Enrico Richter

Das Interview wurde im Februar 2023 von zwei SchülerInnen des Osterlandgymnasiums in Begleitung der Projektkoordinatorin in der Stadtbibliothek Gera durchgeführt. Eine der Schülerin trainiert selbst Boxen bei Enrico Richter.

Kurzvideo

  1. UnbekanntEnrico Richter

    Er sagt: Jetzt musste dich langsam entscheiden.

  2. Enrico Richter

    Ich sag, ja, ich würde gerne Fußball spielen.

  3. Enrico Richter

    Er sagt: bist du blöd? Ich sagte, wieso?

  4. Enrico Richter

    Ja, Fußball. Hauen die sich die Knochen kaputt. So was Blödes.

  5. Enrico Richter

    Dann sag ich, na beim Boxen kannst du

  6. Enrico Richter

    deinen Kopf wegnehmen.

  7. Enrico Richter

    Das kannst du machen. Das ist möglich.

  8. Enrico Richter

    Ich muss sagen, das war wahrscheinlich bissel, eine kleine

  9. Enrico Richter

    Überzeugungsarbeit.

  10. Enrico Richter

    Er hat mich natürlich bisschen getrimmt, ist gar keine Frage.

  11. Enrico Richter

    Aber ich muss sagen, war wirklich eine sehr schöne Zeit.

  12. Enrico Richter

    Haben da auch paar kleine Erfolge gehabt,

  13. Enrico Richter

    Bezirksmeisterschaften und wie das so war.

  14. Enrico Richter

    Und irgendwann war dann das Thema Sportschule.

  15. Enrico Richter

    Das ging bei uns dann los. Ab 13-14 biste dort eingeschult worden.

  16. Enrico Richter

    Und da hat er gesagt, naja, wird ihn schon gerne...

  17. Enrico Richter

    Und Bezirk Dresden damals war

  18. Enrico Richter

    so, dass die eigentlich nach Cottbus delegiert haben.

  19. Enrico Richter

    Ich war in Cottbus zur Überprüfung,

  20. Enrico Richter

    ging alles gut, einwandfrei.

  21. Enrico Richter

    Und ich bin zu Hause gekommen, zum Papa, und habe gesagt,

  22. Enrico Richter

    also dort gehe ich nicht hin.

  23. Enrico Richter

    Und da hat gesagt: Wie??

  24. Enrico Richter

    Das ist doch... Sportschule?! Nö, will ich nicht.

  25. Enrico Richter

    Das war alles so bisschen eingezäunt.

  26. Enrico Richter

    Dort hatten wir, ich sage mal so,

  27. Enrico Richter

    mir hat es halt einfach nicht gefallen.

  28. Enrico Richter

    Es war einfach aus dem Bauch heraus.

  29. Enrico Richter

    Und da hatte er sich überlegt und hat gedacht, naja, gut,

  30. Enrico Richter

    okay, wir waren Wismut Pirna-Copitz damals.

  31. Enrico Richter

    Und dann ging das los, ja, könnte man über Wismut,

  32. Enrico Richter

    vielleicht Wismut Gera.

  33. Enrico Richter

    Und da haben die die Verbindungen bisschen aufgebaut und dann

  34. Enrico Richter

    ging das nach Gera.

  35. Enrico Richter

    Habe ich hier nochmal ein Wochenende gemacht und dann haben

  36. Enrico Richter

    die gesagt, okay, gut, mit 14, ja, ja.

  37. Enrico Richter

    Und dann bin ich dann halt,

  38. Enrico Richter

    ich hatte zwar einen weiteren Weg hierher,

  39. Enrico Richter

    aber es war mir viel angenehmer.

  40. Enrico Richter

    Und es waren natürlich auch ein paar Vorbilder da.

  41. Enrico Richter

    Cottbus hatte damals keinen irgendwo im Spitzenbereich.

  42. Enrico Richter

    Hier war dann Jürgen Fanghänel, Stefan Förster, die waren

  43. Enrico Richter

    so, das waren so ein paar, die ich gerne angeguckt habe,

  44. Enrico Richter

    die also Europameister waren und weiß ich was schon.

  45. Enrico Richter

    Also Vorbilder, hieß es damals.

  46. Enrico Richter

    Ja, dann war ich halt hier.

  47. Enrico Richter

    Ja dadurch, dass ich bei der Wismut also SG

  48. Enrico Richter

    Wismut Gera war, also Sport,

  49. Enrico Richter

    bin ich hier in der Schule gewesen.

  50. Enrico Richter

    Und als wir gelernt haben, ausgelernt haben, dann hieß es,

  51. Enrico Richter

    naja, gut,ok, das war damals zu DDR-Zeiten, ja, ein bisschen so,

  52. Enrico Richter

    da gab es immer wie so einen Trägerbetrieb.

  53. Enrico Richter

    Und die Wismut war halt Trägerbetrieb für den Fußball hier,

  54. Enrico Richter

    den Radsport und fürs Boxen.

  55. Enrico Richter

    Ich glaube, ja.

  56. Enrico Richter

    Es gab vielleicht noch ein paar andere,

  57. Enrico Richter

    aber im Großen und Ganzen haben die die gefördert.

  58. Enrico Richter

    Und dadurch sind wir natürlich über die zur Wismut gekommen.

  59. Enrico Richter

    Ganz am Anfang, ab 14 Jahren geht das los. Da ware wir im Internat.

  60. Enrico Richter

    Da warste keine Wohngemeinschaft,

  61. Enrico Richter

    da war es eine Rudelbildung.

  62. Enrico Richter

    Radsport, Boxen.

  63. Enrico Richter

    Eine Seite vom Internat war Boxen, eins war Radsport.

  64. Enrico Richter

    Unten waren dann die Funktionäre und weiß ich was,

  65. Enrico Richter

    Erzieher und alles Mögliche.

  66. Enrico Richter

    Dann sind wir halt, in der Gagarinstraße war das.

  67. Enrico Richter

    Da, wo das Jugendamt jetzt ist, das wie heißt das?

  68. Enrico Richter

    Gagarinstraße 68 ist nicht das Jugendamt,

  69. Enrico Richter

    irgendwas anderes ist jetzt drin, aber ist egal.

  70. Enrico Richter

    Dort in der Nähe.

  71. Enrico Richter

    Wir mussten immer runter in die Panndorfhalle laufen.

  72. Enrico Richter

    Wo jetzt die Panndorfhalle war,

  73. Enrico Richter

    die gab es ja früher nicht die jetzt, die neue.

  74. Enrico Richter

    War ja damals noch eine alte,

  75. Enrico Richter

    aber an der Schwimmhalle war die auch gleich.

  76. Enrico Richter

    Und da mussten wir immer laufen,

  77. Enrico Richter

    runter und hoch und runter, zur Schule.

  78. Enrico Richter

    Da unten hatten wir auch die Schule.

  79. Enrico Richter

    Internat, Essen, runter.

  80. Enrico Richter

    Wir sind dann manchmal am Tag vier oder fünfmal da hoch

  81. Enrico Richter

    und runter gelatscht.

  82. Enrico Richter

    Und das war schon ein ganz schöner Weg.

  83. Enrico Richter

    Aber das war halt so.

Lebenslauf

Der in Sachsen geborene Richter kommt als boxbegeisterter Jugendlicher nach Gera in den Kader der SG Wismut. Seine Zeit im Sportinternat ist von vielenTrainings geprägt, den Alltag des Bergbaus kennt er nur von Außen. Durch sportliche Erfolge, selbst neben seiner Lehre als Kfz-Schlosser, kommt Enrico Richter in der DDR viel herum – aber auch in der Sowjetunion und im „kapitalistischen Ausland“. Auch heute trainiert er noch junge Boxer:innen.

Gesamtinterview

  1. Enrico RichterEnrico Richter

    Ja, also ich bin in Pirna geboren, 3.8.1961 und hatte eigentlich eine schöne Kindheit. Schule, ich war viel, sag ich mal so, ich war immer schon immer sportlich, auch als Stift.

  2. Enrico Richter

    Ich konnte also kaum irgendwie stillsitzen. Ich war immer unterwegs.

  3. Enrico Richter

    Es gab eigentlich keinen Tag, an dem ich nicht draußen war oder irgendwas gemacht habe. Ich habe viele Sportarten gemacht. Geräteturnen, Leichtathletik, Fußball.

  4. Enrico Richter

    Fußball war für mich eigentlich das Thema. Ich wollte gerne zu Dynamo Dresden.

  5. Enrico Richter

    Pirna ist in Sachsen und Dynamo Dresden ist nicht weit weg. Das war es eigentlich.

  6. Enrico Richter

    Mein Vater war Boxtrainer und irgendwann hat er gesagt, du musst dich mal für eine Sportart entscheiden. “Ja, komm doch mal mit zum Boxen” - und dann hat er sich das so ein bisschen angeguckt.

  7. Enrico Richter

    Ich war früher schon immer mal mit auf der Halle, aber nie so, dass ich Ambitionen hatte zu boxen. Aber so mit acht, neun ging das dann so ein bisschen los.

  8. Enrico Richter

    Und dann sagt er, na, jetzt muss ich langsam entscheiden. Also irgendwie, ich sag, ja, ich würde gerne Fußball spielen.

  9. Enrico Richter

    Er sagt, bist du blöd? Ich sag, wieso?

  10. Enrico Richter

    Ja, Fußballer hauen sich die Knochen kaputt, sowas Blödes. Da sag ich, ja, und beim Boxen? Da kannst du deinen Kopf wegnehmen.

  11. Enrico Richter

    Das kannst du machen. Das ist möglich.

  12. Enrico Richter

    Also ich muss sagen, das war schon so ein bisschen eine kleine Überzeugungsarbeit. Er hat mich natürlich auch ein bisschen gedrückt, das ist gar keine Frage.

  13. Enrico Richter

    Aber ich muss sagen, es war wirklich eine sehr schöne Zeit. Wir haben da auch ein paar kleine Erfolge gehabt, Bezirksmeisterschaften und, und, und, wie das so war.

  14. Enrico Richter

    Und irgendwann war dann das Thema Sportschule. Das ging bei uns dann los, so ab 13, 14, bist du dort eingeschult worden.

  15. Enrico Richter

    Und da hat er gesagt, naja, würden wir schon gerne. Und im Bezirk Dresden damals war es so, dass die eigentlich noch Cottbus delegiert haben.

  16. Enrico Richter

    Ich war in Cottbus zur Überprüfung, ging alles gut, einwandfrei und ich bin heimgekommen zum Papa und hab gesagt, also dort geh ich nicht hin. Und da hat er gesagt, wie? Sportschule? - Nö, will

  17. Enrico Richter

    ich nicht! Das war alles so ein bisschen eingezäunt.

  18. Enrico Richter

    Mir hat es einfach nicht gefallen. Das war einfach aus dem Bauch heraus.

  19. Enrico Richter

    Und da hat er sich überlegt und hat er sich gedacht, wir waren Wismut Pirna-Copitz damals. Und dann ging das los, könnte man über die Wismut, vielleicht Wismut Gera?

  20. Enrico Richter

    Und da haben die die Verbindungen so ein bisschen aufgebaut und dann ging das nach Gera. Hab ich hier nochmal ein Wochenende gemacht und dann haben die gesagt, okay, gut, mit 14, ja, ja.

  21. Enrico Richter

    Ich hatte zwar einen weiteren Weg hierher, aber es war mir viel angenehmer. Und es waren natürlich auch ein paar Vorbilder da.

  22. Enrico Richter

    Cottbus hatte damals keinen irgendwo im Spitzenbereich, hier war dann... Die waren so, das waren so ein paar... die du dir eigentlich gerne angeguckt hast, die als Europameister waren,

  23. Enrico Richter

    also Vorbilder, hieß es damals. Ja, und dann war ich halt hier.

  24. Enrico Richter

    Ja, dadurch, dass ich bei der Wismut, also SG Wismut Gera war, als Sport, bin ich hier in der Schule gewesen. Und als wir gelernt haben, ausgelernt haben, dann hieß es, na gut, okay, das war damals zu DDR-Zeiten ja ein bisschen so, da gab es immer wie so einen Trägerbetrieb.

  25. Enrico Richter

    Und die Wismut war halt ein Trägerbetrieb für den Fußball hier, den Radsport und fürs Boxen. Ich glaube, es gab vielleicht noch ein paar andere, aber im Großen und Ganzen haben die die gefördert.

  26. Enrico Richter

    Und dadurch sind wir natürlich zur Wismut gekommen.

  27. Enrico Richter

    Ganz am Anfang, ab 14 Jahren geht das los,

  28. Enrico Richter

    da waren wir im

  29. Enrico Richter

    Internat, da war es ja keine Wohngemeinschaft, da war das Rudelbildung,

  30. Enrico Richter

    Radsport und Boxen, eine Seite vom Internat war Boxen, eins war Radsport,

  31. Enrico Richter

    unten waren dann die Funktionäre und was weiß ich, Erzieher und alles mögliche und dann sind wir halt, in der Gagarinstraße war das. Da wo das Jugendamt jetzt ist, ich weiß gar nicht, aber egal.

  32. Enrico Richter

    Dort in der Nähe. Und wir mussten immer runter in die Panndorfhalle laufen.

  33. Enrico Richter

    Wo jetzt die Panndorfhalle war, die gab es ja früher nicht, die jetzt, die Neue. Das war ja damals noch eine alte, aber an der Schwimmhalle war die auch gleich.

  34. Enrico Richter

    Und da mussten wir immer laufen, immer runter und hoch und runter. Zur Schule, da unten hatten wir auch die Schule.

  35. Enrico Richter

    Internat, Essen, runter. Wir sind dann manchmal am Tag vier oder fünfmal da hoch und runter gelatscht.

  36. Enrico Richter

    Und das war schon ein ganz schöner Weg. Ja, aber das war halt so. Spät. Nee,

  37. Enrico Richter

    nee, Entschuldigung. Später war es natürlich noch günstiger, wo wir keine Schule mehr hatten oder keine Lehre, wo wir dann ausgelernt haben, da konntest du mal durch die Stadt, da konntest du mal einen Kaffee trinken.

  38. Enrico Richter

    Das war einfach das Gute. Das hättest du in, ich sag mal Schwerin oder Weiß-ich-wo nicht gekonnt.

  39. Enrico Richter

    Die waren halt so alles ein bisschen wie eingezäunt. Frankfurt, Cottbus, die waren alles so.

  40. Enrico Richter

    Und wir konnten ja schön mal durch die Stadt tingeln, haben ein paar andere Menschen gesehen, war immer schön. Ja, es gab auch natürlich auch mal Reibereien.

  41. Enrico Richter

    Also, früher war es dann schon auch mal so, da ist man so, neunte Klasse waren wir schon mal die Alten, in die achte Klasse kamen die Frischlinge. Ja, das war halt so.

  42. Enrico Richter

    Die mussten halt, wenn wir ins Winterlager gefahren sind, im Januar nach Schmiedeberg, da mussten die natürlich im Schnee tanzen - nackig! Das war einfach so.

  43. Enrico Richter

    Das waren halt so Kleinigkeiten, aber im Großen und Ganzen, muss ich sagen, hat man sich schon verstanden. Ja, in der Halle zum Beispiel, so waren wir sehr oft.

  44. Enrico Richter

    Ja, also im

  45. Enrico Richter

    Café. Damals gab es noch die Cosi, das ist jetzt am Club der Jugend der Sportler, hieß das noch so? Unten hier am

  46. Enrico Richter

    Ja, früher. Clüpterjugend des Sportlers.

  47. Enrico Richter

    Das ist gar nicht so weit weg von hier. Oder hier auf der Sorge sind wir mal, Tagescaf Du hast mal ein Käffchen getrunken.

  48. Enrico Richter

    Wir nur zu Fuß. Hochleistungssport war in der DDR: Ich war angestellt bei der Wismut.

  49. Enrico Richter

    Ich war zweimal dort. Ich war immer dort zum Einlauf und dann irgendwann zum Abmelden. Sonst

  50. Enrico Richter

    war ich nie da draußen. Paitzdorf. Kennen wir gar nicht.

  51. Enrico Richter

    Wir kennen es schon, aber wir waren nur angestellt. Wir haben aber nur Sport gemacht. Irre

  52. Enrico Richter

    Ich glaube, kennt man ja auch viele. Die waren eigentlich nur knatter.

  53. Enrico Richter

    Was die gesoffen haben, das muss ja unglaublich gewesen sein. Ich meine, wir haben auch mal einen Schluck getrunken, keine Frage.

  54. Enrico Richter

    Aber die saßen ja früh schon im Zug und haben sich die Dinger reingefädelt. Da habe ich gedacht: Hallo?! Die haben

  55. Enrico Richter

    ja auch Kontingent gehabt. Die haben ja Schnaps gekriegt oder weiß ich was.

  56. Enrico Richter

    Haben wir ja nicht gekriegt. Das muss ich sagen. Das gab es nicht.

  57. Enrico Richter

    Bezug hatten wir auch relativ wenig. Das Geile war, muss ich sagen, immer wieder, wenn wir hier unten in der Panndorfhalle bei uns geboxt haben, die waren immer gerammelt voll. Und da war richtig was los.

  58. Enrico Richter

    Und das waren auch viele Wismuter, die so einfach auch dahinter gestanden haben, was eigentlich richtig geil war. Ich habe hier in Gera wirklich sehr gerne geboxt.

  59. Enrico Richter

    Das war für mich immer ein Vergnügen. Ja, kann ich.

  60. Enrico Richter

    Welches wollen Sie sehen? Hier in Gera oder? Wir waren dann hinten raus, warst du eigentlich mehr im Trainingslager als irgendwo anders, als hier.

  61. Enrico Richter

    Also wir waren viel unterwegs. Ich sag mal so, ein Dreivierteljahr kannst du eigentlich sagen, waren wir weg.

  62. Enrico Richter

    Genau, also wir sagen so, es ging eigentlich früh los,

  63. Enrico Richter

    Frühsport um sieben. Um acht wiegen, Frühstück,

  64. Enrico Richter

    9.30 Uhr ungefähr erste Einheit,

  65. Enrico Richter

    bis 11 Uhr Mittag,

  66. Enrico Richter

    14 Uhr die nächste Einheit,

  67. Enrico Richter

    18 Uhr nochmal eine Einheit und gut, das war's. Also wir haben meistens so am Tag, also inklusive Frühstück vier Einheiten gemacht, vier Trainingseinheiten und das war schon ganz schön anstrengend. Also das war

  68. Enrico Richter

    schon, aua. Hier in Gera war es nicht ganz so.

  69. Enrico Richter

    Gerade mit der Schule oder so, da konnte man nicht ganz so viel trainieren. Wir hatten aber noch Samstag Schule, was auch sehr scheiße war für uns.

  70. Enrico Richter

    Wir haben Samstag noch Schule gemacht, vier Stunden,

  71. Enrico Richter

    dann sind wir zum Training gegangen und

  72. Enrico Richter

    dann bin ich erst nach Pirna gefahren.

  73. Enrico Richter

    Ich war manchmal 18 Uhr in Pirna, musste am nächsten Tag 15 Uhr wieder mit dem Zug fahren von Dresden. Das war total bescheuert. Meine Mutter ist bald durchgedreht mit dem Waschen. Die hat

  74. Enrico Richter

    immer gesagt: Wie soll ich da trocknen? Im Sommer geht das ja, aber im Winter war es dann immer ein bisschen schlecht.

  75. Enrico Richter

    Aber war also. Ging auch. Zwei. Ja,

  76. Enrico Richter

    die Wismut hat natürlich andere Urlaube gehabt. Wir als Leistungssportler nicht. Wir hatten 14 Tage Urlaub,

  77. Enrico Richter

    mehr gab es nicht. Nee. Ins Trainingslager.

  78. Enrico Richter

    Ins Trainingslager, logo! Das ist ja kein Urlaub, aber Winterlager haben die finanziert.

  79. Enrico Richter

    Die haben schon viel finanziert für uns. Also als Sportler.

  80. Enrico Richter

    Überhaupt als Sportler. Denke ich mal. Auch für den

  81. Enrico Richter

    Radsport. Das spielt keine Rolle. Wir waren ja mit

  82. Enrico Richter

    Radsportlern und Boxern. Wir waren dann auch zusammen im Winterlager.

  83. Enrico Richter

    Das war einfach so. Von der 8. bis zur 10. Klasse,

  84. Enrico Richter

    dann später nicht mehr so, aber da haben die schon viel gemacht. Hätten wir machen können, aber das wollte ich dann nicht, in Zinnowitz war ja Wir waren im Trainingslager.

  85. Enrico Richter

    auch ein Traninigslager, das war für mich dann kein Urlaub gewesen. Wir hatten auch Zeiten, wo wir im Sommer Trainingslager gemacht haben. Mitte August haben wir Trainingslager von der Nationalmannschaft gemacht.

  86. Enrico Richter

    Da hat man irgendwann mal gesagt, wir könnten doch mal eine Woche vorher in den Roten Oktober oder so. Da sagt

  87. Enrico Richter

    man, kein Problem, das kriegen wir auf die Reihe. Dann waren wir im Roten Oktober. Ich meinte, kein Problem. Das war schon gut,

  88. Enrico Richter

    wie die das gehändelt haben. Hut ab!

  89. Enrico Richter

    Und der andere hat sich da einen Antrag gestellt und naja,

  90. Enrico Richter

    nee, bist abgelehnt, du musst woanders hinfahren.

  91. Enrico Richter

    Das gab es im Sport nicht,

  92. Enrico Richter

    vor allen Dingen, wenn du dann die Leistung gebracht hast, gab es überhaupt kein Gezucke. Ich habe gesagt, 1987 habe ich gesagt, ich würde gerne mal nach Bulgarien fahren.

  93. Enrico Richter

    Musste ich ja beantragen. Also, ich... bei der Wismut,

  94. Enrico Richter

    da weiß ich jetzt nicht. Unser Urlaub war ja immer festgeschrieben, gell? Du

  95. Enrico Richter

    wusstest genau, dann hast du Urlaub. Also ging meistens los so Anfang August bis Mitte August und dann ging's wieder los mit Training. Also

  96. Enrico Richter

    wir hatten zwei Wochen Urlaub und dann war die Bombe. Und da ging das auch reibungslos. Überhaupt kein Problem. Ach,

  97. Enrico Richter

    Ich könnte nach Bulgarien fahren, nachschlecken, gut aus. Auch nachschauen. Entschuldigung, das Rausschneiden.

  98. Enrico Richter

    Das ist authentisch. schön. Also Freizeitangebote gab's natürlich schon,

  99. Enrico Richter

    aber... Die eine oder andere haben wir auch mal genutzt, mal ein Bier trinken gegangen oder so, aber ansonsten, ach, schwer. Du hattest gar keine Zeit, weil wir das

  100. Enrico Richter

    Du kannst eigentlich hast. Wochenende durchtrainiert haben. Sonntag haben wir vielleicht mal zwei Einheiten gemacht,

  101. Enrico Richter

    da hattest du dann Nachmittag mal frei. Das war schon ganz schön, aber es war halt so. Für den Leistungssport gab es eigentlich nur Weihnachten. Den

  102. Enrico Richter

    Rest gab es nicht. Für uns. Ja, na klar.

  103. Enrico Richter

    Das gab es natürlich auch zu Ostern oder so,

  104. Enrico Richter

    aber ich musste immer trainieren.

  105. Enrico Richter

    Wenn ich damals mit meiner Frau oder so war, musste ich zum Training, aber natürlich gab es Geschenke. Keine Frage. Das

  106. Enrico Richter

    gab es auch zum Geburtstag. Am 1. Mai war immer ein Treffen.

  107. Enrico Richter

    Und oben in der Gagarinstraße war immer ein Treffen. Und das war eine Pflichtveranstaltung.

  108. Enrico Richter

    Wenn du dort nicht da warst, warst du der Arsch. Außer du warst im Trainingslager irgendwo oder unterwegs, was natürlich auch immer schön war.

  109. Enrico Richter

    Aber sonst musstest du daran teilnehmen, ansonsten hast du keine Chance gehabt. Ansonsten musstest du auch schon schwer krank gewesen sein.

  110. Enrico Richter

    Also solche politischen Sachen,

  111. Enrico Richter

    muss ich sagen, das war natürlich sehr viel Rotlicht. Ich hatte mal ein Gespräch, nach der WM war das glaube ich, mit unserem Parteisekretär.

  112. Enrico Richter

    Da gab es irgendwie eine Auszeichnung,

  113. Enrico Richter

    wir waren da im Haus der Kultur,

  114. Enrico Richter

    irgendwie eine Auszeichnung, und da sagt er, ja, du musst

  115. Enrico Richter

    so langsam auch mal in die Partei eintreten. Ich sage: Was,

  116. Enrico Richter

    warum? Ja, du willst doch zur Olympia. Ich sage: ja!

  117. Enrico Richter

    Gell? Ich sag, ja.

  118. Enrico Richter

    Das wäre schon nicht so schlecht, wenn du da so ein bisschen… Was sollst du denn machen? Na klar. Eher öffentlich, also für die.

  119. Enrico Richter

    Ich war nie in der Partei. Ich bin Kandidat gewesen, aber ich war nie volles Mitglied.

  120. Enrico Richter

    Kein zahlendes Mitglied. Immer nur Kandidat. Ich konnte

  121. Enrico Richter

    es immer ein bisschen rausschieben. Deswegen fehlt mir dann vielleicht auch Olympia.

  122. Enrico Richter

    Ist möglich. Solche Sachen.

  123. Enrico Richter

    Eher nebenbei. Aber klar, sie hat dann mal ein Bier getrunken oder wie weiß ich wie.

  124. Enrico Richter

    Aber das heißt, sie musste es halt ein bisschen verstecken. Zum Geburtstag gratuliert haben die auch.

  125. Enrico Richter

    Ja, der Trainer vielleicht, aber das war eigentlich völlig uninteressant. Das war nichts Großes. Wenn du zu Hause warst, wenn du

  126. Enrico Richter

    Glück... Also ich hatte meistens das Glück, weil ich am 3.

  127. Enrico Richter

    August Geburtstag hatte und meistens hatten wir Anfang August bis Mitte August Urlaub, da hatte ich meistens das Glück, dass ich da war. Also bei mir ging das so. Also

  128. Enrico Richter

    da muss ich sagen, das war dann schon ganz normal. Aber...

  129. Enrico Richter

    Wie bei euch wahrscheinlich auch heutzutage. Das ist so gratuliert, ein bisschen was gemacht und ein bisschen... Als Stift sowieso noch nicht so viel,

  130. Enrico Richter

    aber später hast du schon mal mit dem einen oder anderen ein Bierchen getrunken. Betriebssportgemeinschaft, hieß das damals. Nein,

  131. Enrico Richter

    in Pirna. In Pirna. Ich bin ja in Pirna geboren, aber

  132. Enrico Richter

    das sind auch meine Eltern her. Und dort bin ich bei der BSG Wismut Pirna-Copitz gelandet.

  133. Enrico Richter

    Und irgendwann hat der Bezirk Dresden, das

  134. Enrico Richter

    war ja immer so, die haben relativ viel sortiert, geguckt,

  135. Enrico Richter

    welche Sportart, das war zu DDR-Zeiten sehr, ganz schön, also haben die schon geguckt, dass der Sport nach vorne geht. Und in der Zeit, 1970er Jahre, ging das so richtig los, glaube ich.

  136. Enrico Richter

    Da waren die dann so richtig, wollten die unbedingt an die Weltspitze. Im Sport waren wir ja dann auch irgendwann.

  137. Enrico Richter

    Und so ist das dann gekommen. Da haben die dann rausgesucht, haben die gepickt, den könnten wir nehmen, den könnten wir nehmen, den. Da gab es Sichtungen, weißt

  138. Enrico Richter

    du. Da hast du Wettkämpfe gemacht, da haben die sich die angeguckt.

  139. Enrico Richter

    Ob das beim Radsport war, beim Fußball, wie die heute auch sichten. Beim Fußball, sag ich mal so, das wird damals genauso gewesen sein. Und

  140. Enrico Richter

    das bei jeder Sportart.

  141. Enrico Richter

    Die Sportarten haben sie eigentlich immer nur genommen,

  142. Enrico Richter

    deswegen wäre Fußball nicht so interessant gewesen in der DDR, weil da zu viel Masse gab und das wäre eh eine Medaille bloß gewesen. Bei uns wären ja zwölf Medaillen rausgekommen.

  143. Enrico Richter

    Wenn wir jetzt alle eine Medaille gewonnen hätten, hätten wir zwölf Medaillen. Das ist natürlich im Weltspiegel schon mal richtig gut, aber das ist halt schwer.

  144. Enrico Richter

    Nö. Und nur durch Sport halt.

  145. Enrico Richter

    Sonst eigentlich nie. Nein, mein Vater überhaupt nicht.

  146. Enrico Richter

    Leichtbau hat er gemacht. Meine Mutti war Krippenerzieherin.

  147. Enrico Richter

    Also überhaupt keinen Bezug zur Wismut. Das ging eigentlich nur über den Sport.

  148. Enrico Richter

    Die Wismut hat damals den Sport halt sehr gefördert. Meine Schwester hat Geräteturnen gemacht.

  149. Enrico Richter

    Mein Bruder hat geboxt. Er ist auch noch im Gera.

  150. Enrico Richter

    Der andere Bruder hat überhaupt keinen Sport gemacht. Er spielt gerne Fußball, aber keinen Leistungssport.

  151. Enrico Richter

    Und die andere Schwester hat auch nichts gemacht. Also ein bisschen zusammengewürfelt, ein bisschen Patchwork, aber alles im Grünen Bereich.

  152. Enrico Richter

    Also bei uns ist das wirklich: Hut ab. Wir verstehen uns wirklich alle. Ja, auch in Gera, selbstverständlich.

  153. Enrico Richter

    Nein, der [Bruder] ist jünger, der wollte ja so werden wie ich, der Kleine. War auch sehr gut, muss ich sagen.

  154. Enrico Richter

    Ich glaube, den haben sie dann ein bisschen verheizt. Aber gut, okay, das ist halt so.

  155. Enrico Richter

    Verheizt heißt, zu schnell nach oben bringen wollen. Ich glaube, der hat das ... Und das muss ich sagen, das kommt dann immer, wie ich vorhin schon gesagt habe, bei Rudi Roche,

  156. Enrico Richter

    da wusste genau der Trainer, wie er das macht, das ist einfach so. Du brauchst da jemanden.

  157. Enrico Richter

    Mein Bruder ist zum Beispiel eher DDR-Meister gewesen als ich. Ach so. Eigentlich war der richtig gut. Na,

  158. Enrico Richter

    das haben die gedacht, okay, der wird genauso wie der Alte. Ganz früher hieß er BSG Wismut Gera.

  159. Enrico Richter

    Die sind dann irgendwann umgezogen, glaube ich, von Chemnitz nach Gera, 1973 war das. Und da hieß das dann SG Wismut Gera.

  160. Enrico Richter

    Die BSG gab es trotzdem, BSG

  161. Enrico Richter

    Wismut Gera, als Boxen und auch Fußball und weiß ich, Leichtathletik, die haben ja alles mögliche gemacht. Wismut, Wismut, BSG Wismut. Betriebssportgemeinschaft

  162. Enrico Richter

    und wir hießen Sportgemeinschaft. SG, das war aber der Club, also Sportclub eigentlich so.

  163. Enrico Richter

    Aber wir hießen Sportgemeinschaft. Ich weiß nicht, warum die das so genannt haben, kann ich nicht sagen.

  164. Enrico Richter

    Also, ich sag mal, wir wussten, dass die Wismuter gutes Geld verdienen. Das wussten wir schon.

  165. Enrico Richter

    Aber dass sie auch Schnaps kriegen, das wussten wir auch. Aber wir hatten keinen Bezug. Der einzige Bezug war wirklich nur in der Boxhalle, als wir Wettkämpfe gehabt haben, wenn die da waren.

  166. Enrico Richter

    Du hast natürlich schon mal den einen oder anderen in der Stadt gesehen oder der hat dich angesprochen oder so. Früher, muss ich sagen, was gab es sonst im Fernsehen, außer Sport?

  167. Enrico Richter

    Sport war schon interessant, das haben auch sehr viele geschaut. Ob das Frauen oder Männer waren, spielt keine Rolle.

  168. Enrico Richter

    Die Frauen haben halt Eiskunstlauf geguckt,

  169. Enrico Richter

    Katharina Witt

  170. Enrico Richter

    und die anderen haben halt Fußball, Fußball haben sie nicht so viel gezeigt und gefördert wie die anderen Sportarten. Schwimmen, DDR-Meisterschaften, Boxen. Da ging dann Sonntag früh um 10 Uhr los, Fernsehen an bis um 12 oder 13 Uhr, Boxen. Das

  171. Enrico Richter

    haben die geguckt. Ja, na klar gab, es ja nicht viel.

  172. Enrico Richter

    Es gab ja nichts anderes zu gucken. Oder Aktuelle Kamera, oder wie hieß das bei uns? Ich bin nicht sicher, aktuelle Kamera.

  173. Enrico Richter

    Der Sport, muss ich sagen, hat dann schon auch, ja, da waren die stolz. Unsere kleine DDR, wirklich gut, wie und was.

  174. Enrico Richter

    Was da alles noch so gab, so zwischenher, oder weiß ich wie, was ist da, ne? Da sag ich immer wieder, hat mein ***, mein ***, mein guter Trainer, hat immer gesagt: Die brauchen sich gar nicht aufregen da drüben, die verrecken! Nee.

  175. Enrico Richter

    Unsere Trainer waren nur für uns zuständig. Also wir hatten extra Trainer, die wirklich alle ihren Diplom hatten. Das

  176. Enrico Richter

    waren alles schon Kinderein. 14 Boxer. 14 Boxer, 14 Radsportler waren wir in der Klasse.

  177. Enrico Richter

    Also 28 waren wir in der Klasse. Wir haben zusammen Unterricht gemacht, auch.

  178. Enrico Richter

    Gut, da gab es auch mal ein bisschen den einen oder anderen, aber es waren trotzdem nur Jungs. Scheiße. Die Sportklasse nur, Jungs.

  179. Enrico Richter

    Naja. Nee. Gab's in Jena.

  180. Enrico Richter

    In Jena schon. Leipzig auch. Festner,

  181. Enrico Richter

    weiß ich, kenne ich auch. Die HFK war auch relativ groß.

  182. Enrico Richter

    Also wir 14 Mann mit den Radsportlern, also Radsport und Boxen waren immer zusammen. Eine Klasse und wir hatten immer Unterricht zusammen. Radsport und

  183. Enrico Richter

    Boxen immer zusammen. Außer die Radsportler oder wir waren im Trainingslager.

  184. Enrico Richter

    Da ging das ja nicht. Radsport hat zum Beispiel, Berliner Winterbahnen, die sind immer gefahren, relativ lang.

  185. Enrico Richter

    Das ging im Dezember, glaube ich, los bis Januar, Februar. Und dann sind die, ich weiß nicht genau, zeitlich, aber so ungefähr.

  186. Enrico Richter

    Und dann waren die viel weg. Da waren wir halt allein in der Klasse. Vierzehn Mann.

  187. Enrico Richter

    Spaßig. Also wir hatten schon unseren Spaß, aber mussten auch lernen, mussten auch alles machen.

  188. Enrico Richter

    Wir hatten eins nicht, ab der achten Klasse. Zeichnen hatten wir nicht, brauchten wir ja nicht.

  189. Enrico Richter

    Wir waren ja keine Künstler. Astronomie brauchten wir auch nicht machen und Musik auch nicht. Das war nichts für uns.

  190. Enrico Richter

    Das brauchten wir nicht. Das brauchten wir auch nicht machen.

  191. Enrico Richter

    Das hat unser damaliger Trainer immer mit uns gemacht. Wir mussten natürlich auch das, was da gefordert wurde, alles durchmachen.

  192. Enrico Richter

    Überhaupt keine Frage, ob Geräteturnen, alles Mögliche. Das mussten wir alles machen. Das hat unser Trainer auch gefordert.

  193. Enrico Richter

    Das wollte der. Wir haben nicht nur geboxt, wir haben auch Leichtathleten gemacht und alles.

  194. Enrico Richter

    Alles, was die anderen auch gemacht haben. Wir waren vielleicht in der einen oder anderen ein bisschen besser, weil wir einfach trainierter waren. Das war einfach so. Wir haben

  195. Enrico Richter

    gesagt, deswegen trainierst du damals schon mit 14. Also wäre es ja schlimm, wenn einer kommt und sagt, ich bin bedeutend schneller als du.

  196. Enrico Richter

    Das ging eigentlich nicht. Das war nicht möglich. Ja.

  197. Enrico Richter

    Welche? Russisch war scheiße.

  198. Enrico Richter

    Russisch war total scheiße. Na ja, total scheiße, ne Drei.

  199. Enrico Richter

    Aber sonst nochmal zwei. Im Schnitt 2, 2, 5. Das war so, das war so geschaltet: Also

  200. Enrico Richter

    das Internat wusste genau Bescheid, was wir in der Schule machen und was wir im Training machen. Der Trainer wusste genau, was wir im Internat machen und in der Schule.

  201. Enrico Richter

    Und der Lehrer wusste genau, was wir im Internat machen und beim Training machen. Das war unglaublich. Ich habe immer gedacht, wie geht das?

  202. Enrico Richter

    Das ging. Die haben das genau gewusst. Eine kleine

  203. Enrico Richter

    Ich bin an der kleinen Historie. Story, ich war damals dann schon ausgelernt, also Senior, da musste ich ja nicht mehr auf Arbeit.

  204. Enrico Richter

    Wir mussten ja nicht mehr arbeiten. Unsere Arbeit war Training. Am ersten Tag war ich mit einem Kumpel, hab ich

  205. Enrico Richter

    gesagt, ach komm, wir gehen heute mal einen zischen! Wie es halt so ist. Wir haben Bierchen getrunken, alles klar. Und

  206. Enrico Richter

    dann waren wir ein bisschen spät. Wir mussten uns immer eintragen.

  207. Enrico Richter

    22 Uhr musstest du immer im Internat sein,

  208. Enrico Richter

    ansonsten war es zu. Ja? War zu. Wenn es zu war, war es schon scheiße. Da

  209. Enrico Richter

    kriegen das ja die Trainer mit. Ach Gott, was machen wir? Ach Gott, die

  210. Enrico Richter

    8. Klasse ist noch nicht da. Gucken wir mal unten. Wir

  211. Enrico Richter

    hatten überall Fenster. Ein Fenster war offen. Jetzt sind wir da reingeklettert, haben gepennt, ich

  212. Enrico Richter

    früh raus und ich sitze auf dem... und da kommt ein Funktionär vorbei: aha, aha… Wir sind runter zum Training, da wusste das mein Trainer schon.

  213. Enrico Richter

    Da ging das los. Das war mein erster Tag Training.

  214. Enrico Richter

    Eigentlich hatten wir am Anfang so ein bisschen Volleyball und bla bla bla. Ein bisschen Fußball. Da sagt er so, ah der Jens Uwe Friedrich holt mal den Ball raus.

  215. Enrico Richter

    Volleyball, ich hab mir schon… [...] und Richter bitte vortreten. Wir gehen 10.000 Meter laufen. Bitte unter 40 Minuten,

  216. Enrico Richter

    ansonsten lauft ihr nochmal. Da stehst du dort, bloß gut, da hat's ein bisschen geregnet.

  217. Enrico Richter

    Hat's du ein bisschen Wasser im Mund. Ah nee, das war so. Was wolltest du machen?

  218. Enrico Richter

    Na ja, klar, musste ich schaffen. Ansonsten hätte ich auch noch mal rennen müssen.

  219. Enrico Richter

    Aber am nächsten Tag sind wir 5000 gelaufen und haben Bergsprints gemacht. Ich konnte nicht mehr gehen, richtig, auf Deutsch gesagt.

  220. Enrico Richter

    Vor allen Dingen Treppen runter. War total scheiße.

  221. Enrico Richter

    Hoch ging's, aber runter. Mir haben die Knochen wehgetan, aber das war halt so.

  222. Enrico Richter

    Eigentlich geht das nicht. Eigentlich geht das nicht.

  223. Enrico Richter

    Also bei Hochleistungssport geht das nicht, zart umzugehen. Ansonsten, ich sag mal so, da gibt es wirklich wenige Sportler oder Sportlerinnen, die dann den Ehrgeiz haben, dann wirklich so durchzuziehen. Also

  224. Enrico Richter

    du musst den Druck aufbauen. Und ohne den Druck, ich meine, ja, Druck hin, Druck her, es ist ja in der Schule oder weiß nicht was, du brauchst ein bisschen Druck.

  225. Enrico Richter

    Wenn du keinen Druck von irgendwo kriegst, Da setze ich mich auch mal ein bisschen hin.

  226. Enrico Richter

    Ist so. Das ist halt der Mensch. Man ist ein bisschen faul.

  227. Enrico Richter

    Man hat nicht immer die Lust in die Schule. Aber es tut immer gut. Irgendwann.

  228. Enrico Richter

    Wenn man dann so alt ist wie ich, so bisschen Grau. Dann ist das Ohne Druck wäre bei mir nichts geworden, muss ich sagen. Wenn mein Vater mir nicht so am Anfang in den Arsch getreten hätte, ich wäre paar

  229. Enrico Richter

    Mal… Ich hätte aufgehört, ich hatte keine Lust mehr. Die anderen waren so schnell daheim.

  230. Enrico Richter

    Ich hatte immer die lange Fahrt. Das war eine Reise. Ich saß alleine im Zug von Pirna bis Chemnitz oder Karl-Marx-Stadt damals noch.

  231. Enrico Richter

    Dann sind die anderen erst eingestiegen. Das war schon scheiße. Aber es war halt so.

  232. Enrico Richter

    Also ich bin ja Kfz-Schlosser, gelernt. Gelernt habe ich ja auch was. Es ist ja nicht so, dass ich nicht gelernt habe.

  233. Enrico Richter

    Kfz-Schlosser. Oder heute heißt das Mechatroniker, oder?

  234. Enrico Richter

    Glaube ich. Ja, das habe ich gelernt. Ja,

  235. Enrico Richter

    genau. Das war auch nicht schlecht, muss ich sagen.

  236. Enrico Richter

    Das war eigentlich auch eine schöne Zeit. Aber auch anstrengend, da wir ja nicht so viel da waren. Früher, Kfz-Schloss haben wir immer zwei Jahre gelernt.

  237. Enrico Richter

    Bei uns war das schon drei Jahre. Also wir mussten drei Jahre lernen, weil wir das zeitlich gar nicht geschafft haben.

  238. Enrico Richter

    Durch das Training, Trainingslager, dorthin, dahin, fahren.

  239. Enrico Richter

    Das war einfach. Da haben die das ein bisschen gezogen. Da hatten wir auch eine Extraklasse.

  240. Enrico Richter

    Wir waren zwar mit der Klasse drinnen, aber die haben uns immer so ein bisschen wie als Zusatz noch genommen. So ein bisschen.

  241. Enrico Richter

    Am besten war dann immer so die Arbeitszeit. Wenn wir dann ins Praktikum sind, Schule ging eigentlich, das war alles kein Problem.

  242. Enrico Richter

    Da sind wir gut hingekommen. Praxis war immer unser Hauptding.

  243. Enrico Richter

    Ich wollte das doch nie werden.Schlosser. Eigentlich war mein Wunsch Unterstufenlehrer.

  244. Enrico Richter

    Lehrer wollte ich werden. Dem sein Bruder war abgehauen, im Westen.

  245. Enrico Richter

    Und der hatte sich auch vorher schon beworben, zu der Stelle, in Köstritz. In Crossen war das damals.

  246. Enrico Richter

    Und da durfte ich dann nicht mehr dorthin. Nicht, dass ich dort beeinflusst werde oder so.

  247. Enrico Richter

    Und dann haben die das gestrichen. Und Betonfacharbeiter, wollt ich auch nicht werden, hab ich gesagt, ja gut, dann mach ich mit, mach ich den KFZ-Schlosser.

  248. Enrico Richter

    Ich sag, so schlecht auch nicht. Mein Vater hat immer gesagt, mach das Abi.

  249. Enrico Richter

    Ich sag, nee, hab ich keine Lust. Eigentlich dumm.

  250. Enrico Richter

    Da war ich doof. Aber er war nicht hier, konnte nichts sagen.

  251. Enrico Richter

    Wo waren wir jetzt nochmal? Ja, dann Lehre. Genau, so ist es, Lehre.

  252. Enrico Richter

    Also wir hatten dreimal in der Woche, sind wir in der Lehre runter, ins KIW, K.I.W., wo jetzt der Mercedes-Benz ist unten, am McDonalds, an der Autobahn. 1978, danach ist 17, 16, 17, genau. Drei Jahre muss man lernen, bis 1981 haben

  253. Enrico Richter

    wir das gelernt. Und da ging das so, Montag, Mittwoch, Freitag mussten wir unten sein, um sechs ging es los, bis um elf.

  254. Enrico Richter

    Unsere Lehrausbildung am Anfang, da war das ein bisschen so, ein bisschen rumschrauben, ein bisschen dort und ein bisschen Werkzeugkunde, da musstest du ein bisschen feilen und machen und tun. Und dann hinten raus war das dann immer so, musst du hinkommen, haben ein bisschen so einen Lehrmeister gehabt, auf deutsch gesagt, und er sagt: Gut, okay, dann geh dorthin zum LKW.

  255. Enrico Richter

    Und ich war mit eben, ich war ja relativ leicht damals, ich war nicht so ein Damals habe ich noch gewogen… Wenn ich schon 50 Kilo hatte, war es viel. Da ging das immer so, beim W50, ihr macht mal die Räder ab.

  256. Enrico Richter

    Da haben wir schon bis zum 11.00 Uhr gebraucht, bis man die Räder dran hat. Wir hingen da dran, wir zwei kleinen. Wir haben das gar nicht geschafft, das war so unglaublich.

  257. Enrico Richter

    Ach geht mal in die Kantine, holt mal ein bisschen, holt das Frühstück! Das ging nur so. Wir haben eigentlich praktisch nichts Großes gemacht.

  258. Enrico Richter

    Da muss ich natürlich sagen, wie wir die Lehre dann geschafft haben, weißt du, im praktischen Teil. Wir haben es geschafft.

  259. Enrico Richter

    Gut. Das wurde dann wahrscheinlich geschafft von jemand anderem.

  260. Enrico Richter

    Also einen Kontakt weiß ich, zu einem Westdeutschen. Das war mal zur WM 1986, mit dem saß ich hinten im Flugzeug. Komischerweise, oder das war vielleicht für die DDR natürlich scheiße.

  261. Enrico Richter

    Aber wir mussten mit den Westdeutschen heimfliegen, weil wir nach Frankfurt am Main geflogen sind und nicht… Das ging nicht anders. Nach Ostberlin ist keine Maschine von Amis geflogen. Und wir saßen, und damals waren ja die Flugzeuge nicht so voll wie heute,

  262. Enrico Richter

    wir hatten ja Platz. Boing, blablabla, weiß ich was, gell.

  263. Enrico Richter

    Und haben ja hinten gesessen, da auf der Reihe. Und dann war alles fertig, dann konnten wir auch Bierchen trinken, und dann kamen natürlich auch die Westdeutschen, die waren ja mit immer, und dann haben wir ein bisschen gequatscht.

  264. Enrico Richter

    Und mit dem habe ich heute noch Kontakt mit den Ach, Klaus Niketta, also das ist ganz komisch. Wir sind da ins Gespräch gekommen. Aber ansonsten im Ausland, ganz schwer. Ich

  265. Enrico Richter

    habe noch, mit dem habe ich auch noch ein bisschen Kontakt, aber sonst relativ. Da habe ich mal gegen einen in Bangkok geboxt, glaube ich.

  266. Enrico Richter

    Und mit dem habe ich noch ein bisschen Kontakt, aber das gab es überhaupt nicht. Das muss ich jetzt mal sagen.

  267. Enrico Richter

    Also das war eher, wenn wir gegen die Russen verloren haben, war es richtig scheiße. Scheiße war es natürlich richtig, wenn wir gegen einen von der BRD verloren hätten.

  268. Enrico Richter

    Da hatten wir, Länderkampf hatten wir oben in Rostock. Wir haben gewonnen 16:4. Und die zwei, die verloren haben, die hat

  269. Enrico Richter

    man kaum noch gesehen. Komisch, oder? Das war politisch, muss ich sagen, war das schon irre.

  270. Enrico Richter

    Im Nachhinein, damals hast du das ja gar nicht so gesehen. Du hast dich auf deinen Sport konzentriert, was du machst. Da

  271. Enrico Richter

    war das Politische… …das war für mich gar nicht so interessant. Mir war der Sport schon interessant. Rausfahren,

  272. Enrico Richter

    Ob du rausfährst, nicht? bist dorthin gekommen, bist dahin gekommen, ist anstrengend, aber du warst unterwegs.

  273. Enrico Richter

    Wie das teilweise gehandelt wurde, möchte ich nicht wissen, was da los war. Also ich sag mal so, ich weiß nicht, was wir gekriegt haben.

  274. Enrico Richter

    Das wirst du gar nicht mitkriegen. Das kriegst du nicht mit. Wir waren essen in Zinnowitz oder im Trainingslager. Was die

  275. Enrico Richter

    dort zu essen geben, das musst du ja essen. Du weißt eigentlich, was drin ist, oder?

  276. Enrico Richter

    Wenn die dort ein bisschen was mit untermischen, ist ja kein Problem. Aber ich war das erste Mal im Trainingslager Junior, da war ich auch noch relativ leicht. Da

  277. Enrico Richter

    habe ich so 40, 45 Kilo vielleicht gehabt. Und da waren wir in Lindow, das war so ein Trainingslager, da waren viel die Schwimmer.

  278. Enrico Richter

    Gewichtheber, Boxen, so Nachwuchsboxen, gell? Ja,

  279. Enrico Richter

    so. Genau. Könnte sein. Genau, genau, Lindow. Dort, genau, dort war das.

  280. Enrico Richter

    Dort war mein erstes Trainingslager. Wir sind dort hingekommen, ich hab gedacht, Mensch, was ist denn hier los?

  281. Enrico Richter

    Lauter Gänge, alles mit Glas. Also du kommst gar nicht, brauchst eigentlich gar nicht eine frische Luft. Du kommst vom Internat ein, wirst reingeschleust, papp, papp,

  282. Enrico Richter

    papp. Und mit Bowling, ich weiß nicht, die hatten dort wirklich alles, alles mit Kantine.

  283. Enrico Richter

    Ich geh an die Kantine, steh so da, stehen vor mir zwei solche Bretter. Ich hab gedacht, so, was ist das? “Einen Kaffee bitte.”

  284. Enrico Richter

    Da waren das irgendwelche Schwimmerinnen. Ich hab gedacht, das gibt es gar nicht! Wie reden die?

  285. Enrico Richter

    So dunkel. Die haben alle gekriegt, 100 Pro. Und das muss ich sagen, das ist für mich was, wo ich sage, die waren ja noch jung.

  286. Enrico Richter

    Die waren ja noch nicht mal so alt. Die waren ja so alt wie ihr. Oder jünger.

  287. Enrico Richter

    Ein paar Bretter. Das kannst du dir nicht vorstellen.

  288. Enrico Richter

    Ein paar Athleten. Uli. Kleine Ulis waren das. Ruderinnen.

  289. Enrico Richter

    Bruderinnen. Bruderinnen.

  290. Enrico Richter

    Ruderinnen, ein paar Maschinen. Und das geht nicht von heute auf

  291. Enrico Richter

    morgen. Also so einfach mal schnell. Das trainiere ich mir mal an. Also

  292. Enrico Richter

    die Größe ja auch nicht. Die Länge.

  293. Enrico Richter

    Und da ist bestimmt viel Scheiße gemacht worden, muss ich sagen. Finde ich auch. Aber im Boxen weiß ich nicht, wie das da ablief.

  294. Enrico Richter

    Ob es da was gab oder nicht, kann ich nicht sagen. Es ist bestimmt was gekommen, also Hundertpro, würde ich mir denken. Aber ich weiß es nicht,

  295. Enrico Richter

    ich kann es nicht sagen. Ich wüsste es jetzt nicht.

  296. Enrico Richter

    Indirekt bestimmt, wahrscheinlich. Aber das weißt du nicht!

  297. Enrico Richter

    Deswegen im Fernsehen, deswegen waren die Zuschauer nicht, das war einfach so. Ich glaube, da haben sie ganz schön viel...

  298. Enrico Richter

    Aber mein Trainer, wie ich schon gesagt habe, der sagte: “Die brauchen sich nicht aufregen drüben. Die waren nicht anders.” Drüben haben sie sich aufgeregt.

  299. Enrico Richter

    Weil die ein bisschen genommen haben, dort, dort, dort, da hol ich mir das, da hol ich mir das, da hol ich mir das. Und bei uns war das kontrolliert. Dass das natürlich auch nicht in Ordnung ist,

  300. Enrico Richter

    gar keine Frage. Aber das ist lang, lang ist’s her, Geschichte.

  301. Enrico Richter

    Gehört auch mit dazu. Was wahrscheinlich auch nicht schön ist unbedingt, wenn sie das hören.

  302. Enrico Richter

    Aber das war so. Doping war einfach... denke ich mal, Gang und Gäbe.

  303. Enrico Richter

    Und ich war ja auch ab und zu mal relativ lange verletzt. Da waren wir immer in Kreischa zur Reha. Kreischa war ja so ein bisschen der Pool des Doping, sag ich mal so, der Doping-Untersuchung und und und. Da

  304. Enrico Richter

    mussten wir, wenn wir irgendwo ins Ausland sind, musstest du immer, bevor du ins Ausland bist, immer Urin abgeben. Und wenn irgendwas drin war, wärst du weg gewesen. Also, wärst

  305. Enrico Richter

    nicht da hingefahren. Ins “Kapitalistische Ausland” zum Beispiel oder so, hieß es ja damals kapitalistische Ausland.

  306. Enrico Richter

    Aber es war halt so. Ja, genau.

  307. Enrico Richter

    Das war sehr interessant. Das war natürlich auch so eine Sache.

  308. Enrico Richter

    Ging natürlich alles über den Wismut, ist klar. Das ging nicht anders.

  309. Enrico Richter

    Ich hatte das Glück, sage ich mal so, oder nee, Glück - ist egal. Meine Eltern sind geschieden, schon ewig, sie haben sich aber immer verstanden.

  310. Enrico Richter

    Überhaupt keine Frage, hat immer gut geklappt. Ich hatte in Pirna dann ab 18 eine Wohnung.

  311. Enrico Richter

    Hat mein Vater organisiert, auch über die Wismut. Er hat da auch ein bisschen seine Hände irgendwo im Spiel gehabt.

  312. Enrico Richter

    Und dann habe ich gesagt, jetzt möchte ich irgendwann aus dem Internat auch raus. Mit 21 war ich noch im Internat.

  313. Enrico Richter

    Irgendwann musste ich ja raus aus dem Ding. Da krieg’ ich ja eine Macke. Ist ja klar,

  314. Enrico Richter

    irgendwo wirst du ja ein bisschen... Ja, und dann haben sie mir eine Einraumwohnung zugeschanzt in Lusan, im 11-Geschosser, 11. OG.

  315. Enrico Richter

    So eine kleine Buchte. Aber ich war glücklich.

  316. Enrico Richter

    Ich hatte meine Wohnung, gut, aus, ich brauchte nicht mehr ins Internat. Konnte im Internat essen, überhaupt keine Frage.

  317. Enrico Richter

    Also ich hab dann Essensmarken immer geholt. Aber der Rest, das war dann hier. Partnerin, Logo,

  318. Enrico Richter

    dann kam ein Kind, [...] den kennst du ja. Ja, und das war so.

  319. Enrico Richter

    Das Essen, ne, die Unterkunft, ne, also die Miete musste ich schon bezahlen, aber ich brauchte ja nicht so viel Miete zahlen wie heute. Ich hab 80 Mark bezahlt, oder 83 Mark. Ne,

  320. Enrico Richter

    für die Einraumwohnung 21 Mark oder was. 21 Mark, 51, DDR-Mark.

  321. Enrico Richter

    Also als ich ausgelernt habe, habe ich gekriegt … 550 Mark. War halt so. Da hast du auch nicht viel gebraucht.

  322. Enrico Richter

    Ich habe meine Essenmarken bezahlt. Da habe ich ungefähr einen Fuffi bezahlt, glaube ich.

  323. Enrico Richter

    Und da habe ich Früh-Mittag-Abend essen können. Hat ja nichts gekostet. Hat

  324. Enrico Richter

    wirklich nichts gekostet. War alles sehr billig, preiswert.

  325. Enrico Richter

    Also die Grundnahrungsmittel. Ich hatte dann natürlich auch das Glück, muss ich sagen, ich konnte mir meine Essenmarken kaufen. Die konnte jeder kaufen, ob du zu Hause warst oder nicht. Der

  326. Enrico Richter

    Hochleistungssportler war, der konnte sich die Essenmarken kaufen, beziehungsweise am Anfang haben das die Eltern bezahlt, bis zur 10. Klasse, und dann hast du so anteilmäßig ein paar Pfennig mit dazugegeben.

  327. Enrico Richter

    Und das hat nicht viel, also 50 Mark oder so gekostet. Dann konnte ich mir einkaufen, im Trainingslager, hab ich natürlich gesammelt.

  328. Enrico Richter

    Dann bin ich bei uns in die Küche einkaufen gegangen. Wir hatten da alles, das war einfach da.

  329. Enrico Richter

    Wenn wir dann hinten aus unserer Küche gekommen sind mit Nabel-Apfelsinen und Bananen,

  330. Enrico Richter

    die haben gesagt, wo gibt's denn die? Hinten ist ein Gemüsegeschäft, da sind wir hingerannt. Das war halt so.

  331. Enrico Richter

    Das weiß ich nicht 100 Prozent, aber ich glaube, dass die Vergünstigungen auf alle Fälle. Also das mit dem Einkauf. Na klar, das Essen war ja da.

  332. Enrico Richter

    Also für die Leistungssportler. Die Wismut hatte auch Kontingente drüben im Schacht. Die brauchten sich nicht aufzuregen.

  333. Enrico Richter

    Die haben eigentlich auch gut gekriegt. Aber ich glaube wir haben da noch ein Bisschen…es war schon nochmal eine Stufe höher. Du

  334. Enrico Richter

    hast keine Kuba-Orangen gekriegt wie damals. Die kennt ihr wahrscheinlich gar nicht mehr.

  335. Enrico Richter

    Die kannst du gar nicht schälen, die Dinger. Saftig waren die, aber schälen ging gar nicht. Kuba

  336. Enrico Richter

    Orangen waren immer schlimm. Aber gut, es war halt so.Lehre.

  337. Enrico Richter

    Dann kam mein Sohnemann, logo! Dann habe ich eine größere Wohnung bekommen, da musste ich natürlich ein bisschen warten.

  338. Enrico Richter

    Aber das war Kontingent, auch wieder Wismut wahrscheinlich. Da habe ich dann hier am Steinweg gewohnt.

  339. Enrico Richter

    Richtig gut. Zentrum. War richtig gut.

  340. Enrico Richter

    Die habe ich dann aus der Schule gekannt. Und irgendwann habe ich die mal getroffen. Da

  341. Enrico Richter

    saß ich in einem Café, Cosi hieß die damals,

  342. Enrico Richter

    das Café ist so ein bisschen, mh, und da habe ich einen Kaffee getrunken,

  343. Enrico Richter

    oder abends ein Bierchen, weiß ich jetzt gar nicht mehr, und da kamen die irgendwie rein. Wir haben uns schon gekannt und haben ein bisschen gequatscht.

  344. Enrico Richter

    Und dann ging das so, ach, nochmal treffen und wie das halt so ist! So habe ich die kennengelernt.

  345. Enrico Richter

    Aber hat sich dann gebrüstet, muss ich sagen, ist so ein bisschen... Du bist ja dann irgendwo hingefahren, das war einfach so, und du hast nur Zeug gekauft.

  346. Enrico Richter

    Zeug gekauft, was es hier nicht gab. Klamotten, Jeans, alles Mögliche, was halt so ein bisschen modern war, hast du halt mitgebracht in die Zone.

  347. Enrico Richter

    Weil hier gab es das ja nicht. Oder gab es mal im Exquisit, aber das gab es auch nicht immer. Ja, alles nicht. Also,

  348. Enrico Richter

    harte Drogen durften wir nicht mit reinbringen. Zum Beispiel Finnland. Da wussten

  349. Enrico Richter

    wir schon, wenn wir nach Finnland fahren, werden immer zwei Pullen mitgenommen. Es sollte Wodka draufstehen. Wäre ideal.

  350. Enrico Richter

    Wir haben den dort verkauft. Wir haben den gekauft für, ich weiß nicht, 10 Mark oder weiß ich was. Wir haben den dort für

  351. Enrico Richter

    40 DM verkauft. Also richtiges Geld. Bei denen ist der Alkohol so teuer gewesen, da hat

  352. Enrico Richter

    man so zwei Jeans gekriegt für so eine Flasche. Das war auch so ein bisschen Handel.

  353. Enrico Richter

    Das war schon interessant. Das könnt ihr euch heute gar nicht mehr vorstellen.

  354. Enrico Richter

    Heute kannst du dorthin und dorthin fahren. Überhaupt kein Problem. Wenn ich nach Österreich will, fahre ich nach Österreich.

  355. Enrico Richter

    Ich bin mal in Wien gewesen, mal drei Tage, vier Tage, haben

  356. Enrico Richter

    wir Turnier schnell geboxt, zwei Kämpfe gemacht, wieder zurück, dann war ich in Berlin, dann bin ich nach Dänemark gefahren. Das war eigentlich, was für mich ja eigentlich gut war.

  357. Enrico Richter

    Es gab ja dann immer pro Tag 25 DM. Also richtiges Geld! Richtige Deutsche Mark. Nicht unsere

  358. Enrico Richter

    Chips. Und da konntest du natürlich ein bisschen was. Das hast du dir gespart. Und

  359. Enrico Richter

    dann hast du immer überlegt, oder dich drauf gefreut, wenn du irgendwann in Bangkok, wo es nichts gekostet hat, da hat die Jeans 2 Dollar gekostet oder was, da sind wir hingekommen, da mussten sie dir noch Taschen mit kaufen, dass du mitschleppen kannst. Also irre. Blanker Wahnsinn. Und

  360. Enrico Richter

    du hast dann natürlich immer mitgebracht, für die Familie, Dir selber eigentlich seltener. Da war ich gerade in Wien. Da habe ich mir mal zwei Jeans geholt und habe mir gedacht, die hole ich mir.

  361. Enrico Richter

    Die sogar, die hier auf dem Bild hab, das Ding. Da habe ich mir geholt und dann noch irgendeine

  362. Enrico Richter

    andere Hose. Und habe ich natürlich nichts für Daheim mitgebracht mitgebracht. Für den Kleinen habe ich noch was mitgebracht, aber für sie halt nicht. Was meinst

  363. Enrico Richter

    du? Entschuldige, ich bin auch mal dran.

  364. Enrico Richter

    Also das war schon, aber es war so. Nö, eigentlich nö. Na,

  365. Enrico Richter

    logo ist man ein bisschen anders geworden. Man hat ein bisschen Bremse, man war dann ein bisschen, am Anfang natürlich nicht, Euphorie war auch mit da. Ich eigentlich nicht so extrem.

  366. Enrico Richter

    Wir haben dann irgendwann angefangen, Ja, was machen wir denn? Wir hatten nochmal 1989 eine WM in Moskau und das war im Oktober und da war das ja schon ganz schön am Knirschen. Das

  367. Enrico Richter

    haben wir gar nicht mitgekriegt, das war einfach... Ich hab dann gedacht, das gibt's gar nicht, dann war ich... Da

  368. Enrico Richter

    hatte ich noch eine Reha in Kreischa. Wegen dem Rücken. Und dann habe ich mir gedacht, wenn du abends mal so ein bisschen in die Gaststätte gegangen bist - “Wir haben Montag wieder Demo!”.

  369. Enrico Richter

    Ich dachte, was machen die denn für einen Scheiß? Was machen die? “Ja nach Dresden, Demo.”

  370. Enrico Richter

    Ich habe mir gedacht, hä? Aber dann ging das ja dann so richtig. Und es ging ja relativ schnell.

  371. Enrico Richter

    Ich glaube, das war auch gewollt. Und dann war es für uns oder für mich, habe ich gesagt, okay, was machst du denn da jetzt? Da muss

  372. Enrico Richter

    ich irgendwas machen. Wismut wird es irgendwann nicht geben.

  373. Enrico Richter

    Was dumm war, muss ich wirklich sagen, war ich doof. Ich hätte eigentlich weiter bei der Wismut bleiben sollen.

  374. Enrico Richter

    Sie hätten mir irgendeine Aufgabe geben müssen. Oder ansonsten hätten Sie mich irgendwie auszahlen müssen. Oder

  375. Enrico Richter

    weiß ich was, gell? Habe ich nicht gemacht. Es

  376. Enrico Richter

    war so ein bisschen, ja. Ich war schon so ein bisschen - ich hatt eigentlich keinen Bock mehr. Da vorne meinte dann, das

  377. Enrico Richter

    Das waren eigentlich, meint ihr dann, das war das Schlafen, das war das Schlafen, das war das Schlafen, das war das Schlafen, das war das Schlafen, das war das Schlafen, das war das Schlafen, das war das Schlafen, das war das Schlafen, das Schlafen, das Schlafen, das Schlafen, das Schlafen, das Schlafen, das Schlafen, das Schlafen, das Schlafen, das Schlafen, das Schlafen, das Schlafen, das Schlafen, auch der. staucht ja. Und dann musste sehen, Wenn ich 1989 bei der WM vielleicht noch irgendwo eine Medaille oder irgendwas gemacht hätte, da bist du nochmal anders drauf.

  378. Enrico Richter

    Dann hast duian Aber dort bin ich auch gleich wieder rausgeflogen, im Finale, den ich vorhin gezeigt hatte. Da habe ich gedacht, scheiße, warum jetzt noch? Und dann war ich nicht mehr in meiner Gewichtsklasse, muss ich auch noch sagen. Die haben mich in die Gewichtsklasse höher

  379. Enrico Richter

    genommen, weil der Maske ist auch eine höher gegangen. Und unten war wieder der Schmitz, wo wir vorhin gesagt haben, dass ich da immer verloren Und da haben sie den Herbst gehen.

  380. Enrico Richter

    habe. Und dann habe ich gesagt, ich hör auf, keinen Bock

  381. Enrico Richter

    mehr. Und dann habe ich noch ein bisschen Bundesliga in Frankfurt am Main geboxt, habe hier trainiert. Hab aber dann, musste ja arbeiten, musste ja was machen. Ist ja

  382. Enrico Richter

    keine genaue Arbeit, das geht ja nicht. Und du musst ja bisschen Geld hernehmen. Gut, hatte

  383. Enrico Richter

    an sich gutes Geld verdient, muss man einfach sagen. Aber das hat ja nicht gelangt. Es wurde

  384. Enrico Richter

    ja auch alles teurer. Die Miete hat nicht mehr so wenig gekostet.

  385. Enrico Richter

    Das ging ja dann relativ zügig. Und ja, dann hab ich dann gesagt, okay, was mach ich denn? Und

  386. Enrico Richter

    da hatte ich einen guten Kumpel. der hat Glas- und Gebäudereinigung gemacht.

  387. Enrico Richter

    Und der hat gesagt: Wir arbeiten nur früh. Um sechs fangen wir zeitig schon an. Aber bis um acht sind wir fertig.

  388. Enrico Richter

    Ich sage, das wäre ideal für mich. Da kann ich danach trainieren. So hat es angefangen.

  389. Enrico Richter

    Jetzt haben die mich nach Hermsdorf geschickt. Ich sage, nach Hermsdorf. Dort war ein

  390. Enrico Richter

    Losgang, um fünf ging es dort los. Ich habe gedacht, da müsste ich um vier losfahren, damit ich pünktlich auf der Arbeit bin. Ich

  391. Enrico Richter

    musste ja auch noch ein paar Wege laufen. Oh, das war schlimm.

  392. Enrico Richter

    Dann hast du noch zwei Einheiten gemacht. Dann hast du noch aller zwei, drei Wochen lang einen Wettkampf gemacht.

  393. Enrico Richter

    Und gut, dann warst du kaputt. Aber das habe ich nicht lange durchgehalten.

  394. Enrico Richter

    Dann kam irgendjemand von Frankfurt, den hab ich dort kennengelernt, der

  395. Enrico Richter

    hat angefangen so Zeitschriften, so Drücker, Drückerkolonnen. Ich sag, ich mach das nicht, das kannst du gleich mal vergessen. Nee, nee, du tust die Schäfchen, die Schäfchen tust du bloß betreuen. Das heißt also somit,

  396. Enrico Richter

    ich fahr die raus in die Gegend, Lusan

  397. Enrico Richter

    Dann sind die dort durch die Häuser gegangen, haben Zeitungen verkauft, also so an der Treppe. War irre, war der blanke Wahnsinn. Ich saß im Auto und hab das bisschen

  398. Enrico Richter

    gemacht. Und dann irgendwann haben wir uns anders weitergebildet.

  399. Enrico Richter

    Am Anfang eigentlich nicht so, aber es war dann schon relativ... Man merkt das schon, dass der Druck auch anders war.

  400. Enrico Richter

    Du hast ja dann den Sport nicht mehr gemacht. Also ich bin ja dann auch völlig rausgegangen aus dem Sport. Total, nichts mehr gemacht.

  401. Enrico Richter

    Ab welchem Jahr? Ab 1992. Ich hab noch ein bisschen Fußball gespielt, so nebenher.

  402. Enrico Richter

    Ein bisschen wie abtrainieren. Das war auch… Und dann sind wir... Ja, dann hab ich eigentlich nichts mehr gemacht.

  403. Enrico Richter

    Bis

  404. Enrico Richter

    Ende 2004, Anfang 2005, - nein

  405. Enrico Richter

    ANfang 2004,

  406. Enrico Richter

    da ging das dann los,

  407. Enrico Richter

    da hatten wir so eine Anfrage von [...] sein Vater, ob

  408. Enrico Richter

    wir nicht so ein bisschen eine Veranstaltung mitmachen könnten, so Oldie-Boxen. Die wollen in Schwarzenberg mal wieder, dass das Boxen ein bisschen floriert.

  409. Enrico Richter

    Da haben wir uns gedacht, naja gut. Fit sind wir noch soweit, alles klar.

  410. Enrico Richter

    Haben wir schön trainiert und gemacht und getan. Dann sind wir dorthin gefahren, haben das gemacht, einwandfrei. 2005 haben wir das in Dresden nochmal gemacht.

  411. Enrico Richter

    Richtig geile Veranstaltung war das, muss ich sagen. Also nicht nur in Dresden, auch in Schwarzenberg.

  412. Enrico Richter

    Und dann 2006 haben wir das hier im KuK gemacht. Richtig gut. Massen, voll das Haus.

  413. Enrico Richter

    Richtig geil. Und ab da haben wir dann gedacht, gut, was machen wir eigentlich?

  414. Enrico Richter

    Was mache ich hier? Boxe ich hier so ein bisschen rum? Was können wir machen?

  415. Enrico Richter

    Und da hatten wir einen, der macht hier so

  416. Enrico Richter

    Gastro und Veranstaltungstechnik. Der veranstaltet so, Schwarzbier-Nächte hat er gemacht oder sowas.

  417. Enrico Richter

    Und hat gesagt, Wir gründen einen Klub. Wir machen einen Boxklub. In Gera ist nichts mehr los.

  418. Enrico Richter

    Wir machen einen Boxklub. Alles klar. Dann

  419. Enrico Richter

    haben wir gesagt, gut. Okay, dann haben wir das ein bisschen zusammengewürfelt.

  420. Enrico Richter

    Dann haben wir gesagt, okay, machen wir. Und seitdem mache ich das. Auch ein paar, muss ich sagen.

  421. Enrico Richter

    Ja, als Zuschauer schon. Als Zuschauer hier im KuK oder so, dann waren die schon da.

  422. Enrico Richter

    Das haben wir dann drei Jahre hintereinander gemacht. War vielleicht ein bisschen viel, das Letzte war nicht mehr ganz so toll, aber ist ja egal.

  423. Enrico Richter

    Heute würden sie es wahrscheinlich wieder lieben. Irgendwann ist es ausgelutscht, das ist nun mal so.

  424. Enrico Richter

    Ich glaube, da waren auch sehr viele da von den alten Wismutern. Vom Boxen her. Also die, die früher schon zum Boxen gegangen sind.

  425. Enrico Richter

    Hier die ersten Kämpfe, erfolgreichen Kämpfe. Zwischendurch immer mal einen erfolgreichen Kampf.

  426. Enrico Richter

    Das ist so. Wenn du gewinnst, ist das ein Erfolg.

  427. Enrico Richter

    Da spielt es keine Rolle, welcher Kampf. Mein Durchbruch war eigentlich 1985 die DDR-Meisterschaft. Da

  428. Enrico Richter

    bin ich das erste Mal DDR-Meister geworden. Das war eigentlich so. Da war auch wieder

  429. Enrico Richter

    clevererweise. 1985 war ich verletzt am linken Knie.

  430. Enrico Richter

    Relativ zeitig, August. Ich sollte nach Pjöngjang zum Turnier fahren.

  431. Enrico Richter

    Musste ich dann später irgendwann nachholen. Und da habe ich mein Knie verdreht. Ja,

  432. Enrico Richter

    OP. Ja, und Kreischa. Und acht, neun, zehn Wochen ausgefallen.

  433. Enrico Richter

    Und irgendwann waren die Meisterschaften dran. Und da hat er mich gefragt, wie sieht es denn aus, Meisterschaften mitmachen?

  434. Enrico Richter

    Ich so, ja, bleibt mir ja nicht sonst übrig. Du musst ja irgendwas machen. Ja, alles klar.

  435. Enrico Richter

    Bis wie viel Kilo? Ich hab gesagt, ich weiß nicht, ob ich 67 schaffe.

  436. Enrico Richter

    Box 67, alles klar. Ich hatte damals so 73, 74 Kilo.

  437. Enrico Richter

    Ich weiß nicht, ob ich das schaffe, zwei Wochen. Box 67, alles klar.

  438. Enrico Richter

    Abgekotzt, abtrainiert, trainiert, trainiert, trainiert, runtergeschleppt den Ganzen. Komm hin zur Meisterschaft in Rostock war das. Ja, war in

  439. Enrico Richter

    Rostock. Ich geh drauf, 67, hab mein Gewicht. Sagt er: Du boxt 71.

  440. Enrico Richter

    Ich sage, Ich sag, hä? Hä? Vier Kilo hätte ich mir da sparen können.

  441. Enrico Richter

    Alles gut, okay. Und dann war ich DDR-Meister. Und

  442. Enrico Richter

    das hat er clever gemacht. Da wusste er, wer in welcher Gewichtsklasse wer da ist.

  443. Enrico Richter

    Und dann hat er gesagt, gut, okay, dann brauchen wir dich. Und komischerweise Ich bin dann

  444. Enrico Richter

    mit ins Winterlager. Ich war schon mal im Winterlager bei den großen Sportlern. Ich war nicht schlecht im Langlauf.

  445. Enrico Richter

    Ich war allgemein Bewegungstalent, sagen wir mal so. Das hat meinem Nationalmannschaftstrainer sehr gut gefallen.

  446. Enrico Richter

    Oder wie jetzt sagt man Bündnis-Trainer. Nein, Nationalmannschafts-Trainer war das damals.

  447. Enrico Richter

    Da hat ihm auch gut gefallen, dass er überall so ein bisschen mitkann und auch kämpfen kann. Und da hat er gesagt, gut, okay, dann nehmen wir den mal mit.

  448. Enrico Richter

    Und dann hatte ich noch so ein geiles Ereignis, das war auch nicht so schlecht,

  449. Enrico Richter

    auch gegen einen, gegen den ich eigentlich immer verloren habe, gegen den ich zur WM im Finale verloren habe, gegen den Angel Espinoza. Da war ich im Finale gegen den in Halle, das war auch so ein Nominierungsturnier.

  450. Enrico Richter

    Und da sagt mein Trainer zu mir, du rennst drei Runden nur weg. Du kriegst keine, rennst nur weg.

  451. Enrico Richter

    Der kam rein, so ein Stier. Ich habe vorher die Kämpfe von dem gesehen. Scheiße, scheiße, scheiße.

  452. Enrico Richter

    Was wird denn das? Ich bin da weggerannt.Nur weg, fffuuuuupp.

  453. Enrico Richter

    Keine gekriegt. Im Nachhinein ist das so, wenn ich eine gekriegt und wäre KO gegangen hätte ich eine KO-Sperre bekommen und wäre ausgefallen.

  454. Enrico Richter

    Somit sind wir zwei Tage später nach Japan gefahren.

  455. Enrico Richter

    Dort habe ich den Japan Cup gewonnen. Und somit hatte ich meine WM-Teilnahme, meine Nominierung geschafft. Für die WM.

  456. Enrico Richter

    Das habe ich ja damals gar nicht gewusst. Ansonsten wäre ich gar nicht zur WM gefahren, weißt du.

  457. Enrico Richter

    Und da hat mein Trainer, da haben die mich ausgepfiffen. Das

  458. Enrico Richter

    Publikum, die wollten ja immer eigentlich hier, dass es richtig

  459. Enrico Richter

    semmelt. DDR gegen Kuba oder gegen die Russen. Wer hat da gewonnen? Na der, ganz klar. Ich

  460. Enrico Richter

    hatte keine Chance. Ich bin da nur weggerannt.

  461. Enrico Richter

    Ich glaube, ich habe den Kampf sogar noch von Halle. Du Traumtänzer, mach das Licht aus!

  462. Enrico Richter

    Ich habe mir das gedacht, dann stellt euch doch mal rein, ihr Blöden. Kommt doch rein. Aber es war schon schön.

  463. Enrico Richter

    Also es war halt so. Mit Auge, gewusst. Ja, natürlich hatte

  464. Enrico Richter

    ich noch andere Trainer.. Grundlage 8. bis 10. Klasse von Herrn Hattenbrock (?), das muss ich sagen.

  465. Enrico Richter

    Wie sagt man? Lehrer, aber sehr korrekt. Da konnte er auch alles selber.

  466. Enrico Richter

    Das war schon Wahnsinn. Ob er gerannt ist, ob er Leichtathletik machte, das konnte er auch alles. Schwimmen war immer ganz

  467. Enrico Richter

    schlimm. Wir haben immer gedacht, wir gehen in die Schwimmhalle.

  468. Enrico Richter

    Springen? Nö. 400 Meter einschwimmen, hier Brett und das und hin und zurück und dort und da und Butterfly und bis ich weiß alles, gell? Und dann

  469. Enrico Richter

    geht er... Und jetzt gehen wir springen, letzte Viertelstunde. Ihr springt nur das, was ich springe. Das

  470. Enrico Richter

    macht ja alles vor. Fußsprung. Das

  471. Enrico Richter

    kennt keine Sau mehr, oder? Kennst du den Fußsprung? Eine

  472. Enrico Richter

    Kerze. Aber wie?

  473. Enrico Richter

    Eins, zwei, drei, an, hoch. Die springen immer so hoch.

  474. Enrico Richter

    Früher war das noch anders. Heute laufen die ein bisschen anders an, die Springer.

  475. Enrico Richter

    Früher war es eins, zwei, drei, drauf und hoch und runter. Das mussten wir alles machen. Mach ich heute auch noch. Kann

  476. Enrico Richter

    ich heute auch noch. Kann ich alles noch. Anderthalbfachen

  477. Enrico Richter

    Salto. Das ist irre.

  478. Enrico Richter

    Da ist der... Und das mussten wir immer nachmachen.

  479. Enrico Richter

    Ich hab mir gedacht, so ein Blödes… Freispringen. Wir wollten irgendwie mal Bombe oder Krampe oder irgend so einen Scheiß.

  480. Enrico Richter

    Nichts. Wir durften

  481. Enrico Richter

    noch nie. Aber recht gut. Leichtathletik. Da könnte alles.

  482. Enrico Richter

    Sehr anstrengender Trainer, aber im Nachhinein überragend. Aber als Mensch auch wirklich ein Guter. Richtig cooler Typ.

  483. Enrico Richter

    Dann hatte ich manchmal ein paar Trainer dabei, die waren halt auch nicht so. Auch in Gera halt. Ich denke mal, das macht auch sehr viel aus.

  484. Enrico Richter

    Ist ja egal, wo oder wie. Wenn der Trainer nicht passt, kannst du in die Tonne kloppen. Da kann derjenige sich anstrengen oder nicht anstrengen.

  485. Enrico Richter

    Das wird nicht. Das wird nicht.

  486. Enrico Richter

    Das ist aber, ich denke mal, in der Schule ähnlich. Ich habe angefangen mit 550. 550 DDR-Mark.

  487. Enrico Richter

    Das war... bisschen mehr als die Rente.

  488. Enrico Richter

    Ich glaube Rentner, die haben so knapp 400, 450 ungefähr gekriegt. Bisschen drüber hatten wir. Dann ging es los.

  489. Enrico Richter

    Nach dem ersten Jahr, da gab es dann so Premien-Zeitlohn, 200 Mark.

  490. Enrico Richter

    Das ging wahrscheinlich auch über die Wismut. Wahrscheinlich alles über den Wismut, gar keine Frage. Prämienzeitllohn.

  491. Enrico Richter

    Und das war so ein Lohn, als wenn du irgendwo zu spät warst, kein Training oder nicht richtig trainiert hast oder in der Lehre oder im Internat zu spät gekommen bist, waren die 200 weg. Das war einfach so. Die hatte ich selten.

  492. Enrico Richter

    Die 200 Mark hatte ich nicht so oft, weil ich da doch das eine oder andere Mal nicht so trainiert habe. Dann später hat sich das natürlich ein bisschen gesteigert.

  493. Enrico Richter

    Am Anfang war ich Betriebshandwerker und später war ich dann Schlosser. Und als Schlosser habe ich verdient, knapp 1200 Mark.

  494. Enrico Richter

    Das war so am Ende. Da war zwischendurch noch mal 815, ein bisschen gesteigert.

  495. Enrico Richter

    Und dann 1200 hatte ich gehabt, aber auch 300, ich glaube 300 Mark, also Prämienzeitlohn. Da konnten sie mich ja nicht mehr kontrollieren, wenn ich daheim war, das war ein bisschen anders. Höchstens beim Training.

  496. Enrico Richter

    Auch wenn du den Erfolg hattest, war das eh egal. Was es noch gab, das gab es natürlich auch zu DDR-Zeiten, es gab natürlich auch Prämien im Leistungssport. Also Geldprämien.

  497. Enrico Richter

    Und die gab es für den Oberligameister. Aber es gab immer nur...

  498. Enrico Richter

    Du konntest also Turniere gewinnen. Wenn du ein internationales Turnier gewonnen hast, hast du 1.000 Mark gekriegt.

  499. Enrico Richter

    Die 1.000 Mark hast du aber nicht in der Hand gekriegt. Die wurden immer einkassiert, das haben die einbehalten. Oberligameisterschaft

  500. Enrico Richter

    hast du 8.000 Mark gekriegt. Weltmeisterschaft, für den Weltmeister hättest du die gekriegt. 12.000 oder 15.000,

  501. Enrico Richter

    ich kann es nicht genau sagen. Ich habe für den Vize 10.000 gekriegt.

  502. Enrico Richter

    Für den Olympiasieg hast du 25.000 gekriegt. Weltcup haben wir auch 8000 gekriegt, genau.

  503. Enrico Richter

    Aber, und wenn du jetzt, ich habe teilweise Turniere gemacht, manchmal im Jahr vier, fünf, sechs Stück. Das ging immer nur bis 20.000, gell?

  504. Enrico Richter

    Wenn 20.000 voll waren, haben sie den Rest einbehalten. Also der war weg. Und davon haben die nochmal 25% sowieso einbehalten. Also

  505. Enrico Richter

    das haben die nicht gleich alles ausgezahlt. Das haben die auf das Sperrkonto getan.

  506. Enrico Richter

    Das haben die aufgehoben. Und weißt du warum?

  507. Enrico Richter

    Kann ja mal sein. Ich sag mal - zu der Katharina Witt oder dem Christian Otto, die waren sechsmal oder siebenmal Olympiasiegerin, die sagen, ich höre jetzt auf.

  508. Enrico Richter

    Kriegst du aber dein

  509. Enrico Richter

    Geld nicht! Aalglatt. 100 pro. Die Katharina Witt wollte 1988 gar nicht mehr zur Olympiade.

  510. Enrico Richter

    Irgendwie war da ein bisschen was im Busche. Hat man so mitgehorcht oder mitgekriegt.

  511. Enrico Richter

    Und da haben die die unter Druck gesetzt. Ich hab gesagt, du kriegst das Geld nicht. Das ist vorbei.

  512. Enrico Richter

    Die wäre ja gerne in so Holiday on Ice und weiß ich was. Hat die ja später dann gemacht, keine Frage.

  513. Enrico Richter

    Aber nach der Wende. Aber das war Druckmittel.

  514. Enrico Richter

    Außer im Urlaub. Sollten wir immer trainieren! Habe ich nie gemacht. Ich

  515. Enrico Richter

    hatte keinen Bock. Ich habe in dem Sinne nicht so trainiert.

  516. Enrico Richter

    Aber du hast ja immer was gemacht. Ich war ja nicht so, dass ich nichts gemacht habe. Im Urlaub habe

  517. Enrico Richter

    ich auch Volleyball gespielt. Aber das Training, kannst mich mal am Arsch lecken. Auch in der Schule damals schon.

  518. Enrico Richter

    Also da war ich nicht so fleißig. Wie schon gesagt, das Essen und natürlich das Reisen.

  519. Enrico Richter

    Du bist ja ins Ausland, das kapitalistische Ausland. Du warst ja im Jahr halt viel weg.

  520. Enrico Richter

    Das ist schon ein Riesenvorteil, das hatten die ja hier nicht. Die waren ja eingesperrt, auf Deutsch gesagt. Konnten auch in Urlaub fahren an die Ostsee oder nach Ungarn, wenn sie durften.

  521. Enrico Richter

    Ja, komplett. Da gab es dann immer so Einkleidungen Das gab es schon in der Wismut hier in Gera.

  522. Enrico Richter

    Die SG Wismut-Gera hatte ihr Zeug an, dann hatte Schwerin und die anderen Träger oder Chemie Halle von Chemie, die hatten halt das an, Grün an oder weiß ich was. Und wir hatten halt immer das, wir wurden von der Wismut eingekleidet und hatten immer das gleiche. Nationalmannschaft

  523. Enrico Richter

    war es nochmal extra, da gab es dadurch nochmal eine extra Einkleidung. Schuhe.

  524. Enrico Richter

    Komplett. Komplett klar. Außer Schlüpfer. Unterwäsche gab es nicht.

  525. Enrico Richter

    Und Strümpfe gab es auch keine. Hier ein Gera. Hellblau. Hellblau

  526. Enrico Richter

    Blau. Also, Wismut Gera ist ja eigentlich orange schwarz. Also Fußball, das kenne ich zumindest noch so.

  527. Enrico Richter

    Das weiß ich noch. Ich glaube, orange-schwarz sind die.

  528. Enrico Richter

    Und wir waren überhaupt, also die BSG auch, die war schwarz-orange, genau. Und wir waren blau. Blau-schwarz. Ja, also gab es schon,

  529. Enrico Richter

    na klar, die Kleidung. Und du warst auch eingekleidet.

  530. Enrico Richter

    Und das muss ich dann sagen, das hat mich auch fasziniert. Ich komme hier nach Gera.

  531. Enrico Richter

    Ich war damals ja, halt 14, ich habe bis 32 Kilo geboxt, das war meine Gewichtsklasse. Und da hatten wir, hatten die Adidas, aber nur in meiner Größe.

  532. Enrico Richter

    Ich hatte bloß so kleine Füße. Die anderen hatten, da gab es Bottas und weiß ich was, irgendwelche Schuhe von, weißt du, die waren drin. Ich

  533. Enrico Richter

    hab Adidas gekriegt, du, boah. Da bin ich auch

  534. Enrico Richter

    rumgelaufen. Ich hatte Adidas. Damals schon, das war schon cool.

  535. Enrico Richter

    Dann später war das ja egal. Das hat alles, haste halt gehabt. Das war einfach so.

  536. Enrico Richter

    Das war auch da. Das ist bestimmt auch alles Wismut bezahlt. Denke ich mal.

  537. Enrico Richter

    Geht ja nicht anders. Internatskosten gab es auch, ja.

  538. Enrico Richter

    Richtig. Und ich glaube, die haben pro Monat 60 Mark bezahlt.

  539. Enrico Richter

    Da war alles bezahlt. Mit Essen, Trinken, Unterkunft, alles.

  540. Enrico Richter

    An meine Eltern, genau. Ja, ansonsten braucht ich ja nichts zu bezahlen.

  541. Enrico Richter

    Gut, die Fahrtkosten, was die Fahrt gekostet hat,

  542. Enrico Richter

    ich war eigentlich so der am meisten, also weitesten weg war.

  543. Enrico Richter

    Ich weiß nicht, was ich bezahlt habe. 5,50 Euro oder so. War ja nichts.

  544. Enrico Richter

    Gut, das hast du von den Eltern gekriegt. Das hast du nicht von der Wismut gekriegt.

  545. Enrico Richter

    Das musstest du schon selber bezahlen. Aber sonst war das für meine Eltern auch ein Glücksfall auf deutsch gesagt.

  546. Enrico Richter

    Endlich raus, der freche Kerl. Nie, komisch. Ganz früher hatte ich schon immer gedacht, nach Dresden gehe ich immer wieder.

  547. Enrico Richter

    Dresden, also Pirna zumindest oder so, ist schon eine geile Ecke, muss ich einfach sagen. Ich finde es richtig gut. Aber ich habe dann gesagt: Was will ich denn dort?

  548. Enrico Richter

    Oder hätte man auch nach Frankfurt gehen können. Wäre mir jetzt nicht in den Sinn gekommen.

  549. Enrico Richter

    Ich habe hier mein Umfeld, die ich kenne, die Leute und, und, und. Wahrscheinlich hat man da schon so viel gekriegt, dass man dann sagt, man bleibt hier, in dem Nest.

  550. Enrico Richter

    Aber ich finde es nicht so schlecht. Manche meckern.

  551. Enrico Richter

    Ich meckere auch manchmal. Aber im Endeffekt, ob du dort bist oder da bist. Bin ich schon gerne.

  552. Enrico Richter

    Also ich mache dann schon mal so ein bisschen Rio zum Karneval. Dann mache ich mal Mexiko. Also ich mache da schon meine… Jetzt mal wieder

  553. Enrico Richter

    ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger. Ich würde schon gerne wieder, Kuba war ich auch noch mal, Kuba würde ich auch gerne wieder machen.

  554. Enrico Richter

    Das ist so, wenn man da als Sportler schon immer war. Ich finde das Volk auch faszinierend, wie die mit ihrer Armut eigentlich so umgehen und und und.

  555. Enrico Richter

    Also ich finde es schon gigantisch,

  556. Enrico Richter

    wie lustig die sind, was die für einen Antrieb haben, obwohl sie nichts haben. Aber sie sind freundlich, sie tanzen durch die Straße, das ist unglaublich.

  557. Enrico Richter

    Es gibt bestimmt jetzt auch den einen oder anderen Schlawiner, aber ich finde das faszinierend. Ich sag mal so, von den Erfolgen auf alle Fälle.

  558. Enrico Richter

    Das ist gar keine Frage. Ich weiß nicht, wir hatten so, also ich kenn die ja, die Jungs, also nicht alle, aber den einen oder anderen hatten wir dann schon mal.

  559. Enrico Richter

    Irgendwann sind die mal, ich weiß nicht, ich glaube 1977, 1978 sind die in der DDR-Oberliga aufgestiegen, glaube ich. Da war es so, wir hatten ja mit der Wismut einen Bus, den eigenen, ne? Der SG Wismut, die SG Wismut hatte den eigenen Bus.

  560. Enrico Richter

    Also sind die Radsportler nach Berlin gefahren zur Winterbahn oder ins Trainingslager oder zum Wettkampf. 1978 sind die aufgestiegen.

  561. Enrico Richter

    Da war natürlich, wenn ich nicht mehr der Chef war, beim Fußball. Und die wollten schon immer ein bisschen Fußball, das ist halt so.

  562. Enrico Richter

    Ist ja auch für viele Leute sehr interessant. Und für mich jetzt auch, muss ich einfach sagen.

  563. Enrico Richter

    Ich gucke auch gerne Fußball. Aber für uns war das ja, ich sag mal, wir waren Weltspitze,

  564. Enrico Richter

    gell. Man muss ja dann immer den Vergleich dann sehen. Jetzt kommen die Fußballer, jetzt dürfen die bei uns mitessen.

  565. Enrico Richter

    Die durften bei uns mitessen, in unserer Küche.

  566. Enrico Richter

    Die Fußballer, die

  567. Enrico Richter

    eigentlich Oberliga spielen, oder Erste Oberliga hieß das damals, oder? Erste Oberliga. Erste Oberliga spielen. Also schon die höchste Klasse der DDR, keine Frage. kriegen aber sechs Punkte bloß.

  568. Enrico Richter

    Also wir haben die nicht geschafft in dem ganzen Jahr. Im Jahr!

  569. Enrico Richter

    Die werden hoch und runter gefahren mit unserem Bus. Werden die hoch und runter vom Stadion zu uns in die Küche, wieder runter.

  570. Enrico Richter

    Die brauchten also nicht laufen. Nicht so wie wir, die Weltspitze waren.

  571. Enrico Richter

    Ist egal jetzt, ob das Ludwig, Kaden, Richter, was weiß ich wer war. Und da haben wir uns aufgeregt. Aber

  572. Enrico Richter

    das hat uns schon angekotzt.

  573. Enrico Richter

    Weil das ist einfach scheiße. Weißte? Verstehst du mich?

  574. Enrico Richter

    Das war, oh, kriegen die 6 Punkte, 6 Punkte. Da gab es auch Feuer. Da haben wir die auch immer, wenn die, da haben sie wieder eine gekriegt und dann gab es wieder Druck.

  575. Enrico Richter

    Da gab es immer so ein paar Rufe nach vorne. Ich sag mal so, die Jungs, die können ja da auch nichts dafür.

  576. Enrico Richter

    Das war halt so.

  577. Enrico Richter

    Weil der Chef von der Wismut hat so festgelegt, dass die halt gefahren werden. Ist ja auch nicht so schlimm. Wir damals haben uns bloß aufgeregt.

  578. Enrico Richter

    Wir hätten ja auch fahren können. Warum nehmen die uns nicht mit? Die hätten uns auch in der Halle fahren können.

  579. Enrico Richter

    Also ich denke, die Wismut hat ja schon viel gemacht, getan. Ob das immer alles gut war, weiß ich nicht.

  580. Enrico Richter

    Aber im Endeffekt war Arbeit da. Keine schlechte Arbeit, die auch gut bezahlt wurde.

  581. Enrico Richter

    Also wir haben ja auch davon profitiert, muss man einfach sagen. Ohne die Wismut wäre das gar nicht entstanden.

  582. Enrico Richter

    Hätte das, wäre das Ronneburg nicht so oft geblüht, wäre das Gerau nicht so oft geblüht. Hundertpro, also ich glaube nicht, dass das eine Textil- oder die Elektronikon oder was ich wäre, Carl Zeiss war ja auch so ein bisschen mit hier, aber es war ja alles so ein bisschen eher, so ein bisschen ab, so ein bisschen, ja.

  583. Enrico Richter

    Aber die Wismut war dann hier schon präsent, also denke ich mal, und das war, das hat man auch gesehen, es war ja auch relativer Wohlstand in Gera da, also für DDR-Verhältnisse. Also wenn du da geguckt hast, das Kaufhaus und unten die Ex und weiß ich was, Exquisitläden gab es da auch. Die Intershops. Ich

  584. Enrico Richter

    Oder die Interjobs. war dann später eigentlich nur noch im Intershop einkaufen, also wenn ich eine Klamotte gebraucht habe.

  585. Enrico Richter

    Ich bin nicht mehr ins normale Geschäft gegangen, weil es das ja nicht gab, was ich wollte. Was eigentlich doof ist, aber das war halt so.

  586. Enrico Richter

    Klar hat es dort bedeutend preiswerter gekriegt, aber wenn du mal hier so, ach, naja, geholt hast für eine Klamotte, bist du in den Intershop gegangen, hast du was geholt für richtiges Geld. Und da gab es auch so viele, die es gut hatten, muss ich sagen. Also

  587. Enrico Richter

    da muss es schon auch ganz schön irgendwo welche gegeben haben. Das muss ich auch noch dazu sagen, da gab es so, wie hieß das damals? Forumschecks.

  588. Enrico Richter

    Kennen Sie das noch vom Namen her? Forumschecks?

  589. Enrico Richter

    Das war also Währung. Das war BRD-Währung. Aber nur, durftest nur im Intershop hier

  590. Enrico Richter

    kaufen. Die gab es zu dem jeweiligen Europameister, Weltmeisterschaften und dann immer noch mal ein Paket dazu.

  591. Enrico Richter

    Aber erst ab 1986. Vorher gab es das noch nicht. Ab 1986 ging das los. Da habe ich für die habe ich 10.000 gekriegt und die 2.000, 10.000 habe ich ja

  592. Enrico Richter

    nicht gekriegt, die habe ich nur bloß, also habe ich ja nicht so viel gekriegt, die haben sie mir abgestuft, 25% weg. Aber die 2.000 Forumschecks, die habe ich gekriegt und mit Forumschecks konntest du nur im Intershop kaufen.

  593. Enrico Richter

    Und damit bist du natürlich einkaufen gegangen. Also keine Grundnahrungsmittel, meine Klamotten, meine Schuhe oder weiß ich was für die Frau oder das Kind mal was.

  594. Enrico Richter

    Das konntest du natürlich nicht mit ins Ausland nehmen. Im Ausland war das nichts wert. Das war nur Intershop-Währung.

  595. Enrico Richter

    Eigentlich auch clever gemacht von der Zone. Bleibt im Gebiet.

  596. Enrico Richter

    Also ich denke, das machen sie auch relativ gut, finde ich zumindest, drüben in Ronneburg zumindest, finde ich das nicht so schlecht mit diesem, da machen sie doch immer mal so einen Lauf, so wie jetzt der Lauf, so zur Grubenlampe oder irgend sowas. Sowas finde ich nicht schlecht.

  597. Enrico Richter

    Das sollte auch bewahrt bleiben, weil das gehört damit dazu, es gehört zu Ronneburg, es gehört eigentlich auch zu Gera.

  598. Enrico Richter

    In Gera wird das ein bisschen so eher Die Vereine haben sich dann so umgenannt. Das weiß ich eigentlich nicht so schön. Wir heißen ja jetzt noch Wismut.

  599. Enrico Richter

    Aber das haben wir extra so gemacht, weil das ist so ein bisschen Tradition, das gehört auch mit zu Gera. Und ich finde das auch nicht schlecht, wie die das unten im Stadion machen mit BSG Wismut Gera..

  600. Enrico Richter

    Ist halt so. Was ist da Schlimmes dran? Oder?

  601. Enrico Richter

    Aber das wollen dann viele nicht mehr. Ich weiß noch, damals früher der Harthaus, obwohl ich mit dem sehr gut konnte, aber der hat sein Zwötzen drüben gehabt, der wollte das Zwötzen unbedingt ganz hoch schaffen. Und wollte die Wismut eigentlich so ein bisschen kaputt machen.

  602. Enrico Richter

    Verstehe ich nicht. Kriege ich nicht auf der Reihe. Warum?

  603. Enrico Richter

    Das war doch, früher war glaube ich das da hinten in den Zwötzen, Elektronik oder so irgendwas. Die Wismut ist noch viel, ich sag mal so, nach außen auch viel mehr.

  604. Enrico Richter

    Also bekannter. Und das kann man doch auch beibehalten.

  605. Enrico Richter

    Und das sollte man ja auch. Machen andere doch auch.

  606. Enrico Richter

    Oder? Das gehört einfach auch mit zu der Region. Ja,

  607. Enrico Richter

    Gesundheit ist erstmal ganz wichtig, das ist klar, das muss erstmal bleiben. Aber sonst, denke ich mal, als Aufgabe finde ich… Ja, erstmal schon im Endeffekt ein ruhiges Leben zu haben, das ist schon klar, aber das ruhige Leben, ich denke, das brauche ich auch im Sport.

  608. Enrico Richter

    Also gerade jetzt, wenn wir unsere Sporteinheiten machen, ich erfreue mich da, wenn ich dort den einen oder anderen ein bisschen weiterentwickeln kann. Ob das jetzt, der muss ich ja kein Weltmeister werden oder weiß ich was, aber dass die auf einen geraden Weg kommen, dass die irgendwo ein bisschen… Dass man sagt, wir haben Ehrgeiz, wir machen was.

  609. Enrico Richter

    Das finde ich gut. Und ich denke, das wäre auch ganz gut für unsere Allgemeinheit.

  610. Enrico Richter

    Dass ein paar Ziele da sind. Auch im Sport.

  611. Enrico Richter

    Und wenn das mal nicht klappt, ist es auch nicht schlimm. Aber das mache ich auch sehr gerne.

  612. Enrico Richter

    Das würde ich auch gerne weitergeben.Die Voraussetzungen haben wir ja gar nicht mehr, dass das so wird, wie es damals war. Vielleicht klappt es doch irgendwann mal, dass der eine oder andere mal ein bisschen rauskommt.

  613. Enrico Richter

    Also ich bin eher so auf der Amateurseite. Ich habe mit dem Profis nicht so viel am Hut, weil das mir einfach zu kommerziell ist. Ich

  614. Enrico Richter

    sage mal, die, die ihr Geld dort verdienen, überhaupt keine Frage. Aber ich finde das gerade im Boxen völlig falsch, was die da machen, dass die da mit 18, 19 da zum Profis kommen. Die kriegen auf die Bretter, das ist unglaublich.

  615. Enrico Richter

    Die sollen im Amateurbereich was machen. Wenn die dann irgendwo ein Alter haben, wo ich sag, 24, die sind reif genug, dann sagen die: Gut, okay, jetzt mache ich mal was.

  616. Enrico Richter

    Also gerade im Boxen, Fußball ist das wieder anders, da sind die Akademien und so ganz anders, aber heute im Boxen, da picken die sich einen raus und hol ich mir, ach geil, der wird was. Wer wird denn was?

  617. Enrico Richter

    Also ich merke nicht, dass noch wer was macht oder was kommt. Also, na klar, na ja, ganz anders. Also,

  618. Enrico Richter

    heute musst du ja als kleiner Verein, so wie wir sind, ich sag mal so, wir trainieren eigentlich so wie ich früher in Pirna. In Pirna habe ich zweimal trainiert, wir trainieren jetzt schon dreimal, das ist gar nicht so schlecht.

  619. Enrico Richter

    Aber die Beständigkeit ist auch nicht da. Es ist heute auch viel mehr andersrum. Das Drumherum ist auch ganz anders.

  620. Enrico Richter

    Das ist viel mehr. Das hatten wir ja früher nicht. Die Medien, die Schule.

  621. Enrico Richter

    Ich sag mal, Schule ist immer wichtig. Aber da ist heute wahrscheinlich, jetzt nach dem Corona-Zeug, da ist vielleicht noch mehr Druck. Und

  622. Enrico Richter

    dass die dann auch mal keinen Bock mehr haben zum Boxen oder Sport allgemein zu gehen, das kann ich mir auch vorstellen. Das ist mir vollkommen klar.

  623. Enrico Richter

    Aber wenn ich das will, muss ich es machen. Ist einfach so.

  624. Enrico Richter

    Wenn ich es will, muss ich es machen. Und dann muss ich es richtig machen.

  625. Enrico Richter

    Oder zumindest ein bisschen richtig machen. Wir Trainer haben ja immer zu meckern eigentlich.

  626. Enrico Richter

    Früher meiner auch. Das war einfach so.

  627. Enrico Richter

    Da konntest du sonst was machen. Ich mach kurz: Klasse! und dann sagt er, Die Bäume wachsen nicht von

  628. Enrico Richter

    allein. Das ist alles schon wieder Geschichte. Einen

  629. Enrico Richter

    Tag später, nachdem ich Europameister war, war es vorbei. Das

  630. Enrico Richter

    war so. Hat er Recht. Aber das lernt man erst im Alter.

  631. Enrico Richter

    Und manchmal sollte man auch den Erfolg genießen, finde ich. Auch in der Schule.

  632. Enrico Richter

    Das ist viel entspannter, finde ich. Ja, so Misserfolge, damit musst du auch leben.

  633. Enrico Richter

    Und das gehört einfach mit dazu. Das ganze im Sport, da lernst du das viel mehr.

  634. Enrico Richter

    Ich glaube, wir haben das auch relativ viel gelernt. Zum Beispiel durften wir uns nicht groß freuen.

  635. Enrico Richter

    Wenn du mal so gemacht hast, war es schon….mh! Wir durften uns nicht hinsetzen in der Ecke, wie die heute.

  636. Enrico Richter

    Die sitzen alle. Wir durften nicht sitzen.

  637. Enrico Richter

    Ihr bleibt stehen? Gut. Sitzen ist Schwäche.

  638. Enrico Richter

    Irre. Das ist antrainiert.

  639. Enrico Richter

    Meine Freundinnen sagten immer zu mir, du kannst dich gar nicht richtig freuen. Ich sag: klar freue ich mich! Geburtstagsgeschenke oder so, ne?

  640. Enrico Richter

    Freue ich mich auch, klar. Aber das ist so drin. Das ist so,

  641. Enrico Richter

    alles klar, gut. Ja, und?

  642. Enrico Richter

    Weißt du, so manche, die dann ah und mhhh, und Schnuckiputzl und bah. Das ist, kann ich nicht so. Das ist, weiß ich nicht warum, das ist

  643. Enrico Richter

    so. Das waren die Russen, die Bulgaren, das war Rumänien, die waren alle so. Kubaner,

  644. Enrico Richter

    ein kleines bisschen anders, weil die ein bisschen vom... Aber die waren auch nicht, die durften auch nicht groß rumtanzen, machen und tun.

  645. Enrico Richter

    Die durften sich auch mal in die Ecke setzen. Das hab ich mitgekriegt. Die durften sich mal in die Ecke setzen.

  646. Enrico Richter

    Aber wir nicht. Das war so ein bisschen Politik, denk ich mal, so ein bisschen, ne?

  647. Enrico Richter

    Ach, keine Schwäche zeigen und... Ah, ja, nicht freuen

  648. Enrico Richter

    und so, ne? Alles klar, so völlig normal. Ach...

  649. Enrico Richter

    Was manchmal nicht so... Da haben sie dich schon... ganz schön getrimmt.

  650. Enrico Richter

    Und wenn du das von klein auf so mitkriegst, dann lernst du das halt. Also ich sag mal, von klein auf ab 14. Obwohl früher beim Vater konnte ich mich auch nicht groß freuen, der hat auch nicht alles richtig gemacht.

  651. Enrico Richter

    Aber es ist halt so. Nee, alles gut.

  652. Enrico Richter

    Also ich möchte es auch nicht missen. Um Gottes Willen.

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