Susann Müller & René Sowicki

Lebenslauf
René und Susann ziehen vor einigen Jahren nach Ronneburg – und geraten ganz aus Versehen in die Bergmannskapelle des Bergbauvereins. Außerdem sind sie ehrenamtlich im Museum Objekt*90 unterwegs und kümmern sich um die Pflege der Neuen Landschaft in Ronneburg.
Gesamtinterview
Ich bin die Susann Müller,
komme ursprünglich aus Zeitz,
bin am 28.11.1995 geboren, bin 27 Jahre alt, wohne jetzt seit fast zwei Jahren in Ronneburg. Ja.
Ich bin der René Sowicki, ich bin 1985 geboren, komme ursprünglich aus Pölzig. Ja. Ja,
und wohne genauso seit zwei Jahren in Ronneburg. Tätig
momentan im Bergbau-Museum Ronneburg. Also wir machen Führungen mit, für unten und auch für oben mit. Und
zum Beispiel Geschichte der Wismut erzählen und halt
so das, was wir so wissen. Und
ansonsten... Noch sind wir Lehrlinge. Noch sind
wir Lehrlinge. Was
ich jetzt genau da mache, kann ich nicht sagen. Ja, ich bin gelernter Klempner. Ja,
umgeschult 2010 auf Berufskraftfahrer,
bin dann bei der Tochtergesellschaft DFA von der Wismut Lkw gefahren, in der Seligenstädter Erzwäsche. Ja, und jetzt zur Zeit auch tätig im Bergbaumuseum Ronneburg.
Also ich wusste, dass mein Opa bei der Wismut war. Und als Hauer, ja, der war in Drosen im Schacht.
Das ist bei Kakau, in Reichstädt in der Nähe. Den laufenden Betrieb hätte ich auch gerne mal live gesehen.
Nicht wirklich. Aber wir sind dann 1992,
oder 1990 zumindest,
sind wir mit dem Vati hoch auf die Lichtenberger Höhe gefahren und haben das große Loch gesehen. Da waren wir noch Kinder. Das war ein
erstaunliches Erlebnis.
Ich bin 1995 geboren. Ich habe leider wirklich keine Erinnerung daran.
Mir hat auch niemand wirklich großartig was darüber erzählt. Erlebt hätte ich es selber gerne schon noch mit.
Das wäre bestimmt interessant gewesen.
Ja, es war immer dunkel, hat er gesagt. Nicht wirklich. Also eher schmächtiges Verhältnis. Ja,
wir sind hierher gezogen. Neue Stadt, neues Glück, haben wir uns gesagt. Und dadurch,
dass ich den Herrn Siehler [Leiter der Kapelle] schon seit 1992 kenne,
da ich mit seinem Sohn eingeschult war, hat sich das alles so ereignet. Die Kapelle gibt es jetzt seit anderthalb Jahren. Ja,
und wir sind mit Gründererzeugnis. Ja, definitiv.
Ich schlag die große Trommel mit Becken. Ja.
Ich bin zusätzlich mit eingestiegen,
weil der *** der Meinung war,
dass es noch nie eine weibliche Fahnenträgerin gegeben hat,
die so hübsch war, wie er sich ausgedrückt hat.
Du bist auch die Einzige deutschlandweit. Richtig. Ich
habe jetzt mittlerweile Kontrabass spielen gelernt, was ich jetzt auch sehr gerne mitmache. Es macht einfach Riesenspaß.
Ich habe schon mal die E-Gitarre gespielt, eine Siebensaiter. Aber durch den Schlaganfall konnte ich es dann nicht mehr. Der Herr Sieler hat dann auch gesagt,
ich nehme dich jetzt mit rein. Durch die Musik verlinken sich neue Synapsen und dann geht es wieder.
Ich habe damals in meiner Pflegefamilie Gitarre gelernt. Geige konnte ich, und Klavier.
Wunderschön. Also, man muss dabei sein, uns zu erleben.
Definitiv. Uh, teilweise, manchmal 15, Mann. Ja,
und wir die Jüngsten.
Also, wie alt
der Älteste ist jetzt, weiß ich nicht. Der
ist 70. Ja. Ich denke mal, das wird der Älteste sein.
Denke ich schon. Jeden Donnerstag um 18 Uhr im Bergbaumuseum in Ronneburg, da ist eine Probe.
Wir suchen immer Neues. Vor
allem Blasmusiker und auch Schlagzeuger.
Wir machen nebenbei auch noch die Denkmalpflege am
technischen Denkmal oben im Schacht 407. Das heißt, also Rasenmähen und sich darum kümmern, dass alles ordentlich ist.
Also Rasenmähen, Bewirtschaftung der Flächen, sanitäre Anlagen befüllen und in Ordnung halten. Nein, wir haben gesagt, neue Stadt, neues Glück.
Und das hat sich bisher behauptet.
Wir haben einfach nicht gesucht, wir
wurden gefunden, sagen wir es mal
so.
Auf Deutsch? Auf Deutsch? Ja. Arschlöcher. Okay?
Ja, Arschlöcher. Definitiv Arschlöcher.
Also desto älter sie werden, desto kindischer werden sie.
Der Leiter unten, der Herr Thieler Weeze,
der hat ja auch viel mit der Wissen zu tun gehabt.
Er ist zwar freundlich, aber er kann wirklich
echt Arschlöcher
Die haben einen Umgangsjargon, das möchte ich ja gar nicht aussprechen. Ja, das ist dieser Bergmannsstolz.
Zickereien ist da noch milde ausgedrückt. Da wird s euch manchmal wirklich richtig angekeift.
Nee,
also bei uns ist es sehr Harmonie.
Wir halten noch alle wirklich zusammen. Wir ziehen noch alle an einem Strang in der Bergmannskapelle.
Unser erster Veranstaltung war in Olbernhau, oben im Erzgebirge. Das große Bergmannstreffen, das war wunderschön.
Wir sind halt die Musiker, große
Trommel… Das war das
weltweit größte Knappenfest und Bergmannskapellen
Fest überhaupt. Über 450 Musiker haben zum Schluss den Steigermarsch gespielt.
Das war Gänsehaut pur und auch wirklich
sehr erlebnisreich
und hat wirklich sehr viel Spaß gemacht.
Also so viele Leute kennt man hier gar nicht. Das soll auch so bleiben.
Wir kennen wirklich nur eine ausgewählte Hand an Leuten,
die wir auch kennen wollen.
Also einer unserer Freunde,
der hat in der Wismut-Küche Koch gelernt und
ist dort auch groß geworden, weil seine Mutter dort auch gelernt hat und auch Koch war. Ja, die Christine noch.
Die Christine zum Beispiel. Die spielt das Glockenspiel.
Ja, die spielt das Glockenspiel.
Dann haben wir noch die ***, eine Trompeterin. Nee, nicht aktiv bei der Wismut, aber sonst bei uns in der Kapelle.
Also wir geben Herzblut dazu und vollen Einsatz. Definitiv zur Erhaltung der Tradition und zur Erhaltung der Denkmäler.
Das ist wichtig.
Es ist ja schon so, wenn man wirklich etwas richtig
machen will, dann muss man da wirklich auch sehr viel
Zeit investieren,
Blut, Schweiß und Tränen und wirklich mit Herz
und Freude rangehen,
sonst hast du da verloren.
Und das haben wir auch wirklich schon gelassen, Blut, Schweiß und Tränen. Also zurzeit sind wir ja noch Lehrlinge.
Aber man lernt auch nie aus.
Wir sind ja auch gerade im Bergbaumuseum an der Umgestaltung. Das klappt ja auch eigentlich ganz gut.
Es kann ja nicht immer 20 Jahre das Gleiche sein. Deswegen modellieren wir das jetzt ein bisschen um. Das
ist uns mittlerweile auch gelungen.
Also wir haben ja nochn Hund, wie du weißt. Die schläft da drüben. So schläft weiß ich jetzt nicht.
Ansonsten, wir beschäftigen uns in der Freizeit mit
ihr, weil sie braucht ja noch sehr viel Training. Sie ist jetzt gerade im anderthalb Jahr, wird jetzt bald zwei im Oktober.
Und das erfordert halt auch viel Wesensbeschäftigung, Training. Ansonsten in der Freizeit.
Halten wir uns von allem Schlechten fern, definitiv.
Ja, sehr schwierige Zeiten, das hat man zum Beispiel am Männertag gesehen. Aber darüber will ich hier jetzt gerade gar nicht reden.
Das bringt zu viel Stress in meinen Kopf. Aktionen, wo man sich an den Kopf greifen kann.
Wir sind immer freundlich, sagen wir immer “Guten Tag”. Es ist ja viel passiert, der “Ronneburger Busen”, das Wahrzeichen, ist verschwunden.
Ja, dann ist das große Loch aufgefüllt worden,
wo jetzt mittlerweile die Grubenlampe steht.
Das Einzige, was man noch schön sehen kann,
wenn man ganz oben ist, ist noch der Schriftzug von der Wismut. Da steht richtig schön groß Wismut auf dem Rasen.
Das ist wunderschön, das habe ich letztens auch erst entdeckt. Wusste ich auch gar nicht. Trünzig
drüben, die Lokhalde, ist ja auch noch in Betrieb, Sanierungsbetrieb. Da wird ja auch noch Auftrag gefahren.
Da habe ich auch in den vier Jahren, wo ich bei der DFA gefahren bin, habe ich das erlebt. Wir haben über drei Meter Auftrag auf die Halte aufgebracht.
Auch den schwarzen Schlamm der Erzwäsche. Ja, wir wurden hinterher dekontaminiert, weil das Zeug hat noch so gestrahlt.
Ja, also die Arbeitssachen hinterher ausziehen, komplett nackt. Die wurden in den Schacht geworfen.
Die wurden gleich verbrannt. Dann haben wir eine Brille aufgekriegt, eine Nasenklammer, Ohrenstöpsel.
Und reintreten in eine Kammer, alles von sich abspreizen, sämtliche Gliedmaßen. Und ja, dann kamen die Düsen.
Also man musste vorher die Luft anhalten und dann
haben die Düsen gesprüht. Dann musste man raustreten. Dort standen Leute mit dem Geigerzähler in
Vollmontur. Und wer gestrahlt hat, der durfte nochmal rein.
Ja, deswegen immer Fenster geschlossen halten
beim LKW fahren. Deswegen haben die dann auch nach vier Jahren gesagt, okay, hier reicht's.
Ja, sonst wird der Strahlungsbelastungswert zu hoch.
Also wir wissen ja, dass ein neues
Museum gebaut werden soll,
oben auf der BuGa. Das soll dann auch in der Form der Kegelhalden sein, das äußere Modell.
Aber lassen wir uns mal gespannt sein, wie das wird. Bis jetzt haben wir noch nichts gehört, aber die haben da eine andere Fläche ausgewählt. Das Objekt
90 soll ja bleiben. Schacht 407 zu erhalten.
Definitiv. Ja, also es ist schon lohnenswert, sich das mal anzugucken, was ja damals los war.
Auch Untertage und wie die damals eingefahren sind. Ich meine, der Schacht 407 ist ja bloß ein reiner Zuführschacht gewesen für Material. Ja,
ist schon interessant, definitiv. Auch für Jüngere.
Ich kann das nicht so sagen. Wir waren eine riesengroße Gruppe Kinder.
Wir sind eigentlich alle miteinander aufgewachsen bis zur 10. Klasse. Und dann hat sich das alles getrennt.
Ab 2003 ist es dann weniger geworden, ja. Nein, nein.
Wir mögen unser großes Dorf.
Das ist unser letzter Anhaltspunkt jetzt
und da bleiben wir auch.
Noch einen Umzug mache ich nicht mehr. Was
Besseres gibt es gar nicht mehr.
Uns geht es hier gut. Die Stadt ist schön sauber.
Also, ich hab ja 25 Jahre in Zeitz gelebt. Ich weiß, wie es dort aussieht.
Und das im Gegensatz Zeitz zu hier
ist schon ein himmelweiter Unterschied. Hier ist nichts beschmiert an den Wänden, hier liegt kein Müll rum, wenn du rausgehst. Es ist anders,
definitiv anders, aber auch besser.
Das ist Hammer und Schläge als Symbol. Ja, das war ein Geschenk. Ja,
und das ist eine ehemalige Schnapsflasche aus Lautergold. Hier sieht man noch die Öffnung. Das
war auch ein Geschenk. Und ich halte es in Ehren.
Definitiv. Zeig doch mal deine Tasche, da sieht man auch das Symbol von Olbernhau. Hier die habe ich
selber gemacht, die Tasche. Hier sieht man auch schön Hammer und Schlegel drauf.
Und das war der allererste Bergmanns- und Hütten
und Knappentag aus Olbernhau. Das ist sehr faszinierend gewesen und wird ebenso in Ehren gehalten.
Wir machen es auch gerne und wir sind auch ab September
dieses Jahres bis September nächsten Jahres sind wir voll involviert im Museum. Nee, wir laufen bei den Führungen mit und hören aufmerksam zu. Und
machen uns ein paar Notizen. Wir setzen uns halt nicht eine Dreiviertelstunde hin und labern übers Atom. Wer will
das schon? Wir teilen uns lieber die Komplexe, also sie macht dann eher den oberen Bereich und ich mache dann das Bergwerk. Nee,
oberer Bereich ist Sanierung Und unten ist das Bergwerk, so wie es früher mal war. Untertage.
Also wir betreiben am 9. Dezember 2023, ist die Mettenschicht in Gera im KuK.
Und wir laden recht herzlich dazu ein. Ja, das ist das Highlight und ansonsten kleine Veranstaltung.
Oder Olbernhau, wenn es wieder ist, im Erzgebirge. Und schauen wir mal, wo es noch hingeht.
Wir sind gerne dabei.
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