Raimund Petzold & Hans-Peter Nikolaiczik

Lebenslauf
Den Bohrer Raimund Petzoldt und den Hauer Hans Peter Nikolajczyk verbindet als Wismut-Kumpels eine Jahrzehntelange Freundschaft. Und diese Freundschaft hält allen „Wettern“ (so heißt die Luftregulierung im Schacht) stand. Trotz Unfällen und Gefahren würden beide jederzeit wieder unter Tage arbeiten.
Gesamtinterview
Ja, also ich heiße Raimund Petzold, geboren am 15. August 1951 in Crimmitschau Aufgewachsen auf einem Dorf, in Mannichswalde, das ist heutzutage eingemeindet nach Crimmitschau.
Mein Vater war bei der Wismut. Und zwar auf dem Schacht Paitzdorf als Bohrer unter Tage. Und meine Mutter war durch Krankheit lange Hausfrau und später dann auch bei der Wismut in der Kantine auf dem Schacht Paitzdorf.
Gelernt habe ich mal Elektriker. Nach der Lehre, wie er schon sagt, 500 Mark im Monat, 501
Mark. Was machen wir? Erstmal zur Armee schnell und dann Wismut.
Jetzt wollte natürlich ich, wie mein eigener Vater, Bohrer werden. Ging aber nicht zu der Zeit. Nichts zu machen. Habe ich
erstmal, damit ich dort bin, Lokfahrer gemacht. Und das ging dann vom Oktober 1972 ein Jahr ungefähr.
Und in dem Jahr bin ich ständig auf die Kaderleitung: “Ich will Bohrer werden.” Die konnten mich ja nicht mehr sehen. Ja, und eines Tages beim Essen in der Küche, kam die eine Frau von der Kaderleitung und hat gesagt, die Chance ist da. Der, der dich immer rausscheucht, der hat Urlaub.
Und dann war ich bei den Bohrern. So, und das bis zum Schluss.
Da musste eigentlich normal immer einer sterben, bevor einer in die Vorabteilung reinkam. So war das. Das hast du ja in vielen Sachen erlebt.
Ja, und bei den Bohrern, da waren wir am Anfang, haben wir geologische Erkundungsbohrung gemacht. Und später, so 1995 rum, äh 1985, da hat sich in unserem Betrieb eine Brigade herausgebildet, das waren wir beide, für Spezialbohrung.
Also sprich jetzt Wasser ableiten, Kabel durchziehen, Beton irgendwo hinpumpen, wie ich schon gesagt habe, in die Höhler. Und Such- und Rettungsbohrung mussten wir auch machen.
Das bedeutet, jetzt sind irgendwo ein paar Leute eingeschlossen und die müssen ja irgendwie erstmal gefunden werden und versorgt werden und dann rausgeholt werden. Und da haben wir ein Loch gebohrt, neun Zentimeter groß.
Und durch das Loch haben wir die versorgt, mit Essen, Trinken, Licht, EKG gemacht. Also wir nicht, wir haben nur das Loch gebohrt.
Da kam dann eine Truppe aus Leipzig, die hat das gemacht. Ja und dann kam die sogenannte Wiedervereinigung und dann war das langsam vorbei mit der Wismut. Da haben
wir erst mal in ganz Deutschland über Tage ein bisschen gebohrt, aber das war nicht so das. Und dann haben wir uns die letzten Jahre selbstständig gemacht. Dann haben wir Brunnen gebohrt.
Und jetzt sind wir Rentner.
Also ich bin am 2. August 1945 geboren. In Schleiz.
Hab da auf so einem kleinen Dorf gewohnt, das heißt Knau. Da wohne ich heute noch, da habe ich sogar gebaut.
Und wie gesagt, stamme da aus einer Dorfschmiede. Und da war das so, mit dem Fortschritt hat der Vater gesagt, du musst Traktorenschlosser werden, Schmied, das geht zu Ende.
Und das habe ich dann auch gemacht, das habe ich auch gelernt. Und das habe ich Ihnen ja schon vorhin gesagt so, wie das war.
Und dann bin ich eben aufgrund der Sache, dass ich ständig pleite war. zur Wismut dann, hab ich mich da vorgestellt, in der Bahnhofstraße. Und die waren erfreut.
Ja, dich können wir gebrauchen.” “Was willst du machen?” “Ja, mh, weiß
ich auch nicht.” “Du wirst Hauer! Da musst du aber jetzt eine Umschulung machen.” Die Umschulung hab ich gemacht, das ging sieben, acht Monate.
Da waren die Geldprobleme schon geklärt bei mir, weil da gab's schon so viel als Lehrling. gab's schon gleich im ersten Monat 700, 800 Mark.
Das war ja nun was, gell? Hab ich gleich meiner Mutter was gegeben und Na ja.
Und ansonsten ... war ich dann Hauer. Bis ich den schweren Unfall hatte hier.
Da haben wir ... Da hab ich da was gemacht, also so richtig dafür konnte ich nicht was, aber ich hab die Kontrolle nicht richtig gemacht.
Das war eine Bohrmaschine, die nimmst du in der Hand, also zwei Griffe,
und die hat hier so einen Gasgriff wie ein Moped. Da kannst du rauf, ist ein Schlauch dran, geht mit Pressluft, ja alles, unter Tage. Und da kannst du Gas geben. Und
da vorne drinnen, da war ein 36er-Holzbohrer, so ein langes Ding, so ein Der vorne so die zwei Schneiden hat. Schneckenbohrer. Ja, Schneckenbohrer.
Und ich hab da alleine gearbeitet in den Überhauen drinnen. Ich hab dort die Holzrahmen angebohrt mit der Maschine.
Die Holzrahmen, das sind also Hölzer. So.
Löcher reingebohrt. Vier Meter hoch. Für
n Sprengstoff. Da kommt dann Sprengstoff rein mit dem Zünder - Buff! Und
dann wurden die Hölzer durchgesägt. Und dann konntest du die wegnehmen. Da war ich alleine da oben.
Und unter mir war die Lutte, die Belüftung. Lutten hieß das.
Und da war ein unheimlicher Krach unten, durch den Ventilator. Und das war das, warum das passiert ist. Also,
das war so, ich hatte da ... einen Schlauch festgemacht mit der Bauklammer oben, einen Schlauch rum, und da hing die Maschine so dran.
Und jetzt hab ich extra einen Schlauch gehangen, damit ich die Maschine nicht immer mit dem Schlauch hier hochheben musste und dann hier ein Holz nach dem anderen dann auf der Fahrt wirft. Fahrt ist Leiter, gell?
Und, naja, dann war ich mit der einen Seite fertig. Und dann kommt die andere Seite dran.
Und da hab ich die Maschine losgelassen, hier. Da hing die an den Schlauch, und ich hab die Leiter, die Fahrt rumgestellt, auf die andere Seite.
Und hab da probiert, gestellt, auf einmal denk ich, was ist denn das? Da greift mich einer von hinten an hier. Hier hinten.
Ich war ja alleine da oben, das ist ja bloß so ein Meter mal drei Meter, so ein Kabuff. Und ... wo ich dann so geguckt hab, auf einmal riss es mir hier……wir haben ja bloß die Unterhemden angehabt, runter.
Auf einmal guck ich hier, und da guckt hier der Bohrer raus. Da war der hier ein Stoff rein.
Ja, da hat sich durch den Schlauch, der Griff war nicht auf null. Da hat sich der Bohrer langsam gedreht.
Wenn der das Hemd erwischt und das einmal rum, hast du keine Chance. Ich hatte die Bohrmaschine, die musstest du holen in der Schlosserei.
Und da musst du dafür unterschreiben, dass du die übernommen hast, weil du die auch wieder abgeben musst. Und eigentlich gehört eine Funktionsprobe dazu.
Haben wir nicht gemacht, weil musste halt schnell… Und es war so, dieser Drehgriff da dran, der ging nicht auf Null zu stellen. Also, wenn ich den losgelassen habe, normalerweise lässt du der los, da ist eine Feder drinnen, aus.
Aber der hat weitergedreht, ging nicht auf null. Ja, und dann hab ich das rumgestellt. Auf einmal hat mich das hier erwischt.
Und dann ging das hier rein. Knochen, alles ... kaputt. Hat das Ding rausgeguckt, so ein Bohrer. Da
hab ich den Arm hochgehalten hier so. Da war die Hand, die lag hier. Na ja,
da hab ich gesagt, ist Ende gekommen.
Da war ich aber auch 20 Meter oben alleine, wo ich dann runter musste über die Fahrten Aber wenn du so was hast, überstehst du so was. Ich hab dann den Arm hier hinten ins Genick geworfen, hier hinten rein.
Und bin dann so immer wieder vier Meter, immer wieder einenruntergemacht. Dann kam ich runter, da war der Mitarbeiter da. Was ist denn, was ist denn? Ich
kam da mit der Lampe und leuchtete hier voll drauf. Hab ich dann angeguckt, da kriegst du solche Augen und lag dann neben mir. Dann war
das das Problem, dadurch ... war ich ein halbes Jahr krank. Also Schonplatz hieß das früher. Und
da hat dann die Ambulanz gesagt, hm ... der Arm ist ja nun alles zurückgegangen.
Wir müssen für dich eine Arbeit haben, dass dich das wieder erholt, wie ein Training. Wieso nicht? Da hat er gesagt, der Schachtarzt, du wirst, ich werde dir einen Job bei der Bohrung besorgen.
Und da kannst du dann, wenn die 100 Meter oder tiefer gebohrt haben, das Gestänge ausbauen, immer abschrauben. Das ist gut für deinen Arm. Und so war's dann. Und
so kam ich zu den Bohrern. Raimund kennengelernt.
Wir haben uns schon gekannt. Ich hab ja als Lokfahrer bei dir schon, als Hauer, den Masse weggefahren.
Wir hatten theoretisch schon einen goldenen Hochzeit. So lange haben wir zusammen gearbeitet.
Es war so, wo ich hier unten war, im Einstellungsbüro, Da hat einer mir gesagt, was machst du morgen? Ich sag, nicht, auf Arbeit geh ich nicht mehr.
Ich hab früher oft gehört, du musst doch noch vier Wochen arbeiten. Ich sag, ich geh nicht mehr hin!
Und ... jedenfalls ... hast du morgen
Zeit? Ich sag, ja. Na ja, wirst du schon mal in Schmirchau?
Ich sag, eigentlich noch nicht. Wir treffen uns um 10 Uhr an der Küche.
Dann kommst du mal rausgefahren. Küche, hm? Da
bin ich hin, hab's so gefunden. Den hab ich dann auch. Dann sagt er so, jetzt rein.
Da haben wir uns umgezogen. Das Zeug gekriegt, Stiefel Da sind wir hin. Da sind wir dann mit einem Korb rein.
Da war ich nicht alleine, da waren noch zwei.
Die waren auch ... Ob wir das überhaupt aushalten hier? Shhhhwwwt!
Da einfahren, runterfahren. Das war das erste Mal dahin, und das war's eben so. Der war mit dabei,
das hat sich nachher rausgestellt später. Das war sozusagen wie ein Lehrausbilder auch hier.
Der hat eben nun hier Hauer ausgebildet. Also, der war Hauer, aber der war schon ein bisschen älter.
Und dann sind wir da unten lang gelaufen. Was weiß ich, aber weit gelaufen.
Mir kam es unheimlich weit vor. Und dann sind wir wieder hoch. “Und wie ist es so?” Sag ich:
Ist nichts weiter, das geht. “Na dann fängst du bei uns an.” Und so war's dann.
Na ja, da war's zwar schon mal, aber mir hat das absolut nichts ausgemacht, gar nichts.
Auch wo's runterging,
ich hab zweimal geschluckt, weil das auf den Ohren drückt,
sonst war da nichts. Der eine, der mit dabei war, der hat sich bisschen komisch getan, der ist nicht wiedergekommen. Na ja, und dann ging das los,
da wurdest du eingeteilt, da war dann immer einer ... So, n älterer, ausgedienter Hauer.
Der hat dann so die Ausbildung ... Hat dir dann alles gezeigt, was der wissen muss.
Auf die Gefahren hingewiesen, die es gab. Also, an und für sich wurden das prima Kerle gewesen.
Die hatten tatsächlich ein bisschen was drauf. Die haben dir auch gesagt, warum was falsch ist und was entstehen kann und so.
Also, das war schon nicht schlecht. Das war eigentlich eine gute Ausbildung.
Das waren keine Professoren oder so,
aber das, was wir wissen mussten und so, das haben die gewusst. Und ich, ich bin dann eben fast 25, also 25 Jahre, also 17 Jahre als Hauer.
Das war ja auch schon ein hartes Brot, 17 Jahre Hauer. Drei Schichtsysteme, jeden Tag unter Tage.
Und überlebt! Dann kam der Unfall und dann als Bohrer.
Und da sind wir auch in Ecken gewesen, ne, Raimund? Da ging keiner mehr hin, aber die Bohrer haben sie hingeschickt.
Da kamen welche, das ingenieurtechnische Personal, die haben dann sogar noch gesagt, na, ihr habt’s doch gut hier, da muss ich euch wohl noch einen Tag Urlaub abziehen. Ihr lebt doch hier wie an der Sonne.
Da war Sonne und Wind im Winter, da war kalt wie Sau,
da waren Eiszapfen und er kommt mit Urlaub, hat
er so als Quatsch gesagt.
Ja, es war ja so, hier unten hattest du alle Wetterextreme. Du hattest 40 Grad Hitze, aber du hattest auch Ecken, da hat der Kugelschreiber nicht geschrieben.
Und wie gesagt, wir mussten überall hin. Gerade wo ich gesagt habe, Versatzbohrung, jetzt ist irgendwas, jetzt brennt es in irgendeinem Gebiet.
Da wird der Punkt gesucht, der am nächsten dran liegt. Da mussten wir hin, egal wie und was.
Und genauso war es auch mit der Strahlung. Da haben wir ja überhaupt nichts gewusst. Die hatten
ja, da gab es eine Truppe, die haben Messungen gemacht. Selbst die Leute, die die Messungen gemacht haben, die da kamen Radiometristen. Ja, Radio-Metristen
sind angesichts. Die haben nicht gewusst, was das Gerät anzeigt.
Die haben sogar das fertiggebracht und haben ständig diese Anzeigen ... die Skalen usw. gewechselt, dass keiner wusste, keiner konnte sagen, hier ist hochaktiv oder hier nicht.
Das war am Anfang, später hatten die gar keine Skala mehr. Da sind die mit so einem Kasten gekommen, da war ein kleiner Kompressor drin.
Und da waren wie runde Kaffeefiltertüten. so ein Blatt, war da drin, schneeweiß. Und da hat er die Luft durchgezogen.
Und das Blatt musste der abgeben. Er selber konnte das nicht auslesen. Und wir haben nichts gewusst.
Du kannst die fragen, da wusste niemand was. Das wurde sowas von geheim gehalten.
Es gab ja auch Strecken, da haben wir gebohrt, drei Schichten, und irgendwie haben fast alle immer Kopfschmerzen. Dann hast du das dem Chef gesagt, ja, gemeldet.
Da sind die Radiometristen gekommen, und da war immer noch kein Grenzwert. Und da waren wir fertig mit Bohren. Und
hatten aber beim Wegziehen dort was vergessen, und ich mach wieder hin, wollte das holen, war zugenagelt. Wegen Radon.
Gab's auch, gab's auch.
Aber die haben uns drinnen arbeiten gelassen. Das wurde ja ... wir haben ja schon gesprochen, fächermäßig abgebohrt. Zehn
Grad oder null Grad, 20 Grad, immer so, immer 50, 80 Meter tief. Rundherum und auch nach unten.
Das nannte sich dann ein Fächer,wurde so gebohrt. Und dann kamen die her, die haben die Messung gemacht. Karandasche (von russisch:
für dt. „Bleistift“) haben wir immer gesagt, die sind da mit Stangen rein und haben gemessen, wie jetzt der Erz, wie das... Wie die Erzlinse liegt.
Wir haben praktisch gebohrt, haben so angefangen, waagerecht. Und dann in bestimmten Winkeln, immer mehr bis hoch.
Und dann immer mehr bis runter. Und dann die andere Seite.
Und die nächste Maschine, die war so 15, 20 Meter weg,
die hat die Winkel dazwischen gemacht. Und dadurch konnten die mit der Messung, dann haben die das Erz gemessen und dann konnten die aufzeichnen, wie der Körper liegt.
Und danach mussten die Hauer hin und mussten das rausholen. Kein Problem, ich würde morgen wieder runtergehen, wenn ich körperlich könnte.
Das ist bei jedem anders. Es gibt doch welche, die würden nie wieder hingehen.
Die gehen einen Tag, dann kommen die wieder. Das ist klar. Arbeitsausrüstung, wir haben alles gestellt gekriegt.
Von der Unterwäsche über Stiefel, Anzug, Regenanzug.
Fußlappen. Fußlappen, ja. Socken gab's nicht. Fußlappen. Fußlappen haben wir immer mit heimgenommen, die Neuen. So
schöne Fußlappen, frott
Die haben wir mitgenommen, dann die alten hin!
Du musstest immer alte abgeben. Du hast dann, gerade wie bei der Hauer auf dem Bock, habt ihr auch in dem Film gesehen. Wenn der mit dem Bunkerlader die Masse in das Loch kippt,
auf dem Loch ist, wie ein Bock,
damit die Brocken nicht zu groß reinfallen, dass die sich verklemmen können.
Dann hörste den unten blöken hier, wenn die sich verklemmt haben. Bleibt mal so Brocken liegen.
Laut Arbeitsschutz
müsstet ihr Ordnung machen, anhängen. Aber ... Zeitdruck. Sind viele reingefallen.
Dort gab's Plan- und Leistungsdruck. Und dadurch sind auch, mitunter, muss ich sagen, sehr viele Unfälle passiert, die hätten nicht passieren müssen.
Das war Leichtsinn, Stress. Beispiel, wie ist es ... Zu dir sagt einer, du musst in einer anderthalb Stunde in Erfurt sein.
Egal, wo du jetzt bist, kriegst du 1.000 Euro. Fährst du da 50, wo 50 ist? Genauso ist das hier.
Das ist genau dasselbe. Du musst das schaffen, die Zeit drängt.
Du hast ja auch nicht acht Stunden Zeit zum Arbeiten. Von Einfahrt bis Ausfahrt, da musst du erst mal runter.
Unten musst du mitunter eine Stunde zu Fuß marschieren, ehe du da bist, wo du arbeiten musst. Und dann geht's genauso rückwärts zurück. Da bleibst
du, wenn du Pech hast, fünf Stunden. Ja,
und wenn du das verpasst hast, wenn's heimwärts ging. Da haste aber die Brille auf.
Denk nicht, wenn du vor einen Schacht kommst, du kriegst eine Seilfahrt. Und du bist dann 300 Meter tiefer unten.
Da gibt's Leitern an der Seite. Leitern immer so, so, so.
Hochsteigen. Nur runterwärts geht das schön, aber hoch? Nur
runterwärts ist schön. Da hatten sie alle eine Technik gehabt.
Da hatten sie Eisenleitern. Aus Metall, die waren wie verchromt.
Dann geht's lang, wo jetzt der Podest ist, kommt die Leitern hier hoch. Fünf Meter am Rand. Dann springst du drauf. Drückst du
hier die Beine hier und hier an die Rohre und dann und hier die Handschuhe. Bumm.
Bist du unten. Nächste Bühne. Warum? Nächste. Wieder nach.
Bumm. Aber irgendwie geht das hochwärts nicht. Ja,
ganz schlecht. Na ja, als Lokfahrer habe ich viel erlebt. Ja, aber du
durftest nicht. Ich habe Tote gefahren. Ich habe Tote gefahren.
Du musstest ruhig sein, du musstest auch dafür unterschreiben. Ja. Und keine, also nach Möglichkeit zu Hause nicht verbreiten.
Das war so. Eigentlich gehört hat man da nichts, dass da was passiert ist, aber ... Wenn man's nicht selber erlebt hat, wenn man jetzt irgendwo ... Aber trotzdem, bei der Seilfahrt, wo alle zusammenkommen, da ist schon manchmal was durchgesickert. Ja.
Da hieß es dann so, hast gehört, hast gehört. So laut oder was wurde da nichts gesagt.
Und du musstest da auch ... Dann war immer in dem Bereich oder ... In den Revieren, wie man so sagt, wurden alle zusammengefasst.
Da wurde das auch ausgewertet. Untertage war das. Saßen alle zusammen,
wurde das erläutert, warum, weshalb und so. Wurde das auch erläutert und wie es dazu kam.
Aber dann wurde hinterher, es ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Es ist ja heutzutage sogar noch so, ich weiß ja nicht, ob das sich jetzt geändert hat, im Prinzip hat niemand gewusst, wie viele bei der Wismut umgekommen sind.
Das ist irgendeine Dunkelzahl. Die Russen haben es vielleicht gewusst, aber hier von uns.
Und wenn es welche gewusst haben, jetzt Deutsche, jetzt Obersteiger oder Bereichsleiter und so. Wenn die vielleicht ein bisschen was wussten, aber die haben garantiert nichts irgendwo rausgegeben.
In die Anfangsjahre, 50er Jahre, da wusste niemand was.
Überhaupt nicht. Da gab es ja keinen Arbeitsschutz. Nichts gab es da.
Da gab es natürlich schon den meisten Toten. Klar, Staublungen, Lungenkrebs.
Und die Unfälle, die hatten nicht die Helme und nichts. Aber ich glaube, ich habe mal was gehört, dass sie dann in den 50er, 60er Jahren angefangen haben mit diesen Statistiken. Und
Aber es Wurde nicht öffentlich. ab ‘70, 1970, sind die Zahlen rückläufig gewesen.
Weil dann der Arbeitsschutz wurde verbessert. Warum wurden da verbessert?
Sie haben gemerkt, dass sie nicht nur Leid geschaffen haben, sondern auch Arbeiter verlieren. Und wenn einer weg ist, den kann man nicht einfach ersetzen, dann kann man ihn von der Straße holen.
Es ist ja nur immer so gewesen, dass immer zwei Mann zusammen waren. Einen gab es nicht alleine, es gab es nicht.
Ja, es gab schon. Es sollte nicht sein. Gemacht haben
wir es aber. Regelmäßig nicht. Das ist
wie Stichproben. Das ist wie mit der Polizei auf der Straße.
Wenn sie dir einen Führerschein wegnehmen, weil du irgendwo mal einen Schnaps getrunken hast, und fährst trotzdem, kannst du Glück haben. Vier Wochen oder so lange. Kannst aber auch Pech haben.
So ist das hier. Da kommt mal Licht um die Ecke. Die Chance, die du hast,
wenn du was willst, du machst was falsch. Man sieht's ja hier, so ähnlich, das ist natürlich eine Wohnstube.
Aber bei uns unten kam trotzdem von hinten weit weg erst mal Licht. Jeder hat ja Licht gebraucht, hat sonst nichts gesehen. Da
konntest du fix noch was an deinen Arbeitsplatz verändern. Du weißt nicht, wer es ist, aber du kannst noch was machen.
Ja, da kamen immer welche. Ich sag, das können wir nicht erzählen.
Da hieß es immer so, wenn da ein Schichtwechsel war, ablesen, boah, war heute Nacht bei uns, der kam immer nachts. Immer nachts.
Schichtwechsel ... Und der hat uns das Buch vollgeschrieben, was wir alles machen müssen.
Und das hat der Hund extra gemacht. Da ist der eingefahren hier, in den Schacht, in dem Schacht, hier oben hier.
407. Holzschacht. Dann hat er sich so eine Brigade vorgenommen
und hat da rumhergeblökt und gemacht und geschrieben und gemacht. So. Und dann hat er sein Zeug gepackt und ist raus aus dem Schacht
und ist fort zu seiner Freundin. Das haben sie später rausgekriegt.
Nur mal zwei, drei Stunden, dass er alle gesagt hat, heute Nacht war der ... mal da.
In Wirklichkeit war der Hund ganz anders. Das Arbeitsklima ist so, wenn du deine Arbeit gemacht hast und richtig mitgezogen hast, war’s einwandfrei.
Aber irgendwie rumtricksen, da hast du keine Chance, wirst du absolut niedergemacht. Ja, das gab's aber selten. Also, bei uns hier in der Hauerbrigade,
da musstest du das schaffen. Das war ein ungeschriebenes Gesetz.
Wenn du jetzt übernommen hast, übernommen. Schichtende, die Schicht vorher, die haben dort die Scheibe geschossen. Buff.
Und dann sind die alle fort. Dann zum Schacht, ausgefahren, die anderen rein.
Und die anderen haben das übernommen. Da hat man gesagt voll, also voll heißt geschossen. Das
Haufwerk jetzt liegt da
und geschossen voll. Und diesen Rhythmus, diesen Zyklus sagen wir, nicht Rhythmus, Zyklus, denn das war der Grund.
Also wenn du voll übernommen hast, geschossen,
da hat es beinhaltet, machst erst eine Sicherungsarbeit,
dadurch, dass was freigeschossen ist, oben rum abklopfen,
das runter, das, das.
Dann fängst du an und baust da deine Schienen vor,
dein Zeug als Kopfschutz und so,
weil du ja dann entweder mit dem Schrauber oder mit dem Bunkerlader, mit dem Lader hier, der mit Luft geht, mit der Schaufel hier, der da drunter lang muss. Das ist ja dann der letzte Bau.
Was jetzt freigeschossen ist hier, da musst du ja hier drunter. Deswegen musst du vorher oben alles abklopfen.
Nicht, dass es runterfällt. Und
ja, das, was beim Schießen noch hängengeblieben ist.
Ja, und so, was los ist. So.
Und dann hast du einem hier vorgebaut. Holz.
Und da wieder Zeug drauf als Kopfschutz.
Dass du die Masse rauskriegst. Richtig. Bis das richtig frei ist.
Und wenn das frei ist, dann geht's los, dann musst du das Holz ranschleppen. Das musst du alles mit der Hand machen.
Geht dann auch, wenn du's hast. Mit dem Bunkerlager haben wir's aufgeladen, wenn's so geht. Aber ansonsten alles hier.
Wenn du da jetzt mal so Helfer hast, vier Meter lang Da haben's vor zwei Tagen noch die Vögel draufgezwitschert. Sau schwer und nass. Das war ganz schön anstrengend. Da musst du
zu zweit sein. Du musstest laut Arbeitsschutz zu zweit tragen.Ja, aber das hast du. Aber im Film hat man's gesehen, ne?
Da eine musste schon das Loch machen und kratzen,
wo die Stämme
reinkommen, und der andere hat das hergeschleppt auch alleine. Also, wenn du jetzt ständig hergeschleppt hast, dann warst du auch der, der ständig schleppt.
Der andere hat gesagt, ich schaff's nicht.
Das haben sie auch immer noch verzeiht bei so was, wenn der
eine noch nicht so richtig Aber rumtricksen ist eigentlich nicht so. So ehrliche Arbeit.
Du musst richtig ran. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz gewesen.
Du musst hier dich richtig verausgaben. Ja, du musst zum Feierabend geschossen haben als Hauer. Ja, den
Zyklus musst du schaffen. Das ist das Grund. Wir haben aber
auch schon manchmal zweimal geschossen.
Warum zum Feierabend schießen? Ganz einfach.
Weil wenn du während der Schicht schießt, eine halbe bis eine Stunde gar nicht ... Nein, kannst was machen. Da
wird die Zeit genutzt, wo du gehst, die Nächsten kommen. Die Dann ist der Mief weg.
Ventilatoren laufen. Und dann lief es. Du hast zwei, einer, der ansaugt, absaugt,
und der andere, der bläst, Frischluft hin.
Und da die Zeit, wo jetzt die geschossen haben, die sind ja dann weg, und eher die anderen kommen, ist der Platz ... ist dann ... sauber.
Allerdings nicht ... Normal musst du immer messen und machen, und dann wurde auch ... hatten wir da so
Dinger, die haben wir dann angenagelt an die Stämme, gebaut haben wir
auch eine Rohr, da kam hinten der Wasserschlauch rein
und von der Seite kam die Luft rein, hat das gesprüht, richtig, - Staub bindet. - damit das Wasser die Gase neutralisiert.
In der Luft sozusagen, ja. Nitrose Gase entstehen, das war das Schlimmste dabei bei der Schießerei, wo sich dann Salzsäure bildet.
Mit der Luft, mit der Feuchtigkeit in der Lunge bildet sich in der Lunge Salzsäure. Ganz schlimm. Dann die eigentliche Berufskrankheit, Staublunge
und so weiter, ist ja nicht gar nicht so schlimm gewesen, wie die Hauer oder so, die in der Steinkohle und so, die haben alle Silikose gehabt. Und so durch den Staub. Aber wir haben das hier gehabt, dass unser Stau radioaktiv war.
Und das ist ja dadurch, durch das Radon entstanden. Radon, das beim Schießen dann freigesetzt wurde.
Radon ist ein Edelgas. Ist eigentlich gar nicht gefährlich. Das atmest du
ein und bringst es auch wieder raus. Aber bei uns ist es so, da das radioaktiv war, hat sich das Gas sofort mit der Radioaktivität, das war also aktiv, hast du eingeatmet.
Und da hast du dann auch gehabt. Ich habe zum Beispiel so richtig Spätschäden gehabt, wo mir noch privat waren, da habe ich schon immer Probleme gehabt.
Sarkoidose hatte ich. Und das ist dadurch entstanden.
Das ist eine Lungenkrankheit, die ist unheilbar, wenn du die hast. Im dritten Stadium hatte ich. Ich
lag da in Jena, da hatte ich Glück, kam ich mit einem Professor zusammen, der war mirr gut gesinnt. Und der hat mir das Leben gerettet. Da kam der Mann,
wo ich da war, da hat er gesagt, er muss in die Schweiz und er bringt mir was Gutes mit. Zu so einem Symposium, wie man so sagt. Da war
der. Und da ging es aber darum, wir brauchten eine Freigabe, das sind Spritzen gewesen, eine Freigabe von meiner Kasse.
Und die haben das immer abgelehnt, weil dieser Impfstoff dermaßen teuer war, dass die gesagt haben, ne. So, und jetzt, das können wir nachher noch erzählen. Jetzt hab ich wieder was hier erzählt…. Weil das
gerade da drum ging, hier wegen ... Arbeitsschutz und so weiter.
Ich hab mir hier was zu ... Ich hab mir was geholt hier unter Tage, was nicht mehr weggeht jetzt.
Das ist Polymyositis heißt das. Da haben sie mir hier überall aus den Muskeln Proben rausgenommen.
Da haben sie festgestellt, dass ich dermaßen hochgradig mit Schwermetallen belastet bin. Das hab ich
von der Wismut. Da war das schon so ... Wir hatten immer gar keine richtigen Handschuhe. Die hatten einen Topflappen, die
hattest du an. Und überall, wo jetzt hier so blaue Stellen und alles so ist, das sind Verletzungen gewesen.
Da hat man früher gar nicht hingeguckt als junger Bengel. Entweder hast du draufgepinkelt oder … ging schon! Handschuhe nicht.
Und da ist der Dreck reingekommen. Und die Schwermetalle, die haben sie jetzt alle nachgewiesen.
Drei verschiedene Sorten Schwermetalle, die ich überall hab in den Muskeln. Und die mich ständig immer strecken. Dass
Entzündungen entstehen bis Ultimo. Und das heißt Polymyositis.
Unheilbar. Da war ich jetzt erst vier Wochen, fast vier Wochen im Krankenhaus. Also
in jener an der Uniklinik. Weil sie mir bei ... bringen wollten, dass sie jetzt endlich was hätten, für Möglichkeiten, um diese Sache zu bekämpfen. Ja,
das war auch schon wieder sowas. Kasse
hat abgelehnt, abgelehnt,
weil 200 Milliliter Flasche, so eine kleine Flasche, die ich da kriegte,
15, also eigentlich 25 solche Flaschen, lag ich da immer drauf. Die sind so teuer.
5.300 Euro, so eine Flasche. Und da haben die immer gesagt: nichts!
Also die lassen dich einfach abfallen.
Ja, du das ist
das Alter. Aber da hatte ich trotzdem Der erste eine, der hier kam, mit der Sarkoidose, das geheilt hat, was er von der Schweiz mitgebracht hat.
Und dann haben sie den verknackt. Der Professor hieß der. Der hat das gemacht und hat bei mir festgestellt, durch die Spritzen, alle vier Wochen, dass sich die Werte, die bei mir im Blut sind und so, bessern.
Und das hat er auch in der Kasse nahgebracht. Und da haben die tatsächlich dann mitgespielt.
Die haben dann unheimlich Arbeit aufgelegt. Der musste über alles, über alles, was ich von mir gebe und mache, musste der einen Bericht schreiben an die Kasse. Weil
sie nur wissen wollten: Es gibt tatsächlich was und das und das, aber nicht für jeden. Ich war sozusagen Proband.
Und jetzt hier mit der Mit der Polymyositis genauso. Ich kann manche Tage nicht laufen.
Ich krieg über Nacht eine Entzündung, dann hab ich so ein Knie dran oder so was.
So, und da haben sie jetzt auch gesagt, ja, wegen Wismut und so,
aber sie sind der Meinung, 30 Jahre hinterher, wir brauchen jetzt nichts, wir machen eher was, was für dich rauskommt. Irgendwas, 50er bezahlt oder so was. Hier
sind auch welche, die nicht so in solchen Händen waren wie ich. und als Proband und das mitgemacht.
Ich hab auch alles unterschrieben immer. Wenn du in der Lage ... Wenn du da bist, dass dir irgendwas fehlt oder was ist
Früher hab ich gesagt, wenn einer meinetwegenLeben 50, 60 war und der kriegt auf einmal Krebs, ne? Da hab ich gesagt, pff, das würd ich doch nie machen hier, Chemo.
Da würd ich mich eher aufhängen. Heute hast du alles Mögliche, jetzt hältst du dich an jeden Strohhalm.
Das ist doch normal. Solange du das nicht selber hast, denkst du anders über die Sache.
Ganz klar. Nee, das ist ... Aber es gibt auch viele, die haben
nichts. Gerade wie unser Chef in der Bohrung.
Da wohnt er bei einem Nachbardorf. Der ist jetzt 90, der fährt nach Auto. Seine Frau, die war im Kinderheim.
Da gab es DDR-Heime, die hatten so elternlose Kinder. Und die ist genauso alt, aber die ist schon Jahre im Heim.
Und er hat nichts. So ist das.
Wir hatten jedes Jahr eine Reihenuntersuchung. Und da wurde es von Kopf bis Fuß komplett untersucht. Also
das wurde jedes Jahr gemacht.Sanatorium! Und dann hatten wir ja auch unser eigenes Ambulatorium, jeder Schacht. Und zum Schluss natürlich hier in Gera das Wismut-Krankenhaus. Also wir
waren eigentlich gut versorgt. Ja, das Gesundheitssystem war sehr gut. Also die haben sich auch Mühe gegeben.
Muss man sagen, das hat sich auch in der letzten Zeit ... Trotzdem alles richtig gut gegenüber den anderen Der Normale Bürger hat wo unseres keinen zu tun.
Gesundheitssystemen. Der Normalbürger hat wohl unser Ganzes. Und wenn du was hast, die haben sich auch tatsächlich gekümmert.
Das hat sich auch in der letzten Zeit, also in den letzten, sagen wir mal, 20 Jahren Wismut, hat sich das enorm aufgebaut. Vorneweg war da nicht so viel.
Aber das allererste Krankenhaus, das war Erlabrunn. Das ist schon ein großes Haus. Ja,
und dann hat sich das so, ich weiß nicht, die Endzahl kann ich nicht sagen. Aber es gab viele. Und die waren wirklich gut.
Es wurden ja auch von Normalbürgern, die nicht in der Wismut waren, und zwar in Fällen, wo sie nicht weiterkamen, sind auch dahin geschickt worden. Also, kann man nicht sagen.
Die sind immer eingesprungen, wenn da irgendwas war. Ja, gab's nicht. Der Mensch, der Mensch, ich sag immer der Mensch.
Der Arbeitsschutz kann sein, wie er will. Der Mensch muss ihn einhalten.
Und wie ich vorhin gesagt hab, das geht nicht immer. Das geht einfach nicht immer.
Weil, sobald der Körper eine Belastung hat, Stress, irgendwas, Das reicht schon, wenn irgendein Verzug da ist, wie ich es vorhin gesagt habe. Du willst es aber schaffen, ist der Arbeitsschutz hier oben raus.
Dann geht es los. Es ist 90 Prozent der Mensch.
Da wurden jetzt Fälle, die irgendein Problem haben, die sind von der Arbeit weg in das Sanatorium. Und finden Sie natürlich, wenn man nächsten Tag wieder auf Arbeit.
Und das ging, ich glaub, vier Wochen und könnte verlängert werden. Aber die haben sich schon etliche Jahre abgeschafft gehabt zum Schluss. Na,
da wurden so Kontrolluntersuchungen gemacht. Überwachung.
Sozusagen, wie wenn du eben zu so einer Kontrolle gehst.
Und das wurde eben da, wenn wir nach der ... Ich zum Beispiel erinner mich etliche Mal nach der Mittelschicht, also ... Spätschicht. Sind wir in den Bus rein und sind nach Dings gefahren nach. Berga.
Berga. Riesengroßes Ding.
Wurden dort in Empfang genommen. Da hat jeder seinen Zettel, da musstest du die Sachen abarbeiten. Also hin und an, hier, das machen, das Blut. Ich sag jetzt nicht mehr Blut, das und
das. Ja, alles. Und das wurde dann alles ... In den anderen Tag bist du wieder auf Arbeit. Die haben den Zustand praktisch überwacht. Du hast auch mitunter drei Tage gehabt, wo
ja einer oder so, was er gemacht hat. Je nachdem, du konntest vier Wochen und länger dort sein. Du konntest doch
richtig ins Sanatorium. Ja, der Körper wurde da überwacht. Du
kommst von der Arbeit, wie er sagt, Blutziehen, Lungenmessen, alles Mögliche,
kommst dorthin über Nacht, das wurde spätabend gemacht, dann hast du ja da geschlafen. Wenn du die Zeit hast, kannst du schlafen, bis zum nächsten Mittag, bis die Schicht wieder los ging. Ja.
Ist doch eigentlich ganz normal. Wirst
du wieder abgeholt vom Bus.
Ich fand das gut. Und das war ja auch genauso, wenn da irgendwas war,
da hast du ja auch ... Kur. Ja. Wenn du das wolltest.
Du hast ja immer Kur. Oder der Schachtarzt hat gesagt, der muss dich mal auf Kur schicken. Ja,
wenn du nieder warst.
Wollte sein. Wir hatten ja einen Haufen Kursachen, gerade an der Ostsee und so.
Also ich war dreimal gewesen.
Dreimal. Nach einer schweren Operation. Also
dass da einer nicht war, das ist eben seine Sache. Der wollte es Du wolltest nicht.
dann nicht. Oder durfte nicht weg. weil die Frau geschimpft hat.
Ich hatte eigentlich Unfälle
da hatte ich mir am Mittelfuß gebrochen. Da ist die Bohrmaschine draufgefallen, weil die hat Der wiegt 13 Cent nach.
14 Zentner und oben ist es vom Flaschenzug beim Aufbau das Seil gerissen. Und die Füße waren an der falschen Stelle.
Das war eigentlich das Einzige. Außerdem da war mal bisschen was. Das guckt man nicht an.
Sonst hatte ich in der Beziehung nichts.
Es gibt was, was ich bemängele. Das ist eigentlich selten. Ich sage
ja, ich würde morgen wieder hingehen. Aber was nicht gut war, war das Telefonnetz dort unten.
Also ich habe Unfälle erlebt, und du musst ja anrufen, dann musst du einen Kilometer rennen. Das war ... Und dann ging keiner ran. Und
dann ... Der andere war hinten mit den Verletzten, mit unter
Schlimmen. Alleine. Und dann dauert das eine Stunde, bis der Arzt kommt. Dann
holen die ihn erst wieder in Ronneburg oder in Gera mit dem Auto. Dann musste der runter, und dann fährt er unten noch 20 Minuten mit dem Zug.
Das war schon ... Das war das, was ich immer bemängelt hab. Mit so
nem Hunt, wo so eine Trage reinpasst. Da ging das los, da sind die losgemacht.
Schade, wir hatten einen, der hatte hier so quer rüber, hatte da sich eingequetscht. Der ist mit dem Bohrsachen, Streckenvortrieb. Der
ist er mit dem Bohrsachen in so eine Nische gefahren
und guckt, ob er nicht auf den Schlauch fährt,
und hinter ihm ist das Gebirge. Und
da ist er auf dem Hebel weitergefahren, und er klemmte drinnen. Da konntest du aufpassen, bist hier.
Das untere blieb normal, und das obere kam so raus. Und dann hol mal einen Arzt. Da hast
du aber… Hier oben, gell? Brände,
also direkt selber Brände. Es hat gebrannt in Ecken.
Aber da sind wir nicht mehr hingekommen. Da mussten wir dann nur von woanders, wie gesagt, ein Loch hinbohren.
Und durch dieses Loch wurde Beton reingebracht, dass der Brand ausgeht. Da hat aber das Bohrgestänge sechs Zentimeter Durchmesser. Beim Rausholen hats geglüht.
Hat geklüht.
Ja, ich hab da hier als Hauer, musste ich, haben wir gearbeitet, wo Brandgebiet ist. Und da musst du ja jetzt, wenn du jetzt ausgebaut hast mit Holz oder BTK, also meistens BTK, Betonteilkonstruktion heißt das, weil das nicht brennt.
Und wenn du dann die Löcher bohrst, die Sprenglöcher, da musstest du immer, wenn das fertig war, die Scheibe abgebohrt, nennt sich das, wenn die Löcher alle fertig sind… Die Löcher messen nach der Temperatur. Ich kann jetzt nicht mehr genau sagen, wie hoch das war. Jedenfalls haben wir das gemessen mit Geräten.
Jedes einzelne Loch, bevor du da was gemacht hast. Und wenn das zu heiß war, da haben wir ... mit Wasserschlauch, da gab's, also wir haben dazu gesagt, Spinnen. Da sind mehrere, viele Anschlüsse drauf, ein Schläuchen und vorne ein Eisenrohr. Das wurde dann da reingesteckt in das gebohrte Loch, und Wasser rein zum Kühlen.
Und dann hat man genau gewusst, wo man jetzt angezeichnet hat, was sehr heiß, sehr heiß war, immer angezeichnet. Und das haben wir zum Schluss gekühlt. Das musste dann schnell gehen. Rohr raus, Schlauch raus, Sprengstoff rein, Zünder rein, damit es nicht erst wieder heiß wird. Das
ist manchmal so heiß geworden, da kam aus dem Bohrloch der Sprengstoff rausgelaufen.
Der Sprengstoff war ja normalerweise in kleinen Paketen, 200 Gramm. Aber es gab auch loses Zeug, was man dann drauf gespritzt hat, mit dem Schlauch ins Loch rein. Das ist so heiß geworden. Ja, das ist
ja wie Gelatine. Der Sprengstoff hieß Gelatine. Das
ist kritisch, da muss das schnell gehen, schnell kuppeln. Wie
ich, ich bin ja selber auch Sprenghauer gewesen. Also ich hab ... ich habe praktisch das in der Abendschule gemacht, weil das immer so war, immer Schichtende, wie wir es vorhin schon erzählt haben.
Wenn du fertig warst mit Bohren, dann musstest du den Sprengmeister holen. Und der kam von irgendwoher, der hatte so eine Bude gehabt. Und zum Schichtende wollten sie alle schießen, so viele Sprengmeister gab es da nicht. Und dann hast du nicht geschossen. Und wenn du da zur Ablösung rauskommst, konntest du nicht sagen, geschossen, voll.
Der Schießer ist nicht gekommen. Das war schon nicht so gut.
Und daraufhin immer das Theater, hin und her, hab ich gesagt, so, jetzt hörst du auf damit, das machst du jetzt selber. Dann bin ich in die Schule gegangen, in die Bergbauschule, hab ich das gemacht als Sprenger. Und da konnte ich mir Zeit lassen.
Da war das so gewesen, wenn wir fertig waren mit Ausbauen, haben wir gebohrt. Damals noch mit der Handmaschine hier. Hat jeder eine Maschine gehabt. Zwei Mann. Einer hat immer die Stange festgehalten bis zum Anbohren, so viel. Und dann immer gewechselt hin und her.
Und wenn das eben so war, haben wir gesagt, na ja, wir brauchen 40 Loch, müssen wir 40 Loch ... äh da hat der eine weitergebohrt, der hatte meinetwegen noch zehn Löcher zu bohren. Da hab ich schon meine Tasche, die Spezialtasche, und die Kiste, wo der Sprengstoff und die Zünder drin waren, die waren
unten auf der Hauptstrecke. Auf der doppelgleisigen Decke, da war meistens so eine Nische. Und da war eine Kiste, eine richtige Eisenkiste hier. Die hat eine Nummer dran. Das war deine Nummer, 421. So, das war meine Kiste.
Wenn ich jetzt ... Die Kiste ist voll mit Sprengstoff. Und auch mit Zündern. Hatte ... Fächer drinnen, gell? Und da bist du eben hin, wenn der noch gebohrt hat, haben wir nun 40 Loch, brauchen wir. Da bin ich schon losgemacht, runter. Auf die Strecke, Buch raus, erst mal Kiste aufgeschlossen. Da muss ich erst mal Übernahme machen. Also, das heißt, der Schießer, der ... Wenn ich eingefahren bin, hab ich einen Zettel geschrieben, was ich an Sprengstoff brauche. In meiner Kiste. Bringst du mal das her und das und 100 Zentner und das und das. Und das haben die so während der Schicht, haben die das aufgefüllt. Der hat vor Ort bei mir alles, was drin ist, gezählt. Da musste genau mit meinem Buch der Bestand stimmen. Und dann hat er sein Zeug, was er gebraucht hat, dazu und dazu geschrieben. Und das musste ich dann,
wenn ich kam, ja wieder übernehmen von denen. Da gab's manchmal viel Hudelei. Die haben sich auch verzählt. Ich zähl dann, fünfmal gezählt und immer wieder fehlten zwei Zünder.
Ja, was machst du denn nun? Immer zwei oder immer drei.
Du musst die Kiste zuschließen. Muss ja, muss geklärt werden, da gab's immer viel Theater. Das ist ja logisch, Menschen ... Die haben auch Druck gehabt, haben sich eben auch verzählt. Und dann hat er mir das rein geschrieben ins Buch, und es standen zwei, die ich gar nicht hatte. Na
ja, aber so war das, wenn der eine gebohrt hat, noch fertig gebohrt hat, dann hat er auch die Löcher ausgeblasen. Mit so einem Eisenrohr, das
Und ... In der Zeit war ich dann wieder da, mit meinen Gelumpe. Dann haben wir die Scheibe vollgemacht.
Die kleinen Patronen, 200 Gramm. Vorn den Zünder rein. Dann hat man einen 2-Meter-Stock ins Loch reingehauen. Und dann hinten dran, festgemacht. Und dann gab's noch anderen Sprengstoff in Säcken. Das war einfach "Dünger". Ja, so Zellstoff.. Damit der
Schuss nicht rauspfeift. Und Sprenggel dazwischen.
So Sprenggel, so rot. Das sah dann rötlich aus, so krümelig. Da hatten sie so ein Gerät hier, hast du mit Luft gemacht, draufgeblasen.
Also, das geht nicht los, wenn du irgendwie ... Genauso ist das auch mit Zündern und so. Oder mit einer Patrone, 200-Gramm-Patrone. Gelatine, Tonerit, hieß das immer, so rotes Papier. Da passiert gar nichts.
Also wenn du das jetzt hinlegen würdest, auf einen Amboss und einen riesen Hammer, nur die Patrone und würdest draufschlagen, könntest du vielleicht Glück haben, dass es einen riesigen Schlag gibt, dass da die Gelatine zur Zündung kommt. Aber nee, und deswegen ist da kleine Zünder drin, den du die in die Patrone vorne hier reinsteckst, wo die Träger rausgehen. Da drin ist eine kleine Spirale, die dann, wenn du die Zündmaschine hier leiherst, die dann glüht. Und hier ist ein ganz kleines Plättchen drin mit einem Zündstoff, der hochexplosiv ist, und der macht einen kleinen ...buff. Und dadurch erst ... zündet die Patrone. Und dann eben das ganze Loch. Ja?
Das ist so ... Ja, verschiedene Sachen gab's da, kam immer drauf an, was sie so hatten. Mal gab's keine Gelatine, mal gab's das nicht, dann gab's keine Zünder. Dann gab's nur ... Die Zünder, die kamen von der Tschechei. Dann gab's
nur Zündschnuren. Da musstest du Zündschnur reinmachen, schneiden, und da hinten dran, das ist ja dann auch, dass es dann elektrisch anbrennt, nicht jetzt hier angekokelt oder so. Wenn du ein Loch hast, geht's, gell? Aber wenn du jetzt 40, 50 Loch hast, da musst du die unterschiedlich schneiden, unterschiedlich lang musst du die Zündschnur machen, damit sie unterschiedlich lange brennen. Wenn du jetzt zum Beispiel die ersten zwei, die kommen mit einmal. Also das ist die Nummer eins. Die kommen zusammen. Der Sechser, das haben wir dazu gesorgt. Wer will das verstehen? Ein Loch. Da wird gebohrt, zwei Meter. Ein Loch, zwei Meter. Und das Nächste hier, ein Meter. Und unten drunter wieder zwei Meter. Und drüben die Reihe auch. Und die kurzen, die werden als Erstes besetzt. Also mit der gleich langen Zündschnur, ne? Brennt die.
Und dann geht's ... haut's das raus. So hier, das Gestein haut es
hier raus. Und dann kommen die nächsten, die unmittelbar in der Nähe sind, zwei Meter lang, zünden. Und da hast du dann nicht nur das kleine Loch, sondern da hast du hier schon ein großes Loch. Und dann immer wieder. Peter, du musst erstmal erklären. Die kennen das nicht! Es geht los bei der Scheibe in der Mitte. Nicht unten, nicht oben. In der Mitte. Und dann kommen immer die Nächsten. Sonst hast du keinen Erfolg. Kommt nicht. Die Nächsten sind alle… Die drücken in das Loch rein, was frei geworden ist. Die Mitte wird rausgeschossen, da hast du dann so ein Loch und dann wird das immer größer.
Und als allerletztes unten die Sohlenlöcher, viere, fünfe oder sechse, die kommen alle mit einmal. Und zwar haben wir da immer gesagt, da klopfen wir mit der Decke ab. Wenn die unten gebohrt sind, so schräg, nein, Und voll. Die kommen alle mit einmal. Also ich sag jetzt mal, die Nummer zwölf. Die Zünder haben alle die Nummer zwölf. Und die kommen dann alle mit einmal Also kommen heißt, die zünden. Und die hauen mit einmal das gesamte Haufwerk, was da liegt, nach oben. Oben an den Fürsten. Da haben wir immer gesagt, abklopfen. Da brauchst du dann nicht mehr viel machen. Das, was da alles los ist, ist dann mit runter gefallen. haust den Mist
alles hoch und dann auch relativ lang. Wenn du dann mit dem Lader ankommst, hier, das langputzen der großen Schaufel, ist es schöner, als wenn das alles so ganz vorne auf so einem Haufen liegt. Da fährst du nämlich ran, lädst das auf, und dann kommt der Mist immer nachgerollt und immer auf die Beinee. Schließt an der Seite drauf. Das ist bei jedem Mensch anders. Das ist bei jedem Mensch anders. Grundlegend muss der Mensch Wille haben. Wenn der keinen hat, wird's nicht. Also da ... Grad wie ich in der Bohrung, wo ich den ersten Tag zu der Bohrer bin, da hat mich dieser 90-Jährige unter Tage in Empfang genommen und hat auch 14 Tage mit mir gebohrt. Bergbau hieß es mal, Bergbau ... hat, egal wo, Wohlstand
gebracht. Und Bergbau ist auch was, A.) wie gesagt, nicht jeder machen würde, auch wenn’s anderen gefällt. Es ist nämlich ungewöhnlich, es ist sehr schwer, hart, dreckig, schlammig und trotzdem geht man gerne hin. Und dazu kommt natürlich, dass ein Bergmann auch sechs Liter Schnaps kriegt. Gerade in DDR-Zeiten hat als Arbeiter der Bergmann das meiste Geld verdient. Das ist eindeutig. Und das hat er auch verdient. Und wenn irgendjemand mal gesagt hat, du hast einen Haufen verdient bei der Wismut, hab ich gesagt, du kannst doch hingehen. Das wollten die nicht. Ja, ich will mal so sagen, mehr kann's immer sein. Aber da du ja das Umfeld, wo du gewohnt hast und überall, was du gekannt hast, gewusst hast, was ich verdiene und
was die verdienen, warst du zufrieden.
Also, es war so gewesen, tatsächlich, bei mir, ich hab so viel verdient. Ich war in der Woche immer Spitzenbrigade und immer sozusagen die Rammlichsten von allem. Ich konnte das überhaupt niemanden sagen. Wenn ich abends im Dorf ins Wirtshaus bin, zum Stammtisch und so hin und her, da hast du die Leute gehabt in der LPG, die 500, 600 Mark verdient haben.
Das war der Schnittverdienst.
Das kriegst du denen nicht beigebracht. Da entsteht sofort Druck.
Es kommt ja noch dazu, es ist ja nicht allein das Gehalt. Also Gehalt. Wir hatten ... mein Leben lang hab ich auf Leistung gearbeitet. Nicht auf Stundenlohn, auf Leistung. Und kommt aber noch dazu, du hattest ja noch viel mehr andere Vergünstigungen. Konsumartikel, brauchst du eine Tiefkühltruhe, eine Waschmaschine. Da hatten wir unseren Laden.
Auto. Bananen, Ernährung, das war alles da.
Und dann die vielen Kuren. Urlaub. ich habe drei Kinder, wir waren jedes Jahr in Zinnowitz. Jedes Jahr.
Und nach Zinnowitz konntest du mit dem Zug fahren, kostenlos. In dem Zug war Kino.
An der Ostsee hast du Vollverpflegung, Früh, Mittag, Abend und gute Verpflegung. Du hast einen Strandkorb, du hast ein Fahrrad, was du denken kannst, wo du heute alles bezahlen musst.
Und für das Geld mit drei Kindern, für 330 Ostmark, 14 Tage Ostsee, da komme ich heute nicht mal nach vorne mit dem Sprit.
Da gab es auch direkt Leute, die so abhängig waren, die haben hier gearbeitet wegen dem Schnaps, weil der 1,12 Mark gekostet hat, 0,7er-Flasche. Und die waren auch immer da.
Nicht wie heute, dass einer immer noch nicht kommt. Das gab es bei uns gar nicht. War ich auch nicht.
Ja, das war auch so. Wenn einer noch nicht gekommen wäre, dann hätten die geholt.
Das war früher so. Es gab hinter den Jahren ja die Pflicht zur Arbeit, was hier nicht mehr ist.
Die wurden erst geholt.
Da ist auch jeder gegangen und wenn er sich hingeschleppt hat, da hat man manchmal gesagt, die fing da an und haben die ganze Schicht gebellt wie verrückt und husteten, “Nicht krank.” Warum? Wenn er zwei Tage gefehlt hat im Monat, gab es nur zwei Liter Schnaps. Durchgezogen.
Aber das waren nicht alle. Nee, aber es gab solche. Das ist so, dass auch alleine der Lohn die Leute animiert hat zu arbeiten.
Muss man sagen.
Das hat sich so ergeben, wenn ich in der Küche saßt, Da war das immer so. Vier Mann am Tisch. Na
ja. Jeder eine Tasche mit, auf jeden Fall. Man griff einen runter. Da war die Flasche auf dem Tisch.
Ja, aber es war nicht ... Aber
Und dann sind sie meistens, wenn das weg war ... Dann sind sie meistens in den Bus rein oder in den Zug. Da hat
s nicht lange gedauert. Dann haben sie geschlafen.
Da haben sie sich Jux draus gemacht, gerade bei uns, hier raus Richtung Schleiz, die Linie. Da hast du jetzt die vielen Dörfer. Jetzt
von Gera, also von Ronneburg hier. Und wenn einer geschlafen hat ... Ruhig. Und der
hat einen durchgezogen. Auf einmal war der ein Schleiz und war aber von Niederpöllnitz oder irgendwo her. Na,
was ist denn nun? Der Busfahrer nicht gesagt, aber der Busfahrer, der fährt dann in anderthalb Stunden, fährt dann wieder die Strecke zurück mit der nächsten Schicht nämlich hin. Da
muss er rein, da muss er dann aussteigen, daheim. Das haben sie ja gerne gemacht.
Ja, es gab sich Anekdoten, auch beim Einfahren. In unserem Fahrstuhl, in der Schale, waren wir 16 Mann, in zwei Etagen, also 32 Mann.
Und da steht ja Mann an Mann. Einer steht hier, der Nächste steht hier, hat seine Nase hier und dahinter steht noch einer. Da
haben sie auch schon mal Sachen gemacht und dann den Helm, das Stirnmband mit Knoblauch eingerieben und so Sachen. Das gab’s überall! Aber das ist Spaß. Zum
Alkohol kann ich nicht viel sagen. Durch die Küche bin ich immer schnell, gegessen und fortgegangen. Gab gutes Essen.
Du konntest vor der Schicht oder nach der Schicht, das ist egal. Und Beutel hast du auch.
Gutes Essen, große Auswahl. Und alles mit Vorspeise und Hauptessen. Verschiedenes und Kompott und Kaffee und Brühe, alles. Gab's
nirgendwo so eine Banane, bei uns gab's die. Für 90 Pfennig. 90 DDR-Pfennig.
Wenn du dann gegessen hast, vor der Schicht und bist rein und bist runter, hast du nochmal so einen Beutel gekriegt
mit zwei Doppelscheiben Brot, gut belegt, oder zwei Brötchen und ein Stück Wurst auf die
Hand. Und Obst. Und Milch. Jeden Tag Milch. Und Tee.
Milch, diese Dreiecklinge, dieser Bab, die Düden.
In Tüten. Und das war immer ganz schlimm.
Viele haben keine Milch getrunken, die haben das einfach nur hinter den Ausbau geschmissen. Und dann ist das vergammelt.
Die stinkende Milch, da war manchmal...
Ich hab das immer getrunken. Ich auch. Dann bin ich, wenn ich mit dem Bus gefahren bin, kostenlos.
Da haben, wie er sagt, die meisten geschlafen in der Gegend, vom Dorf dahin, die haben immer Aber Alkohol gab es da nie. Kann ichnich sagen.
Also ich hab da Dinger durch... Weil ich nach der anderen Richtung kam.
Aber ich war ja hier in Gera gewohnt, an einem Ort, wo ich dann geheiratet hatte, haben wir sofort hier eine Neubauwohnung gekriegt, in der Dornaer Straße, der letzte Block Richtung Dorna, wo
wir stehen, da draußen. Also ich habe da schon ganz schöne… Das war mein Brigadier. Also es war so,
ich war eigentlich immer der Stellvertreter. Brigade Manwill?], überall so richtig gute Brigaden, wie man sagt, Aushängeschilder. Wir
Der größte Man will. Der Willi, der Pfarr.
Der Pfarr Willi war der größte immer. haben uns immer bis an die Spitze weggearbeitet, da wird auch das Geld mehr. Und wie gesagt,
wir haben aber auch Dinge abgezogen. Wir sind zum Beispiel, der Gummistiefel.
Ich weiß nicht, ob das bekannt ist. Hier hinten, das Hotel Dorint.
Berliner Straße hinten, das Große. Da, wo es den Galgenberg hinauf geht, die Straße.
Oder wo noch der Bär stand, der alte Bär hier. Da sind wir hier gekommen mit dem Bus, sind ausgestiegen.
So wie wir waren, sind wir in den Bären eingezogen. Und da hatten wir von der Nachtschicht, ne?
Und da haben wir drinnen gezecht bis zur Nachtschicht. Dann sind wir wieder mit dem Bus zur Nachtschicht gefahren.
Dann, das muss man durchhalten. Und wenn du dadurch was hängen gelassen hast, dann sagen die, du Scheißer. Beim
Alkohol, äh, wie soll ich das sagen? Was mit Alkohol zu tun hat, eines habe ich, oder wenn wir in der Mittelschicht hatten, mit dem Bus, meistens bin ich ja mit dem Auto gefahren, aber wenn wir in der Mittelschicht waren mit dem Bus, mussten wir umsteigen.
Und zwar, wie heißt der
Begriff, Vogelsang. Vogelsang, mitten im Dorf, wo die Straße rechts abgeht nach Braunichswalde und das Eckgebäude war eine Gaststätte.
Ist die noch?
Nee. Der Karl ist nicht mehr.
Das haben die Kinder, aber da ist keine Gaststätte mehr.
Und da mussten wir umsteigen, weil der Bus von uns fuhr dann geradeaus weiter nach Seelingstädt und Teichdorf und wir mussten aber Richtung Crimmitschau, Mannichswalde. Mussten wir dort umsteigen, da kam ein Bus von dem anderen Schacht, der hat uns mitgenommen und dort hatten wir fünf Minuten Zeit.
Und die fünf Minuten ist der dreiviertelste Bus in die Kneipe und hatte Bier getrunken. Der
dort hatte, groß wie der Tisch, alles fertig. Alles fertig, voll Bier. Man wusste genau, wenn da was kommt, stand das da.
Und genau so war es in Ronneburg. Auf dem Bahnhof. War
genau dasselbe. Da war der Lokschuppen, nannten sie das früher, da war die Lok drinne. Da war es auch.
Hier, wie der Tisch, doppelt so lang. Alles voll Bier. Fast voll.
Hat dann nur immer noch einmal ... raus. Sind
sie alle dann reingerammelt, umgestiegen da auf den Bahnhof, die von Gessen kamen und so, rein, schnell
in den Lokschuppen, Bier, ein, zwei schön rein, und dann in einen anderen Zug gestiegen Richtung Schacht. Das vergisst du auch nicht.
Was da für ein Betrieb war, die haben, wenn du da nicht aufpasst und kommst unter die Räder, kommst du nicht wieder hoch. Nö. Ich nicht. Ich
bin vom Dorf. Also, wir mussten ja viele Sachen, mussten wir ja. So
zum Beispiel am 1. Mai mussten wir ja immer kommen. Okay. Das hab
ich abgedrückt. Gab's ja auch fünf Euro. Das hab ich alles abgedrückt über unser Dorf. Ja.
Aber wir mussten. Mein Vater, da musste, Kampfgruppe war der. Dermusste
immer noch Gera zur Demonstration. Mit dem Moped ohne Führerschein.
Da haben wir auch ja Uniformen gekriegt. Ja. Die frischen Paradeuniformen
Die richtige Paradeuniform. konntest du aus dem Schacht holen, da hatten die extra so eine Abteilung, die wir nur nach Gera hier mit denen rumrennen mussten zum 1.
Mai oder so. Hier, da hast du das.
Nee, das war, also das sah so aus, die Uniform war wie so ein Militärschnitt. Die Hosen und die Jacke so.
Ich wüsste gar nicht, ob es das jetzt noch gibt. Sie waren
noch mit Schildmütze, gell? Ja.
Die waren extra dafür, und jetzt der Block, Schmirchau, jetzt wie wir waren, die hatten alle ganz so eine Uniform an. Du hast auch noch fünf Mark gekriegt.
Das war jeden seine Sache. Du hast deinen Lohn, hast du ja Rente gekriegt und konntest aber eine Zusatzrente abschließen.
Und du musstest im Monat was bezahlen. Und ich hab die gemacht und ich krieg dadurch mehr Rente wieder.
Ich hab's nicht gemacht, ich hab die nicht gemacht, ich hatte genug.
Unterstützung in dem Sinne, muss ich sagen, jetzt nicht auf meine Rente bezogen, aber mein eigener Vater war bei der Wismut, Paitzdorf, und ist aber gestorben 1972 durch einen Verkehrsunfall. Vorm Schacht. Dort musste man noch Geld holen, jeden Monat abholen.
Und er hat Brot abgehabt, er hat Geld geholt und kommt nicht wieder. Tot.
So. Und? Die komplette Beerdigung, mit allem Drum und Dran, der hatte noch anderthalb Tage an Maschinen gehangen, bis sie ihn ausgeschaltet haben, hat alles die Wismut finanziert.
Die haben uns geholt, die haben uns hingefahren, alles was du dir denken kannst. Die komplette Beerdigung bezahlt alle, die Wismuter sind alle mit dem Bus gekommen und wir haben uns um nichts kümmern brauchen. Außer raussuchen, was für eine Kiste haben
wollen. Na, den hat ja auch ein Kipper überfahren? Nee, nee,
nee, Verkehrsunfall. Mit einem Motorradfahrer. Im Normalfall, bei anderen und Unter-Tage-Unfällen.
Nehme ich mal stark an. Also hier war’s auch
so. Naja, wir haben... Also ich hab mal was erlebt, das ist auch eingebrannt im Gehirn. ...wo es in Dings gebrannt hat? Weißt du das
noch? Wo der verunglückt ist, da hat sich auch mit dem Bunkerlader eingeklemmt.
Da ist dann gestorben im Krankenhaus. Hauer. Der war
Lehrling, da waren wir noch nicht fertig, der Da waren wir leerlich. war Lehrling. Und es war Feierabend und ich hatte schon meine Tasche, die Schießertasche und die Zünder und alles wieder.
Und der fuhr nochmal mit dem Bunkerlader 100 Meter hin. Ich so: Wo willst du hin, komm mal, Schluss, Schluss, Schluss, wir müssen jetzt los! Weil wir es noch weit hatten bis zum Schock.
Und der ist nochmal da drauf gerammelt und ist dann gekommen und
der war er immer so übereifrig
und da holte immer alles, so richtiger Bär von einem jungen Menschen hier und dahinter und gerammelt und ich habt gewartet, es machte “nrrrrrr” und auf einmal war Ruhe. Erstmal gar nicht, … da bin ich hin und da Und ging, ging, ging, ging. Es ging immer über Ruhe.
Und dann war es immer gar nicht. Da bin ich hinunter.
hab ich die Scheiße erlebt, da hat er sich eingeklemmt und wie du gesagt
hast, schon hier. Der hat die Maschine vor Ort hier gedreht und wollte in die Ecke rein und rammelt zurück und klemmt sich ein.
Und in dem Moment kommen noch aus der Seite raus, die Platten. Hier hinten drauf, hier.
Dann hat es den an die Maschine gedrückt, hier, die Hände dran. Und die Maschine, der konnte die Hände nicht wegnehmen, die hat immer weiter gewirscht, gerädert Und so kam ich.
Und der war eingeklemmt. Ach, ein Scheiß, nun war das alles aus, das Gelumpe hingehauen.
Und den erst mal versorgt, dann da raus, erst mal die Maschine:
Ich kam ewig nicht an den Hebel. Nein, da hast
du den Haupthahn dran, den
du ausschalten kannst, damit die Maschine ruhig ist und nicht immer
hier versucht hier irgendwie, weil der da dran hängt, gell? Der hat keinen Mux mehr gemacht, also nicht geblökt oder was, nichts. Da war er weg.
Ja, und dann ging das natürlich los. Rausgezerrt und dann hin und nur die Wattejacke hin und dann drauf und meine Wattejacke drauf und ich los.
Und dann kam wieder das dort runter auf den Block oben, wo du bist. Also Block ist das, wo das Erz abgebaut wird. Ja.
Und ... Und ... nun losgerammelt. Ja.
Und das hat gedauert. Das hat gedauert. Dann wieder hoch.
Der lag noch dort, der hat zwar Luft geholt, aber das war nichts mehr.
Also, es war ganz schlimm, wo ich
mit denen da oben noch alleine war,
weil ja dann die Grubenwehr kam,
die mussten den ja noch runterlassen,
abseilen, über den Materialschacht runter.
Das geht ja aber nicht liegend, nur senkrecht.
Ja, und dann sind wir… in der Zwischenzeit war die Seilfahrt vorbei und alles. Und alle, die schon waren, die waren schon alle heim.
Die Busse waren abgefahren, die Züge waren abgefahren.
Wir hatten ja auch Züge, gell, die gefahren sind. Altburg, Gera. Und ... ähm
Das ist jetzt Gera.
Und. Der Steiger war noch dort. Ziehner.
Das ... ... damals. “Das kann nicht wahr sein!”
hat er immer gemacht. Das war so ein verrückter Hund.
Der ist ganz zeitig gestorben. Der ist als Steiger gekommen. Da
musste immer jede Brigade, seine Vorschriften ins Buch geschrieben, was unbedingt gemacht werden muss und so. Und ... sich schon immer vom Weiten gehört. Der hat immer gemosert, da
rum. Und dann ist er vorgekommen, wenn wir da freigeräumt hatten, gell?
Und wir hatten jetzt die Scheibe, und du hast gesehen, Erz drauf. Das Erz hast du gesehen, das war ... Du hast ja nur Gestein,
gell? Aber du hast da so ganz kleine, wie so Fäden.
Wie im Schweinekamm, das Fett. So, wie so Fett.
Hast du da so Spalt drinnen, und das ist das Erz. Sieht so gelb-weiß aus, so ... Da ist ... gekommen
und hat das Zeug geküsst. Tatsächlich. Vorgerammelt.
So. Hat nicht lange gedauert, wo er gestorben ist.
Aber mit dem hab ich ein Ding erlebt. Hier, der sich da eingeklemmt hatte, ja? Den hat
die Grubenwehr rausgeschafft, ins Krankenhaus und so. Ist dann auch noch gestorben, im Krankenhaus. Aber ... äh
Der Steiger und ich, uns haben sie mit dem B1000 heimgefahren vom Schacht. Wir sollten der Familie beibringen, dass der Junge verunglückt ist. In
Crimmitschau, Richtung Meerane, großer Bauernhof. Jetzt kommen wir dort angefahren mit unserem B1000.
Auf einmal kommen die Feuerwehr angefahren wie verrückt hinter uns her und überholen uns dort. Wir fahren vorher ran und sind dann hinterher gefahren. Und die
Feuerwehr, die machte dann fort. Wir haben nichts gesehen, dass da irgendwas war. Auf jeden
Fall rannten ein Haufen Leute rum,
das war dann auch schon Mitternacht, die rannten da umher.
Und wir wussten dann nicht richtig, wo wir hinfahren sollten,
weil wir nicht wussten, wo der wohnte. Und da war eine Frau an der Straße, wir fahren da ran, und haben gesagt, können Sie uns mal sagen, wo der [XXX] wohnt? Na,
hat die uns ganz verdutzt angeguckt. “Na, da hier, da hier, wo es brannte.” Und da haben wir geguckt, tatsächlich, da brannte hinten die Scheune und das halbe Wohnhaus.
Da sind wir dort angehalten mit den B1000 sind raus, ne, und da
war so ein großes Hoftor
und da rannten sie mit Körben und mit Zeug aus dem Haus raus und
haben raus hin und her Ich hab dann gesagt, mit dem
Steiger, wir müssen jetzt mal jemanden von der Familie, wir können ja nicht ewig warten. Da haben wir dann wieder welche gefragt.
Hier, das ist die Mutter.” Die Frau,
die kam da angerannt mit dem Korb
Wäsche. Da haben wir die so geschnappt
und haben gesagt: Ja, wir sind hier von Schmirchau, wir... Ist nicht schlimm, hat er gesagt.
Ist nicht schlimm, hat er für die gesagt. Aber der liegt im Krankenhaus, hat einen Unfall gehabt.
Hat die ihren Korb losgelassen. Guckt dich mit solchen Augen an und fällt um.
Ja, das ist auch alles Ja, das war's. Zieh nahe hin.
ein bisschen... Ja, das wars. Du weißt ja auch ein bisschen, wie er war, mh?.
Hat sie wieder ein bisschen reagiert. Ja, das ist nicht schlimm. Der
kommt bei Zeiten wieder. Der hat sich ein bisschen ausgewischt.” Die hat nicht reagiert und wir sind dann abgehauen.
Wo Wir noch eine waren hier. Da war ich halb zwei in der Nacht daheim. Also das hab ich auch, das Bild.
Wie ich den da hinten aus dem Lager rausgezerrt hab, wo der eingeklemmt war, und dann davor und hingelegt und zugedeckt und alles.
Das geht nicht mehr weg. Das kommt immer wieder mal. So was. Ja,
also ich ... Wir haben uns ja oft schon unterhalten.
Ich sag, Mensch, ich sehne das zurück. Es war alles so schön. Es war alles geregelt.
Die haben alles gemacht, du hast alles gekriegt. Wenn du dir das überlegst, was wir verdient haben, immer 1.500 bis 2.000 verdient und über 2.000! Das kannst du niemandem sagen. Im
Wirtshaus konnte das niemandem sagen. Aber das war so.
Sie meinen das anders. Das versteh ich schon. Im Großen und Ganzen muss man sagen, es war unten familiär.
Wir hatten, wie gesagt, harte Drecksarbeit, aber wir hatten auch unseren Spaß.
Vielleicht nicht jeden Tag, aber... An manchen Tagen war schon... Du vergisst das alles, was böse war und merkst dir nur das Gute.Als erstes haben wir da unten Kaffee getrunken erstmal.
In irgendeiner Werkstatt. Da hat einer mit dem Kanister Wasser angeschleppt und hat für uns Kaffee gekocht.
Das war familiär, das war alles wunderbar. Und wenn du Probleme hast, hat auch jeder geholfen.
Meistens nicht, weil alle sehr weit auseinander waren. Das Einzugsgebiet war ja groß.
Jeder kam davon, irgend so einer kleinen Klitsche hier und so. Guck,
wie gesagt, wir haben... zusammen 50 Jahre gearbeitet. Und
wenn er mich besuchen will, oder ich ihn, dann müssen wir 100 Kilometer hin und 100 zurück machen. Und so war das eben. Die Busfahrerei, das war wie eine Stammfahrt.
Aber, wie gesagt, das war die schönste Zeit meines Lebens. Manchmal war
es so, da hast du auch gedacht, Es geht nicht mehr weiter, oder da hast du auch gedacht. Aber das hast du heute auch. Peter,
wir haben nie gestanden. Wir kamen nie auf Arbeit und haben gesagt, du kannst grad nichts machen, weil es keine Braunkohle gibt. Wenn
heute das VW-Werk, wenn ein einziges Auto nicht kommt, dann steht das, ist aus.
Wir hatten alles da. Alles. Es ging immer weiter. Kein
Kontakt. Am Anfang waren ja die Russen noch rundherum im Schach gewesen.
Die haben ja da an der Wache und so gestanden. Aber später gab es ja noch direkt, hatten wir ja eine Polizei gehabt.
Wir hatten ja auch ein eigenes Gericht. Wir hatten Polizei, wir hatten Kraftverkehr, wir hatten alles. Eisenbahn, alles.
Ja, der Russe. War auch immer zum Schluss der Hauptingenieur da. Ja, das
kannte er. Hauptingenieur. Das war so, sagen wir mal, indirekt, Betriebsdirektor. Das
war zwar Deutscher Direktor, aber indirekt, ja
das nannte sich Hauptingenieur.
Da muss ich auch noch erzählen, was ich da gesagt hatte. Ich war eigentlich immer derjenige, immer der zweite Mann in der Brigade, also immer der Stellvertreter.
In den ganzen Brigaden, wo ich war, wo die Brigadier gewechselt hat oder gestorben ist oder irgendwas, kam der Neue und ich war immer der Zweite. Warum? Da kamen die immer, wenn wir gearbeitet haben, hast du schon gesehen, zwei Mann,
Licht. [XXX] Genosse. Hatte der ein Brett, steht ein Brett. Hat
er dort ein bisschen Platz gemacht.
Peter. Peter, komm mal her. Ich wusste schon, wer das war.
Also, pass mal auf. Du bist der Mann, der hier alles in den Händen hat.
Du fehlst uns als Genosse! Hm?
Und meine Mutter, die hat mir damals beigebracht, weil mein Vater ein bisschen im vorgehenden System, als Nazi, richtig aktiv war. Und die hat gesagt, und wenn von meinem Bruder, hab ich ja noch einen, wenn einer von euch in die Partei geht, fliegt ihr raus. Ich hab
das durch, ist nichts mehr zu machen!
So war das. So, und die kamen und haben mir gesagt, du musst jetzt hier, dir das mal überlegen. Als Genosse!
Ich hab gesagt:... Die haben einen ja immer mit Vornamen angeredet.
Ich so... Pass auf, ich mach die Sache mit. Wenn du meinen Beitrag bezahlst.
Da wollte der ja immer, dass ich... Der andere immer auf mich eingearbeitet. Wollten immer... Und das haben die paar... haben die paar Mal versucht. Immer wieder sind die da gekommen. wollten mich da in der Partei holen.
Wo ich immer gesagt habe, mache ich. Aber ich brauche mein Geld.
Ich verdiene das hier und ich möchte das verdienen. Und ich gebe alles, damit ich viel kriege.
Wenn du mir den Beitrag bezahlst, und die haben ja alle immer 50 Euro [Mark] bezahlt und mehr. Dann mache ich das. Haben sie nicht gemacht.
Und so bin ich davon
gekommen. Ja, aber im großen Ganzen muss man sagen, der DDR war die Politik. Eigentlich eindeutig, das wusste jeder.
Und man muss sagen auch, wenn ein Nichtgenossen ein Problem hatten, hat ihnen der Partei auch geholfen. Die sind zum Parteisekretär und er hat denen geholfen. Ich sage auch immer wieder, egal wie alle drüber denken, aber wir haben es ja erlebt.
So gegängelt wie jetzt und heute und hier, das gab es überhaupt nicht.
Du kriegst ja von früh bis abend gesagt, was du mit deinem Geld machen
sollst. Du kriegst ja keinen Tag vorgeschrieben alles, was du machen musst.
Ich muss mich da nicht aufregen, darüber. Brauchst du nicht mehr.Bin da drüber weg.
Wir ändern da nichts. Aber so wie es jetzt ist, nicht nur jetzt, auch schon vorher, Jahrzehnte, das gefällt mir überhaupt nicht. Da brauch
mir keiner sagen, dass wir gegängelt worden sind oder was.Nö. Jetze, mit allem. Es war alles nur immer.
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