Bärbel Hofmann

Lebenslauf
Bärbel Hofmann wächst in Ronneburg auf und beginnt im Wismut-Chor zu singen. Nach dem Hochschulstudium in Leipzig kehrt Bärbel Hofmann nach Thüringen zurück und wird Schachtbibliothekarin bei der Wismut. Nach der „Wende“ arbeitet sie zeitweise in der Arbeitsfördergesellschaft der Wismut.
Gesamtinterview
Ja, groß geworden bin ich in Ronneburg, wo ich seit 1960 gewohnt habe. 1961 kam dann mein Bruder zur Welt. Ich bin also mit einem Bruder groß geworden. Meine Mutti war Hausfrau, wie das oftmals so üblich war, war zu Hause. Und mein Vati hat als Polizist gearbeitet. Ich bin in Werdau geboren und mein Vati hat in Ronneburg dann gearbeitet, auch bei der Wismut. Und deshalb sind wir nach Ronneburg gezogen.
Das sind diese, in so einer Altneubauwohnung, gebaut in 50er Jahren, in einer Zweiraumwohnung, ohne Kinderzimmer zunächst. Und es war sehr beengt, aber wir hatten eine schöne Kindheit, muss ich sagen.
Von der Stadt her, ja, was kann man da sagen? Ich weiß, dass vor unserer Haustür, auf unserer Straße, also wir Kinder sind sehr viel draußen gewesen, in der Natur. Haben uns in kleinen Gruppen getroffen. Es war nicht so, dass man so viel am Fernseher hing, so wie das heute ist. Und waren viel in kleinen Grüppchen unterwegs, haben draußen im Freien gespielt, sind das Wochenende früh raus, abends wieder rein, und zu Mahlzeiten.
In den Kindergarten bin ich nicht gegangen, also ich war zu Hause. Ich bin als Kind mit einem Hüftleiden geboren und das war wahrscheinlich auch der Grund, warum meine Eltern gesagt haben, nicht in den Kindergarten.
Die Nachbarschaft war in unserem Haus, das waren also Zweiraumwohnungen. Die Familien hatten alle Kinder und da hat sich das schon ergeben, dass wir untereinander, miteinander sehr oft gemeinsam gespielt haben.
Die Erwachsenen haben sich getroffen hinterm Haus, mal auf eine Tasse Kaffee, auf ein Bierchen. Im Sommer wurden große Zinkbadewannen auf die Wiese gestellt und da haben wir drin gebadet. Ja, wie ich schon gesagt habe, wir waren viel mit anderen Kindern unterwegs draußen, aber es waren Kinder, die im Haus mit gewohnt haben.
Und ja, mit meinen Eltern sind wir dann auch öfters ins Freibad gelaufen mit einem Handwagen und da sind wir durchs Ronneburger Brunnenholz, da gab es noch das alte Sommerbad und da sind wir auch öfters gewesen.
Da war ich selbst. Ja, war ich auch. Ja, doch, da kann ich mich erinnern.
Wir sind mit Bussen hingefahren. Und dort wurden wir aufgeteilt in Gruppen, haben dort unseren Gruppenleiter kennengelernt und übernachtet haben wir in Zelten, im Ferienlager Crispendorf war das. In Zelten übernachtet, ja.
Na ja, und da ging das Lagerleben so richtig los, mit allem Drum und Dran. Also wie man sich so ein Ferienlager vorstellt.
Die waren aus Gera-Ronneburg, aus dem Erzgebirge. Doch, ich glaube, ja. Polnische, tschechische Kinder waren dort, aber auch aus der Sowjetunion.
Die Freundschaften waren schon ganz intensiv, muss ich sagen. Vor allen Dingen zu den Tschechen, mit denen haben wir uns dann lange geschrieben noch. Brieffreundschaften haben sich da schon entwickelt. Und mit denen aus der Sowjetunion, mit den russischen Freunden, wie wir sie kennengelernt haben, haben wir uns auch geschrieben, kleine Päckchen geschickt.
Eigentlich waren wir so richtig, wenn wir dann in so einem Ferienlager und wir haben gehört, es waren ausländische Kinder da, jeder war bestrebt, da jemanden kennenzulernen. Das war so. Man hat sich gut verstanden, das ist russisch.
Wir haben ja dann auch russisch in der Schule gelernt. Und mit den Tschechen haben wir uns auch teilweise Russisch unterhalten, die haben ja auch Russisch in der Schule gehabt. Deutsch, Musik. Ja, das war es so.
Ja, ich habe in meiner Schulzeit schon im Literaturzirkel mitgearbeitet. Und es gab dann eigentlich gar nicht so viele Möglichkeiten zu der Zeit. Das Lehrerstudium konnte man absolvieren, Kulturwissenschaften, was ich gerne gemacht hätte, da wurde nur alle zwei Jahre immatrikuliert. Das kam also für mich in diesem Jahr, wo ich mein Abitur gemacht habe, das war 1977, also nicht in Frage. Ja, und man wollte unbedingt, dass ich das Lehrerstudium beginne, aber da hatte ich kein Interesse dran.
Ja, ich habe als Kind viel gelesen, schon die Kinderbibliothek besucht. Die gab es ja auch, in Ronneburg. In der Kinderbibliothek habe ich gelesen.
Ich habe dann mich in Leipzig beworben an der Fachschule für Bibliothekare, Erich Weinert damals. Es hat auch gleich geklappt und da habe ich dann 1977 begonnen und das Studium ging dann drei Jahre bis 1980.
Oh, das war spannend, ja. Wir haben in einer schuleigenen Wohnung gewohnt, in einem Altbau in Leipzig-Lindenau. Toilette eine Treppe tiefer. Und die Zimmer, ja, wir waren vier Mädchen auf einem Zimmer. Wir hatten Matratzen auf dem Fußboden gelegt, damit wir überhaupt Platz hatten.
Ja, es war recht turbulent, das Studium. Wir waren viel unterwegs. Wir waren im Theater, wir waren im Konzert, also wir haben eigentlich in Leipzig alles ausgenutzt, alle kulturellen Möglichkeiten genutzt, die es so gab. Beides.
Die Vorschläge wurden schon gemacht, seitens der Fachschule, war das ja. Ja, und man wollte ja, wenn man jung ist, will man ja alles mitmachen, viel erleben.
Damals war ja noch die Zeit der Diskotheken und das war auch alles relativ preiswert, muss ich sagen.
Dann habe ich dort in der Lyrik-Songgruppe mitgemacht. Da hatten wir auch zahlreiche Auftritte. Das war auch sehr interessant. Sind wir rumgekommen
in Leipzig, in anderen Hochschulen, wo wir uns da getroffen haben. Ja, in Bulgarien war das damals. Das war eine Reise nach Sofia. Und dort haben wir uns auch alles, was die bulgarische Kultur so bietet, haben wir uns besichtigt, auch Rila-Kloster. Also es war schon, war einfach interessant. Nee,
ich hatte ja damals schon meinen Freund und da gab es eigentlich für mich keine andere Frage. Es hat sich so ergeben, dass ich in Gera, in der damals wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek, heute Regionalbibliothek Gera, mein drittes Studienjahr absolvieren konnte, mein Praktikum.
Das dritte Jahr war ja so angelegt, dass man sein Praktikum dort gemacht hat in der Einrichtung, wo man dann auch später gearbeitet hat. Und ja, und das hat sich so ergeben, dass ich dort anfangen konnte. Naja,
und da hat sich das dann so... Naja, erstmal durchläuft man ja dort alle Abteilungen.
Und wir hatten ja auch, Samstag war ja auch Dienst, so wie das jetzt auch üblich ist. War ja auch geöffnet.
Ja, und... Ich war verantwortlich dann für den Leihverkehr, Fernleihe.
Und das hat mir eigentlich Spaß gemacht. Ja, und so habe ich da meine so zwei Jahre verbracht.
Ich habe als Kind mal Akkordeon begonnen zu spielen, so mit neun, zehn Jahren. Aber da ist dann der Akkordeonlehrer verstorben und es gab keinen mehr in Ronneburg.
Und ich wusste dann nicht so mehr, wie ich nach Gera kommen sollte. Meine Eltern hatten kein Fahrzeug, kein Auto, so wie das heute üblich ist.
Aber ich war dann immer im Chor. Damals im Pionierchor, habe ich gesungen, mit neun Jahren schon.
Und das hat mir eigentlich Spaß gemacht und da bin ich dann auch dabei geblieben. Wir hatten auch regelmäßig Wochenendproben, haben da wirklich was gelernt.
Die haben uns wirklich von der Pike auf mit Stimmbildung und das war schon toll. Der Chor war angesiedelt im Ronneburger Kulturhaus und geprobt haben wir in der Schule in Ronneburg, aber diese Wochenendproben fanden dann im Kulturhaus statt.
Ich war ja erst im Pionierchor und dann war ich im Single-Club, wo ich älter war. Es gab gar nichts anderes.
Ich habe immer irgendwie gesungen. Da ich eine gute Sopranstimme hatte, durfte ich auch solistisch singen. Das
ist als junges Mädchen, das ist ja immer was, dass man immer da so ein bisschen gefördert wird in der Richtung. Ja, würde ich sagen. So glücklich war ich. Hab
mich aber auch immer mal mit meinem Bruder gestritten, wie das so ist unter Geschwistern. Aber ansonsten, ja, wir hatten nicht so viel, da gab es zu Weihnachten eben eine Puppe und dann noch vier kleinere Sachen, nicht wie heute, wo die alle mit Geschenken überhäuft werden.
Und das hat uns auch gereicht irgendwie, man hat es ja nicht anders gekannt. Wie alt war ich denn da?
Sieben Jahre alt. Und ich wollte unbedingt ein Petticoat.
Da waren gerade die Petticoats modern mit Schaumgummi. Und so ein Petticoat wollte ich unbedingt.
Und da habe ich wirklich ein bisschen gedrängelt. Aber es gab ja immer nur zu Weihnachten zu Geburtstagen und so, dann gab es solche Sachen.
Und habe auch dann einbekommen, per Deko. Das weiß ich noch.
Zum Beispiel auch ein Anorak, da gab es dann diese Nylon-Anoraks. Ich wollte unbedingt zu Nylon-Anorak, aber ich musste warten bis Weihnachten.
Dann gab es den. Wie war denn das?
Ich habe erst mal noch zu Hause gewohnt. Ich hatte gar keine eigene Wohnung.
Und dann habe ich relativ zeitig geheiratet. Das war noch im dritten Studienjahr, weil sonst hätten wir keine Wohnung bekommen.
Das war eigentlich der Grund, warum viele so zeitig geheiratet haben. Der Ehekredit: 5.000 Mark, und das hat man ja dann irgendwie gebraucht, um sich auch eine Wohnung einzurichten. Und
das hat auch ganz gut funktioniert, muss ich sagen. Also 5.000 Mark.
Ich habe ja dann auf dem Schacht in Schmirchau gearbeitet, in der Bibliothek. Später dann, von 1981 an, und als dann die Wende kam, wurden dann verstärkt in den Räumlichkeiten, wo ich gearbeitet habe, Strahlenmessungen durchgeführt.
Also das war, ja, aber darüber wurde nicht gesprochen, wie nun die Werte waren. Und dann war ich, ja, das war bis 1980 an und habe dann aber 1981 schon im Bergbaubetrieb Schmirchau angefangen.
Da hatte ich so über den Buschfunk gehört, dass dort jemand gesucht wird. Ja, und da habe ich mich beworben, weil bei der Wismut hat man gut verdient.
Ich habe in, kann man ja ruhig sagen, in Gera nach dem Studium 500 Mark verdient und bei der Wismut waren es gleich 200 Mark mehr. So… 780, so in der Richtung. Nee Schnaps, ich war
Nein, schnapps, ich war ja Übertage. ja über Tage, die haben ja nur die unter Tage Leute bekommen und was so die Funktionäre waren, die vielleicht ein oder zweimal im Monat eingefahren sind.
Aber wir hatten ja als Vorzüge, muss ich sagen,
eine Verkaufsstelle, eine Wismutverkaufsstelle, wo man eben mal was extra bekommen hat. Ich weiß noch, unsere erste Gefriertruhe haben wir dort gekauft oder mein, was war denn das, ein Zwiebelmuster-Kaffeeservis, was ich heute noch habe.
Ja, das war schon, Kleidung mal, was so modern war, mal ein bisschen was Schickes. Also in erster Linie erstmal war es mein Betrieb, wo ich in Brot und Lohn war.
Und ja, es war, bei einer Wismut herrschte immer so ein bisschen eine herzliche Atmosphäre. Ich bin ja früh mit dem Bus gefahren, sehr zeitig haben wir angefangen, zu arbeiten.
Und es war immer eine ganz herzliche Atmosphäre unter den Kumpels. Ich wurde natürlich erstmal beäugt, als junges Mädchen.
Wer kommt denn da? Aber es gab da nie irgendwie böse Worte oder “wer bist denn du?” oder das.
Nö, man wurde eigentlich auch gut integriert, muss ich sagen, von Anfang an.
Mit Anmachen, gut, heute würde man vielleicht sagen, eine Anmache, aber es wurde mal, “Hey, meine kleine Süße” und so,
und die Bauarbeiter, die haben mal den jungen Frauen hinterher gepfiffen. Aber das hat man nicht so als junges Mädchen waren wir auch ein bisschen stolz drauf, dass sie es gemacht haben.
Aber es ist keiner irgendwie, ich habe das nie erlebt, dass jemand anzüglich oder was geworden ist, kann ich nicht sagen. Ja, ich habe ja direkt dann, als ich in der Bibliothek war, bei der Wismut, Lesungen gehalten, direkt vor Ort, in den Brigaden.
Also ich bin da zu den Frühstückspausen gekommen und habe dort Bücher vorgestellt. Und meistens so in einem Zeitraum von höchstens 30 Minuten.
Ja, und was hatte ich denn an? Ich bin dann durch den Betrieb, ich hatte meine Stiefel an.
Wie gesagt, es waren ja über Tage, nicht unter Tage. Untertage bin ich ja nicht hingekommen.
Nö, das waren direkt auch Romane. Es gab ja im Rahmen, es wurde jedes Jahr, es wurden Bücher für den FDGB Kunstpreis vorgestellt.
FDGB, Freier Deutscher Gewerkschaftsbund. Und im Rahmen dieser Kunstpreisdiskussion wurden bestimmte Bücher vorgegeben, die man dann verstärkt diskutieren sollte, in den Betrieben.
Das waren dann in der letzten Zeit, in den 80er Jahren, auch sehr Bücher, wo es um Alkoholismus ging und ich kann jetzt gar nicht im Einzelnen die Bücher benennen, was das alles war. Ja, und da wurde dann diskutiert. Die
saßen dann da zum Frühstück. Ich bin dort rein, hab dann Stellen vorgelesen aus diesen Büchern.
Und die Kumpels haben dann ihre Meinung dazu gesagt. Meistens hab ich das mit irgendeinem Problem verbunden, wo sie dann ihre Meinung gesagt haben.
Die hatten ja nu ihre Kultur- und Bildungspläne, werden Sie ja sicher schon erfahren haben, wo dann die Brigaden sich auch verpflichten mussten und verpflichtet haben, in Sachen Kultur was zu tun. Und ja, wenn sie so eine Buchlesung... Ich selbst habe manchmal gedacht, naja, manche saßen da, die haben dann abgeschaltet, die haben dann mehr geschlafen.
Aber es gab auch welche, mit denen konnte man echt gut reden und diskutieren und … sehr, sehr vielseitig, muss ich sagen. Also ich war ja, der Chor zum Beispiel war ja im Bergarbeiterkulturhaus in Gera, was heute Heinrichsbrücke ist, angesiedelt.
Und der Bergbaubetrieb Schmirchau war der Trägerbetrieb. Und es wurde dort ein Jahresprogramm erstellt, also es waren Veranstaltungen am laufenden Band.
Dort war das Arbeitertheater angesiedelt, der Chor war angesiedelt, ich glaube noch eine Blaskapelle, Zeichenzirkel und was es da alles so gab. Ja, Volkskunst-Olympiade, da habe ich jetzt eine Medaille, ich habe sogar eine mit, habe ich noch in der Tasche drin.
Wir haben als Chor an der Volkskunst Olympiade teilgenommen, haben etliche mal eine Goldmedaille bekommen und ich selbst habe bei der Volkskunst-Olympiade mitgemacht als Solistin und habe eine Bronze-Medaille erhalten. Ja, aber fragen Sie mich nicht das Jahr mehr, wann das gewesen ist. Die Volkskunst
Olympiaden fanden so in den Kulturhäusern statt. Das war auch unterteilt.
Also nicht, dass jetzt Chöre und Arbeitertheater an einem Tag dran waren. Also meist waren das unterschiedliche kulturelle Einrichtungen, wo das stattgefunden hat.
Also die Chöre meinetwegen in Gera und Arbeitertheater in Ronneburg, ich sag's jetzt nur mal als Beispiel. Naja, auch von diesen, eigentlich alles, also nicht nur von diesen Wismut-Autoren, sondern ich müsste mir jetzt Gedanken machen, da stecke ich jetzt nicht so drin.
Ja gut, wir hatten die Literatur zum Arbeitsschutz, Gesundheit zum Arbeitsschutz in der Bibliothek, ist klar. Wir waren ja Gewerkschaftsbibliothek, wir waren praktisch der Betriebsgewerkschaftsleitung unterstellt. Ja, zum Arbeitsschutz direkt hatten wir eigentlich weniger damit zu tun, muss ich sagen.
Außer, dass die Leute, die beim Arbeitsschutz gearbeitet haben, auch bei uns Leser waren. Das war extra.
In diesem Kultur- und Bildungsplan, was die Brigaden so hatten, muss man sich so vorstellen, dass die... Ich hab da auch was mit. ...haben
Hab ich das hier? Ich weiß jetzt gleich gar nicht.
Nee, das habe ich auch in der Tasche noch was. Können wir dann noch mal angucken? Ja, können wir dann noch mal angucken.
sich verpflichtet, Für das Jahr, das zeige ich Ihnen dann alles noch. In dem Monat fand dann eben eine Buchlesung statt. Dann haben sie sich verpflichtet, dass so und so viele Leute im Chor mitsingen, zum Beispiel.
Da gab es auch direkt Verpflichtungen: Würdest du nicht mitsingen? Die haben sich dann auch gegenseitig ein bisschen motiviert.
Das war nicht so wie heute. Ich weiß nicht, ob die gezwungen wurden.
Das weiß ich jetzt nicht, ich kann nur von mir sprechen. Ich weiß nicht, wie das die Bergleute im Einzelnen gesehen haben.
Ob die sich verdonnert gefühlt haben. Das kann ich jetzt nicht sagen.
Zu unserem jetzt nicht. Es gab viele Sportvereine, BSG Wismut, Gera und Ronneburg. Die haben ja alles gemacht, Leichtathletik und das war ja alles,
es war ja auch eine finanzielle Frage, weil ja die Wismut das auch finanziell alles gefördert hat. Es war ja nicht so heute, es läuft ja alles auf Vereinsbasis und die Vereine müssen sich selbst finanzieren, aber das war damals nicht. Die Betriebe waren eben Träger und da war das schon einfach.
Ja, waren wir auch. Waldfrieden, Schönberg, das gibt es auch heute noch wohl in einer anderen Form, aber das waren Ferienhäuser in einem Objekt, an einem kleinen See und bei Plauen.
Naja, und da haben wir uns dort getroffen, wo die Kinder dann auch Familien mit Kindern, das war immer sehr schön.
Wir saßen dann abends da abends als Erwachsene zusammen, die Kinder konnten dort schön spielen. Einfacher Urlaub, aber sehr schön mitten im Wald. Wir sind viel in die Pilze gegangen.
Also viele Wismuter haben auch gesagt, wir fahren jetzt wieder nach Zinnowitz. Da haben sie sich wieder getroffen. Wir waren eben so ein bisschen Campingfreunde. Wir waren eben gerne in Schönberg. Da sind wir hingefahren.
Oder an die Pöhl zum Beispiel. Da standen so kleine Wohnwagen. Mit den Bussen, wie die normalen, ja. Und haben dann auch früh schon die Bibliothek eröffnet, dass praktisch, wenn Schichtwechsel war, wenn die von der Nachtschicht kamen, dass die sich schon ihre Bücher holen konnten. So,
und wenn die dann mittags wieder ausgefahren sind, die Kumpel, die mussten dann bei uns an der Bibliothek vorbei, da haben die dann ihre Bücher oder Schallplatten oder was es war, je nachdem, wieder mitgenommen. Schallplatten, Kassetten, Zeitschriften, ja, das hatten wir schon.
Ich würde das nicht verallgemeinern. Es gab solche und solche.
Nee, würde ich nicht sagen. Das ging eigentlich quer durch.
Ich hatte dann schon auch meine Stammleser. Ich wusste genau, der und der liest gerne Krimis oder utopische Literatur, haben wir gesagt, Science-Fiction. Ja. Pfff. Alkohol.
Pff, Dahlkohl. Hm. Also ich bin ja früh, wenn ich gekommen bin, habe ich mir in der Kantine mein Brötchen geholt und dann standen schon Kumpels und haben schon teilweise ihre Flaschen da auf dem Tisch gehabt.
Also es wurde schon ganz schön getrunken. Aber es war auch unterschiedlich.
Also wir haben uns schon auch zum Frühstück, wenn Geburtstag war, mal zusammengesetzt. Es wurde in den Brigaden, die hatten ja auch immer ein bisschen Geld, da wurden Jahresabschlussfeiern durchgeführt, meistens in den Kulturhäusern dann.
Und da wurde auch doch gut gegessen, gut getrunken. Meistens ein schönes Programm noch von der Konzert- und Gastspieldirektion. Ja,
1990 wurde ja dann... es ging ja dann mit der Wismut zu Ende. Und ich habe mich dann beworben in der Arbeitsfördergesellschaft der Wismut, Gesellschaft für Arbeitsförderung in Ronneburg, und habe dann dort gearbeitet als Projektleiterin bis 1999.
In der Arbeitsfördergesellschaft wurden ja die ganzen Wismuter dann integriert. Es wurde entweder eine Weiterbildungsmaßnahme für die Leute organisiert oder Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
Also da traten ja dann verschiedene Sachen in Kraft. Und ich war dann mit dafür verantwortlich, die Kumpel in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu integrieren. Ich
habe dann praktisch Gespräche geführt mit Bürgermeistern der umliegenden Orte, wo die Kumpels eben gewohnt haben. Und in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt haben wir dann Maßnahmen entwickelt, dass die Kumpel wieder in Lohn und Brot kommen. Für mich war es ein
Schock, muss ich sagen. Ich meine, es hat sich ja die ganzen Jahre vorher schon angekündigt. Es sind ja auch viele vom Bekanntenkreis, viele auch die Ausreiseanträge gestellt haben und so. Aber ich war eigentlich immer so ein bisschen...
ich habe eigentlich das Land geliebt. Ich kann nicht sagen, dass ich jetzt irgendwie...
einen Hass auf die DDR hatte, wie das bei manchen war. Mir ging es immer gut.
Gut, ich hatte keine West-Verwandtschaft, genau, in dem Sinne. Aber ich hab's nicht vermisst, sagen wir mal so.
Boah, wann war denn das? Mit den Trabis sind wir da los. Das war 1981, da ist der Sohn in die Schule gekommen. Na ja, im Herbst dann, wo dann die Grenzen geöffnet waren. Ja, das sind wir dann mit den Trabi nach Hof.
Nö, das war erst mal was Interessantes, die lange Trabi-Schlange dazu zu sehen, wie sie alle gefahren sind. Ja, wir haben ja dann unser Begrüßungsgeld abgeholt.
Überfordert eigentlich nicht. Was Kurioses habe ich, das gebe ich immer mal zum Besten, wir sind in so einen Kaffeeladen reingekommen, von Tchibo war das wohl, und ich habe gefragt, in meiner Naivität, haben sie auch gemahlenen Kaffee?
Verkäuferin mich angeguckt. Haben Sie auch gemahlenen Kaffee? Das
war schon extrem, muss ich sagen. Das war auch sehr recht unterschiedlich bei den Leuten.
Die meisten waren irgendwie fertig mit der Welt. Ich habe auch einige, die auch bei mir, die ich gut kannte, die sich das Leben genommen haben, die einfach nicht mit der Situation fertig geworden sind, dass sie jetzt nicht mehr gebraucht werden, als Bergmann. Die, die so jahrelang unter Tage gearbeitet haben und nichts anderes.
Das war ja für die, das war, da ist was weggebrochen. Zahlenmäßig, ich kann das nicht sagen jetzt, im Einzelnen, das ist, war vielleicht so. drei, vier.
Aber sicher spielten da auch noch andere Sachen mit einer Rolle, nicht nur, dass die Wismut, also dass jetzt die Wende gekommen ist, sondern auch familiäre Sachen spielten da sicher auch mit einer Rolle. Ich möchte das nicht unbedingt, aber der Zusammenbruch der Wismut und dann die Wende und das beides gemeinsam, das war wahrscheinlich doch ein bisschen heftig für einige.
Es war sehr unterschiedlich. Es wurden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen organisiert, mit dem Arbeitsamt zusammen.
Im handwerklichen Bereich haben die Leute, Beete wieder schön gemacht, Plätze. Wir haben mit Schulen zusammengearbeitet, da wurden Sportplätze neu errichtet. Landschaftsbau kann man sagen, ja.
Da entstanden zum Beispiel Pflegeheime, die neu errichtet wurden, da haben wir Frauen zum Beispiel untergebracht. Jetzt wo ich mich jetzt so mit Ihnen unterhalte, wie viel ist eigentlich, wie viel ist schon wieder in Vergessenheit gerät.
Wir sind ja als Chor da auch aufgetreten. Das war auch so ein bisschen, wir kennen ja noch, doch es war schon gut die BuGa, muss ich sagen.
Ich meine, die alten Ronneburger haben auch, was wird jetzt mit diesen alten... Ich kenne ja noch das große Tagebauloch, wo wir uns dann auch mal angeguckt haben, dann nach der Wende. Da konnte man ja von oben reingucken.
Aber gut, die BuGa war schon gut für die Region. Ja, wir machen Radtouren durchs BuGa-Gelände bis Collis.
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