Bernd Just

Das Interview fand im Februar 2023 in den Räumlichkeiten der Gedenkstätte Amthordurchgang statt.

Lebenslauf

Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Bernd Just kommt als Chemiefacharbeiter erst nach der Lehre zur Wismut: Ihn lockt der Lohn! In Seelingstädt kommt er zu freundliche  Kolleginnen in die Erzaufbereitung – wo jedoch die Bewachung des Betriebsgeländes besonders streng ist!
Nach der Wende erarbeitet er Umweltsanierungskonzepte.

Gesamtinterview

  1. Bernd JustBernd Just

    Und ich bin der Herr Just, bin 1951 in Weida geboren, 10. Klasse-Abschluss, hab dann gelernt, Chemiefacharbeiter, aber auch nicht bei der Wismut, sondern im Chemiewerk Coswig bei Sachsen-Anhalt. Bin nach der Lehre wegen Geld zur Wismut.

  2. Bernd Just

    Das war der Hauptgrund. Ich habe 3 Schichten, rollende Woche gearbeitet, 500 Mark verdient in der volkseigenen Industrie. Und

  3. Bernd Just

    bei der Wismut hatte ich 750. Das waren natürlich 50 Prozent mehr. Und die ganze Vergünstigung zur WIsmut

  4. Bernd Just

    Ich weiß nicht, ob ihr’s kennt, was es bei der Wismut alles gab.

  5. Bernd Just

    Kennt ihr das? Also es gab als erstes, das Wichtigste, nach drei Jahren eine Treueprämie von 20 Prozent des Jahresbruttoverdienstes. Also das Jahresbruttoverdienst, 20 Prozent auf einmal.

  6. Bernd Just

    Und dann gab es sogenannte Talons. Das waren Gutscheine über zwei Paar Schuhe im Jahr. Also meine Schwester und meine Mutter, die haben immer genug Schuhe gehabt. Und dann gab es vier mal Obertrikotage und den Wismutschnaps.

  7. Bernd Just

    Dann habe ich aber, weil ich ein über Tage war, bloß einen Liter gekriegt, während die unter Tage ja bis zu fünf Liter hatten. Gearbeitet habe ich in Seelingstädt im Aufbereitungsbetrieb 102. Wir haben sozusagen das Uranerz verarbeitet.

  8. Bernd Just

    Jetzt könnt ihr Fragen stellen. Ich bin in Weida geboren. Meine Eltern waren Flüchtlinge und sind aus Pommern vertrieben worden, 1947.

  9. Bernd Just

    Wir waren arm wie die Kirchenmäuse, aber wir hatten eine wunderbare Kindheit. Die Straße und der Wald gehörten uns. Wir haben überall Fußball spielen können. Die Straßen waren breit, es gab keine Autos. Gute Kumpels gehabt. Es hat keiner mich irgendwie merken lassen, dass ich ein Flüchtlingskind bin.

  10. Bernd Just

    Ja, und Natur. Wir haben Hütten gebaut im Wald.

  11. Bernd Just

    Wir haben in der Weida gebadet. Baumfang gemacht. Kennt ihr das, ne?

  12. Bernd Just

    Kletterbäume. Drei Mann, jeder hat einen Baum gehabt. Wurde ausgelost, wer es ist, und dann musst du Hasche spielen, auf dem Baum. Dann runtergefallen, der war

  13. Bernd Just

    s! Es hat Spaß gemacht, sahst ein bisschen zerknittert aus manchmal. Also, ich habe eine ganz tolle Kindheit gehabt. Ich hab mit zehn Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Bis ich dann in der achten

  14. Bernd Just

    Klasse aufgehört hab, meine Kumpels weg waren. Wie das so ist in der achten

  15. Bernd Just

    Klasse. Nee, nee, ich wollte eigentlich Konditor werden,weil ich mit der Oma immer Kuchen gebacken habe. Schon deshalb, um den Teig auszunaschen.

  16. Bernd Just

    Und dann hat mein Bruder zu mir gesagt, ich habe noch vier Geschwister, nun ist einer nicht mehr, ist egal. Und da hat er gesagt: Ey, da musst du immer früh um vier aufstehen.

  17. Bernd Just

    Da dachte ich, nee, früh um vier aufstehen, das willst du nicht. Als ich bei der Wismut gearbeitet habe, wann bin ich aufgestanden?

  18. Bernd Just

    Früh um vier. Und dann haben sie in der Schule Werbung gemacht für Berufe, wie das bei euch bestimmt auch so ist.

  19. Bernd Just

    Ja, und dann für Chemie habe ich mich immer interessiert. Und da war eine Bedingung in Coswig, also im Internat.

  20. Bernd Just

    Also mein Vater hat in der Textilfabrik gearbeitet, als sogenannter Apparateur. Meine Mutter war ungelernt. Die hat in den Lederwerken gearbeitet und dann zum Schluss als Küchenhilfe in der Vetron. Nicht in der

  21. Bernd Just

    Vetron, in der Jute. Naja, mein Kumpel, dem sein Vater war Kipperfahrer. Und das war der Einzige, der schon 1960 einen Fernseher hatte.

  22. Bernd Just

    Und da war es manchmal so, wenn es geregnet hat, dass da zehn Kinder in seiner Wohnstube waren und haben Fernsehen geguckt. Es hatten nur welche von der Wismut Fernseher. Alle anderen hatten keine.

  23. Bernd Just

    Die bei der Wismut gearbeitet haben, die hatten als erstes Fernseher, als erstes Auto und die Jugend hatte Motorrad. Ich habe mit 17 Jahren angefangen zu lernen. So

  24. Bernd Just

    anderthalb, ein und dreiviertel Jahre brauchte ich bloß zu lernen, weil mein Abschluss mit einer Zwei war. Dann habe ich in der Lithopone Werk Wünschendorf, also im Chemiewerk, gearbeitet. Aber mein Kumpel war unter Tage Schlosser in Schmirchau und der hat gesagt, komm doch zum Wismut, da verdienst du ordentliche Kohle.

  25. Bernd Just

    Also das habe ich gemacht. Und bin dann wegen Geld zur Wismut. Bin

  26. Bernd Just

    nach Seelingstädt in die Kugelmühlen-Zeche. Kann ich euch mal erklären, was im Buch... Wisst ihr, was eine Kugelmühle ist?

  27. Bernd Just

    Da wird das Erz zermahlen. Wisst ihr überhaupt, wie die Aufbereitung funktioniert?

  28. Bernd Just

    Es ist ja so, die Hauer unter Tage haben das Erz gefördert. Aber mit dem Erz konntest du ja nichts anfangen.

  29. Bernd Just

    Das musste ja aufbereitet werden. Das musste ja Uran draus gewonnen werden.

  30. Bernd Just

    Also kam es dann in die Aufbereitungsbetriebe.

  31. Bernd Just

    Es gab zwei hier, eins bei Zwickau und eins in Seelingstädt. Und da wurde das dann erstmal mechanisch aufgearbeitet. Es wurde zerkleinert und dann chemisch. Zu

  32. Bernd Just

    Wünschendorf habe ich dann meine Lehre beendet. Lithopone Werk Wünschendorf, das ist eine Fabrik, die Farbkunststoffe hergestellt hat.

  33. Bernd Just

    Aber wo ich gelernt habe, das war Schwefelsäure, Düngemittelindustrie. War hartes Leben. Wenn

  34. Bernd Just

    man denkt, ich habe 85 Mark als Lehrlingsgeld gehabt. Da ging 50 Mark fürs Internat ab.

  35. Bernd Just

    Also 8,50 Mark Sozialversicherung, 30 Pfennig FDJ-Beitrag. Da weißt du, was du im Monat gehabt hast. 26,20 Mark.

  36. Bernd Just

    Und da wolltest du auch mal tanzen gehen, Bier trinken. Das war alles nicht einfach.

  37. Bernd Just

    Also ich war gewöhnt, mit wenig Geld auszukommen. Und das war mein Vorteil. Drei Schichten rollende Woche.

  38. Bernd Just

    Also die erste Schicht war von halb sechs bis halb zwei. Die zweite von halb zwei bis halb zehn.

  39. Bernd Just

    Und die dritte von halb zehn bis wieder halb sechs. Und die Wismut in Seelingstädt, die war so überwacht, wie die Staatsgrenze der DDR. Es war ein

  40. Bernd Just

    Doppelzaun, die Polizei war am Eingang. Du hattest den Betriebsausweis, den durftest du aber, während die im Schacht ihren Betriebsausweis mit nach Hause nehmen durften, konnten wir nicht.

  41. Bernd Just

    Du hattest dein Fach, deine Nummer, du hattest die gezogen, da fiel der Ausweis auf Förderband und der Polizist hat dir den Ausweis gegeben. Arbeitssachen hat die Wismut gestellt.

  42. Bernd Just

    Also es gab zwei sogenannte Kauen. Eine schwarze, wo die dreckigen Sachen waren, und eine weiße, wo die guten Sachen waren.

  43. Bernd Just

    Und die durften nicht vermischt werden. Also du bist sozusagen rein, hast dich umgezogen, bis nackig durchgegangen, durch die Duschen, im Nebenraum, und hast dich dort angezogen.

  44. Bernd Just

    Und heimwärts war es umgedreht. Alle drei Tage war Wäschetausch.

  45. Bernd Just

    Es war aber auch so, dass du jeden Tag deine Arbeitswäsche tauschen konntest. Wenn die kontaminiert war.

  46. Bernd Just

    Also das war knochenhart. Also die Jahre in der Kugelmühlenzeche. Die waren für mich eine Umstellung von der normalen Industrie zur Wismut war sagenhaft. Das

  47. Bernd Just

    ist schwer. Weil erstens warst du jung. Hast nichts zu sagen gehabt.

  48. Bernd Just

    Der alte Wismut-Adel hat bestimmt, die hatten ja, es gab elf Kugelmühlen, die hatten ja Stammmühlen. Und du als junger Kerl warst Springer.

  49. Bernd Just

    Also, Wochenende arbeiten, du hast keine Familie. Also du arbeitest das Wochenende, so ungefähr.

  50. Bernd Just

    Einmal im Monat hast du frei gehabt, das Wochenende. Ich bin auch dann aus der Kugelmühlenzeche raus.

  51. Bernd Just

    Ich wollte weg. Ich wollte dann keine 3 Schichten rollende Woche mehr arbeiten. Ich

  52. Bernd Just

    habe mich dann beworben, in Weida, in einem Forstwirtschaftsbetrieb. Ich erzähle die Story weiter.

  53. Bernd Just

    Ich habe in der Gaststätte in Weida in der Klause, hat der Forstwirtschaftsbetrieb Mittagspause gemacht.

  54. Bernd Just

    Dann habe ich mich mit ihm unterhalten. Und er sagte, Mensch, ich suche einen Chemiefacharbeiter. Jungholzpflege, du kriegst einen B1000 gestellt.

  55. Bernd Just

    Deine Arbeitszeit ist natürlich, hat er gesagt, von März bis November. Im Winter hast du Urlaub, hast du frei.

  56. Bernd Just

    Da bist du ein eigener Herr, B1000,

  57. Bernd Just

    du musst aber die Fahrerlaubnis, hatte ich ja noch nicht, Fahrerlaubnis machen wir für dich, einen Giftschein kriegst du. Das ist ein Top-Job. Und

  58. Bernd Just

    dann bin ich zur Wismut, hab die Kündigung abgegeben. Und da hat der Kollege, der Kaderleiter, zu mir gesagt, wenn ich dir eine Arbeit gebe im wissenschaftlich-technischen Zentrum, wo du Frühschicht arbeitest, Bleibst du dann noch so lange da, bis der Lehrling ausgelernt hat, aus der Brigade?

  59. Bernd Just

    Und da habe ich überlegt. Frühschicht ist gut. Technisches

  60. Bernd Just

    Zentrum, im Labor arbeiten, wollte ich es sowieso immer machen. Also habe ich zugesagt, habe gesagt, aber nicht verarschen. Ne, wir machen gleich noch das Kadergespräch, Änderungsvertrag, alles fertig.

  61. Bernd Just

    Und da hatte ich natürlich keinen Mut, weiter zu fahren. Ich habe ihn angerufen und bin dann nie wieder in die Kneipe gegangen. Ich

  62. Bernd Just

    dachte, wenn der dich sieht, der haut dich tot. Und ich habe es nicht bereut. Ich habe genau das Richtige gemacht.

  63. Bernd Just

    Das war ein großer Schritt für mich. Es war

  64. Bernd Just

    wieder eine totale Erholung. Ich habe eine sehr gute Brigade gehabt, einen ganz guten Chef. Ich habe nur mit Frauen gearbeitet, fast nur. Das war ein bisschen gewöhnungsbedürftig, weil die hatten alle ihre Macken. Wie wir auch.

  65. Bernd Just

    Aber ich hatte auch einen guten Vorarbeiter, einen Brigadier. Der meinte am Anfang schon: Pass auf, mit der kannst du am Montag früh nicht reden, erst am Dienstag.

  66. Bernd Just

    Es war eine wunderschöne Arbeit und interessant. Ich war in der Pilotanlage für Zinn. Also die Wismut hat kurzfristig versucht Zinn zu gewinnen,

  67. Bernd Just

    weil der Weltmarktpreis war 1976 24.000 DM für eine Tonne Zinn. Und da hatte die Wismut im Erzgebirge sogenannte Zinnkammern, da gab es Zinnerz, was noch nicht aufbereitet wurde. Und da hatte Wismut beschlossen, wir machen eine Abteilung und versuchen, dieses Zinnerz aufzuarbeiten.

  68. Bernd Just

    Und da habe ich mit drin gearbeitet.

  69. Bernd Just

    Wo wir fertig waren, wo wir den neuen Betrieb, Reißbrett, fertig hatten, da war der Weltmarktpreis 4000 DM, gesunken. Also war das nicht mehr rentabel. Bin ich wieder nach Seelingstädt, aber im wissenschaftlichen Zentrum geblieben. Hatte ich auch wieder ein bisschen

  70. Bernd Just

    Glück. Hab mein eigenes Labor gehabt. Wieder eine nette Kollegin.

  71. Bernd Just

    Also, ich hab immer arbeitsmäßig, hab ich immer instinktiv das Richtige gemacht. Bis zum Schluss.

  72. Bernd Just

    Ich wusste ja, was auf mich zukommt. Ich hab gewusst, ich bin nicht in der Schokoladenfabrik. Ich wusste, die stellen Uran her. Es ist nicht einfach, man musste schon bestimmte Arbeitsschutzsachen einhalten.

  73. Bernd Just

    Wenn du dich danach gerichtet hast, ging's.

  74. Bernd Just

    Ich habe drei tödliche live fast miterlebt. Also indirekt. Durch Leichtsinn.

  75. Bernd Just

    Außer einer. Einer konnte nichts dafür.

  76. Bernd Just

    Das sind Bachoukas (russisch: баночка), nannte sich das. Das sind große Behälter gewesen. Die wurden auf 70 Grad erwärmt. Und da war einmal ein Loch. Und da hat er mit dem [???] eine Probe rausnehmen müssen.

  77. Bernd Just

    Und dann ging es ihm nicht gut, irgendwie Kreislauf oder was. Da ist der Kopf über da reingefallen, haben sie erst beim Schichtwechsel gemerkt, hätte ihn sowieso keiner mehr gerettet. Danach haben sie die mit dem Kreuz zugemacht, sodass keiner mehr

  78. Bernd Just

    ran kam. Das war schlimm. Dann habe ich noch einen ganz bösen Unfall miterlebt, fast miterlebt. Und zwar, das Erz wurde im Bunker rein, bevor es in die Mühle kam. Und da ja die Hauer Sonnabend und Sonntag nicht gearbeitet haben, kam Sonnabend früh das letzte Erz an. Das wurde ins Reservelager geschoben. Und dann wurde das so aufgeteilt, dass am Sonntag die Nachtschicht maximal von den elf Mühlen vier liefen.

  79. Bernd Just

    Und da musste einer hoch und musste mit dem Schlauch das Erz, was am Bunker war, runterspritzen. Und was hat einer gemacht? Er

  80. Bernd Just

    ist über die Absperrung geklettert, auf so einen Haufen drauf und hat sich selber weggespritzt. Also reingefallen, das Erz auf ihn drauf.

  81. Bernd Just

    Ganz böse. Und dann noch ein ganz böser Unfall.

  82. Bernd Just

    Bei der Entladung im Winter, das war bei jedem Kraftwerk, bei der Kohleentladung, weil die Wismut hat ihr eigenes, die hat zwei Kraftwerke gehabt, also Kohle entladen, da war die Kohle angebrochen. Also ging die Klappe nicht auf. Das ging normal mit Pressluft auf, ging die auf und die Kohle fiel raus. So,

  83. Bernd Just

    das war Schichtwechsel, da war ein Lehrling da. Hat in der Mittelschicht jemand seinem Lehrling gesagt, komm, geh dich umziehen, den letzten Waggon, mach ich alleine. Und nimmt einen Vorschlaghammer, steht sich aber genau vor die Klappe, und schlägt mit dem Vorschlaghammer drauf. Die Klappe geht auf und zerquetscht ihm die Brust.

  84. Bernd Just

    Haben sie ihn aber erst nicht gefunden. Es war ja Schichtwechsel, ja, war keine Rettung mehr. Jaja,

  85. Bernd Just

    erstmal und dann gab es auch immer Belehrungen. Gerade mit Bachoukas, mit dem Ausspritzen, das war eine ganz strenge Belehrung.

  86. Bernd Just

    Eigentlich bist du immer aber arbeitsschutzmäßig belehrt worden. Aber die meisten Unfälle sind durch Leichtsinn passiert.

  87. Bernd Just

    Faulheit, Bequemlichkeit oder Pech. Wie mit dem Waggon, das war Pech.

  88. Bernd Just

    Wir hatten immer Reihenuntersuchung jedes Jahr. Jedes Jahr mit Lungenröntgen.

  89. Bernd Just

    Die medizinische Versorgung bei der Wismut war hervorragend.

  90. Bernd Just

    Wir hatten ja das eigene Krankenhaus hier in Gera, eigene Poliklinik in Bieblach. Jeder Betrieb, große Betrieb, hatte eine eigene Poliklinik. Mit Zahnarzt, mit allgemeinpraktischen Ärzten, zwei oder drei.

  91. Bernd Just

    Du konntest während der Arbeitszeit zum Zahnarzt gehen. War alles gemacht.

  92. Bernd Just

    In Seelingstädt gab es auch eine Sauna, die musstest du aber nach der Arbeitszeit machen. Aber es war keine Gemischte.

  93. Bernd Just

    Die Männlein und Weiblein waren getrennt.

  94. Bernd Just

    Du konntest direkt zum Arzt gehen. Da hast du dich beim Brigadier oder beim Meister abgemeldet. Da hast du gesagt, ja, ich hatte einen Arbeitsunfall. Finger eingequetscht mit dem Schraubenschlüssel. Ja,

  95. Bernd Just

    das war natürlich schon mal ein großes Theater. Der Finger war angebrochen, also die Spitze war gebrochen.

  96. Bernd Just

    Ja, ich bin dann zum Arzt, hab eine Schiene angekriegt, Arbeitsunfall, da kamen sie zu mir nach Hause. Du gehst trotzdem arbeiten, du gehst in die Wäschekammer, kannst auch dort die Wäsche sortieren mit der Schiene am Finger.

  97. Bernd Just

    Wurde der Krankenzettel zerrissen. Ja, das war's. Also Arbeitsunfälle sollten so gering wie möglich gehalten werden, weil das gab nämlich Minuspunkte beim Kollektiv der sozialistischen Arbeit.

  98. Bernd Just

    Aber nur in der Frühschicht. Ja, da war ich 14 Tage in der Wäschekammer. Das war auch nicht weiter.

  99. Bernd Just

    Also, wir haben normale Gummistiefel, Helm, Handschuhe und normalen Arbeitsanzug. Und Unterwäsche. Also alles komplett. Musstest du

  100. Bernd Just

    immer. Also, du konntest jeden Tag wechseln, wenn du das wolltest. Aber sonst war immer Montag, Mittwoch und Freitag großer Wäschetausch. Und die,

  101. Bernd Just

    die in der Endzeche gearbeitet haben, wo das Uran gewonnen wurde, als letzte, die mussten zwei- oder dreimal pro Schicht ihre Arbeitssachen wechseln. Nein, leider nicht. Ich habe,

  102. Bernd Just

    in Schmirchau, war ich der letzte Arbeiter in meinem Labor. Und die letzte Seilschaft, die ging, haben sie extra für alle gemacht und da haben sie mich und meine Kollegin vergessen.

  103. Bernd Just

    Weil wir gehörten ja nicht zum Schacht Schmirchau, wir gehörten zur Unternehmensleitung und das habe ich ein bisschen bedauert. Ich habe aber im Erzgebirge, da gibt es einen Besucherschacht, da habe ich eine Fahrt gemacht, in die Zinnkammern in Pöhla. Das habe ich mit meinen Enkeln gemacht, die waren sehr begeistert.

  104. Bernd Just

    Also es ist schon mal, würde ich jedem mal empfehlen so etwas zu machen. Von Erzählungen hinterher, nach der Wende.

  105. Bernd Just

    Nach der Wende hatten wir eben, da waren Untertage, nur die Hauer-Untertage waren damals Mitarbeiter Alle anderen hat man als Menschen in zweiter Klasse degradiert. Also die Hauer waren schon was Spezielles.

  106. Bernd Just

    War auch die schwerste Arbeit. Und dann gab es so einen Spruch, die Steiger, das war der Meister, da gab es hilflose Parteisteiger, also das waren die Steiger, die Genossen waren, das waren die hilflosen Parteisteiger und die parteilosen Hilfsteiger.

  107. Bernd Just

    Und die parteilosen Hilfsteiger waren die, die Ahnung hatten. Das war das Nächste, was mir ganz böse aufgestiegen ist.

  108. Bernd Just

    Ich habe meine Lehre mit 2.0 abgeschlossen und als ich mich bei der Wismut beworben habe, haben sie mir gesagt, im Januar geht der Meisterlehrgang los, da melden wir dich mit an. Ich sage, in Ordnung, Chemiemeister mache ich.

  109. Bernd Just

    Ich sollte nämlich Chemieingenieur werden von meinem Lehrbetrieb aus. Und da habe ich gefragt, was verdient ein Ingenieur?

  110. Bernd Just

    Nicht mehr als ein Arbeiter. Da habe ich gesagt, ich setze mich dann nicht drei Jahre auf die Schulbank und dann nicht mehr als ein Arbeiter.

  111. Bernd Just

    Aber den Meister wollte ich machen. Aber als das dann im Januar so weit war. Da war der Abteilungsleiter, der Meister und der Brigadier und haben mich reingeholt

  112. Bernd Just

    und haben zu mir gesagt, du hast dich für die Meisterschule beworben, aber deine politische Einstellung gefällt uns nicht. Du kannst sie ja ändern und haben mir einen Aufnahmeantrag von der SED rübergeschoben.

  113. Bernd Just

    Da war ich so stinksauer. Ich dachte, die schulische Leistung, das interessiert kein Schwein.

  114. Bernd Just

    Dann habe ich gesagt, für diesen Preis nicht. Dann bin ich rübergegangen und bin gegangen. Das war,

  115. Bernd Just

    das ganze Jahr habe ich keine Quartalsprämie gekriegt. War erstmal immer hinten dran gestellt.

  116. Bernd Just

    Ich war so stinksauer, weil ich dachte, nur das scheiß Parteibuch zählt. Wir waren ja jung.

  117. Bernd Just

    Wir haben ja auch mal Blödsinn gemacht. Und die Meldung ging dann immer sofort an die Brigade.

  118. Bernd Just

    Schon wieder keine Quartalsprämie gekriegt. Ja, du! Das stört das sozialistische Zusammenleben!

  119. Bernd Just

    Das war nichts weiter. Wir sind abends aus der Kneipe raus, haben Skat gespielt und sind auf den Bürgersteig gelaufen und haben gesungen, keiner hört uns, keiner sieht uns.

  120. Bernd Just

    Was der Meister am Tag nicht schafft, das trinken wir in der Nacht. Da kam das Polizeiauto eingefahren. Da haben

  121. Bernd Just

    wir gesagt: Ahh, jetzt können wir Auto fahren! Wir sind auf die Wache gekommen. Belehrt worden, die Ruhe störender Lärm.

  122. Bernd Just

    Und da sinkt mein Kumpel ein. Und die Grünen schlagen zu.

  123. Bernd Just

    Heute ich und morgen du. War natürlich der Teufel los in der Polizeiwache.

  124. Bernd Just

    Also wir haben nur 10 Mark bezahlen müssen, aber Meldung am Betrieb. Das war immer das Schlimmste. Bis

  125. Bernd Just

    die wieder reinbestellt wurden. Ja, du hast ihn wieder angestellt. Ja,

  126. Bernd Just

    das war eigentlich ein Tabuthema. Du bist belehrt worden, dass du dort nicht hinzugehen hast.

  127. Bernd Just

    Also in der Endsäche durftest du ja sowieso nicht. Dass du das Wasser nicht trinken sollst, dass du nicht am Arbeitsplatz essen durftest, sondern nur im Pausenraum. Ja,

  128. Bernd Just

    das war eigentlich alles Selbstschutz. Ich hatte mit den Leuten unter Dari nicht zu tun.

  129. Bernd Just

    Mein Kumpel war Schlosser in Schmirchau. Ja, da hat er wohl nicht viel erzählt. Das war

  130. Bernd Just

    ja ein ganz geheimer Betrieb. Das war der größte Uranproduzent, der drittgrößte, glaube ich, in ganz Europa.

  131. Bernd Just

    Da durftest du nichts daraus sagen. Also was wir drinnen machen, das war alles... Im Betriebstor war es zu.

  132. Bernd Just

    Du durftest nicht mit einem Kumpel reden. Ja, wir haben heute... Die Mühle hat 70 Tonnen in der Stunde gebracht.

  133. Bernd Just

    Das war alles erledigt. Naja, ich bin ja dann mal an der ZIN gegangen.

  134. Bernd Just

    Nach sieben Jahren. Bin ich aus der Mühlenzeche raus.

  135. Bernd Just

    Bin in der Zinn-Aufbereitung. Das war ganz was anderes.

  136. Bernd Just

    Und dann bin ich wieder nach Seelingstädt zurück,

  137. Bernd Just

    aber hatte ich auch im Labor zu tun.

  138. Bernd Just

    Es gab die Milch umsonst, die Essensmarken

  139. Bernd Just

    waren für 70 Pfennig, da konntest du wieder essen. Und dann gab es ja auch, wir hatten ja wirklich gute Vergünstigungen, wissen wir, es gab Apfelsinen. Gut, musste ich anstellen.

  140. Bernd Just

    Dann gab es Edelkonserven, also Mandarinenbüchse oder Ananas, aber auch nicht immer. Aber konstante Familie und die Kumpels bis versorgen.

  141. Bernd Just

    Ja also, von meinem Bekanntenkreis hat einer in der Endsäche gearbeitet und der war gleich in 90 tot. Der wusste das auch was er macht.

  142. Bernd Just

    Und mit denen ich angefangen habe zu arbeiten. Ich war der Jüngste. Die anderen waren ja alle mindestens 10 Jahre älter.

  143. Bernd Just

    Oder 20 Jahre älter. Ich glaube nicht, dass da noch viele leben.

  144. Bernd Just

    Ich bin immer noch in dem Wismut-Untersuchungsbericht drin. Also ich war alle drei Jahre untersucht.

  145. Bernd Just

    War jetzt am Mittwoch wieder verabschiedet von der Lungenärztin am Zschochernplatz. Ich habe keine Probleme. Jedenfalls nicht so von der Wismut.

  146. Bernd Just

    Ich war immer mal krank, aber es hatte wenig mit der Wismut zu tun gehabt. Naja, also Gesundheitsversorgung.

  147. Bernd Just

    Das Gesundheitswesen der Wismut war hervorragend. Die Hauer, die sind alle zwei Jahre zur Reha, zur Kur gefahren.

  148. Bernd Just

    Die hatten in Berge ein Nachtsanatorium.

  149. Bernd Just

    Da konnten die nach der Arbeit ins Sanatorium gehen, bis zum Frühjahr. Also es war... Ich war bloß einmal zur Kur.

  150. Bernd Just

    Aber die Hauer, die hatten mehr als wollte. Es gab welche, die waren alle zwei Jahre in Bad Elster.

  151. Bernd Just

    Vier Wochen lang. Und Ferienplätze.

  152. Bernd Just

    Die Hauer sind da bevorzugt bedient worden mit Ferienplätzen. Es gab auch dieses Feriensystem von der FDGB, wo die Betriebe alle ihr Ferienheim hatten.

  153. Bernd Just

    Und da ging, in Zinnowitz war das Große, an der Ostsee, da ging über 50 Prozent der ganzen Zeit nur an die Hauer. Ich war einmal in Zinnowitz mit meinen Kindern.

  154. Bernd Just

    Scheiß Wetter, eine Woche lang.

  155. Bernd Just

    Es war gewöhnungsbedürftig, weil du hattest feste Essenszeiten. Wir konnten nur in das Clubhaus gehen, wo wir gegessen haben.

  156. Bernd Just

    Das Zimmer war auch gewöhnungsbedürftig. Die Kinder waren klein, hatten ein Vier-Bett-Zimmer.

  157. Bernd Just

    Das hat uns nicht gestört. Dusche war im Gang, Toilette. Aber es gab ja das große Ferienheim, das

  158. Bernd Just

    nannte sich Roter Oktober, das hieß jetzt Baltic. Also da bist du ganz schlecht reingekommen.

  159. Bernd Just

    Das war natürlich erste Klasse. Aber es war ja preiswert. Da

  160. Bernd Just

    hast du fast nichts bezahlt für den Ferienplatz. Genauso als Kind, Kinderferienlager.

  161. Bernd Just

    Da haben meine Eltern 20 Mark bezahlt für 14 Tage Kinderbetreuung. Ich hatte ja ein bisschen Glück.

  162. Bernd Just

    Ich war der Erste, der ohne Abzüge mit 63 in Rente gehen konnte. Der Allererste.

  163. Bernd Just

    Das muss man so sehen. Die Wismut hat 2007 verstärkt Arbeitskräfte abgebaut.

  164. Bernd Just

    Die Kipper, das ist die Sanierung, da ich kann euch ein bisschen was zeigen, nachher. Größtenteils alles, was die Haldenabtragung erledigt hat.

  165. Bernd Just

    Die Haldenabtragung, nicht die Abdeckung. Also haben sie den Auftrag gekriegt von der Rentenversicherung, von der Knappschaft, alle in Rente schicken mit 60, mit 20% Abzüge.

  166. Bernd Just

    Also kam ein Bereichssleiter und hat mich und meine Kollegin reingeholt. Und da hab ich gesagt, ja Micha, hast du einen Schuss?

  167. Bernd Just

    Hab ich gesagt, ich geh da nicht mit 20% Abzug in Rente. Das kannst du vergessen, hab ich gesagt. Mach ich nicht.

  168. Bernd Just

    Ja, ich muss das … Ich sag, du musst das und das, das mach ich nicht Ich geh nicht mit 20% Abzug. Ja, wenn du nich unterschreibst, dann setze ich dich nach Königstein.

  169. Bernd Just

    Ich sage, ja Micha, dann musst du das machen. Habe ich gesagt, das ist mir auch egal, aber ich gehe nicht mit 20% Abzug in Rente.

  170. Bernd Just

    Weil ich schon wusste, ich hätte genug Arbeit. So, dann haben wir uns dann geeinigt auf 10%. Da habe ich gesagt, na gut, wir machen einen Kompromiss.

  171. Bernd Just

    Der Geschäftsführer. Ich sage, na gut Micha, 10% gehe ich mit.

  172. Bernd Just

    Dann war der Hintergedanke, du kannst das ja wieder ein Jahr oder weiter aufschieben, also bist du bei 7,2%. Ich sage, Micha, machen wir so. Und

  173. Bernd Just

    dann wollte ich nochmal ein Jahr schieben, dann wäre ich auf 3,6% gekommen. Da hat er mich wieder reinbestellt nach Siegmar. Sag dann,

  174. Bernd Just

    das kriege ich nicht durch!

  175. Bernd Just

    Die Knappschaft macht mir die Hölle

  176. Bernd Just

    heiß. Mist. Ich sage dann gut, gehe ich mit 7,2. Aber dann kam das Gesetz, wo du mit 63 ohne Abzüge in Rente gehen kannst.

  177. Bernd Just

    Dann habe ich das gemacht. Ich bin dann sozusagen, das Altersteilzeitmodell… waren fünf Jahre.

  178. Bernd Just

    Du hast zweieinhalb Jahre für 80% gearbeitet und warst zweieinhalb Jahre für 80% zu Hause. Aber ich war nicht zu Hause, ich habe angefangen wieder zu arbeiten. Bei einem

  179. Bernd Just

    Privaten, für die Wismut. Ich habe eine ordentliche Rente, kann ich so sagen.

  180. Bernd Just

    Ich habe immer gut verdient bei der Wismut. Ich kann euch mal ein Beispiel nennen.

  181. Bernd Just

    Meine Mutter hat als Küchenhilfe 400 Mark im Monat verdient. Und ich habe mir von einer Treueprämie eine Lederjacke für 450 Mark gekauft.

  182. Bernd Just

    Da ist meine Mutter verrückt geworden. Bist du denn verrückt?

  183. Bernd Just

    Du kaufst dir eine Jacke, ich verdiene nicht so viel wie im Monat, wie du für die Jacke ausgibst. Ab sofort bezahlst du 150 Mark Kostgeld.

  184. Bernd Just

    Ich sagte 100 Mark, dann hat sie mir 150 Mark abgeknöpft. Aber das hat mich nicht gestört.

  185. Bernd Just

    Ich hatte den Tag zweieinhalb Tausend Mark in meinem Portemonnaie. Ich hatte auch eine Regelung getroffen für mich.

  186. Bernd Just

    Du hast 5.000 Mark, sparste. Die rührst du nicht an.

  187. Bernd Just

    Und was drüber ist, das kannst du leben. Ich bin jedes Jahr ins Ausland gefahren.

  188. Bernd Just

    Nicht nur einmal, manchmal dreimal. Ich hab mir das eben gegönnt. Ich war in Sotschi zweimal,

  189. Bernd Just

    ich war in Jalta, ich war in Moskau gewesen, ich war in Werder, ich war in Burgas, in Nessebar, ich war am Balaton. Es gab ja das Reisebüro. Also

  190. Bernd Just

    ich hab mir die Unterkünfte vom Jugendtouristik angeguckt

  191. Bernd Just

    und hab gedacht Bulgarien und Ungarn kannst du nicht, das sind Hundehütten, wo du schläfst. Ich wollte ja auch ein bisschen Niveau haben.

  192. Bernd Just

    Also bin ich über das Reisebüro. Mit Kumpels.

  193. Bernd Just

    Und es gab dann einmal im Jahr einen Zettel in dem Reisebüro. Sonnabend gibt es Reisen für Bulgarien.

  194. Bernd Just

    Also musst du dich anstellen. Und dann habe ich ein paar Wanderer gebucht zuerst.

  195. Bernd Just

    War aufregend, vier junge Kerle. War eine tolle Reise.

  196. Bernd Just

    Und mit Jugendtouristik war es dann ganz problemlos. Im November kam ein Katalog raus, da hast du dich beworben, hast den Zettel ausgefüllt und es hat meistens geklappt.

  197. Bernd Just

    Außer, zu einer Reise ist es nicht gekommen. Als ich das zweite Mal in Sochi war, war eine Kollegin, die mit mir beim Reisen mit war, hat gesagt, Mensch, ich war vor 10 Jahren in Kuba.

  198. Bernd Just

    Ich sagte, wie hast du denn das gemacht? Ja, sagt sie.

  199. Bernd Just

    Es gibt eine Reise, der Wismut, mit 30 Personen für Kuba. Da habe ich mich beworben.

  200. Bernd Just

    Habe aber als Ausweichpunkt Jugoslawien angegeben. Und ich habe Glück gehabt, ich bins geworden, Kuba.

  201. Bernd Just

    Ich sage, das mache ich auch. Habe ich dann andere angeführt, wie Kuba. Ausweichen: Jugoslawien. Mein

  202. Bernd Just

    Chef kam zu mir ein paar Tage später. Was hast du denn angestellt?

  203. Bernd Just

    Ich habe nichts angestellt. Ich muss einen Bericht über dich schreiben, hat er gesagt. Und dann kam die Antwort, telefonisch.

  204. Bernd Just

    Ich soll nicht so unverschämt sein nach Kuba zu wollen. Ich soll in die Sowjetunion fahren. Da gibt es genug Eisen. Ich

  205. Bernd Just

    war da schon viermal in der Sowjetunion. Ja. Sowjetunion kannst du fahren, Kuba nicht. Und

  206. Bernd Just

    da habe ich mir eine Reise ausgesucht mit dem Zug nach Yalta. Das war die schönste Reise, die ich gemacht habe. Ganz, ganz top.

  207. Bernd Just

    Von Ostbahnhof bis Kiew erstmal. 21 Stunden im Zug.

  208. Bernd Just

    Und dann nochmal zwei Tage in Kiew gewesen. Dann von Kiew bis Simferopol nochmal 18 Stunden.

  209. Bernd Just

    Wir waren so eine tolle Truppe. Und das macht eben Spaß.

  210. Bernd Just

    Und unten in Yalta war ein Jugendlager. Das waren irgendwelche Ungarn. Der

  211. Bernd Just

    erste Reise habe ich gemacht als 19-Jähriger und die letzte habe ich gemacht in Yalta als 26, 27 bin ich dann geworden.

  212. Bernd Just

    Die allerschönste Reise, da hat mir auch der NVA dazwischen gefunkt, es gab eine Schiffsreise mit dem Reisebüto von Odessa bis Batumi. 18 Tage mit dem Schiff. War zwar am Ende Oktober, kostete 1.800 DDR-Mark. hab ich

  213. Bernd Just

    meinem Kumpel gesagt, oder der Schlosser war, gut, das machen wir. Aber ich konnt's nicht, ich bin zur NVA gekommen. Das bedauere ich heute noch.

  214. Bernd Just

    Und der ist mit seinem Bruder gefahren für mich. Und das schwärmt heute noch von der Reise. 1974/75.

  215. Bernd Just

    Die härteste Zeit meines Lebens. Meine Freundin war danach nicht mehr da, wie das so ist. Die war 17.

  216. Bernd Just

    Ich war in anderthalb Jahren sechsmal zu Hause bloß. Das längste, wo ich nicht zu Hause war, war vom 21.

  217. Bernd Just

    Juni bis 7. Dezember. Das war der 25. Jahrestag der DDR.

  218. Bernd Just

    Das war Urlaubsperre. Das war Urlaubssperre. Ja, was mich da am meisten gestört hat, war, dass du keine Freiheit hattest, dass du immer wieder gedrängelt warst, immer unter Druck. Und Idioten als Vorgesetzte

  219. Bernd Just

    hatten. Haben die sechste Klasse Hilfsschule oder was ist mit denen los?

  220. Bernd Just

    Aber ich habe beid er NVA angefangen Fußball zu spielen. Und das hat mich ein bisschen gerettet.

  221. Bernd Just

    Ich hatte auch den tollstemTrainer, muss ich auch sagen, den ich bis jetzt immer hatte. Das war der stellvertretende Kompaniechef.

  222. Bernd Just

    Das war zweimal in der Woche Training gemacht. Als erstes hat er zwei Soldaten losgeschickt, um einen Kasten Bier zu holen. 30 kleine Flaschen.

  223. Bernd Just

    Da ist keiner betrunken geworden. Da hat er nach dem Training zwei kleine Flaschen Bier gekriegt. Das hat er bezahlt.

  224. Bernd Just

    Da hatte ich eine ordentliche Auswertung gemacht. Sonnabend meistens die Spiele. Und das hat mich ein bisschen rausgebracht.

  225. Bernd Just

    Aber sonst ... Ach, nee. Nee, ich denke, meiner Freundin nehm mich das nicht übel.

  226. Bernd Just

    Wir haben immer noch Kontakt miteinander. Und das ist jetzt fast 50 Jahre her. Also

  227. Bernd Just

    zum Geburtstag rufen wir uns immer noch an. Weihnachten und Ostern.

  228. Bernd Just

    Sie hat drei Kinder und sieben Enkel. Ich bloß zwei Kinder und zwei Enkel. Aber es

  229. Bernd Just

    ist ... wir sind nicht im Bösen auseinandergegangen.

  230. Bernd Just

    Das ging eben nicht mehr. Sie hat drei Schichten rollende Woche gearbeitet im Kuhstall. Ich drei Schichten rollende Woche

  231. Bernd Just

    in Seelingstedt. Irgendwann war dann kein Kontakt mehr da.

  232. Bernd Just

    Und auch die anderthalb Jahre haben gezeigt, das war das... Ja... Ich hab instinktiv immer das Richtige gemacht.

  233. Bernd Just

    Ich habe einen richtigen Beruf gelernt. Für mich einen richtigen Beruf.

  234. Bernd Just

    Ich bin zur Wismut gegangen, was für mich richtig war. Ich bin ins WTZ gekommen. Das war so ein Glück. Und

  235. Bernd Just

    nach der Wende, das war ja das nächste, 1990, also es ging ja mit der Wismut abwärts mit Gorbatschow an der Macht. Er hat gesagt, er braucht keine Atomwaffen.

  236. Bernd Just

    Also wurde schon das WTZ, uns wurde schon 1989 gesagt, 1990 gibt es das nicht mehr, das Wissenschaftlich-Technische Zentrum. Da müsst ihr euch was anderes suchen.

  237. Bernd Just

    Ich hab einen Arbeitsvertrag bei der Wismut: “Da müsst ihr euch was anderes suchen:” Und dann haben sie eine Abfindung angeboten, 30. 000, 20.000, 30.000 Ostmark.

  238. Bernd Just

    Ich sag, was nützt mir das Geld? Ich will arbeiten.

  239. Bernd Just

    Und ich wusste ja, mein Chef, da will ich auch arbeiten. Und der hat sich gekümmert.

  240. Bernd Just

    Und dann sind wir dann 1990 zur Unternehmensleitung gekommen, das Labor aufgebaut und hatten natürlich am Anfang Büro für Umweltsanierungskonzepte. Dann hieß man Arbeiterumweltschutz.

  241. Bernd Just

    Und haben die ganze Sanierung der Wismut begleitet. Es war teilweise, gerade am Anfang, musste ich viel Neues lernen.

  242. Bernd Just

    Es war eine Woche Lehrgang auf der Bergakademie in Freiberg. Da hat der Doktor Paul mich hingeschickt.

  243. Bernd Just

    Ich habe auch später jeden Lehrgang, den es gab bei der Wismut, habe ich genommen. Weil die wirst du ja nicht immer.

  244. Bernd Just

    Man lernt ja nicht immer dazu. Du musst jetzt immer was Neues lernen.

  245. Bernd Just

    Die ganze Sanierung. Wart ihr mal in Ronneburg auf der Grubenlampe? Ja.

  246. Bernd Just

    Habt ihr was da erklärt gekriegt? Das wollte ich euch mal einen Rundgang machen.

  247. Bernd Just

    Objekt 90. Imposieren.

  248. Bernd Just

    Oben war er nicht. Ja, das ist ja die Sanierung. Das ist ja eine wissenschaftliche Versuche.

  249. Bernd Just

    1990 hat noch nie jemand auf der Welt so Hinterlassenschaften saniert. Keiner wusste, wie es geht. Und

  250. Bernd Just

    die erste Frage war, was machst du mit den ganzen Geschäften? Da füllst Verfüllst du die?

  251. Bernd Just

    du die, dann nächste die ganzen Halden. Es gab alleine elf Halden rings um Ronneburg.

  252. Bernd Just

    Was wird du dann mit dem großen Tagebau Lichtenberg? Also ich weiß, was ganz unten drunter liegt, die Kampfgruppenuniform. Die haben es als erstes unten reingefahren.

  253. Bernd Just

    Wisst ihr, was Kampfgruppe war? Der Volkssturm der DDR.

  254. Bernd Just

    Jeder große Betrieb musste so eine Kampfgruppeneinheit stellen. Das war nichts für mich. Ich bin zur Betriebsfeuerwehr gegangen. Nee, das war

  255. Bernd Just

    der Darabau-Lichtenberg. Der war 270 Meter tief.

  256. Bernd Just

    Da ist da unten keine Luft mehr, also keine Umwälzung mehr. Da haben sie mit 17 Triebwerken unten gehabt, die Frischluft reinfressen, die Luft umwälzen. Ja, das

  257. Bernd Just

    war im Tagebau Lichtenberg. Ganz unten.

  258. Bernd Just

    Ich habe noch ein Bild, wie es ganz unten aussieht. Ich war ganz unten.

  259. Bernd Just

    Wir haben unser Glasmüll da reingefahren. Einprägselmomente.

  260. Bernd Just

    Tja. Ein frischer Moment.

  261. Bernd Just

    Kann ich dir jetzt nicht so aus dem Kopf sagen. Ich bin gerne zur Arbeit gegangen. Und

  262. Bernd Just

    ich kann auch sagen, der schlimmste Tag meines Lebens war mein letzter Arbeitstag bei der Wissengut. Weil ich habe das nicht eingesehen.

  263. Bernd Just

    Ich habe natürlich nicht eingesehen, dass ich in Teilzeit gehen musste. Weil für mich ist ja eine neue Kollegin gekommen. Die

  264. Bernd Just

    ist ja nicht eingespart worden. Es ging nur Rentenkürzungen. Das war das einzige Problem. Und

  265. Bernd Just

    ich hatte noch so eine nette Kollegin dann dazugekommen, wo ich dann zu meiner Abteilungsleiter, da habe ich reingestellt, habe gesagt, na und, wie macht denn sich die Kollegin? Und ich habe gesagt, welcher Teufel hat denn dich geritten, die Einzige? Sagt er,

  266. Bernd Just

    wieso? Und dann habe ich erklärt. Es gab eine Probe,

  267. Bernd Just

    ich habe es eingearbeitet, was er machen musste, und

  268. Bernd Just

    habe gesagt, pass auf, ich teile mal, du machst das und ich mache das und anschließend vergleichen wir unsere Ergebnisse. Ich hatte die Probe fertig.

  269. Bernd Just

    Ich sage, Yvonne, zeig mir mal deine Ergebnisse. Meine Ergebnisse stimmen, die brauche ich dir nicht zu zeigen.

  270. Bernd Just

    So einen Hals gehabt, umgedreht, bin gegangen. Ich habe mit der Kollegin nie wieder ein Wort geredet.

  271. Bernd Just

    Ich habe es nur dem Abteilungsleiter gesagt. Und da hat er zu mir gesagt, kann ich das sagen? Da kam ein Anruf aus Karl-Marx

  272. Bernd Just

    Stadt, also Sigmar, Chemnitz. Ich bekomme eine junge Kollegin und die hast du einzustellen. Das war es", sagt

  273. Bernd Just

    er. Ich habe ein ganz böses Wort zum Schluss zu ihr gesagt, das will ich jetzt nicht sagen. Nee, sowas könnte ich nicht leiden. Für

  274. Bernd Just

    nichts eine Ahnung und spielte sich auf. Ich bin gut verabschiedet worden.

  275. Bernd Just

    Ich habe einen Wanderrucksack gekriegt. Ich habe von den Labormädels so einen Gürtel gekriegt mit 24 Schnapsflaschen.

  276. Bernd Just

    Ich habe immer noch einen guten Kontakt zu der Laborleiterin. Und da ich ja anschließend weiter für der Wismuth gearbeitet habe, beim privaten Betrieb, am Subunternehmen von der Wismuth, war ich immer wieder in Senestedt. Bis vor dem ersten, zwölften Jahr habe ich ganz aufgehört.

  277. Bernd Just

    Die Firma hat alles gemacht, was mit Boden, Wasser, Luft zu tun hat. Wir haben, und zwar gibt es ja die Wasseraufbereitungsanlagen und die müssen unabhängig kontrolliert werden, das Wasser. Also

  278. Bernd Just

    es wird immer die ganzen Nebenflüsse von Ronneburg, die Gessenbach, die Wipse, die Sprotten, wird immer kontrolliert. Mit Schwebstoffe, das letzte, das sind runde, das letzte ist der Weiße Elster beim Thierheim.

  279. Bernd Just

    Und das hat die Firma gemacht, wo ich gearbeitet habe. Den Chef habe ich gekannt, da waren wir beim WDZ, da hat mich der Chef mit reingenommen. Und dann habe ich noch für ihn mitgearbeitet, für die Junger Landesanstalt, für Umwelt, Bergbau und wie ist das jetzt, Naturschutz.

  280. Bernd Just

    Und zwar Schwebstoffe alle großen Flüsse, die durch Thüringen fließen, große, werden beprobt. Und zwar so, Wenn zum Beispiel die Elster kommt ja aus Sachsen. Also wurde in Elsterberg

  281. Bernd Just

    die erste Probe genommen und Bad Kestritz, bevor sie nach Sachsen dann halt geht, wieder.

  282. Bernd Just

    Ausnahme war die Saale, die wurde nur in Hamburg beprobt. Die Sprotte zweimal, also die Sprotte Saale, die, die, die, ist ja egal, bei Gösnitz. Dann der Vera, der Unstrut. Und das haben wir gemacht.

  283. Bernd Just

    Und das habe ich gerne gemacht.

  284. Bernd Just

    Meine Frau, die ist bedeutend jünger als ich, die musste sich so erweitern. Und ich wollte nicht daheim rumsitzen. Das war mir nichts.

  285. Bernd Just

    Und ich habe auch nur deshalb jetzt aufhören müssen, weil ich im Oktober schwer krank war. Ich hatte eine Lungenembolie. Weißt du, was das ist?

  286. Bernd Just

    Ja, und durch was? Durch die Busfahrt. Im

  287. Bernd Just

    Funkmeilen, bei mir war es die Busfahrt. Ich habe eine Alpenüberquerung gemacht, 140 Kilometer über die Alpen gewandert. Und die Busfahrt neun Stunden zurück, da hat sich in der Wade eine Blutgrenze gebildet.

  288. Bernd Just

    Und es ist gewandert. Ich musste am Montag noch arbeiten und ich konnte nicht mehr.

  289. Bernd Just

    Ich war zu Hause, da war es schlecht, keine Luft mehr gekriegt. Die Frau hat gesagt, 112 anrufen.

  290. Bernd Just

    Die kam auch sofort. Innerhalb einer Viertelstunde war ich im Krankenhaus mit Blaulicht und Sirene. Und abends hat mir die Oberärztin gesagt, wenn sie keinen Sport gemacht hätten, hätten sie es nicht überlebt.

  291. Bernd Just

    Alle beiden Lungen waren zu. Fünf Minuten haben sie noch zu leben gehabt, hat sie gesagt.

  292. Bernd Just

    Die sind mit Blaulicht losgedonnert. Ich lag da, da hab ich Sauerstoff gekriegt und EKG hatten sie angeschlossen und Blutnummer genommen.

  293. Bernd Just

    Da sagte der Arzt, der mit drinnen war, du zum Fahrer, du kannst das Licht anmachen. Ich dachte, ich will ja damit Licht, damit das Blaulicht. Und Sirene.

  294. Bernd Just

    Die Sirene war kein einziges Mal aus. Da sind sie auf der Heinestraße gedonnert. Wo ich da oben im Krankenhaus war, haben sie schon auf mich gewartet, rein in die Notaufnahme. Hier hatte ich gleich zwei Spritzen drin, angeschlossen, EKG überall. Ja, und dann

  295. Bernd Just

    war ich. Und abends haben sie mich dann nochmal in die Röhre gesteckt und dann haben sie gesagt, beidseitig Lungenembolie, sofort auf der Waschstation.

  296. Bernd Just

    Dann bin ich auf die Waschstation gekommen, angekettet, hier, drinnen mit einem Tropf. Hier ist die EKG, hier wird das Blutdruck gemessen, hier den Sauerstoffgehalt am Zeigefinger. Ja, da war ich dann 16 Stunden nicht zu bewegen. Irgendwann musste ich auch mal, das war das schlimmste Problem.

  297. Bernd Just

    Die Ärztin hat so einen Ultraschall gemacht, Ultraschall mit Leinen. Da habe ich abends um zehn noch meine Thrombosisstrümpfe gekriegt. Da kam da von Karkwille, hat sie mich angezogen und dann habe ich noch als Spaß gesagt, du hast ein Glück, jetzt kriegst du noch Nachtschichtzuschlag.

  298. Bernd Just

    Dann haben sie gesagt, nee, kennst meinen Chef nicht. Ja, da lag ich 16 Stunden da drin. Das musst du nicht haben.

  299. Bernd Just

    Auf keinen Fall, da sollte schon noch einer mit drinnen liegen, der nachts erzählt hat. Da habe ich dann zum Flieger gesagt, kannst du dem Kind die Tablette mal geben, damit er sich nicht auszählt. Der hat dann

  300. Bernd Just

    gesagt, der erzählt nur, wenn er die Tablette hat. Anschließend war ich zur Reha. Drei Wochen lang.

  301. Bernd Just

    Jetzt geht mir das auch wieder gut. Ich muss jede Menge Tabletten nehmen.

  302. Bernd Just

    Vorher hatte ich nie. Ich war ganz stolz.

  303. Bernd Just

    Ich habe nie Tabletten genommen. Jetzt muss ich früh drei, abends vier, halb.

  304. Bernd Just

    Also Blutverdünner, Blutdruck und lauter so'n Zeug. Nein, nein, nein, nein. Ich hab weiter gewohnt bis 1973 bei meinen Eltern. Mein

  305. Bernd Just

    Vater ist arbeitsmäßig 1973 nach Gera gezogen. Und da hat er zu mir gesagt, du musst da mitziehen.

  306. Bernd Just

    Ich sag, ich will nicht, dass er weiterfährt. Na, ich sag, dann musst du eine Wohnung suchen. Ja,

  307. Bernd Just

    die haben eigentlich halb totgelacht. Ich kam und sag, ich will eine Wohnung. Haben sie gesagt,

  308. Bernd Just

    aber der Vorteil war, melde dich bei der Wismut an. Da hast du eher noch eine Chance.

  309. Bernd Just

    Du kannst dich in der AWG anmelden, da wirst du ungefähr sechs Jahre.

  310. Bernd Just

    Dann habe ich mich 1973 bei der Wismuth angemeldet,

  311. Bernd Just

    bin mit meinen Eltern nach Gera gezogen, war aber mehr im Weida bei den Kumpels, bei der Freundin, wie das so war. Ich hatte ja alle im Weida. Bis ich zur Armee kam, naja gut, dann bin ich im Weida ein bisschen weniger geworden.

  312. Bernd Just

    Die Kumpels waren teilweise dann verheiratet. Ein Bus, Wismuth-Bus. Ein großer

  313. Bernd Just

    Wismuth-Bus. Du musst das Bus wissen, in welchen Bus du einsteigen musst.

  314. Bernd Just

    Das war in Schmierschauer ganz kompliziert.

  315. Bernd Just

    Da gab es einen Busplatz, da waren 17 Bahnsteige, also

  316. Bernd Just

    in jedem Bahnsteig waren vier Busse und

  317. Bernd Just

    an keinem Bus stand, wo man

  318. Bernd Just

    hinfährt. Also du musstest dich auf deinen Kumpels verlassen, als junger Karl, deinen Eltern und Kollegen, dass du dich in den richtigen Bus schickst. Später hast

  319. Bernd Just

    du es mitgekriegt. War natürlich auch so, als junger Karl,

  320. Bernd Just

    es gab halt die sogenannte Redelbahn, Das war ein Bus, wo es Bockwürste gab, also eine Pausenversuchung. Die standen auf dem Busplatz. Also,

  321. Bernd Just

    ab, vier Bockwürste holen, dann wir setzen dir einen Platz im Bus. Vier Marken gegeben, vier Bockwürste in der Hand, wir haben den Busplatz geahnt. Ja,

  322. Bernd Just

    die Alten. Als junger Kerl musstest du das machen. Aber du

  323. Bernd Just

    hattest dafür deinen Platz im Bus. Und dann hatte ich einen guten älteren Kollegen. Ich

  324. Bernd Just

    hätte jede Nachtschicht, ich wäre sonst wohin gefahren. Da hat er gesagt, bleibst bei mir, ich wecke dich. Er hat

  325. Bernd Just

    Zumindest, wenn du bleibst. immer auf mich aufgepasst, als junger Spund. Das war schon gut.

  326. Bernd Just

    Der Altersunterschied in der Brigade war zu groß. Wir haben uns gut verstanden. Waren auch mal zusammen.

  327. Bernd Just

    Die Jahresendprämie verdrängt haben wir heute. Gehört einfach dazu. Nicht die ganze, aber ein Teil. Ja,

  328. Bernd Just

    wir wollten manchmal in den Nachbarn gehen. Wir haben als junge Kerle eine Story gemacht, die kann ich euch erzählen. 19

  329. Bernd Just

    hat einer gesagt, zur Messe, da gibt es in Leipzig ein Striptease-Bar, da gehen wir hin. Junge Kerle, machen wir. Messeausweis

  330. Bernd Just

    gekauft, nach Leipzig gefahren. 22 Uhr macht es auf, da war der letzte Zug nach Gera dann weg.

  331. Bernd Just

    Die haben uns ja ausgelacht, wenn wir dort waren. Die wollten ja Westgeld. Bist du ohne Westgeld ja gar nicht reingekommen.

  332. Bernd Just

    Die Erfahrung haben wir gemacht. Also haben wir uns bis früh um sechs rumgetrieben auf dem Bahnhof, damit den ersten Zug dann wieder zurückgefahren.

  333. Bernd Just

    Und gut, so war es eben so. Ich war ja erst beim Fußball und später bei der Medaille.

  334. Bernd Just

    Da habe ich Fußball gespielt. Das war, als ich bei der Armee wieder angefangen habe.

  335. Bernd Just

    Ich habe als Zehnjähriger weiter angefangen. in der 8.

  336. Bernd Just

    Klasse aufgehört, weil ja die Kumpels weg waren, das war so. Und dann hab ich eine Lehrzeit gehabt und hab bei der Armee wieder angefangen. Und

  337. Bernd Just

    dann bin ich hier in Gera gleich, Hochdeutsch, Kumpel, zum Verein. Ich spiel ja eigentlich immer noch Fußball.

  338. Bernd Just

    Kulturmäßig. Nur was gemeint. War wenig. Also es ging dann,

  339. Bernd Just

    zur Mittelschicht hieß es dann, mit Jackett oder ohne Jackett. Also jetzt mit Jackett sind wir gerne in die Kui gegangen. Da vorne gibt es

  340. Bernd Just

    jetzt noch ein Schild, das war der Nachbar, wo

  341. Bernd Just

    man problemlos, als im Einlassdienst, muss man die Schachtel sich angeben, damit du rein kannst. Und wenn du keinen Platz gekriegt hast, saßt du nur an der Bar.

  342. Bernd Just

    Juice Vodka, 4,50 Mark. Ja, da ist mein Vater zur Frühschicht und ich bin sozusagen von der Mittelschicht nach Hause gekommen.

  343. Bernd Just

    Mein Kumpel hat auch mal die Mittelschicht verschlafen. Er ist abends um sechs wieder wach geworden. Er hat

  344. Bernd Just

    angerufen, er ist krank. Wir waren ganz viel im Wintergarten.

  345. Bernd Just

    Das war unser Tanzlokal, da habe ich auch meine Frau später kennengelernt. Das war nach dem Fußballgehen ins Windi. Das war

  346. Bernd Just

    Das war das Tanzlokal Nr. 1.

  347. Bernd Just

    Standeslokal Nummer eins. Leider gibt es das nicht mehr.

  348. Bernd Just

    Ich war immer, was ihr wisst, mit Gerhard im Stadion.

  349. Bernd Just

    Ich bin auch mit dem Moped bis nach Föhlen gefahren, zum Aufstiegsspiel und so mit dem Kumpel hinten drauf. War viel in Jena zum Fußball oben mit dem Moped.

  350. Bernd Just

    Ja, in der Altbauwohnung oben in der Straße. Gerd-Hauptmann-Straße. Die

  351. Bernd Just

    Überraschung war genau gegenüber der Russenkaserne. Den ersten Abend werde ich nie vergessen.

  352. Bernd Just

    Früh um sechs haben sie die Matratzen ausgeklopft im Hof. Weißt du, wie das geschallt hat? Ich habe immer zugeschaut, wie sie ihre Kuhlen entladen haben.

  353. Bernd Just

    Mit der Hand. Das log ich zu. Nicht gekippt, mit der Hand zu. Haben die die

  354. Bernd Just

    Kuhlen entladen. Das waren die ärmsten Schweine, die es gab, die Soldaten dort. Nach der Mittelschicht. Und

  355. Bernd Just

    dann musste an der Kassane vorbeilaufen, Kamerad, Kamerad, Zigarette, Zigarette. Cigarette, Cigarette.

  356. Bernd Just

    Oder Kamerad, Wodka. Ich hatte nichts. Das muss ich jetzt mal sagen. Also

  357. Bernd Just

    Russisch war in der Schule, nach der Schule, das Erste, was ich vergessen hatte. Aber, jetzt kommt das Erste, wo ich das Erste von Sochi war, Da war meine Tantja aus Leningrad.

  358. Bernd Just

    Ich habe dort kennengelernt. Wir haben uns sehr gut verstanden mit Händen und Füßen und da habe ich wieder Russisch gelernt.

  359. Bernd Just

    Weil sie wollte ja eigentlich nach Deutschland. Und

  360. Bernd Just

    wir haben uns geschrieben, hab

  361. Bernd Just

    ich wirklich wieder Russisch gelernt, hab geschrieben

  362. Bernd Just

    und sie hat mir eine Einladung geschickt im

  363. Bernd Just

    Februar nach Leningrad. Und das hab ich für

  364. Bernd Just

    eine passende Meldestelle, hab die Einladung gegeben, hab eine

  365. Bernd Just

    Visa beantragt, hab das wieder zurückgeschickt. Und dann kam die Antwort, dass der Besuch von ausländischen Bürgern an Privatpersonen in der Weltunion ist verboten. Der

  366. Bernd Just

    Moment war meine dann ja Geschichte. Das war dann der deutsche Wettbewerb.

  367. Bernd Just

    Ich habe dort kein Russisch mehr gelernt. Wollte ich wieder das Wettbewerb machen. Ich war ja drei Jahre alt. Wenn ich alt war,

  368. Bernd Just

    brauchte ich kein Russisch zu lernen. Da war eine Freundin aus Karl-Marx Stadt. Aber es war immer der erste Paar gesetzt, der war Russe.

  369. Bernd Just

    Immer. Und ich habe dann im WDZ mit meinem Ingenieur ein Patent entwickelt, Energie einsparen und so. Da hat das eingereicht, da muss der Russe mit drauf. Ganz

  370. Bernd Just

    wichtig. Wir beide haben die Arbeit gemacht, das musste drauf sein. Gruppenleiter, Beabteilungsleiter und der Russe.

  371. Bernd Just

    Sonst ist das nicht durchgegangen. Ich habe 300 Mark gekriegt für das Patent.

  372. Bernd Just

    Ich weiß nicht, was die anderen gekriegt haben. Die wussten manchmal nicht, warum sie da sind.

  373. Bernd Just

    Die wurden privilegiert. Unser B1000-Fahrer von unserer Abteilung hat manchmal geschimpft, weil die Frauen im Prinzip mal Langeweile hatten.

  374. Bernd Just

    Die russischen Frauen haben sich einen B1000 bestellt. Sind sie nach Leipzig und die BEM-Büchse hier geworden in das Zentrum Fahrenhaus.

  375. Bernd Just

    Da musste draußen warten, die Damen haben eingekauft. Dann hatten die ja auch einen eigenen Fischteich mit Fischhütte. Keiner durfte im Boden angeln, nur die Großen durften angeln.

  376. Bernd Just

    Die hatten ja auch in der Lasener Straße ihren eigenen Club. Mit Kino, alles drum und dran. Und

  377. Bernd Just

    das ging wieder in den Club da. Von meinem Kumpel, der Vater. Der hat die Kantine gemacht. Also

  378. Bernd Just

    konnten wir dort ein Bier trinken, weil

  379. Bernd Just

    es gab nämlich gutes Bier bei ihm. Radeberger, Urkostitzer, also richtig gutes Bier, was du anders nicht gekriegt hast. Ja,

  380. Bernd Just

    nee, das war schon gut. Die wussten, die wollten nach 90 nicht weg.

  381. Bernd Just

    Die haben geheult, wo sie in 90 weg mussten. Ich hatte einen, der kurz vor das Thema kam, musste in die Sowjetunion. Er sagte, er weiß nicht, wo er

  382. Bernd Just

    wohnt, aber nochmal um die Wismut. Man muss die Wismut wirklich in zwei Etappen sehen. Die erste

  383. Bernd Just

    Etappe von 1946 bis 1990 und die zweite Etappe von 1990 bis zur Gegenwart. Die Wismut gibt es ja immer noch. Sanierung. Also

  384. Bernd Just

    die Wasseraufbereitungsanlagen, die laufen bis mindestens bis 2040, mindestens, vielleicht sogar immer. Die erhalten die Überwachung, das ist auch in Ordnung, die muss immer gemacht werden.

  385. Bernd Just

    Die Wasseraufüberwachung muss gemacht werden. Also die jetzt bei der Wismut arbeiten, die sind ausgesorgt.

  386. Bernd Just

    Ich habe eine Bekannte, die war Studentin aus Jena. Die hat ein Praktikum bei uns in der Abteilung gemacht.

  387. Bernd Just

    Ganz wunderbares Thema. Und zwar Pilze, die auf einer Halde wachsen, verglichen mit Pilze, die auf einer sanierten Halde wachsen.

  388. Bernd Just

    Das war ihr Bachelorarbeit. Ganz wunderbare Schweinarbeit, was sie gemacht hat. Und ich

  389. Bernd Just

    war ihr Ansprechpartner. Wir haben uns nie aus den Augen verloren.

  390. Bernd Just

    Und dadurch, dass er bei der Wiesbaden Praktikum gemacht hat, wo es Stellenausschreibungen gab, habe ich gesagt, Claudia, bewirb dich. Die hat in meiner Arbeit in der Umweltfirma dann gearbeitet. Die

  391. Bernd Just

    ist von Jena nach Gera gezogen, hat mittlerweile drei Jungs. Dann bin ich durchs Notfalltelefon, morgen bin ich wieder dran mit Kinderbetreuung. Ist egal.

  392. Bernd Just

    Bei der ersten Wahl ist sie nicht angenommen worden, aber da ist ihr gesagt worden, wenn wieder eine Stelle frei ist, dann kommt sie. Und sie hat seit zwei Jahren eine Stelle, wo sie garantiert haben, 20 Jahre Beschäftigungsgarantie.

  393. Bernd Just

    Ich sage laut ja. Und ordentliches Geld.

  394. Bernd Just

    Wir haben ja angefangen, das war das nächste, 90. Keiner wusste ja, was die Investoren verdient. Also haben sie uns gesagt, die Gewerkschaft, wir fangen an mit 70 Prozent des Tariflohensbergbaus

  395. Bernd Just

    an. 70 Prozent, hört man ja gut. Und in zehn Jahren seid ihr bei 100 Prozent. Wo ich zwölf in den Altersteil gegangen bin, war ich immer noch bei 70 Prozent. Also ich habe 30 Prozent weniger Rente als ein vergleichbarer Arbeiter im Westen. Weil ich

  396. Bernd Just

    ja 30 Prozent wieder verdient habe. Dann hat der Bismut angefangen.

  397. Bernd Just

    Die Gewerkschaft hat so viel Druck gemacht. Und 2017 sind sie bei 100 Prozent. Ich habe auch noch ein bisschen profitiert zwei Jahre lang.

  398. Bernd Just

    Ich habe die Lohneuung mitgekriegt in der Altersteilzeit. Denn wenn wir im Westen wegen 3% mehr Lohn hatten, haben wir auch 3% mehr gekriegt, aber die Differenz war dieselbe.

  399. Bernd Just

    Nein, das war für mich eine neue Aufgabe. Das war abgeschlossen.

  400. Bernd Just

    Ich war froh, dass ich eine neue Aufgabe hatte. Und habe mich da voll reingekniet.

  401. Bernd Just

    Ich bin ja aufgewachsen in der DDR. Mir ging es gut in der DDR. Ich bin verreist.

  402. Bernd Just

    Gut, nicht im Westen, aber ich hatte ordentliches Umfeld. Mir hat ja eigentlich nichts gefehlt.

  403. Bernd Just

    Außer die Freiheit. Also wie gesagt, ich konnte keine Meisterschule machen, weil ich nicht in der Partei war.

  404. Bernd Just

    Bin gedrängelt worden. Aber das war eine kleineren Übung, sage ich mal. Wir hatten ein perfektes Gesundheitssystem,

  405. Bernd Just

    perfekte Bildung. Und das, was jetzt fehlt, Jetzt ist Bildung ganz und glatt vergessen. Ich will euch nicht zu nahe treten.

  406. Bernd Just

    Meine Enkeltochter ist in der 8. Klasse im

  407. Bernd Just

    Jehnaz-Gymnasium. Die hatte gestern wieder zwei Stunden Ausfall. Ja. Und

  408. Bernd Just

    der Claudio, der Junge, der ist in der 5. Klasse ins Gymnasium gekommen, der hatte die ersten drei Monate keinen Mathematikunterricht.

  409. Bernd Just

    Das ist doch kein Zustand. Und das Gesundheitswesen Ach, wir haben nur wieder Nasehumpfen. In Weida,

  410. Bernd Just

    nur als Beispiel, in Weida gab es eine Bindungsstation, eine Pudelklinik, ein Krankenhaus mit allen, mit der chirurgischen Abteilung, mit der Alten-, mit der Kinderstation. Wir hatten eine Zahnpudelklinik. Ich weiß nicht, wie

  411. Bernd Just

    viele Zahnärzte dort waren. Es gibt nichts mehr. Nichts. Die

  412. Bernd Just

    Pudelklinik ist jetzt das Seniorenheim. Alles weg.

  413. Bernd Just

    Sehr gut. Ich habe eine Dauerkarte für den Bugha gehabt.

  414. Bernd Just

    Ich fahre über 200 Mal. Ich bin von Seligstedt mit dem Auto in Amronnenburg das Auto abgestellt. Die Frau kam

  415. Bernd Just

    mit dem Bugha-Bus, waren wir in Amronnenburg, waren alle Veranstaltungen mitgemacht. Das war wunderschön.

  416. Bernd Just

    Der größte Gewinnverkehr war der Bugha. Dieses Objekt 90 habe ich auch alles bewundert. War auch mit

  417. Bernd Just

    einem Enkel drin. Ja, ich habe ja auch einen Stein oben auf der begehbaren Landkarte. Ich wollte mit meiner Kollegin, dass unser Stein nebeneinander liegt, aber das hat nicht geklappt.

  418. Bernd Just

    Die liegt 10 Meter weiter. Gab es auch so eine Story.

  419. Bernd Just

    Hat einer aus dem Saarland gefragt zu ihm, was sind denn das für Steine? Und der andere hat gesagt, das sind alles die Toten von der Wismut. Ja,

  420. Bernd Just

    Ministerpräsident hat auch seinen Stein dort. Ja, das Spielareal dort ist ja nun aus Huhn abgebaut worden.

  421. Bernd Just

    Also, Gera wird besser angenommen als Ronneburg. Man sieht ja im Sommer, die Jugendlichen spielen da Volleyball, die Kinder spielen dort Fußball.

  422. Bernd Just

    Der Spielplatz ist immer voll gewesen. Ich war auch mit den Enkeln immer dort. Also,

  423. Bernd Just

    ich finde, Gerhard hat mehr profitiert als Ronneburg. Ronneburg versucht jetzt ja mit den Traktoren fest, mit Drachensteigen ein bisschen was zu machen.

  424. Bernd Just

    Aber ich bin zwei, dreimal, bin ich immer auch in Ronneburg und auf

  425. Bernd Just

    meinem Berg rum. Weil ich hab ja den Berg, sozusagen, alles was dort drin ist, das ging durch meine Hand. Das Material unten, was eingelagert wurde, Da hatte ich in meinem Labor von jeder Halde 40 Kilo in der Kolonne. Das war wie Rohr. Weil keiner wusste ja, was passiert mit dem Material, wenn das da

  426. Bernd Just

    eingelagert wird. Das wusste erstmal keiner, wie lagert man es ein. Da haben wir Versuchsflächen gemacht im Tagebau.

  427. Bernd Just

    Wie kannst du das verdichten? Wie kannst du das kontrollieren, was du verdichtest? Und dann ist dann

  428. Bernd Just

    so das System rausgekommen, Und

  429. Bernd Just

    da war ich immer mit drin. Ich habe erstmal einmal die Proben gekriegt. Und zwar war die erste Methode, das wurde 40 Kilo abgewogen mit dem Halbmaterial, wurde eingestampft bis eine bestimmte Dichte, Gramm je Kubikzentimeter die Dichte. Dann wurde ein Deckel drauf gesetzt, da wurde mit Zellosie vergossen. Dann wurde von unten erstmal Stickstoff reingeblasen, um den Sauerstoff da drinnen rauszukriegen. Und dann wurde Wasser reingepüllt. Die Menge wurde notiert, bis es oben rauskam. Und das wurde alle 14 Tage gemacht. Und das Wasser wurde untersucht. Leitfähigkeit, dann Uran, Schwermetalle.

  430. Bernd Just

    Nach einem halben Jahr wurde der Deckel oben aufgemacht und dann wurde es umgedreht, von oben passend auf. Das Erste war, was passiert, wenn geflutet wird? Wie verhält sich das Material? Und dann später, wenn es draufregnet.

  431. Bernd Just

    Und es liegt immer noch in Seligstedt, von jeder Halde liegen die 40 Kilo noch. Wird immer noch untersucht. Langzeitmonitoring nennt sich das.

  432. Bernd Just

    Und auch die Abdeckung, wie deckt man sowas ab? Das wusste ja keiner, hat auch nie jeder gemacht.

  433. Bernd Just

    Und welches Material nimmt man dazu?

  434. Bernd Just

    Also es musste bestimmte Eigenschaften haben. Es handelt sich an der Bergischen Grenze, Fließgrenze, Ausrollgrenze. Wie lässt sich das Material verdichten?

  435. Bernd Just

    Ganz wichtig. Bei welchem Wassergrad lässt sich das verdichten?

  436. Bernd Just

    Und die Untersuchung habe ich alle gemacht. Und das Material wurde auch chemisch untersucht.

  437. Bernd Just

    Die Autobahnbau, die wollten da wissen, wie die den ganzen Abraum antreten. Haben sie vergessen, haben wir gesagt.

  438. Bernd Just

    Das ist so belastet mit Phenole. Das geht nicht. Sandtage

  439. Bernd Just

    bauen und keiner. Da kommt das Material immer noch her.

  440. Bernd Just

    Und das sind zwei Schichten. Wissen Sie, ich habe es euch geringer erklärt.

  441. Bernd Just

    Das Material, das Haltenmaterial, wurde reingefahren, wurde verdichtet mit einem Kipper. Also die Kippers sind drübergefahren und das war die beste Verdichtung.

  442. Bernd Just

    Und die Abdeckung zum Schluss, wo die Halten alle drin waren, besteht aus zwei Schichten. Einmal 50, 60 Zentimeter Abdecksperrschicht und 50 Zentimeter Speicherschicht. Die kommen

  443. Bernd Just

    dann drüber. Und dann wurde es bepflanzt.

  444. Bernd Just

    Und die Bepflanzung wurde ja auch Komisch gemacht, nicht komisch, sinnvoll. Ein Teil wurde nicht durch Bäume gesetzt und der zweite Teil daneben blieb Natur belassen. Da sollte ich sie selber anpflanzen.

  445. Bernd Just

    Dadurch ist der Schöne-Mischwald entstanden. Wir hatten Kanadier da am Anfang und die haben gesagt, was ihr noch habt, ihr habt noch eh Probleme, hier wohnen zu viele Leute.

  446. Bernd Just

    Bei uns im Kanada, wir lassen das Zeug liegen. Da kommen zweimal im Jahr Indianer vorbei, das ist alles. Indianer

  447. Bernd Just

    darf man ja nicht mehr sagen. Es ist ganz wichtig, dass es auch der größte Arbeitgeber mit war. Und

  448. Bernd Just

    die Eigenschaft ist die Sanierung. dass es der größte Arbeitgeber war, dass die Leute Arbeit hatten und gut verdient hatten und dass wir den Unrat ordentlich beseitigt haben.

  449. Bernd Just

    Das ist die größte Augenschaft. Schickten jeden mal nach Ronneburg, er sollte sich das mal angucken. Soll man hoch auf die

  450. Bernd Just

    Grubenlampe gehen? Soll ich die Tafeln angucken, die da waren? Denn das waren Umweltsünden ohne Ende. Waren wir nicht

  451. Bernd Just

    die Ronneburger? Haben wir sowas von Neid getan?

  452. Bernd Just

    Wenn die hier in Lichtenberg gesprengt haben, da haben die Häuser gewackelt. Ja, wir haben drüber gelacht.

  453. Bernd Just

    Uran durfte man nicht sagen. Medaille für den Frieden. Da

  454. Bernd Just

    haben wir drüber gelacht. Ja, schön.

  455. Bernd Just

    Erzählt noch einen Witz. Die Wissbrüche waren ja streng geheim. Da miesen sie auch ein bisschen

  456. Bernd Just

    Darum hieß es ja auch Wismut. Mut. Die durften nichts in der Familie sagen über den Betrieb.

  457. Bernd Just

    Das war logisch. Und bevor ich, das kann ich auch noch erzählen, nach Seligstedt angenommen worden bin, hat die Stasi natürlich über mich Erkundungen eingezogen. Ich habe

  458. Bernd Just

    auch die Stasiakte, die habe ich angeguckt bei meinen Kindern. Was da drinne stand, da haben meine Kinder nur gelacht, aber das ist egal. Und die beste Freundin von meinem Bruder, die hat die

  459. Bernd Just

    über mich geschrieben. Aber nur positiv, sonst hätte ich nicht anfangen dürfen.

  460. Bernd Just

    Ja, da standen solche Sachen drin wie, er hat ein Murmelt und eine Freundin. Ganz wichtig.

  461. Bernd Just

    Ich wusste auch, wer von meinen Sportkameraden bei der Stasi ist. Das wusste ich. Zwei haben es offiziell zugegeben.

  462. Bernd Just

    Ihnen nämlich das Heutner Übel, das war mein bester Kumpel, Andi. Da wo in der 2. Westen, da

  463. Bernd Just

    hat nichts zugegeben, nichts gepfiffen. Ich weiß nicht, was er mir erzählt hat.

  464. Bernd Just

    Meine Stasiakte war ja halb gelöscht. Zum Beispiel meine Akte über die Armee war ganz gelöscht.

  465. Bernd Just

    Über die Wissenhut gab es lose Blätter, da hat vieles gefehlt, weil ich wusste, dass mein Chef vom Medizentrum mich Beschriftungsschreiben musste, da war er nicht da. Ja, und was da stand, das war...

  466. Bernd Just

    Mein Sohn, der war 14, hat gesagt, da haben die Kinder nichts Besseres zu tun gehabt. Ja, nee, ich habe nicht gemacht.

  467. Bernd Just

    Ich habe die Akte mit meinen Kindern angeschaut. Doch, der war 12, der Junge 14.

  468. Bernd Just

    Ich sage, wir gucken das an,

  469. Bernd Just

    ich weiß ja nicht, was drin steht. Ja, also, ich wollte immer verheißen, Wir wollten eine Familie gründen.

  470. Bernd Just

    Das hat aber lange nicht geklappt. Wir hatten immer einen verkehrten Freund kennengelernt.

  471. Bernd Just

    Familie war ganz wichtig. Wir waren fünf Kinder.

  472. Bernd Just

    Wir Jungs und eine Mädel haben zusammengehalten. Wir waren immer noch Geschwister, treffen einmal im Jahr, wenn wir ein bisschen zerstreut sind. Meine Schwester hat mir manchmal leid getan,

  473. Bernd Just

    die musste immer auf den Kleinen aufpassen, ich war der Jüngste. Also der familiäre Zusammenhalt, da habe ich immer Wert aufgelegt.

  474. Bernd Just

    Und ich habe auch das große Glück mit meinen zwei Kindern. Ich verstehe mich so gut, ich bin mit meinem Sohn Skifahren gefahren.

  475. Bernd Just

    Ich habe das Glück wirklich. dass unsere Familie intakt ist.

  476. Bernd Just

    Ganz wichtig, Familie. Ich habe jetzt, meine Tochter zieht gerade um, drei Tage mitgeholfen.

  477. Bernd Just

    Ja, zur Jüngsten bin ich wirklich nicht mehr. Aber das macht man eben.

  478. Bernd Just

    Und auch, weil ich gesagt habe, Die war mit 14 halbweise geworden, der Mutti gestorben. Die hat mir viel erzählt, wo sie im Seligstedt ihr Praktikum gemacht hat.

  479. Bernd Just

    Und ich hab immer ihr gesagt, sie ist beim Praktikum nicht vertragen, dann die Fragen. Wenn du Fragen hast, komm, es gibt alles zu regeln, alles zu helfen.

  480. Bernd Just

    Und wir haben immer Kontakt behalten. Und die hatte immer, gut, mit 14, die Mutti verliert das bestimmt ganz schlimm.

  481. Bernd Just

    Und mit dem Fahrrad, jetzt halt wieder manchmal in Groningen gehauen, da ist die dann mit 17 nach Nürnberg, ist dann später wieder zurückgekommen und hat dann genau Biogeowissenschaft studiert. Und wo ich sie dann das erste kennengekriegt habe, nach dem Studium, ich sagte, wenn du Hilfe brauchst, dann ist sie nach Gerald gezogen, Da kann ich auch sagen, es war nicht mal so schlimm, sagt sie, ich brauche noch für den Hausbaukauf 3.000 Euro.

  482. Bernd Just

    Ich sag, hast du deinen Vater gebracht? Da hat sie mir gesagt, der hat Gehgeld. Tischlermeister.

  483. Bernd Just

    Ich sag, wir machen einen Vertrag, du kriegst die 3.000. Jetzt halten wir jeden Monat 100 Euro zurück, wenn gut ist.

  484. Bernd Just

    Und dann bin ich ihr Notfalltelefon. Der Vater wohnt im Erzgebirge, die Schwiegermutter wohnt auch im Erzgebirge.

  485. Bernd Just

    Und wenn was mit den Kindern ist, Krankheit oder sonst was, Kinderbetreuung, drei Jungs. Der Letzte musste eigentlich nicht kommen. Damit hat sich

  486. Bernd Just

    das beendet. Das ist das Hauptproblem. Da hatte ich Gendefekt

  487. Bernd Just

    in der Sprachsteuerung. Da kann ich reden.

  488. Bernd Just

    Und dass sie noch den Mut haben, ein neues Kind. Da gehört viel Mut dazu.

  489. Bernd Just

    Ich bin der Ersatz Opa. Die sagen zwar, brennen sie mir. Aber wenn ich morgen, da ist in der Sonderschule, da wird gebracht.

  490. Bernd Just

    Wenn der um 3 kommt und mit dem Auto sieht mich, dann kommt er erstmal zugerannt, da muss ich den Ohren erstmal drücken.

  491. Bernd Just

    Und da muss ich schon aufpassen. Ich muss immer, wenn ich einen Kleen und einen Großen habe, immer zuerst den Großen begrüßen und drücken. Und dann den Kleen.

  492. Bernd Just

    Weil der Große das Wort zuerst hat. Das ist immer noch so.

  493. Bernd Just

    Und da ist derjenige, der die meiste Zuwendung braucht. Weil er kann ja nicht so reden, wie er will.

  494. Bernd Just

    Ich verstehe nicht gut mit ihm. Aber wenn wir die Gebärdensprache lernen, das kann ich nicht.

  495. Bernd Just

    Ich komme gut mit ihm aus. Aber es ist nicht einfach. Und

  496. Bernd Just

    wenn er merkt, dass ich mich mehr ums Kleine kümmere, dann tritt er durch. Er schubbt ein bisschen. Das merke ich.

  497. Bernd Just

    Aber ich mache es gerne. Irgendwann in der Woche. Und

  498. Bernd Just

    sie ruft mich an und sagt, ich höre zu, ich habe was vor. Ich war ja, als ich geboren wurde, hat sie mir gesagt, du bist mein Notfalltelefon.

  499. Bernd Just

    Ich sage, wann soll er denn geboren werden? 11. August.

  500. Bernd Just

    Ich sage, das wird nichts. Ich fahre am 11.

  501. Bernd Just

    August nach Petersburg. Das kriege ich in der Reihe, hat sie gesagt.

  502. Bernd Just

    Am 3. Juli ist er geboren. Dann

  503. Bernd Just

    hat sie mich angerufen. Mittag. Bernd, mir geht es nicht mehr gut.

  504. Bernd Just

    Kannst du kommen? Dexter vom Kindergarten abholen, Moritz von der Schule.

  505. Bernd Just

    Moritz muss aber noch anschließend zum Rollstuhlauf geschafft werden. Ich sage, alles kein Problem. Dann hab

  506. Bernd Just

    ich den vom Kindergarten abgeholt, bin mit dem Kleinen im großen von der Schule mit ins Wolkenlauf. Abends war mein Bett schon gemacht. Hab

  507. Bernd Just

    ich die Kinder in die Badewanne gesetzt, das Abendbrot gemacht. Dann hab ich sie auf den Fernseher deponiert, hab die Küche aufgeräumt, hab sie dann ins Bett geschafft. Gut, der Große kam

  508. Bernd Just

    dann, da musste er noch mal gucken, was ich mache, auf den Fernseher. Da kam eine Dir-Sendung. Kann ich mitgucken?

  509. Bernd Just

    Da kam die Couch rein. Zwei.

  510. Bernd Just

    14 und 12. Das kann ich auch sagen, meine Enkeltochter und ich, wir haben ein ganz spezielles Verhältnis.

  511. Bernd Just

    Und zwar, die Tochter hat dann auch in Leipzig studiert und Doktor gemacht. Und wo sie geboren wurde, hat sie gesagt, aber lass mich drei Tage zufrieden.

  512. Bernd Just

    Kommt nach drei Tagen mich besuchen, ich brauche das für meine Ruhe. Nach drei Tagen sind wir in Leipzig geboren.

  513. Bernd Just

    Das Erste, was sie mir gesagt hat, schön, dass du da bist, hier kannst du dich gleich windeln. Dann gibt man das kleine Paket auf den Arm, das vergesse ich mein Leben nie.

  514. Bernd Just

    Den kleinen Neugeborenen auf dem Arm zu haben, das ist ein Erlebnis. Dann habe ich natürlich gewindelt. Ich kannte das ja auch, das war kein Problem.

  515. Bernd Just

    Ich habe meine Kinder gewindelt. Und auch jetzt noch.

  516. Bernd Just

    Ich bin immer mit den Enkeln in den Urlaub gefahren. Wir waren in Friedrichsruhe Ich war in Friedrichroda, in einem nahen Hotel.

  517. Bernd Just

    da, in der Nauernhotel. Da waren wir auf dem Inselsberg und die Kinder sind auf dem Kletterfelsen.

  518. Bernd Just

    Ich wollte hoch. Opa, du nicht. Du bleibst unten,

  519. Bernd Just

    hat sie gesagt. Oder so, wenn wir Fahrrad fahren, über Maschine langsam. Ja,

  520. Bernd Just

    bis 14, hat dieses Jahr die Jugendweihe. Hochintelligent, das Mädel. Also wirklich wie der Mama.

  521. Bernd Just

    Hat jetzt ein ganz stolzes Halbjahreszeugnis, 1,6. Ich sag, hast den Wunsch frei.

  522. Bernd Just

    Vor dem letzten Corona war ich mit denen im Herbstferien in Bua Ventura. War wunderbar. Das Schönste war, oben hatte ich dieses Zimmer zeitig auf. Wir

  523. Bernd Just

    wollen länger schlafen. Ich sag, um 8 gibts Frühstück. Halb 7.

  524. Bernd Just

    Wir hatten ein eigenes Zimmer. Kams rüber, ich sag, was ist denn los?

  525. Bernd Just

    Ach, ich wusste nicht, wie spät es ist. Ich sag, ja, er wird oben halb 7 wecken.

  526. Bernd Just

    Ich hab auch ein sehr, sehr gutes Verhältnis zu meinem Sohn. Leider hat er keine Kinder, aber kann sich nicht erzwingen. Wir spielen zusammen Fußball.

  527. Bernd Just

    Das fetzt einen Vater und Sohn in der Mannschaft, beim alten Herren. Das macht so viel Spaß.

  528. Bernd Just

    Jetzt muss ich krankheitsbedingte Mittel kürzer treten. Naja, im April will ich wieder anfangen.

  529. Bernd Just

    Ich habe jetzt noch im März eine Untersuchung.

  530. Bernd Just

    Und wenn die alles gut ist

  531. Bernd Just

    und ich brauche dann keine Thrombosenstrümpfe mehr, dann geht es wieder auf den Platz. Ja, ist auch so.

  532. Bernd Just

    Ich bin nicht der Älteste der Mannschaft, nur der zweite Älteste. Aber die Jungen, die 40-Jährigen, die nehmen da auch Rücksicht.

  533. Bernd Just

    Manchmal, manchmal auch nicht. Es ist ein gutes Verhältnis untereinander.

  534. Bernd Just

    Und Freitag, mein altes Herrenfußball, das gehört ja nicht nur zum Fußballspielen dazu, sondern zur Geselligkeit. Man sitzt anscheinend zusammen, trinkt ein Bier.

  535. Bernd Just

    Ich sage immer, eineinhalb Stunden Fußballspielen, eine Stunde zum Quatschen. Na, das gehört dazu.

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