meiner Großmutter, die konnte ich dadurch, dass es Schreibmaschine ist auch schnell überfliegen. Da hatte ich noch nicht so viel Zeit. Da sind manchmal so Passagen drin, ganz unterschiedliche. Meine Großmutter geht es halt oft darum, wo was weggebaggert wird, dass die Straße schlecht ist, dass irgendwelche Kipper irgendwo auftauchen und Schlägereien. Also ich muss schon mal gucken, ob ich das dann finde, aber eine Passage, die finde ich auch wirklich sehr lustig. Ich weiß gar nicht, ob sie das so lustig gemeint hat, aber wo sie so eine Schlägerei mit Wismutleuten beschreibt. Dass es halt… wer da angefangen hat und wer da wie drüber denkt. Das ist irgendwie so ein Zeitdokument. Ausschließlich, sie spricht nur als Anwohnerin. Also sie schreibt ja an ihre Tochter. Ich weiß nicht, inwieweit die sich dann zensiert haben.
Das kann ich halt schwer einschätzen. Diese Briefe sind so von ‘54 bis ‘57, die sie da geschrieben hat. Da ist meine Mutter auch noch relativ jung. Genau, also da weiß ich nicht, ob sie dann noch, wie sie anders darüber gesprochen haben. Sie haben sicherlich noch anders darüber gesprochen. Irgendwie ist ja die Frage.
Ich habe dann in Dresden Kunst studiert.
Also Bildhauerei habe ich angefangen, Freie Kunst ist dann mein Diplom. Habe 2005 Diplom gemacht, genau, war da natürlich oft auch immer wieder in Paitzdorf und wie gesagt, also vielleicht, nee, das habe ich noch nicht gesagt, also Paitzdorf waren halt immer so zwei schwarze Spitzkegelhalten am Ortseingang und wenn man die gesehen hat, von der Autobahn A4 aus, wo ich nicht weiß, ob das damals auch schon A4 hieß, egal, dann wusste ich schon so, ah ja, okay, jetzt sind wir da, so wenn wir mit dem Auto gefahren sind, mit dem Zug ist es natürlich noch mal was anderes, so, aber diese Spitzkegelhalden, die standen halt immer am Ortseingang und dann war noch eine Halde vor Paitzdorf und meine Mutter hat dann noch immer erzählt, welche Halde das ist. Das war immer so, wenn wir da hingefahren sind. Und für mich war das ganz normal. In Paitzdorf sind halt diese Halden und da darf man hinterm Friedhof nicht weitergehen,
also tatsächlich wirklich 50 Meter. Dann war da sozusagen Schluss. Und ich habe mich auch nie getraut, dort hinzugehen, auch nach der Wende nie, also als es irgendwie dann nicht mehr so gefährlich war. Also man muss sagen, zu Wismut-Zeiten, ist zumindest die Erzählung, dass du das wirklich nicht fotografieren durftest. Wenn da Leute fotografiert haben, haben sie die halt tatsächlich mitgenommen, wenn sie es mitgekriegt haben. Also in irgendwelche Verhörräume, weiß ich nicht was. Und das hat sich halt noch eine ganze Weile gehalten. Bis dann 2006, ich wusste, dass ich mein Diplom schon hatte. Bis dann, ich glaube das, oder war das doch 2004? Naja, jedenfalls sozusagen in dieser Zeit, als ich mein Diplom gemacht habe, tauchten
dann diese Bagger auf, diese riesen Kipper, und sie haben eine Straße neben einer Straße gebaut, wo der Bus wirklich wie so ein Spielzeug aussah. Und haben dann diese Halden angefangen abzutragen, also in die neue Landschaft zu fahren. Und da habe ich das zum ersten Mal überhaupt als Thema erkannt. So, davor war das irgendwie nichts. Es war halt da. So. Wie, sozusagen, wie... Ja, ist halt so in Paitzdorf. Und als dann diese Kipper da waren, hab ich gedacht, ach guck, doch irgendwas ist da, irgendwie einfach aufgrund dieser Größe. Diese Größe der Geräte, dass da extra eine Straße gebaut wird. Und da habe ich angefangen, mich dann damit zu beschäftigen. Und hab’ halt erst angefangen, das zu zeichnen, in Gedächtniszeichnungen. Das heißt, ich hab mich dann zu Hause hingesetzt und hab aus dem Kopf gezeichnet, eine Ausstellung zum Beispiel in Remscheid gemacht. Da
gab es so einen Preis, eine Bergische Kunstausstellung, hieß das oder heißt das, auch nach wie vor. Da war ich mit ausgewählt und habe Zeichnungen gezeigt. Dann haben sich die Besucherinnen und Besucher das angeguckt und gesagt: “Ah ja, das ist die ehemalige Grenze!” Und ich so: Ne, nicht, das ist nicht die ehemalige Grenze. Das ist ein Wismutgebiet und da wussten die halt gar nichts darüber. Da habe ich gemerkt, aha, okay. Naja, man muss halt ganz viel erklären in dieser Ausstellung. Und dann habe ich gemerkt, ah okay, es reicht nicht, das abzubilden, also sozusagen die reine Zeichnung ist nicht genug. Dann war die nächste Ausstellung, ich habe dann mit dem Thema einfach weitergemacht. Die nächste Ausstellung war dann in Hamburg und da hatte ich dann schon so ganz viel Informationen gesammelt und hatte die ausgedruckt. Dann hatte ich wieder meine Zeichnung und diese
ganzen Informationen, die ich da gesammelt hatte und stand dann da. Und das sozusagen ist ja immer so eine Debatte, stellt man Text aus in der Ausstellung und wenn ja, wie? Wird es nochmal transformiert? Naja, auf jeden Fall habe ich meine ganzen Texte nochmal mitgenommen, habe sie dann noch nicht gezeigt. Bei der nächsten Ausstellung in Graz habe ich das dann angefangen zu kombinieren und habe so eine Installation gemacht, wo sozusagen Text und Zeichnung gemischt waren. Und das war dann auch sozusagen mein Weg zur künstlerischen Forschung über dieses Thema, weil ich gemerkt habe, für mich,
für mein Verständnis reicht es einfach nicht aus, da einfach nur Bilder zu produzieren. Also egal, ob das jetzt dreidimensionale Bilder sind oder zweidimensionale Bilder. Ich habe gemerkt, es braucht mehr Information. Das Thema braucht für mich mehr Einordnung,
mehr Kontext einfach. Und deswegen, so bin ich dazu, zur künstlerischen Forschung, zu diesem PhD gekommen, eigentlich, weil ich dann da irgendwie dran geblieben bin. Weil natürlich war ich auch selber überrascht, dass mir das nie aufgefallen ist. Wir haben im, also, in Dresden kam 2003 eine neue Leiterin vom Kunsthaus Dresden, Christiane Mennecke. Christiane Mennecke-Schwarz jetzt, die haben immer so ganz gesellschaftspolitische Themen gemacht. Da habe ich das für mich auch so entdeckt. Da haben wir immer diese gesellschaftspolitischen Themen gesucht und bearbeitet. Da dachte ich, krass, ich habe es gar nicht gemerkt, dass eins von diesen Riesenthemen eigentlich immer vor der Haustür quasi lag. Wie ich dazu gekommen bin, das künstlerisch zu bearbeiten und natürlich auch weil Strahlung,
also das ist ja sozusagen ein großes Themenfeld in dem Bereich, ist ja unsichtbar und das ist auch so ein Thema, was mich künstlerisch beschäftigt, unsichtbare Entitäten. Naja, wie gesagt, in der ersten Phase, wo ich nur die Zeichnung hatte, war es eben so, die Leute haben geguckt und wenn sie dann gefragt haben, habe ich es erklärt und sie haben halt geguckt. Und als dann mehr Informationen dazu kamen, gab es auch mehr Interesse daran und auch noch mehr Informationsbedürfnis.
Das Ding ist, gerade in Graz, wo ich das dann wirklich so installiert hatte mit den ganzen Texten, das war halt auch noch, da gab es noch eine Schicht darüber und zwar hatten wir diese Ausstellung in Graz 2011. Wir
hatten so zu Ende 2010 ausgemacht, dass ich mich da im Kunstraum esc, Reni Hofmüller hatte mich eingeladen und mit meinem Wismut-Thema, mit meinem Uran-Bergbau-Thema. Und das war damals absolut Nische, das war sozusagen historisch, das war eigentlich alles erledigt. Und ich habe mich total gefreut, dass sie sich dafür interessiert, sozusagen als Raum, der sich auch mit Landschaft und Technik und Gesellschaft, das muss man dazu sagen, das war das Interesse.
Dann war ich im März 2011 zum ersten Vorgespräch, also sozusagen zum Angucken des Raumes und zur Besprechung in Graz. Und ja, informiertes Publikum weiß, was das heißt: Ich war halt sozusagen mitten, als ich diesen Raum angeguckt habe, ist Fukushima passiert. Und wir saßen da zusammen. Und dieses Thema, was vorher ein Nischenthema, ein historisches Thema war, war sozusagen auf der Agenda. Es war sozusagen, ohne dass ich sozusagen an meiner Arbeit was getan hätte, hat dieser Unfall oder wie man es jetzt nennen möchte, aber hat halt das Thema - es hat nochmal wieder eine ganz neue Aktualität bekommen.
Das war sozusagen nochmal 2022 war das wieder so ein Moment, wenn man sich mit der nuklearen Kette beschäftigt. Das war vorher auch so, dass ich mit Bo Jacobs, da hatten wir noch im Dezember 2021 ein Gespräch über das Erbe, sozusagen über “from the ground into the ground”, also sozusagen vom Uranbergbau bis zum Endlager, die ganze nukleare Kette, da haben wir uns noch bemüht darzustellen, warum Uran mehr ist als nur eine giftige Substanz, wie alle anderen giftigen Substanzen. Und
wir haben alle, die sich damit befasst hatten, denen war klar, das bleibt auch ein Risiko mit den ganzen Atomwaffen. Das war damals ziemlich abseitig, das so zu formulieren.
Und dann, drei Monate später, die russische Invasion in die Ukraine und sozusagen die Angriffe auf Saporischschja. Es war klar, wo wir gesagt haben, ja, das war genau der Punkt.
Ein Atomkraftwerk kann halt zur Waffe werden, klar. Und irgendwie, dann sozusagen irgendwie, dass das russische Militär, kann man ja schon fast sagen, dann immer wieder mit Atomwaffen droht.
Auch da konnte man nur sagen, ja genau, das haben wir gesagt, das Zeug ist immer noch in der Welt und es kann uns jederzeit wieder zur Bedrohung werden. Und das ist noch überhaupt nicht geklärt, wer darüber verfügt und mit welchen Absichten.
Das ist kein Erbe wie jedes andere. Aber ja, da bin ich sozusagen schon wieder da drüber dort gelandet.
Du hast mich ja gefragt, nach der Reaktion! Ich habe zum Beispiel, also nach Fukushima, ich wollte gerne von Anfang an einen Geigerzähler in der Ausstellung in Graz haben.
Ich hatte mir das so angeguckt und hatte halt keine Ahnung von Geigerzählern und habe das erst mal immer so abgelegt, habe es mir immer wieder angeguckt und habe gedacht, was kaufe ich denn für einen Geigerzähler? Weiß ich nie. Und dann kam Fukushima und alle Geigerzähler waren ausverkauft.
Und waren übrigens doppelt so teuer wie vorher. Und dann habe ich halt doch so einen Geigerzähler gekauft, obwohl er dann viel teurer war.
Aber vorher wusste ich nicht: Kaufe ich einen alten NVA-Geigerzähler, kaufe ich einen alten Bundeswehr-Geigerzähler, kaufe ich einen ganz billigen Geigerzähler? Und dann hatte ich diesen Geigerzähler gekauft.
Und eine Reaktion, die ich gerne erzählen würde, ist halt, dass sich die Leute, wenn es den Geigerzähler in der Ausstellung gibt, messen sich ganz viele Leute mit diesem Geigerzähler. Das habe ich auch in meiner Arbeit nochmal aufgegriffen.
Also es gibt schon diese Idee der Kontamination. Ich habe mich auch gemessen.
Ich war dann auch erschrocken, so, ah! Jetzt ist es hochgegangen, ich bin hier verstrahlt, mit diesem Hintergrund.
Das passiert eigentlich total vielen. Wahrscheinlich Leute, die jetzt nie gerade schon Physik studiert haben oder irgendwie so.
Die beschäftigt das und vielleicht die, die Physik studieren, beschäftigt es eigentlich auch. Die sagen es nur nicht, ich weiß es nicht.
Aber das ist zum Beispiel so eine Reaktion, sich messen, mit einem Geigerzähler. Und sonst ist es halt so, es kommt ganz darauf an, welchen Hintergrund eine Person mitbringt.
Das ist ja auch das Interessante an der Kunst, dass sozusagen - du machst so ein Angebot, da steckt ganz viel drin. Und jemand, der sich noch nie damit beschäftigt hat, der geht halt vielleicht eben auf so Basics ein. Und
eine Person, die schon mehr Erfahrung hat, sieht dann eben dieses und jenes Angebot in einem Video, in einem Objekt, in einem Bild oder so und geht dann darauf ein. Also auch in Bonn zum Beispiel, da hat jemand dann auch so eine ganz spezielle Frage gestellt.
Was war denn das? Zum Beispiel zu dem Uranglas, das dann damit dabei ist, das erkennt jemand, der sich damit nie beschäftigt hat, gar nicht, dass das Uranglas ist.
Aber jemand, der damit sich schon auskennt, der sieht, ah, das ist Uranglas.
Ganz unterschiedlich. Und deswegen finde ich das eigentlich auch schön, so Installationen zu machen, wo so verschiedene Angebote drin sind. Kommunikationsangebote, Denkanstöße.
Das finde ich eigentlich auch als den Vorteil, das künstlerisch zu bearbeiten, ohne dass ich damit sagen würde, ich brauche jetzt nur noch Kunst, um mich damit zu beschäftigen, das will ich natürlich nicht sagen. Also als ich dann mit meiner Promotion 2013 angefangen habe, habe ich mich als ein totales Alien noch gefühlt.
Da kannte ich niemanden, der sich irgendwie damit wirklich noch befasst. Seitdem ist die Beschäftigung, glaube ich, aber objektiv auch mehr geworden, damit.
Also das hat wirklich zugenommen. Aber ich habe natürlich auch sozusagen durch dieses, muss man ja auch sagen, teilweise schon wirklich Privileg, sich damit befassen zu können.
Ich hatte dann zum Teil eben auch ein Promotionsstipendium, was auch wirklich wichtig war, um das hinzubekommen, die Promotion vom Land Thüringen. Da habe ich dann wirklich auch die Möglichkeit gehabt, mich zu vernetzen.
Ich finde es generell, also bin ich ja auch im Berufsverband, im Landesverband und finde es total wichtig und da war es wirklich essentiell. Also ich habe dann da auch weiter geguckt, immer wieder.
Das ist halt einfach eine jahrelange Arbeit, sozusagen. Man lernt immer noch mal jemanden kennen, wo du denkst, jetzt kenne ich alle.
Also es ist aber gar nicht so. Und zum Beispiel ist es so, dass ich dann… Doch, ich erzähl das mal.
Ich find's eigentlich cool. Ich war in Litauen, da hatte ich ein Aufenthaltsstipendium.
Und da waren zwei rumänische, also eine Künstlerin und ein Künstler, die hatten da parallel das Techno-Ecologies-Stipendium an der Nida Art Colony, an der Kurischen Nehrung. Und die Künstlerin hat mir dann weitergeschickt, dass sie für einen Künstler in Finnland ein Booklet gemacht hat.
Die hatten einen Geigerzähler gebaut. Das war dann Erich Berger und Martin Haus.
Und sie hat mir das weitergeschickt so, ach guck mal, du interessierst dich doch dafür. Ich schick dir das mal. Wir haben dieses Booklet gemacht.
Ich glaube, das ist ganz cool. Die sind nett, nimm doch vielleicht mit denen Verbindung auf.
Als Nächstes, als ich in Finnland war, hab ich dann *** tatsächlich kontaktiert. Wir haben uns getroffen und mal geredet. Der
hat dann wieder gesagt, nimm doch Kontakt zu *** auf.
Ich hatte dann schon gemerkt, 2016 hatte sich dann so eine Gruppe gegründet am Goldsmiths College
und *** hat so eine Nuclear Culture Research Group etabliert,
mit einer Ausstellung, aber hat auch mit ihrer Position daran gearbeitet, also da sozusagen eine Publikation hat sie gemacht, eine Ausstellung, und eben immer wieder die Nuclear Roundtables. Ich hatte ihr schon mal geschrieben und irgendwie ist es wahrscheinlich versandet, aber dann hatte ich ihr nochmal geschrieben und die hatte nochmal Kontakt aufgenommen.
Und dann bin ich halt einfach 2017 oder 2018, ich weiß es nicht mehr, nach Malmö gefahren, wo die den nächsten Nuclear Roundtable hatten und habe mich da vernetzt. Und dann war ich das nächste Mal in London, zu dem wurde ich dann eingeladen zum Nuclear Roundtable.
Und das war natürlich wirklich so ein ganz toller Moment, wo so ganz viele Künstlerinnen und Künstler, Menschen mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund, mit kulturwissenschaftlichem Hintergrund, mit sozialwissenschaftlichem Hintergrund zusammengekommen sind, denen man eben nicht alles nochmal von ganz Grund auf erklären musste, sondern wo du wirklich einsteigen konntest. Und das ist natürlich eine andere Diskussion.
Und es ist auch eine andere Diskussion, ob du mit jemandem, der so einen Kulturhintergrund, sag ich jetzt mal so, hast, darüber diskutierst, oder ob du zum Beispiel mit den IngenieurInnen darüber sprichst. Ich war auch von Anfang an auch bei den Wismut-Symposien mit dabei.
2011 habe ich mich noch eingeschlichen, bin ich da einfach zur Exkursion hin, bin da mitgelaufen, hat ja niemanden gestört. Bei der nächsten war ich dann schon sozusagen offiziell angemeldet. Genau.
Und natürlich beim Umweltkreis habe ich dann auch sozusagen parallel, mit meiner Promotion, habe ich eigentlich parallel den Umweltkreis kontaktiert und die Wismut sozusagen. Da aber trotzdem ist es ein ganz anderes Sprechen. Es ist so ein komplexes Feld.
Es hat einen großen naturwissenschaftlichen Anteil und ingenieurswissenschaftlichen Anteil, der wird sehr betont.
Aber zum Beispiel dieser ganze kulturelle Anteil, das ist erst so. Naja, ist erst so am Anfang bearbeitet zu werden, glaube ich jedenfalls. Total.
Ja, ja, ich glaube tatsächlich, es macht einen großen Unterschied, ja. Gleichzeitig ist aber da eben so, diese Kulturarbeit vereint einen dann eben auch. Das heißt, das schafft dann wieder eine Basis.
Klar, zum Beispiel ***, die ist in Osirsk geboren, also in dieser geschlossenen russischen Stadt, da in Sibirien. Und die lebt jetzt aber zum Beispiel auch in Großbritannien.
Und natürlich, also wir hatten schon auch so einen Moment, dass wir so gemerkt haben, ah okay, dass diese postsozialistische oder die sozialistische Erfahrung vereint, hat mich schon ein bisschen vereint sozusagen auch mit den Leuten aus Weißrussland und eben aus Russland und vielleicht auch zum Teil aus Estland, weil es da schon einen ganzen Anteil von ähnlichen Erfahrungen gibt, auch sozusagen wie Schule war, zum Beispiel. Das ist schon ganz anders sozusagen. Da gibt es schon einen ganzen Teil Erfahrungen, die so ganz anders sind.
Aber zum Beispiel bei ***, die hat so einen Hintergrund, dass ihre Eltern in der Anti-AKW-Bewegung waren, in Großbritannien,
und sie da natürlich einen anderen Hintergrund hat.
Ich glaube schon, dass dieses Arbeiten an zeitgenössischer Kunst und Kultur eine größere Basis sogar ist, falls das irgendwie Sinn macht. Aber es ist schon ein Unterschied. Oder dann sind wieder die Leute aus Australien, wo der eine Künstler zum Beispiel, dessen Opa hat irgendwie an diesen Atomtests mitgewirkt. Das ist wieder ein anderer Hintergrund. Ich war aber nicht in der Nuclear Culture Research Group,
sondern bei einem anderen, über den Umweltkreis wieder. Da habe ich auch eine Aktivistin getroffen von No Nukes. Und du findest dann halt wiederwas , wo es dann darum geht,
also die sind halt auch aus Uran-Bergbaugebieten, aber natürlich ist die, muss man ja ganz ehrlich sagen, ganz schlecht saniert bis nicht saniert. Und natürlich ist die Geschichte der Wismut eine andere als zum Beispiel die in den USA, weil die Bergarbeiter in der Wismut oder die Wismut-Leute wurden ja viel besser bezahlt als die, sozusagen der Großteil, auch weil, war ja ein großer Teil indigener Bevölkerung. Also sozusagen, es gibt immer wieder Schnittstellen und Ähnlichkeiten und Unterschiede. Das ist so in dem Feld. Aber ich habe irgendwie den Eindruck, dass sozusagen dieses Gesellschaftliche und dieses Thema dann irgendwie verbindet. Und ich kenne im Übrigen mehr Leute, die sich für diese nukleare Kette interessieren, als zum Beispiel für Bergbau. Ich kenne nicht so viele bergbauinteressierte
KünstlerInnen. Ich wüsste nicht, dass es eine Bergbaugruppe gibt.
Vielleicht treffe ich die ja noch. Vielleicht gibt es die.
Ich glaube tatsächlich, das, was zugenommen hat, ist künstlerisch. Das, wo es eher ein bisschen schwierig ist, ist auf der aktivistischen Seite.
Da habe ich schon mitbekommen, dass die Initiativen also, dass die sozusagen kaum Nachlauf an jungen Menschen haben, was auch wirklich ein Thema ist, zumal diese Initiativen ja auch wirklich ein großes Wissen in sich tragen, zum Teil auch Archive. Also ich war zum Beispiel, hatte ich ein anderes Stipendium, Aber ich habe auch noch eine Initiative in Aarhus besucht und habe deren Archiv gesehen und habe gedacht, wow, das müsste man eigentlich unbedingt irgendwie sortieren und das muss irgendwie eigentlich auch erhalten werden. Und natürlich wäre es gut, da auch Interviews zu machen zum Beispiel.
Also das, wo ich meine, es gewinnt an Relevanz, ist eigentlich eher sozusagen dieses künstlerische, geisteswissenschaftliche, sozialwissenschaftliche Feld, dass da Leute darauf aufmerksam geworden sind und das als Thema für sich erkennen. Ich wollte noch mal sagen, weil du mich gerade gefragt hast, wie soll man sich dem Thema nähern.
Ich hätte jetzt keine Handlungsanweisung, könnte ich jetzt nicht formulieren, aber ich glaube, mehrere Dinge sind gut im Blick zu behalten. Zum einen, es gibt halt viel lokales Wissen, das auch vielschichtig ist. Es
besteht immateriell in der lokalen Bevölkerung. Das ist durchaus ganz unterschiedlich.
Ich glaube, dass es da noch einiges an Forschungsbedarf gibt. Ich würde mir wünschen, dass unabhängig von diesem lokalen Wissen auch ein bisschen deutlichere, einfache, zugreifbare Information auch wirklich vor Ort wäre.
Die, finde ich, ist zum Teil, zu wenig oder zu einseitig oder zu heimatkundlich. Also wenn da irgendwas ist, sind das irgendwie so Tafeln, wo irgendwie vielleicht ein Maulwurf drauf ist und hier habe ich gegraben und sowas steht dann da.
Aber ich finde, wenn ich mir was wünschen könnte, dann würde ich mir wünschen, dass es ein System der Kennzeichnung zum Beispiel gäbe, ganz schlicht und ergreifend für diese ganzen Halden.
Ich bin ja auch zu dem Thema gekommen, weil ich im Ronneburger Forst Pilze sammeln war. Und mein Partner hatte dann irgendwann da keinen Bock mehr drauf, weil wir nie wussten: Ist das cool, da Pilze zu sammeln oder nicht?! Und du kriegst dazu keine gute Auskunft.
Du weißt jetzt nie, stand da jetzt was oder nicht. Da gibt es auch so eine Passage in meiner Arbeit, wo ich dann doch eben was gefunden habe, wo es erhöhte Strahlungswerte gab, wo ich sagen würde, ja, ich weiß nicht, ob das jetzt ein Problem wäre, den Pilz zu essen oder nicht, aber ich bin froh, dass ich jetzt die Informationen dank meines Geigerzählers hatte und meine Recherche, weil auf Basis dieser Daten, muss ich sagen, entscheide ich mich, die Pilze nicht zu essen.
Und diese Informations-, diese freie Entscheidung, die finde ich wichtig. Also sozusagen, wenn sich jemand entscheidet, dann den Pilz zu essen, obwohl da sozusagen zwei Mikrosievert pro Stunde sind, dann bitte gern, aber sozusagen ein Problem finde ich es dann, wenn die Information gar nicht da ist. Und das finde ich irgendwie, da finde ich, ist ein bisschen wenig passiert, um diese Information zugänglich zu machen.
Und sei es mit einer Website und sei es vor Ort. Klar, so ein einfaches Informationssystem, das würde ich mir wünschen. Ganz konkret, da bin ich jetzt wieder bei der Landschaft. Also
sozusagen als Regionalgeschichte, auch da gibt es super viel Forschungsbedarf, noch.
Auch psychosoziale Forschung habe ich in meiner Arbeit geschrieben sozusagen. Was hat es mit den Menschen vor Ort gemacht? Was hat es natürlich mit den Bergleuten gemacht, klar, aber was hat es auch mit den Leuten, die da leben, gemacht. Und das ist kaum aufgearbeitet.
Also wenn es Zeitzeug in Forschung gibt, dann sind das meistens die, die in der Wismut gearbeitet haben. Aber ich meine, da sind einfach viel mehr Leute davon betroffen, von diesem Thema. Also ich finde, es ist zu kurz gesprungen zu sagen, das muss die lokale Bevölkerung machen, diese Erinnerungsarbeit. Und zwar diese unterschiedliche Erinnerungsarbeit.
Es gibt nie die eine Erinnerung an die Wismut. Es gibt ganz viele. Ganz, ganz viele unterschiedliche. Und selbst in den Wismut-Beschäftigten gibt es ganz viele unterschiedliche Erinnerungen. Und das sage ich, weil ich zum Teil auch Leute interviewt habe, die das auch zum Teil bereut haben.
Das sagen die sozusagen in einem geschützten Raum und weil ich deren Geschichten kenne, weil ich weiß, da ist der Sohn gestorben und zwar ziemlich blöd gestorben, durch seine Arbeit bei der Wismut.
Natürlich hinterfragt das der Vater, seine Beschäftigung bei der Wismut, dessen Beschäftigung bei der Wismut. Das ändert sich natürlich noch einmal die Bewertung. Und da will man sich vielleicht eben nie hinstellen und will das einem großen Publikum erzählen, weil das dann auch persönliche Geschichten sind. Oder Leute, die zum Beispiel ihre Landwirtschaft dann aufgeben mussten. Oder die, die wegziehen mussten. Oder wenn dann jemand irgendwie... Ja, also da gibt es so viel Geschichten, die damit verbunden sind.
Diese ganze nukleare Kette ist halt schon ein großes
Menschenthema. Das ist sozusagen, so ein bisschen, irgendwie wird einem da ja auch immer unterstellt, sozusagen Panikmache zu betreiben. Aber wir haben uns da schon, die Apokalypse sozusagen, so ein bisschen näher geholt, also machbarer. Und ich glaube schon, dass das sozusagen auch unbewusst in uns fortlebt. Und wie eben die Geschichte jetzt zeigt, seit 2022,
das kann noch mal aktueller werden, als uns allen lieb ist. Und das ist längst nicht gegessen. Und ich glaube, dass sich auch in diesem Uranbergbau, es ist halt einfach der erste Schritt, Und diese Gespenstergeschichten, die ich da gefunden habe, die sind für mich - also ich darf ja als Künstlerin auch magisch denken - diese Gespenstergeschichten sind sozusagen für mich, die gehören zu diesem ganzen Geflecht dazu, sozusagen die Warnung vor dem Unheil. Und manchmal komme ich mir so, ich versuche ja auch immer zu moderieren und natürlich habe ich auch Verständnis sozusagen für die Lebensgeschichte der Leute, die in der Wismut waren. Trotzdem ist es für mich unheilvoll.
Das habe ich ja auch bei dem ersten Gespräch gesagt,
dass das mir nach wie vor lieber gewesen wäre, das hätte sozusagen in seiner Gespenster- Welt, wäre das da unten geblieben. Ich würde fast mal versuchen, ob meine Konzentration reicht, diese eine von den Geschichten wiederzugeben: Ein paar Lichtenberger waren zur Jagd im Ronneburger Forst.
Zwischendurch überrascht sie die wilde Jagd und eine Stimme fragt, ob alles Wild erlegt sei. Es fehlt nur noch ein dreibeiniger Dachs”, antwortet eine andere.
Die Jäger eilen nach Hause und verstecken sich unter einem Busch und als sie im Laufen ihren Sack ausleeren, fällt daraus wirklich ein Dachs mit nur drei Beinen. Die wilde Jagd” ist das Heer der Versehrten und zu früh Verstorbenen.
Das finde ich auch schon als Konzept interessant.
Es gibt in diesem “wilden Heer” keine in ihrer Zeit Verstorbenen. Es sind keine alten Menschen dabei, sondern junge Menschen und Leute, die im Krieg umgekommen sind. Und die ziehen eben zu bestimmten Zeiten durch die Lüfte und heulen und sind mit entweder dem wilden Jäger unterwegs oder mit der Frau Holle.
Das ist jetzt sozusagen kulturgeschichtlich, ist das sozusagen, kann man da forschen. Und die Frau Holle ist ja sozusagen so eine Art doppelgesichtiger Geist, also die ist sozusagen die, die Leben schenkt, sozusagen die Störche holen für sie aus dem Teich die Seelen der ungeborenen Kinder. Da ist sie sozusagen die, die Leben ermöglicht und sie ist aber eben auch die, die Leben nimmt. Also
da gibt es auch einige ganz gruselige Geschichten über die Frau Holle, wie sie da sozusagen auch als furchtbarer Geist auftritt. Und genau, und also dieses “wilde Heer” zieht da eben rum und dann sind da die dreibeinigen Tiere und die dreibeinigen Tiere, die sind eben dort, wo auch zum Teil dann später Uranbergbau, Tagebau auch tatsächlich stattgefunden hat, also wenige Meter unter dem Boden.
Jetzt meine ich nicht, dass so tatsächlich gehäuft dreibeinige Tiere aufgetreten sind. Ich meine, dass ist einfach ein Zeichen, ein Hinweisen, eine Form, sozusagen eine mythische Form zu erzählen, zu transportieren, dass diese Gebiete besonders sind, eine besondere Aufmerksamkeit erfordern und sozusagen was Numinoses, so wird es ja dann genannt, also sozusagen was Göttliches, was Besonderes haben.
Und da finde ich eben diese dreibeinige Tiere ein sehr sprechendes Bild, wie Blinky, der Ddreiäugige Fisch und so weiter. Da ist eben was Gruseliges, was Versehrtes. Es
ist ein Bild von was, was vielleicht die Ordnung bedroht. Dreibeinig, da gibt es keine Symmetrie. Symmetrie ist Leben und Gesundheit und so weiter.
Das ist die Geschichte mit den dreibeinigen Tieren. Die sind da quasi Marker und ich arbeite mit denen, mit den dreibeinigen Tieren.
Ja, und vielleicht kann ich noch sagen, ich habe tatsächlich auch in der Arbeit versucht nachzuweisen, dass es möglich ist, anhand der Pflanzen in dem Fall, auch ohne Geigerzähler eine Strahlung zu beobachten. Besonders eine niederradioaktive Strahlung. Also sozusagen, dass es jetzt nie irgendwie, ich meine, ich habe jetzt nie gesagt, dass man das irgendwie übersinnlich erspüren kann, sondern, ich denke schon, dass man durch genaue Beobachtung der Umwelt rausfinden kann, dass da irgendwas speziell ist mit einem Ort, wo sozusagen Uran relativ nah an der Oberfläche liegt.
Da bin ich sozusagen ganz unesoterisch davon überzeugt, dass Leute, die mehr Umweltbeobachtung haben als wir, also sozusagen in vergangenen Generationen, und die da auch lange leben, also eine lange Beobachtungszeit haben, durchaus eine Chance hatten, festzustellen, dass da was Besonderes ist mit diesen Gebieten. Ja, ich finde, dass es wichtig ist, wenn sich jemand damit künstlerisch befasst, ist es schon wichtig, sich zu informieren.
Ich glaube, dass es schwierig ist, da einfach ganz naiv zu arbeiten.
Ich glaube, dafür ist die Verantwortung zu groß. Dafür ist die politische Sprengkraft zu groß. Und das wäre schon wichtig, dass die Personen, die sich damit beschäftigen, wirklich auch das Feld einigermaßen überblicken.
Das wäre schon wirklich hilfreich. So ist mir natürlich bewusst, dass das auch nie ein Ende hat.
Man kann jetzt nicht sagen, wenn man das und das gemacht hat und das und das verstanden hat, dann ist es gut.
Von daher ist eben die Frage, ab wann ist es genug. Aber ich würde mir wünschen, dass die, die sich damit befassen, wirklich sozusagen auch die Implikation verstehen. Also sozusagen, was das dann eben auch triggert, eben bestimmte Symbole zum Beispiel zu verwenden.
Also die Symbole sind ja sehr reichhaltig, die man da so verwenden kann. Oder zum Beispiel, was es bedeutet, für Leute, in dieser Umgebung zu leben. Dass man die eben nie nur darauf reduziert, dass die in einer strahlenverseuchten Umgebung leben, weil das vielleicht auch gar nicht so ist.
Also natürlich ist die Strahlung erhöht. Aber es ist jetzt nicht verseucht.
Vielleicht war es vor der Sanierung tatsächlich verseucht und vielleicht, schon so eine Wortwahl, zum Beispiel. Davon würde ich abraten, sozusagen von so starken, von populistischen Begriffen, von populistischer Bearbeitung.
Das würde ich mir wünschen. Ich war zum Teil auch bei so Workshops von aktivistischen Organisationen und ich weiß, dass die damit arbeiten.
Ich finde das nicht gut. Ich glaube, das hilft nicht weiter.
Ich glaube, dass sozusagen die Differenz zu groß wird zwischen dem Schreckensbild, was da gezeichnet wird und den... also ich rede jetzt über Uranbergbau, in Deutschland, muss ich jetzt mal so eingrenzend sagen.
Das kann nochmal unterschiedlich sein, zum Beispiel in anderen Punkten der nuklearen Kette. Aber ich rede jetzt von Uranbergbau in Deutschland.
Und da kann sozusagen die Spanne zwischen dem Schreckensszenario und dem Vorgefundenen einfach viel zu groß werden. Es ist da ganz viel von Mittelgrau bis Grau in diesem Bereich.
Das ist nicht schwarz und weiß. Da ist eben viel Abwägung auch gefragt.
Und ich glaube aber, dass natürlich, das Thema ist
angstbesetzt, weil viel Nichtwissen auch darüber besteht. Ich glaube, es wäre wünschenswert, dass sich in der Gesellschaft mehr Leute auch damit befassen, sozusagen mit dem Ganzen, Strahlengrenzwerte,
Herkunft, Strahlenarten,
das wäre wahrscheinlich schon wichtig, das zu kapieren, sich ein Grundwissen anzueignen. Wenn wir diese Technologie, und das geht ja jetzt auf deine Frage, wenn wir diese Technologien nun mal haben, daran ist ja nichts mehr zu rütteln, müssen wir uns damit auch befassen, so wie auch andere Technologien nicht mehr wünschen würde, dass die nicht einfach nur benutzt werden, sondern auch so ein bisschen verstanden werden.
Also auch zum Beispiel eben, was weiß ich, künstliche Intelligenz oder statistisches Lernen oder wie man es jetzt auch immer nennt. Das betrifft noch mehr Technologien, aber sozusagen, wenn die in unserer Kultur so verankert sind, wäre das schon hilfreich. Also wenn dann Basiswissen darüber besteht, dass die Leute das dann auch besser einordnen können.
Weil die zum Teil auch... Also ich bin auch dann gefragt worden, wenn ich Äpfel mit hatte, zum Beispiel, kann ich die jetzt essen?
Und du denkst: Ich glaube schon! Ich glaube schon, dass du, irgendwie 30 Jahre nach Ende des Uranbergbaus, die Äpfel aus meinem Garten essen kannst. Sag
ich jetzt mal ja. So diese Angst besteht und dann hast du irgendwie Person X, die im Haldensickerwasser Karpfen züchtet.
Ja, das müsste jetzt auch nicht sein. Und da wissen wir eben auch nie, werden die weiterverteilt?
Also so groß ist ja die Spanne im Umgang mit dieser Landschaft. Und mit den, sozusagen, die Frage nach der Identität der Region, also ja, die Leute haben halt, auf der anderen Seite ist es, glaube ich, schon so, dass es in die regionale Identität eingeflossen ist.
Jetzt in Ostthüringen rede ich ja drüber, über die Landschaft. Es wird schon auch als schwierig empfunden.
Gleichzeitig, denke ich, ist das Thema auch so ein bisschen erledigt für viele auf eine Art und Weise. Obwohl es eigentlich nach meiner Auffassung nicht erledigt ist.
Ja, und ich glaube irgendwie, also die Leute haben auch Angst vor Wertverlust natürlich,
gerade dadurch, dass es ein ländlicher Raum ist. Und wenn man da irgendwie zum Beispiel besagt, die Radon-Werte sind eigentlich nicht so super, haben natürlich die Leute unter Umständen vor Ort jetzt auch nicht so ein großes Interesse, das publik zu machen, weil natürlich, das einen Wertverlust beinhaltet.
Da sind sie jetzt vielleicht nicht unbedingt, also, sollte man die Leute nicht nur alleine entscheiden lassen, sozusagen, ob das kommuniziert wird oder nicht. Man kann jetzt nicht sagen, nur die Regionalen vor Ort sind die Profis und sollten darüber entscheiden, weder, sozusagen, nur Leute von außen. Da
Nein, es ist halt auch wieder eigentlich, wäre mehr Demokratie, auch da, wünschenswert. Einfach, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Aber klar, alle Leute haben immer viel zu tun und immer noch was anderes. Aber eigentlich bedarf das schon einer Beschäftigung. Das passiert nicht von alleine.
Das müsste moderiert werden. Da müsste es vielleicht auch Programme geben.
Die Kommunen müssten viel mehr unterstützt werden. Natürlich können das die ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister nicht alleine machen.
Und ich weiß, dass die zum Teil nach Unterstützung gefragt haben, für auch viel Basic-Sachen. Wenn die zum Beispiel entscheiden müssen, was ist irgendwie dieser und jener Wasserablauf? Kann man den so machen oder nicht?
Da haben die keine Unterstützung dafür.
Das ist natürlich Mist. Da müsste es einfach auch mehr... also für solche Regionen müsste es dann auch tatsächlich wirklich mehr allgemeine gesellschaftliche Unterstützung geben, um die gut zu verwalten.
Ich glaube, das ist keine gute Idee, die Leute da so ganz alleine zu lassen. Also, ich glaube, das ist eine gute Idee, so hybrid unterwegs zu sein und sozusagen sich immer wieder die verschiedenen Perspektiven zu holen.
Zumindest für mich persönlich, empfinde ich das als eine gute Idee. Also, wie soll man das sagen?
Ich will mich da auch gar nicht so zuordnen. Das ist ja irgendwie so eine Antipode. Stadt und Land ist irgendwie so eine Antipode geworden.
Ich will mich da gar nicht so zuordnen. Ich denke schon, dass ich eher als urban wahrgenommen werde. Das ist, glaube ich, schon deswegen, weil ich kein Auto habe und wundersamerweise da trotzdem wohnen kann.
Das hat auch ein paar Jahre gedauert. Ich habe da ja zum Teil auch nur dort gewohnt.
Da haben sich die Leute schon auch sehr gewundert, dass ich da überhaupt überlebt habe. Aber jetzt haben sie es angenommen.
Es ist klar, man kann da auch trotzdem ohne Auto sein. Das ist zum Beispiel so ein Marker.
Ich glaube schon, dass es hilfreich ist, um zu verstehen, da vor Ort zu leben. Und das wirklich auch mitzukriegen, ist, glaube ich, hilfreich, um manche Sachen, manche Probleme auch zu verstehen.
Ich weiß nicht, ob ich die ganz immer so nachvollziehen kann.
Für mich hat sich das Territorium auch erweitert, seitdem ich in Leipzig wohne. Ich denke das auch viel mehr zusammen. Das empfinde ich eigentlich auch als positiv.
Also diese ganze Region da, Uranbergbaugebiet, geht ja fast bis Altenburg, oder geht bis Altenburg, dort sind auch noch ein paar Wismut-Siedlungen. Und dann von Altenburg geht es fließend über in den Braunkohlenbergbau. Das finde ich eigentlich auch interessant, diese Schnittstellen.
Das wird übrigens oft nie, also wird nicht zusammengedacht. Das finde ich wäre eigentlich auch nochmal so ein interessantes Thema. Und dass das sozusagen so fließend ineinander übergeht.
Ich finde es spannend, da immer wieder neue Facetten zu entdecken. Auch diese alte Kulturlandschaft, die das ja ist, das Altenburger Land, so überformt zu sehen.
Das war ja kein klassisches Bergbaugebiet. Auch der Kohlebergbau war ja dort relativ neu.
Du siehst, ich strauchle so ein bisschen mit der Frage. Ich habe, glaube ich, diesen Kontrapunkt nicht so im Kopf.
Ich schätze ganz viele Sachen an der Stadt. Ich fühle mich auch wirklich sehr zu Hause, hier, und ich lerne auch viel in der Stadt.
Und genauso freue ich mich total oft, dann auf dem Land zu sein und da einfach unterwegs sein zu können. Also zum Beispiel Strecken zu laufen und diese Landschaft zu erfahren.
Natürlich tut mir zum Beispiel diese industrielle Landwirtschaft, die beschäftigt mich immer wieder sehr, tut auch ein bisschen weh, um ehrlich zu sein, das zu sehen.
Das ist sozusagen wieder die nächste Industrie, die da überlagert ist. Deswegen habe ich’s ja auch Folgelandschaft genannt. Dass so verschiedene Technikfolgen sind. Und auch in der Stadt gibt es Technik.
Aber in Dresden ist es natürlich das Tolle, dass ich an einem Architektur und Landschaftsarchitekturbereich arbeite und lerne da auch viel von meinen Studierenden, muss ich sagen. Das macht auch Spaß, mit denen das zu erkunden, da einen neuen Blick zu haben.
Ich glaube, wenn du mehr wissen wolltest, müsstest du mich nochmal konkret fragen. Ich beschäftige mich wirklich viel mit Technik.
Ich bin definitiv nicht technikfeindlich, so viel möchte ich sagen. Ich bin technikinteressiert, wirklich.
Also ich baue ja auch zum Teil so Geigerzähler selber, so ist es ja nicht. Und ich habe auch einen Linux-Rechner und halte das tapfer durch.
Aber ich habe mich auch gefreut, ein Kollege aus meinem PhD-Programm, der forscht über eben künstliche Intelligenz, und der hatte so ein T-Shirt an zu einem Vortrag. “technics will not solve the problem.” Also ich glaube, dass einfach sozusagen, diese Hoffnung auf eine technische Lösung, die teile ich nicht. Also Technologie
ist… Technik ist Faustkeil. Manchmal mache ich ja auch sozusagen so Einstiegsvorlesungen quasi darüber.
Technik kann total viel sein. Also natürlich ist sozusagen Technik auch ganz begeistert.
Technologie impliziert ja so etwas wie irgendwas mit Elektronik zum Beispiel. Irgendwas mit Strom, würde ich jetzt sagen, bei Technologie. Wahrscheinlich ist das jetzt keine gute Definition, sondern Technik im Sinne von techné, von Fähigkeit.
Wenn es um techné geht, dann bin ich schon begeistert. Das kann auch zum Beispiel terra preta sein, da ist null Strom drin und trotzdem ist es eine Technik.
Und manchmal sind auch so agrarische Techniken, die können ja wirklich doll ausgefeilt sein. Also ich meine, dass diese Hoffnung, dass es irgendwie nach Geoengineering irgendwie irgendeine technische Lösung gibt.
Ich glaube, da würde ich sagen, wir brauchen eine soziale Lösung und eine kulturelle Lösung
und die Fähigkeiten, die haben wir ja, aber ich kann auch eine Begeisterung für ein Atomkraftwerk aufbringen. Nein, ich glaube nicht.
Vielleicht bis zu einem gewissen Punkt. Letztes Jahr war ich ja auch in Rheinsberg und habe mir das Atomkraftwerk Rheinsberg im Rückbau mir mal angeguckt, ob ich davon begeistert bin.
Wenn es zum Beispiel so etwas gibt, gibt es ja auch eine Forschung zu Transmutation, kann ich jetzt kaum einschätzen, weil das sozusagen nie mein Fachgebiet ist. Man kann das natürlich weitermachen, aber ich würde mich jetzt nicht darauf verlassen, dass das funktioniert.
Also irgendwie kann man weitermachen. Warum nicht? Für die Endlager, puh, naja.
Also ich würde jetzt auf jeden Fall nie die Hände in, also Fatalismus sozusagen, im Umkehrschluss würde ich jetzt auch nicht befürworten, sozusagen die Hände in den Schoß zu legen. Und es ist sicherlich auch sinnvoll, also die ganze Sanierung war schon auch sinnvoll.
Das denke ich schon auf jeden Fall wirklich. Und ob man das jetzt im Einzelnen noch, sozusagen, mit einfacheren Mitteln hätte lösen können, das kann ich auch schwer beurteilen.
Aber mir fehlt tatsächlich irgendwie so, mir fehlt einfach wirklich das Künstlerische da drin, muss ich echt sagen. Also ich glaube schon, dass das irgendwie gut gewesen wäre, da vielleicht noch mal mit einem ganz anderen Blick, mit so einem weiteren Blick da drauf zu gucken.
Doch da bin ich… ich bin kunstoptimistisch. Und ja, also das wäre jetzt die Frage, welche Technik, von welcher Technik reden wir?
Also das ist ja schon sozusagen so ein Extraktivismus-Thema. Und als solches war es ja weder selbstbestimmt noch regional gesteuert.
Also das ist, glaube ich, schon so ein so ein Überthema. Und für die Bildung, ich meine, also in dem Fall von diesen Wismutgebieten kann man ja nur mit dem umgehen, was da jetzt da ist.
Also Best Practice, was nicht? So.
Und im Sinne der Technologie, ja, also wie gesagt, ich halte da ja auch Vorträge drüber. Hier in Leipzig war ja die erste Uranmaschine.
Das ist ja auch sozusagen so eine Nazi-Geschichte, wo sie tatsächlich die Atombombe für Hitler entwickelt haben und daraus ging es ja auch wirklich hervor, sozusagen die gesamte nukleare Kette. Und als Solches ist das jetzt für mich kein Beispiel für irgendeine Technik.
Das ist für mich wirklich eine Form von Militärtechnik, wo ich eben zu der gesamten Technologie, zu dem ganzen Technologiezweig sage, dem kann ich schwer was Positives abgewinnen. Wirklich. Es tut mir leid, aber das ist so.
Ich glaube, die Welt wäre keine schlechtere, wenn es die Nuklearindustrie nicht gäbe. Da können gerne Leute auch anderer Meinung darüber sein.
Ich glaube, auch an Energieformen, ist das jetzt keine unverzichtbare Technik. Also da gibt es sicherlich noch interessantere, bessere, sicherere, gerechtere und so weiter Techniken.
Und was kann die Region politisch und bildung… Naja,
sagt ja irgendwie, dass im Sinne der nächsten Generationen, die nachfolgen, wäre sozusagen eine Entschuldigung angebracht, als Erstes. Und dem kann ich mich eigentlich wirklich auch anschließen. dass da, glaube ich, ich habe schon auch die ganze Zeit immer so ein Gefühl,
ich denke schon auch immer Leute mit, die das sehen und sich denken, oh, was ist da diese Frau, die erzählt dir, die findet es alles scheiße und sagt, oh, das hätte es besser nie geben sollen,
das ist doch total, ja, die hat überhaupt keine Ahnung, so,
ne, das denke ich die ganze Zeit, möchte ich jetzt mal sagen, denke ich die ganze Zeit mit. Und dann meinte ich so, ja Leute, aber wir müssten mal darüber sprechen, was da wirklich alles passiert ist und das müsste eigentlich wirklich mal auf den Tisch.
Und das ist auch schön und gut, dass ihr da eure Erfahrung gemacht habt und dass das vielleicht euch aus der Armut geholfen hat, dass ihr das manchmal nicht wusstet. Dass das vielleicht auch mal Kollegialität war, die toll war. und dass ihr so eine tolle Truppe wart und ihr ganz begeistert seid von den Bergbautechniken, die man da anwenden kann.
Das kann ich auch alles verstehen. Gleichzeitig ist es eben auch so, dass viele Leute da gar keine Lust drauf hatten auf diesen Uranbergbau und irgendwie gerne ihr Altenburger Land zum Beispiel so behalten hätten, wie sie es gekannt haben.
Ja, das wäre eigentlich gut, das mal sozusagen, so aufs Tableau zu holen. Es wäre auch gut gewesen, den Leuten zuzuhören, die da Geschichten zu erzählen haben.
Ich glaube, das ist zu kurz gekommen. Ich glaube auch, dass die Familien das nicht immer auffangen können.
Zum Teil ist es mir passiert in Ronneburg, dass mir dann auch Leute ihre Lebensgeschichte über die Straße zugerufen haben. Das war das Krasseste, was ich erlebt habe.
Manchmal würde ich mir dann die Zeit auch nehmen,
in dem Fall hat es halt wirklich nicht gepasst. Ich glaube, gerade für die Älteren werden eigentlich so Biografierunden total gut, wo man sich austauschen kann, wo das irgendwie adressiert werden kann, wo das verarbeitet werden kann.
Ich glaube, wir können ja nie mehr machen, als das irgendwie zu verarbeiten.
Also dass das da ist, ich muss mich selber manchmal so ein bisschen stoppen, dass ich immer denke, man hätte das und das machen,
das ist ja so ein allgemeiner Impuls,
ach ich hätte das und das besser machen, ist ja unproduktiv. Also das ist sozusagen das Unproduktivste, was man da tun kann. Und
ich muss mich immer selber zur Ordnung rufen, das nie zu machen, sondern zu sagen, ja, was machen wir denn da jetzt damit. Und das wäre halt eigentlich gut, wenn das mal möglich wäre, das auszubreiten, was da alles so da ist, und es dann anzugucken.
Ich glaube, eigentlich bräuchten die Leute da ein bisschen Unterstützung in der Gegend. Ich glaube, sie sind, das habe ich ja vorhin schon gesagt, sie sind ein bisschen alleingelassen.
Und ja, irgendwie auch sozusagen auch dann Hilfe zur Selbsthilfe natürlich, das zu bewältigen. Ja, also ich glaube, es ist eindeutig, dass sozusagen, dass der Bergbau schon durchaus auch in den Familien auch nicht nur positive Spuren hinterlässt, sondern auch negative, das zu bearbeiten.
Und ja, also ich sehe halt eigentlich auch eine große Chance, dass sozusagen in dem Moment,
wo die Wismut uns allen gehört, nämlich dem deutschen Volk quasi,
ist es natürlich auch gut, dass sie transparent sein müssen, dass sie dem Bundestag rechenschaftspflichtig sind und aus dieser repressiven Geschichte sozusagen, eigentlich daraus kann man ja zumindest einen demokratischen Umgang machen. Und das ist ja schon was Positives. Das ist ja das, was man da mitnehmen kann.
Und da könnte aber für meinen Geschmack wirklich noch mehr passieren. So,
ne? Einfach sozusagen, da könnte noch ein bisschen mehr, könnten einfach mehr Ressourcen auch noch reinfließen. “Paitzdorf den 28.03.1955 Liebe Renate, sende dir anbei dein Paket. Hoffentlich hast du bis jetzt gereicht. Hatte vorige Woche Wäsche und
da hat sich das verzögert. Habe am Mittwoch gewaschen und am Freitag früh die Weiße aufgehängt. Dann sind wir nach Gera gefahren. Als wir heimkamen, gegen halb zwei Uhr, war alles trocken.
Da habe ich gleich das Bunte aufgehängt, ist ziemlich trocken geworden, hat dann auf dem Boden bis zum anderen Tage alles getrocknet. Will heute rollen gehen, muss aber jetzt früh mit Gerhard nach Gera fahren, da Verschiedenes zu besorgen ist.
Die Wegeverhältnisse sind fürchterlich. Pfeffers haben gestern keine Milch gefahren, hatten sich am Sonnabend nach Reust das Getriebe zerrissen, da der Wagen aufsaß.
So hatten sich die Frostbrüche ausgewirkt. Heute hat es wieder gefroren, da ist der Weg wieder passierbar.
Ronneburg will die Straße sperren, da niemand eingreift. Am Sonnabend aber soll eine Kommission aus Chemnitz dagewesen sein.
Hinten nach der Mühle raus haben sie am Sonnabend 40 Kipper Schutt gefahren. Da sind ihre Wagen steckend geblieben.
Muss man das mal ansehen, heute. Soll fürchterlich aussehen.
Wir waren gestern in Crimmitschau, sollen dich grüßen. Mussten nach Vollmershain und da sind wir gleich lang gefahren nach Wettelswalde, Schönheide, aber die Wege überall dasselbe.
Rückwärts sind wir Autobahnen, da überall die Wege schlecht. Wollten über Posterstein zurück, ja haste gedacht, haben ihre Straße auch gesperrt, mussten über Nöbdenitz.
Abends waren wir in der Operette, “Wenn ein Mädel einen Herrn” hat, zum Totlachen. War alles voll im Kulturhaus, beim Kasper, aber haben sie gestern das letzte Mal aufgespielt.
Ist Liebhabers Nachfolger. Armin ist gestern auch da gewesen.
Sogar mit Christa und Christine. Hat sich nach Mennsdorf runter festgefahren.
Wurde uns abends erzählt. Bei uns hat er sich nicht sehen lassen.
Vorige Woche lag sie noch im Krankenhaus. Gestern war sie schon wieder mit. Ich wundere mich. Elli
erzählte mir, sie habe Fremdkörper im Blut und bekäme Spritzen. Demnach kann es aber nicht so schlimm sein.
Nun aber Schluss, sonst erreiche ich den Anschluss nicht. Will gleich noch den Katalog an Dieter schicken.
Herzliche Grüße, deine Eltern. Sei nur froh, dass du zum Erntefest nicht auf dem Saal warst.
Da ist ja wieder was los gewesen. Eine Keilerei, dass sie einen von Haselbach fast erschlagen haben.
Natürlich die Schmitte. Der Alte hat mit Wohlzug angefangen und Blei angeekelt.
Weiß nicht, Jungen oder Alten. Die Haselbache ist eine Volley-Mannschaft aus Ronneburg. Noch
mal eingekehrt. Da hat, glaube ich, der Große mit so einem kleinen, blonden Lockenkopf angefangen. Erwin
hat den Alten dann die Hand aus den Locken genommen
und die Kerle Bissstück nach Haselbach gebracht, sind immer wieder zusammengebrochen. Als das Überfallkommando kam, 16 Mann, war schon wieder Ruhe.
Aber der Polizist ist gleich am nächsten Tag nach Gera bestellt worden. Dann kam Zustellung amtlich von der Wismut.
Weiß nicht, was weiter wird. Lotte, sagte Pfeffers Christa, hat bitterlich geweint.
Kennt den kleinen Haselbacher als sehr ruhigen, soliden Kerl. Zum Glück ist es der Bruder vom Gendarm.
Lotte sagte, Degner Max kam rauf und bot der Musik Ruhe. Da strömte alles runter.
Sie sagte, das war ein Gejammer wie beim Bombenangriff. So haben die Angegriffenen gejammert.
Die Schmitte wären zur Hygiene gewesen. Zuletzt habe niemand mehr gewusst, wer mit wem gekeilt habe.
Na echt, Paitzsdorf, da kann man nur profitieren, wenn man nicht hingeht. Einander durch die Mistjauche gejagt.
Und dann hat der Schmidt wieder getanzt. Da gehören aber auf Seiten der Mädel Nerven dazu.
Am Sonntag ist er beim Mehlhorn gewesen. Da hat Lotte zu ihm gesagt, was nur los ist mit dir.
Er hat gesagt, ich weiß, dass ich ein Vagabund bin und es ist am besten, ich gehe nicht mehr weg. Scheinbar haben sie einen ganz schönen zusammengestaucht.
Und das wird auch was kosten. Vom Alten als Polizist ist es natürlich noch schlimmer.
Bin gespannt, was da wird.” Genau. Und jetzt geht's weiter.
Also man kriegt halt irgendwie so einen Einblick. Ja.
Genau. Eine Sache... Na genau, hier.
Ah, genau. “Als wir rein waren, kamen Liebichs, Rohns, Meisters gelaufen.
Da haben wir noch ein Weichen erzählt. Der Schacht sei schon bis an Tetzners Garten und 150 Meter vor König vorgetrieben.
Im Grund stehen wieder die Handbohrer. Gingen eben die Wiesen rüber, drüben auf der Aue-Seite.
Sollten aber in Paitzdorf noch nichts gefunden haben. Schmirchau würde der größte Schacht der DDR.” Also solche Passagen gibt es halt immer wieder. Das finde ich auch
noch interessant. Das ist wirklich das Letzte, was ich jetzt vorlese.
Also da gab es eine Wohnung immer im Haus, die wurde vermietet
und im vorherigen Teil des Briefes geht es darum, wer die Wohnung kriegt
und dass die zu renovieren ist. “Wer reinkommt, soll sich die Wohnung vorrichten lassen und ab. Solange wir nicht wissen, was mit Paitzdorf wird, hat auch alles keinen Zweck. Jetzt reden sie schon, Neu-Ronneburg bis zum Krankenhaus wird alles Tagebau und die neuen Häuser kämen nach Schmölln. Ich wundere mich nur, dass
sie nicht gleich alles auf Rollen gebaut haben. Da wäre doch alles einfacher. Na abwarten und Tee trinken. Am Montag saß der Kraftverkehr bei uns. Im Zaun ist aber nicht viel. Bei Arthus hat es mir die Planke erwischt. Da hab ich erst bezahlt die Haftpflicht.” Ach genau, das war...
Also es gibt noch so eine Passage, wo sie dann sagt, was alles schon abgebaggert wurde. Und dann sagt sie halt so, leider wird vom Altenburger Land nicht viel ungeschoren bleiben.
Keine passenden Transkriptstellen gefunden.