Wolfgang Schwarzentrub

Lebenslauf
Wolfgang Schwarzentrub stammt aus einer Wismut Familie: sein Vater arbeitet als Markscheider und auch der Großvater ist bei der Wismut. Er lernt Werkzeugmacher in einem anderen Betrieb. Über die Teilnahme an Zeichenzirkeln und durch autodidaktische Arbeit kommt er zur Kunst und in den musealen Bereich. Er arbeitet heute als Künstler unter anderem zu Bergbaufolgelandschaften-
Gesamtinterview
Also ich bin 1954 geboren, also schon ein etwas älteres Semester und wohne in Gera. Also ich bin in Gera geboren und wohne in Gera nach wie vor.
Also nie weiter weggekommen. Das war nicht ganz so einfach.
Wir kommen ja dann noch drauf, wenn wir dann über das Projekt “Überstrahlt” sprechen. Ich bin aufgewachsen in Gera Kaimberg.
Das kennen vielleicht die meisten von dem Sommerbad her, das kleine Dorf. Vielleicht dann doch den kurzen...
Also meine Mutter ist relativ früh verstorben, da bin ich bei den Großeltern aufgewachsen. Der Vater war aber auch mit im Dorf und die waren... Also Vater, Großvater waren alle
bei der Wismut. Ja, das war so erstmal...
Also eigentlich eine ländliche Gegend,
das war das Dorf, ganz schön,
aber halt dann die Wismut vor Ort und
da werden wir bestimmt noch drauf kommen.
Ich habe noch einen Bruder und mit dem bin ich dann oft
in das Gessental gefahren,
in das damalige Gessental und habe mir das alles
erschlossen, so als Kind.
Der Vater war Markscheider bei der Wismut,
das heißt, die haben die Bohrlöcher ausgemessen,
mussten das da im Freien vermessen
und der Großvater war Dreher. Also letzten Endes kann man sagen, eine reine Arbeiterfamilie.
Und ich habe dann, falls jetzt die Frage gleich noch kommt,
ich habe dann als Werkzeugmacher gelernt, zunächst erstmal,
aber nicht bei der Wismut.
Das war halt damals immer die Frage, auch bei meinen
Mitschülern in der Schule
sind also viele zur Wismut gegangen.
Das war schon ein ganz starker Arbeitgeber und da stand eben
auch die Frage,
weil da gab es eben verschiedene Berufe und das haben eben
viele ergriffen. Aber ich bin dann als Werkzeugmacher habe ich dann in Ronneburg angefangen.
Ja, das ist eine ambivalente Geschichte. Also zum Teil war es natürlich sehr schön, wenn man auf dem Dorf war. Man
konnte da überall im Dorf, sag ich mal,
rumstreunern,
Fahrrad fahren. Und auf der anderen Seite war es
schon ein bisschen problematisch,
weil eben auch beim Großeltern aufgewachsen und die Wohnungssituation war nicht so
toll. Und das waren schon ein bisschen, also, das Häusliche war schon sehr beengt.
Also man muss sagen, das war ja dann die 1960er, 70er Jahre, wovon wir jetzt reden. Und da gab es in Kaimberg auch keine Wasserleitungen zum Beispiel. Ich
habe das erste Mal einen Wasserhahn aufgedreht,
da war ich 18 Jahre alt. Vorher gab es zwei Brunnen im Ort und da musste man mit dem Wasserfass das Wasser holen und dann die Eimer hochtragen.
Also so. Zunächst muss ich sagen, was mir viel geholfen hat, auch in diesem Dorf rauszukommen.
Wir haben relativ zeitig angefangen, mein Bruder und ich,
also die Familie, wir hatten da einen kleinen Schachverein.
Ich habe zunächst erstmal Schach gespielt und ziemlich
intensiv und war dann auch letztendlich sogar mal
DDR-Oberliga gespielt, also einiges so.
Aber das Zeichnen und Malen, das hat eigentlich in der Schule
schon angefangen und da war es dann möglich,
sobald ich dann in die Lehre gekommen bin,
bin ich dann in Gera, das Club der jungen Sportler,
also was heute die Turnhalle ist,
bin ich in den Zeichenzirkel gegangen.
Ganz einfach einmal in der Woche mit der Mappe
angereist und insofern war das
immer begleitend dann schon zu meinem Beruf als Werkzeugmacher. Aber da habe ich dann im Laufe der Zeit gemerkt, das ist doch nicht so die Entscheidung gewesen. Aber
naja, man war dann aus der Schule raus und erstmal,
da hieß es immer, sag ich mal in Anführungsstrichen,
Mach erstmal einen ordentlichen Beruf!”. Ja, der war zwei Jahre älter, also das heißt in dem Ort, wir waren, weiß ich jetzt nicht so vielleicht sieben, acht Jungs.
Mehr gab es da nicht und wir haben dann zusammen Fußball gespielt und alles. Das war eigentlich ganz ordentlich.
Und dann halt die Ausflüge. Vielleicht komme ich jetzt nochmal zu dem Gessental dazu.
Mit dem Fahrrad,
beziehungsweise als ich noch kein Fahrrad hatte,
sind wir dann auch hingelaufen. Da gab es also das Gessental, was jetzt heute die BuGa-Landschaft ist.
Das kennen Sie ja von Pforten beginnend bis Ronneburg, wo ja dann der Tagebau Lichtenberg war. Ich habe das alte Gessen noch kennengelernt.
Das ist jetzt so mein Zeitzeugen-Erlebnis als Kind. Wir sind da ins Nachbardorf gegangen, in die Gessentalmühle, da war eine Gondelstation. habe ich wahrscheinlich meine
erste Waldmeister-Limonade getrunken. Da hatte
man noch so ein Bild,
wie man dort sitzt und das Grün, das hat mich
so fasziniert.
Da sind wir da eigentlich oftmals in dem Gessental
gewesen, die Mühle kennengelernt,
bis dann 1966 der Haldenrutsch passiert ist. Und damit hat sich die ganze Landschaft und das ganze Leben in der unmittelbaren Region dann doch verändert.
Naja, Politik war...
Also es war nie einer in der Partei irgendwie, wie das damals war. Also man hat sich da... Also...
relativ neutral verhalten.
Wir haben zwar Westfernsehen geguckt,
aber das durfte man ja damals nicht sagen,
aber das hat man dann so gemacht. Augsburger Puppenkiste, mit
denen bin ich dann aufgewachsen,
wenn es mal keine Störungen gab, wenn warmes Wetter war, da
gab es Bildstörungen, aber das war dann alles
so, das hat man gemacht,
aber aktiv in dem Sinne war nie jemand, auch nicht
irgendwie in der Partei dann.
Naja, das war in der Zeit,
ich sag mal bis 19hundert
1900, ja,
also bis nach der Lehre war das Schachspielen ganz
wichtig für mich. Und insofern, wie gesagt,
da hatten wir angefangen beim Pionieren zu spielen und dann gab
es also die verschiedensten Pokale in Herrenmannschaften
mitgespielt, auch schon als Pionier. Da sag ich,
da musste man manchmal warten,
bis die älteren Herren dann müde geworden sind in der
dritten, vierten Stunde, dann konnte man dann auch gewinnen. Ja, aber das war eigentlich, es lief eigentlich immer parallel. Und in dem
Zeichenzirkel im Klub der jungen Sportler, da gab es dann die nächsthöhere
Qualifikationsstufe. Das war also die Förderklasse Malerei/Grafik vom Bezirk Gera. Und da bin ich dann
aufgenommen worden, musste man auch wieder erstmal ein Jahr
oder anderthalb Jahre Kandidat sein,
weil das war eine Förderung vom Bezirkskabinett für
Kulturarbeit nannte sich das damals. Und da konnten also, sag ich mal,
talentierte,
also nicht nur Jugendliche, waren auch allen Alters,
die wurden dort in Rudolstadt ausgebildet. Das lief von Freitag bis Sonntag einmal im Monat und einmal im Jahr gab es einen Lehrgang.
Das war schon sehr qualitativ, sehr hochwertig. Wir hatten auch Studienreisen nach Sliwen Bulgarien), also in die Partnerstadt.
Und das lief unbegrenzt. Bis 1989 war ich dann in der Förderklasse. Und da gab es
dann auch Ausstellungen und da hat sich das immer mehr
profiliert und der Wunsch, dann noch etwas
anderes zu machen, das
war eben dann doch wichtig und da habe ich dann bereits
1981, 1982
habe ich dann in der Kunstsammlung Gera angefangen,
habe also den Werkzeugmacher da beendet. Und das war natürlich ein Schritt, da als Autodidakt, sagen wir mal so, oder mit meinen Kenntnissen, da im Museum anzufangen.
Also das waren damals, da gehörten die Museen der Stadt Gera, das war alles eins. Das war die Kunstgalerie, nannte sich das damals noch.
Und da habe ich angefangen, und Ausstellungen mit aufgebaut,
mit Ausstellungsgestaltern. Da gab es extra aus Jena kamen dann die ersten Ausstellungen, die wir aufgebaut haben. Die
haben die Ausstellungsarchitektur gemacht,
von Grund auf das, was sie hier vielleicht jetzt auch lernen.
Und dann gab es eine Delegierung von der Kunstsammlung Gera aus,
zu dem Studium nach Leipzig, Museologie zu studieren. Das gibt es heute noch.
Das ist also eine Fachhochschule in Leipzig,
Fachhochschule für Museologen. Und das war damals so gedacht, die Ausbildung war so speziell von, sag ich mal, von Ur- und Frühgeschichte, Geschichte bis Kunst, Kunstgeschichte, also das war alles dabei.
Das war ursprünglich gedacht,
dass die Museologen dann auch mal ein kleineres Museum in einer kleinen Stadt übernehmen können als Leiter. So war das gedacht.
Das war 1982 bis 1986. Und da waren natürlich immer so meine zwei Seelen. Auf
der einen Seite war der Museumsjob ja ganz toll. Habe ich auch gerne gemacht.
Aber man hat natürlich dann auch,
wenn man selber malt oder selber in der Förderklasse halt
damals noch tätig war, dann kamen Künstler und haben dann,
oder wenn Ausstellungen waren,
kamen die Arbeiten und dann hätt ich gesagt, mhm, so, dann hatte man
immer so ein bisschen, hat
man das für die anderen dann ausgestellt und gut
gemacht, versucht jedenfalls und ja, da war immer
so ein bisschen so ein Widerbart,
aber das ging bis 1989. Damals in der DDR gab es den Verband Bildender Künstler. Und das
waren alles die, die in der Hochschule Leipzig oder Dresden,
also in den Hochschulen für Malerei und
Grafik studiert haben. Und die wurden Mitglied des Verbandes Bildender Künstler und die konnten selbstständig als Maler und Grafiker arbeiten.
Alle anderen waren sogenannte Volkskunstschaffende. Da gab es nochmal eine Stufe, da war das alles reguliert.
Man konnte nicht einfach sagen, ich male jetzt,
so wie das heute ist, ich mache jetzt Maler,
wenn ich damit zurecht
komme, mache ich es halt. Und da bin ich aber dann 1981 gleich in
den Verband Bildender Künstler eingetreten,
da war das dann möglich, habe ich mich beworben,
hatte ja allerhand Arbeiten. Und da bin ich
1991, habe ich 1981 gesagt,
in den Verband Bildender Künstler eingetreten und seitdem
bin ich da auch Mitglied und auch im Bundesverband.
ja,
Aber vielleicht nochmal zur Wismut zurück:
Ich habe dann schon in den,
also als wir da in der Förderklasse waren,
war natürlich unser, das was wir gemacht haben,
wir haben ein Modell gezeichnet, wir
haben Stilleben gehabt und wir haben Landschaft gehabt.
Also entweder sind wir dann gemeinsam in Rudolstadt oder
irgendwo in die Landschaft gegangen, das war also immer
so, die Impressionisten, das war das,
was uns da interessiert hat, also Van Gogh und was jeder
so kennt, unter Landschaft stehen und das war eigentlich
eine ganz, war
so, sag ich mal, unser Ansporn, unser, das was wir,
also von von Beuys und von Fluxus-Art und so weiter, waren wir weit weg. Also das hatte man mal in Katalogen gesehen, aber das war eigentlich nicht das Thema. Und
so bin ich auch irgendwann mal dazu gekommen, Motive von der Wismut, also von den Halden, von den
dazugekommen, Gessenhalten bei Kauen, die haben Sie ja vielleicht schon gesehen oder sehen Sie dann noch auf der Webseite. Das war eigentlich nie ein Motiv für mich.
Also ich habe ja dann gesehen, mit den
Haldenrutschen 1966, der nach Gessen gegangen ist, dann wurde der Ort evakuiert, ist vollkommen weg. Also man weiß heute gar nicht mehr genau, wo das steht.
Die Halde ging so weit an den Ort ran,
da gab es also die sogenannten Rollbahnen.
wo die Kipper gefahren sind,
das war eine Abraumhalde und die wurde dann abgedeckt, also
auch mit dem Mutterboden und irgendwann hat es zu stark
geregnet und dann ist die Halde auf das Dorf zu,
weil das ja im Tal war. Und ich kannte
noch, war ich mit meinem Großvater noch, bei dem Schneidermeister in Gessen, das
vergisst man ja dann auch nicht, immer mal Hose kürzen und so, das war halt damals
so, da ist man da hingegangen und dann
als die Halde runter gekommen war,
die ging also bis an den Ort ran und im Hof war dann
schon der erste Schlamm zu sehen. Es
sind also keine Personen zu Schaden gekommen,
da gab es schon Bäume hinter dem Ort, die sind alle geknickt. Das war überhaupt nicht mehr lebensfähig, der ganze Ort. Und insofern wurde das
evakuiert. Die Leute mussten eine neue Heimat suchen.
Da gibt es also von der Annerose Kirchner ein sehr schönes
Buch, Spurlos Verschwunden,
die beschreibt darin,
weil ja mehrere Dörfer der
Wismut zufolge verschwunden sind. Also so wie es ja an der Braunkohle letztendlich auch passiert ist, Braunkohletagebau. Die beschreibt das dann also,
dass die Leute sich eine neue Heimat suchen mussten. Für manchn war es besser, aber manche haben eben doch an ihren Bauernhof in Gessen gehangen. Das hatte ich alles noch
so in Erinnerung. Und der Schneidermeister, das ist jetzt für mich jetzt so die tragische Geschichte, weil ich das auch noch erlebt habe.
Der ist dann nach Kauen, also ins Nachbardorf gezogen,
zur Miete in ein Haus und der hat sich dann an den Folgen,
an der ganzen Situation nicht mehr erholen können und hat
sich dann aufgehangen. Also das war für ihn, da ist also damit überhaupt nicht klar gekommen. Und in der Zeit,
also 1966,
da sind wir dann auch oftmals nach Ronneburg gefahren und da
konnte man noch
durch den halb zerstörten Ort noch mit dem Fahrrad
durchfahren und da waren wir unmittelbar an der
Halde dran.
Ich habe auch diese Altwetterschächte,
das hat man gespürt,
die haben die alten Wetter aus dem Schacht
rausgeblasen, da hat man sich noch davor hingestellt,
weil das schön warm war. Also es war ganz schön, wie sagt man, eine ganz schön katastrophale Landschaft.
mit dem Fahrrad
so da vorbei noch die Wege gefunden und dann irgendwann war
Schluss und dann hat man dann eine neue Halde drüber geschüttet
und da konnte man dann auch nicht da durchfahren,
wurde die Straße neu,
die Bahnschiene nach Ronneburg neu gelegt. Also alles Konsequenzen, wenn man so intensiv in so eine Landschaft dann eingreift.
Und da habe ich dann angefangen eigentlich,
weil wir ja in der Landschaft waren und immer Natur,
also sage ich mal Bäume, Flüsse und so,
und da habe ich dann auch in der Zeit die
Halden gemalt, also wo ich mich dann hingestellt habe. Und das war uns eigentlich, sage ich mal, nicht malenswürdig.
Also irgendwie so für uns.
Es gab von der Wismut, die haben natürlich auch
internationale Plenars veranstaltet,
wo also Künstler aus den sozialistischen Ländern und auch aus
der DDR,
die haben dann untertage gemalt und Bilder ausgestellt. Die
gibt es also noch, die Sammlung hat mittlerweile über 4200
Arbeiten so ungefähr,
die gibt es also noch in Chemnitz zu sehen.
Aber da wurde halt dann der Wismut-Kumpel mit seiner Ausrüstung, da wurde das Arbeitsgeschehen oftmals dargestellt. Oder hauptsächlich.
Zunächst waren wir ein bisschen an den Realismus gebunden. ALso Typke, die Leipziger kennen Sie ja bestimmt, Bad Frankenhausen.
Wenn man solche Bilder malen konnte, das war natürlich Tübke, Mattheuer. Da waren wir dran.
Letztendlich gab es ja auch immer die DDR-Kunstausstellung. Ich glaube, ich weiß nicht genau, alle fünf Jahre.
Da ist man nach Dresden gefahren und hat sich das dann
angeguckt. Der Fokus lag schon mehr auf dem, was man hier unmittelbar auch als Original erleben konnte.
Das waren dann halt die Bilder, die
man hier in der Ausstellung gesehen hat.
Es gab natürlich auch in Berlin, weiß ich mal,
da sind wir dann hingefahren,
eine Expressionisten-Ausstellung,
das hat einen dann schon beschäftigt.
Oder man hat halt oftmals, wenn wir da in Rudolstadt waren,
wir haben viel in Kataloge geguckt und geblättert, wo man sagt, aha, was ist denn da? Aber wir hatten wirklich gute Dozenten.
Die eine ist dann nach Dresden gegangen an die Hochschule und war Professorin, bis erst vor ein paar Jahren. Also das war schon gut.
Wir haben dann auch viel über Kunst gesprochen. Aber zunächst 90er Jahre. musste erst mal die
Landschaft herhalten, also auch Frankreich, Südfrankreich,
Provence und solche Dinge,
da war die Wismut-Landschaft erst mal nicht so.
Als der ganze Umbau,
also 1991 hat man ja begonnen schon mit der Renaturierung im
Gessental, den Tagebau.
Wenn man sich das vorstellt, jetzt hat man einen der größten Tagebau weltweit geschaffen. Ich glaube 230 Meter tief.
Ein riesen, gigantisches Loch. Ich hatte mal eine Möglichkeit vom Zaun aus da rein zu schauen.
reinzuschauen, Die Kipper sind also in Serpentinen nach unten gefahren. Die mussten ja das Erdreich hochfahren.
Deswegen waren dann auch diese Kegelhalden. Und im Sommer
war das dort so heiß,
also die Luft hat sich nicht ausgetauscht, da haben die Schutzmasken tragen müssen. Also es war auch eine extrem harte Arbeit. Und ja, da
habe ich das einmal gesehen,
aber das war dann Anfang der 1990er Jahre dann nicht das
Thema, wo ich sagen könnte,
hätte vielleicht öfters mal hingehen können und mal gucken, wie das passiert ist. Also wie die einzelnen Schritte dann waren. Von Gessen nicht, nee.
Das war, wie gesagt, das
war als Kind und dann sind wir durchgefahren und ja, das
war der einzige, die ich jetzt konkret in Erinnerung habe, war halt der Schneidermeister und ansonsten dann nicht. Das waren so... Ja, Kindheitserlebnisse, immer
so diese Tore. Ich hatte das wohl irgendwo mal geschrieben,
wo der weiße Spitz immer gekommen ist,
wo wir dann vorbei uns geschlichen haben, weil der war immer so giftig. Damals hat man einen Spitz gehabt, sozusagen, so einen Hund. Ja,
also solche Dinge. Also konkret nicht, aber in Ronneburg hatte ich ja dann noch Verwandtschaft. Und
da gab es dann,
das Gessental hatte ja insgesamt sieben Mühlen. Also die eine, da steht nur noch eine Grundmauer in Pforten, da ist wohl jetzt ein Haus drauf gebaut.
Dann gibt es noch in Collis,
wenn Sie mal nach Collis fahren, die Collismühle.
Das ist die letzte, also nicht mehr als Mühle,
als Wohnhaus ist noch tätig und die anderen sind letzten
Endes alle verschwunden. Und die letzte, die in Ronneburg stand, das war die Mittelmühle. Und da hatte ich auch ganz weite Verwandte,
aber da bin ich dann auch mit ein- und
ausgegangen als Kind und erkenne ich das alles, wie nah dann auch schon dort die Halden waren. Aber das ist alles dann weg.
Na die Wismut-Zeit nicht. Das hat mich so persönlich mehr...
Die Landschaft war interessant. Also ich habe dann,
als ich in Ronneburg Werkzeugmacher war,
da fuhr ja der Zug dann immer
nach Gera, bin ich dann gefahren und da sieht man ja noch den Gessenbach und der hatte dann also am Tag mehrmals die Farbe geändert. Also da war mal rostrot oder braun oder...
Und dann immer diese Schaumkronen drauf und die Bäume waren
auch schon, also das war schon,
und das hat man auch gerochen. Also das war
so eine Geschichte, aber
konkret war das dann,
ist das dann irgendwie alles abgebrochen,
weil ich dann nach Gera bin und auch beruflich das anders gemacht habe. Also habe ich jetzt keine Verbindung in dem Sinne. Naja, ich hab dann erst in Ronneburg gewohnt,
dann doch noch. Und dann nach Gera bin ich, ja, so in den 80er Jahren.
Das waren die Schritte. Aber ich hatte schon immer die Beziehungen zu Gera oder zur Förderklasse oder zu Schach gespielt. Habe ich in
Gera-Liebschütz. Die spielen heute noch eine Mannschaft, die sind ziemlich gut. Und da war ich
eigentlich, ging mein Bewegungsfeld, sag ich mal, von Kaimberg, ging eigentlich immer
Richtung Gera oder so in die Richtung.
Also Ronneburg war mir nicht so,
war als Bergarbeiterstadt,
irgendwie hat man das ja dann doch gemerkt. Naja, das war, wir haben da immer übernachtet, meistens privat irgendwo untergeschlüpft.
Wir wollten auch mal in ein leerstehendes Haus. Da weiß ich jetzt gar nicht mehr, waren wir da drin oder haben wir da nicht geschlafen.
Also wir standen mal so, wie man sagt, also ja, eigentlich bei Bekannten dann so, in dem Sinne. Oder dann mal nach Halle gefahren.
Da hat einer von Gera
in Halle studiert, an der Burg.
Da sind wir dort mal irgendwie
so
durchgetingelt.
Ja, ganz genau,
weil ich habe zu meinem
Museumsjob, also als Werkzeugmacher
hatte ich gut verdient, für die damaligen Verhältnisse.
Im Museum gab es natürlich, ich weiß jetzt nicht,
vielleicht 300 Mark weniger,
dann habe ich immer nebenbei noch Ausstellungen mitgemacht, also
wie man so sagt, Mugge gemacht, also aufgebaut, offiziell
zwar, im Haus der Kultur, was es heute noch gibt,
Und da war gerade eine Fotoausstellung, 1989 im November, und die haben wir da aufgebaut. Das war derselbe Tag. Und
da waren ja die Demonstrationen immer,
da war ich ja eigentlich immer in der Kirche und so, da waren wir immer dabei. Und an dem Tag hieß es also Ausstellungsaufbau.
Und das ging ja dann immer
nach dem offiziellen Dienst los, meinetwegen von 17 Uhr bis 22 Uhr. Hat immer Spaß gemacht, war gut.
Und da sehe ich das noch, kriege ich gleich wieder Gänsehaut, wie das an dem Tag war. Da kam die Demo, da stand ich im Haus zur Kultur an der riesengroßen Scheibe.
Und wir guckten da rüber, wo jetzt die Arkaden sind, auf
die Straße, und da kam die Demonstration an, und haben gesagt, eigentlich müssen wir jetzt raus. Und da hat aber unser Grafikdesigner gesagt, wir müssen das jetzt weitermachen. Und so, naja, jedenfalls.
Und kommt der Demonstrationszug an,
und dann kommt ein
Hostess vom Haus der Kultur, von hinten
und guckt auch da raus und sagt: “Ob die jetzt wissen,
dass die Grenze auf ist?!” Und da krieg ich jetzt schon wieder Gänsehaut. Also das ist unglaublich. Ja, vergisst man nicht.
Also da hab ich gesagt: Ne, jetzt ist Schluss.
Und da kam dann die Demo runter
und dann sind wir dann auch mit raus, haben gesagt, jetzt machen wir nicht mehr. Das war halt so der Tag, an dem die Mauer gefallen ist, geöffnet worden ist. Und
dann hat man geguckt, was passiert jetzt?! Das war schon spannend.
Das geht jetzt weit weg von der Wismut. Aber gut, das war dann letztendlich in Ronneburg. Also wie das
so ist. Also zur Disco gegangen.
Ja, und dann hat man sich in Ronneburg gesehen und
das gab es natürlich, wenn ich das noch so ganz kurz einfüge,
man musste sich dann, wenn man Sonnabend irgendwo war,
also hier im Interhotel oder Club der jungen Sportler
gab es ja dann immer so, dann musste man sagen, also Sonnabend, okay, wann sehen wir uns wieder? Mittwoch, 16 Uhr oder nächsten Sonnabend, 18 Uhr?
Und das musste dann klappen. Da stand ich in Kaimberg, aber den Bahnhof gibt es nicht mehr, also das war Collis. Die Bahnstation hieß Kaimberg.
Und die Freundin kam aus Ronneburg. Und da habe ich dann immer den Zug schon um den Kurve rattern hören und dachte, na mal sehen.
So, das war immer ausgemacht. Im letzten Wagen sitzt man dann.
Und, oh, geguckt, geguckt, na. Und dann, ja, musste das halt klappen.
Also so waren die Dinge. Naja, das hat sich dann auseinandergelebt, sage ich mal.
Es war dann okay,
aber es waren dann zwei verschiedene Lebenswege geworden. Sie hat beruflich eine Entwicklung gemacht und meine ging ja dann in eine andere Richtung.
Ich muss natürlich dazu sagen,
also das war auch sehr zeitaufwendig,
also in der Freizeit dann immer das zu machen und man
hatte immer so diese Spannung auf Arbeit,
also auch hier mit in der Kunstsammlung, die Ausstellung, der
Aufbau, das kennen Sie bestimmt alle selber,
das geht dann auch nicht, über die normale Arbeitszeit
ging das dann hinaus und dann wollte man selber noch was
machen und das Schachspielen habe ich dann ganz aufgegeben,
auch mit dem Studium, und das waren so einige Schnitte,
die ich dann also in die Richtung gemacht habe,
ohne dass man das jetzt gesagt hat, ich
will jetzt das unbedingt.
Also diesen Traum, wie manche vielleicht gehabt haben, die
gesagt haben, ich wusste schon immer,
wenn man das jetzt manchmal so hört, Ich wusste schon immer,
ich werde Maler und dann mache ich das
und dann werde ich das. Also das gab es eigentlich gar nicht. Also erst mal Beruf und das.
Also so ein Weg war auch in der Familie nie vorgegeben. Also das war sehr abstrakt. Und da habe ich mich also
so über die Jahre dann in so eine Richtung hin bewegt. Ja, ich habe einen Sohn. Und ein Enkel.
Also gut, ja der Enkel, die sind ja immer begabt. Also muss man dann sehen, ob da eine Begabung sich weiterentwickelt.
Aber das ist das Problem. Die leben in München und damit sieht man sich nicht so oft. Nicht gleich um die Ecke,
sonst hätte ich da schon ein bisschen Einfluss drauf. Spannend.
Die frühen 1990er in Gera waren sehr spannend. Da gab es diese Subkultur, sage ich mal. Also Anfang der 1990er,
wir waren dann sechs Künstler. Also man wusste erst mal nicht wohin. Also was passiert jetzt?
Und insofern gab es dann Zusammenschlüsse. Also wie das letztendlich auch im 20.
Jahrhundert war. Also Künstler der Brücke oder wo es immer nach irgendwelchen Katastrophen, Umbrüchen, dann Künstlergruppen gegeben hat. Insofern haben wir eine Künstlergruppe gegründet. Da war ich als Maler, die Barbara Docht noch, dann Bildhauer,
Lyrikerin,
Keramikerin und Und ein Fotograf. Wir hatten da ein Pleinair mit polnischen Künstlern.
Nitschereuth, Und da kam der Begriff Wszystko Jedno auf. Also alles eins oder scheißegal. Das war so das Ding,
wo wir gesagt haben, also wir machen was.
Und wenn wir gemeinsam, da hat man sich ganz gut zurecht zurechtgefunden, gefunden. Und wir waren ja auch alle sehr unterschiedlich.
Und in Gera gab es hier in der Berliner Straße eine ganz alte Fabrikhalle. Die haben wir, sag ich mal, fast kostenlos bekommen. Die
war ziemlich runtergefahren schon, war leer stehend. Und da haben wir den Kunstraum in Gera gegründet. Mit Wszystko
Jedno, die Künstlergruppe Wszystko Jedno, Kunstraum Gera. Und
insofern konnten wir, also sag ich mal,
die Künstler der DDR haben quasi nie richtig gelernt,
selber für sich zu sagen, ich möchte das oder das oder das. Insofern konnten wir aber als Gruppe sagen, also Wszystko Jedno, wir möchten einen Kunstraum.
Wir haben vom Staat also erstmal auch keine Förderung bekommen, ganz spät dann. Aber wir konnten anders auftreten, also anderen gegenüber.
Und insofern haben wir dort selber Ausstellungen gemacht.
Wir haben Lesungen veranstaltet, Filme gemacht,
Auktionen durchgeführt, unsere Ausstellungseröffnung
gemacht. Und dann haben wir angefangen, Kontakte zu suchen zu Künstlern von Bayern.
Also kamen welche aus Passau,
dann hatten wir aus Castrop-Rauxel,
aus Kassel. Also wir haben dann Kontakte geknüpft und die haben bei uns ausgestellt und wir haben dann dort ausgestellt.
Und da gibt es also heute noch Kontakte, kann man sagen 30 Jahre, wo man sich noch schreibt. Also wir waren da noch mehrmals in Passau. Das war eine
ganz spannende Zeit. Man konnte da machen, wäre heute,
hatte ich, glaube ich, Ihnen schon mal gesagt,
also wäre heute nicht, überhaupt nicht mehr vorstellbar,
weil die Fabrikhalle war so, da würde heute, gäbe es heute
so viele Auflagen und wir haben dort Ausstellungseröffnungen
gemacht mit, ja, mit Essen,
Trinken und also es waren einfach wirklich
Das war aber alles möglich. Und gleichzeitig gab es in Gera noch das Klaus Haus. Das waren die sogenannten jungen Künstler,
die also noch mal 10, 15 Jahre jünger waren als wir.
Die haben also auch, ich weiß nicht,
ob es das überhaupt noch gibt, in Bieblach so einen ehemaligen Jugendclub dann als Galerie genommen. Und dann gab es noch das Kollektivtheater Mitte.
Aber das war also dann in der Puppenbühne. Und da waren letztendlich immer Veranstaltungen.
Das ging dann bis 1998,
dann wurde die Fabrikhalle abgerissen,
dann waren wir in der ehemaligen
Elektronik. Ateliers,
wo heute das Fitnessstudio oben drauf ist,
also wenn man Richtung Greiz fährt,
also da drinnen in diesem, das war auch alles leer stehend,
da waren wir an der vierten Etage, dann oben alleine da und
da, so und dann war das dann halt auch wieder weg und jetzt sind
wir an der Greizer Straße, gegenüber vom Museum Angewandte Kunst, also auch ein Neubaublock, in so einem Laden. Oh, da müsste ich nachgucken.
Also wir hatten jede Einzelausstellung gemacht so und dann doch
gerade hatten wir Ostern mal. Wir haben dann natürlich auch, sag ich mal, viel gesponnen. Ostern, also Eierei irgendwie
so mit solchen Begriffen dann gemacht und wir haben dann
auch Grassamen ausgelegt, also auf Matte und immer besprüht. Da musste immer jeden Tag einer hin. Dass Ostern,
wenn die Ausstellungseröffnung war,
da hatten wir dann Gras in der Kunsthalle, also
so bestimmte Grasmatten gezogen und also
so auch mit Objekten gearbeitet,
Installationen gemacht. Ja,
das waren, ach und der Lutz Seiler, wer den kennt,
der Schriftsteller,
der Kruso geschrieben hat und Stern 111, das Buch rausgebracht hat. Der hat, weil der aus Gera-Langenberg kommt, also der hat so eine Ausstellung von mir gelesen.
Damals war das so und heute ist er Ehrenbürger der Stadt
Gera. Und wir hatten auch immer Live-Musik, also das war schon, war auch schon viel zu organisieren immer.
Insofern war man da auch voll ausgefüllt. Ja, das ging dann. Klar, man hat dann mehr gesehen.
Wie gesagt, in den 90er Jahren ist man noch in die Provence gefahren und hat sich da mit der Staffelei in eine Landschaft gestellt. Aber es hat sich dann alles anders entwickelt.
Ich habe dann so um die Nullerjahre,
so um 2000, dann Objekte gemacht,
Objektkästen und Installationen. Wir
waren als Wszystko Jedno, als Künstlergruppe, fällt mir gerade ein,
bei Weimar ‘99, Kulturhauptstadt,
Weimar war die erste Kulturhauptstadt Europas damals, 1999
haben wir als Gruppe ausgestellt, und da hatte ich dann
auch schon Objektkästen und solche Dinge. Also es hat sich dann immer mehr wegbewegt, bis hin zu einer Abstraktion, die ganz abstrakt sein kann. Vielleicht
kommen wir ja dann noch darauf, dass man dann sagen kann,
So ein Mischverhältnis. Also es hat sich,
weil jetzt hatte ich gerade nochmal,
da ist noch ein Buchprojekt, ein Anfang, und da habe ich von
der Wismut, also die frühen Sachen und dann
so die Waldstücke, die ich noch
so in 80er Jahren gemalt habe und da liegt das jetzt dort
und die jetzigen Arbeiten dazu und da hat dann die
Sekretärin dort gesagt, sind das aber schöne Waldstücke, warum machen sie sowas nicht mehr? Aber das geht irgendwie nicht mehr. Das ist irgendwo,
könnte ich mir jetzt schwer vorstellen. Ich meine, wenn jetzt ein Auftrag käme, würde ich da aber im Grunde genommen... Aber ich muss sagen,
nach wie vor habe ich immer ein Skizzenbuch dabei,
also im Urlaub oder wenn ich unterwegs bin. Also in Gera eigentlich nicht, also mal auf dem... Schloss Osterstein da oben, da irgendwo.
Aber sonst immer,
ich brauche oftmals die Anregung vor der Natur
oder Ideen, wo ich einfach sammle. Das ist ein wichtiges Utensil, was ich immer dabei habe.
Ja, manchmal auch im Urlaub Aquarell oder so,
aber das ist dann, und das kann dann der Nährboden sein für
andere, für Projekte oder bei der Druckgrafik
dann. Naja,
es gibt immer so,
Anfang der 90er hatte ich dann auch schon mal Metamorphose,
das waren aber dann Köpfe,
also das hat auch was damit zu tun, mit der Wendezeit, also
das waren, sag ich mal,
surreale Köpfe und auch mit Schrift und Collagen,
also Dinge aus der neuen Realität,
also auch diese Farbigkeit von den ganzen Prospekten und
so weiter, da habe ich also viele Dinge mit verarbeitet. Da gibt es also dann Artefakte, bis hin zu den Objektkästen.
Es gibt so ein Thema und jetzt aber die letzte Zeit ist es
eigentlich so schon immer,
also diese landschaftlichen Veränderungen, diese Bilder,
die wir gesehen haben von den Tsunamis, also diese Natur
und Umweltkatastrophen,
also die letztendlich einmal von der Natur, aber dann auch von Menschen gemacht werden. Also sowas hat mich dann schon angeregt. Weil,
wenn man da mal schaut,
kann man ja auch auf Google dann auch immer mal so Pressefotos sehen.
Da gibt es also ein Foto, Da war dieser Tsunami,
da steht eine Frau mit einem weißen Kleid und einem weißen
Sonnenschirm mitten in der zerstörten Landschaft. Also so eine doppelte Ästhetik.
Wie bringt man das? Das ist eine Katastrophe.
Aber die hat wahrscheinlich nichts anderes. Sie steht da und guckt. Also so eine ambivalente Geschichte.
Also das hat mich in letzter Zeit stark beschäftigt und
insofern bin ich dann auch wieder zum Thema der
Wismutlandschaft gekommen,
wo ich hätte das ja auch 2007 machen
können, als die Bundesgartenschau war und hätte gesagt,
okay, jetzt ist die Bundesgartenschau, ist alles wunderbar, alles schön gemacht. Ist es ja auch, aber es ist noch nicht zu Ende. Und das ist das Thema
dann,
wo ich 20
2017 dann diesen Zyklus gemacht
habe. Das war also ein Selbstauftrag, hatte ich zunächst
erstmal in Gera nochmal Fördermittel beantragt,
da habe ich auch eine Teilsumme bekommen,
konnte ich mir erstmal die Leinwände und
so weiter nochmal kaufen und dann habe ich diesen Zyklus da gemacht. Jetzt gehen wir nochmal auf die Arbeit ein.
Ich habe das jetzt nochmal hier. Also ich weiß nicht, was Sie da jetzt schon kennen. Also da
bekommen Sie dann jeder eins, wenn
es jetzt müsste reichen. Das sind jetzt die Bilder gestaltet, also als Leporello.
Halt.
Das ist, muss man jetzt mal gucken,
das beginnt also jetzt so, das war das Thema Wismut,
wo ich gesagt habe, ich stelle mir jetzt das selbst,
das ist also, können wir dann nochmal im Detail machen,
wie ich mich rangearbeitet habe.
Aber mir war von vornherein klar,
das wird jetzt nicht eine Landschaft,
in dem Sinne, früher und heute, so ein historischer Abriss,
also so wie ich es gesehen habe, wo Collis
hier mit drauf ist,
das musste was anderes
werden. Deswegen ist es auch “Metamorphose einer Landschaft” und was man letztendlich vielleicht auch für andere Landschaftsveränderungen verwenden könnte, sage ich mal.
Und
Und dann gab es 2020
durch die Geschichte,
also Neustart Kultur vom Bundesverband Bildender Künstler veranlasst, haben Sie bestimmt mal gehört davon. Und die Grafikdesignerin, eine Grafikdesignerin aus Gera, die hat mir dann gesagt, also ich kenne dein Projekt und wollen wir dann nicht mal einen Antrag stellen? Und das haben
wir gemacht und ich habe da eigentlich nicht dran geglaubt, dass
da irgendwie für Fördermittel, dass da was kommt. Und das ging darum, es sollte was Digitales passieren. Also
am Ende eine Webseite entstehen und die haben wir dann auch gemacht. Das heißt also jetzt www.
überstrahlt.de Und dann haben wir diesen Zuschlag bekommen und dann musste das Projekt durchgeführt werden. Das war ein Jahr harte Arbeit.
Wenn Sie dann mal reingucken www.überstrahlt.de,
dann sind auch historische
Abrisse dabei über die Mühlen.
Es ist ein Text von der Constanze Müller aus Leipzig dabei,
über meine Arbeit,
über die Bilder selber, von dem Jörg Müller aus Halle,
nochmal über das Uran überhaupt,
das Thema Uranerzabbau und dann ein
Hinweis zum Bergbaumuseum Ronneburg.
Da gibt es also ein Bergbaumuseum,
wo das alles wunderbar nochmal aufbereitet worden ist, also das Thema Wismut. wen es da interessiert, der ganz konkrete Fakten haben kann.
Zum Beispiel war mir auch nicht bewusst,
dass unter Ronneburg 1000 Kilometer Schächte da waren, also in der Tiefe und so. Das ist unvorstellbar eigentlich. Und das ist jetzt,
weil jetzt sagt man, gut,
man fährt jetzt mit dem Fahrrad in das Gessental,
das ist alles schön, eine neue Landschaft entstanden,
also letztendlich ist auch wieder
der Mensch hat, sag ich mal abstrakt, den Tagebau errichtet,
die Halden hochgeschüttet und nach 30 Jahren hat man gesagt,
oder 40, dann okay,
jetzt schütten wir den ganzen Haufen wieder rein, machen was anderes draus. Also insofern eine vollkommen andere Landschaft entstanden. In der Zeit,
als die Mühlen waren, war ja Ackerbau, und deswegen auch die Mühlen. Aber war ja auch schon eine gestaltete Landschaft.
Aber insofern, jetzt haben wir wieder eine neue Gestaltete,
die auch wieder wächst.
Also muss man sich dann immer überlegen,
inwieweit die Eingriffe dann, was sie dann als Nachfolge
kosten. Also letztendlich Leipzig, die Seenplatte, wenn man das jetzt bedenkt, war ja Braunkohle-Tagebau und jetzt kann man dort segeln. Naja
gut, das sind keine Landschaften. Also
das ist jetzt Landschaft,
wie gesagt, da habe ich also
ausgegangen von der konkreten Situation und hatte ich am
Anfang gedacht, also es müsste relativ konkret werden,
aber dann habe ich mich wieder weiter entfernt und jetzt
sind das Abstraktionen.
Also oftmals haben die Bilder jetzt einen Titel, wenn
ich zum Beispiel waren wir in Bregenz,
da habe ich eine tolle Ausstellung gesehen und irgendwie Das
hat jetzt damit jetzt nicht so viel,
dann heißen die nach Bregenz oder wo ich dann bestimmte
Erlebnisse dann spontan mit einbringe.
Also wo ich bestimmtes Farberlebnis habe oder Größe oder
Dimension oder da kommt dann, ja,
wie soll man das... also Landschaft im reinen Sinne ist’s jetzt auch nicht mehr.
Naja, das
hängt jetzt auch mit der Altersstruktur zusammen.
Das heißt, Wszystko Jedno und wir waren sechs Leute,
die Keramikerin kam aus Kreuz,
die hat sich dann irgendwann zurückgezogen,
der Bildhauer ist an die Ostsee gezogen,
der Fotograf wohnt in Südtüringen. Die Lyrikerin ist noch da, aber im Grunde genommen hat sich das aufgelöst.
Das Klaus-Haus ist auch weg. Die Leute sind noch da, also der Kern der Gruppe.
Die machen aber ihre eigene Geschichte, mehr oder weniger. Und insofern sind auch altersbedingt welche dann auch weggezogen. Manche, weiß ich jetzt nicht,
vielleicht auch aus politischen Gründen, auf jeden Fall waren die weg, weiß man nicht wohin. Also Anfang der 90er.
Insofern hat sich die Struktur dann doch schon ganz schön geändert. Und das ist jetzt eigentlich schade.
Ich sage jetzt immer, jetzt sagen wir schon zu denen, die jetzt schon über 50 sind, das sind die jungen Künstler. Das kann ja eigentlich auch nicht sein. Aber
weil letztendlich die nächste Generation, die Jüngere fehlt. Jetzt ist einer wieder zurückgekommen, der war in Berlin. In der
Häselburg, betreibt die Galerie,
das ist jetzt, würde ich jetzt mal so ad hoc sagen, der Jüngste. Einen gibt es noch im Verein Virtuosen und Schmierfinken.
Da sind auch noch zwei junge Leute, die Kurse machen,
also für Kinder und auch Erwachsene. Aber so diese … Reibungspunkte. Und das ist auch wichtig,
dass man als Künstler dann auch bestimmte Reibungspunkte
braucht. Also deswegen verlassen wahrscheinlich junge Leute
nicht Berlin oder Leipzig, weil die sagen, hier ist eine Energie, hier kann ich. Das fehlte ein bisschen. Und damals war das in den 90ern,
da haben die was gemacht, dort war es so. Und da ist man natürlich auch aktiver geworden.
Jetzt sind wir natürlich auch älter und sagen, gut,
das machen wir nicht mehr. Wir hatten in unserem Atelier
jetzt neun Jahre lang noch Herbstsalon gemacht,
da haben wir uns immer Künstler eingeladen, da waren manchmal zehn,
zwölf Künstler, also nicht nur von Gera, auch von Berlin,
Leipzig oder Bekannte halt, Keramiker,
Schmuckdesigner und so, die haben wir alle eingeladen. Das
ging jetzt neun Jahre, das ist aber dann durch Corona dann
abgebrochen und jetzt ist das Atelier auch irgendwo nicht
mehr so, dass wir da sagen können, wir machen jetzt eine öffentliche Veranstaltung. Es gibt jetzt noch eine am 1. April,
aber im Grunde genommen, weil wir müssen ja alles ausräumen und irgendwo. Aber das ist wichtig. Also es fehlt jetzt
so ein bisschen die junge Generation,
wobei man sagen muss,
in Gera würde man bestimmt Atelierräume bekommen,
die man in Berlin oder Leipzig oder anderswo dann nicht hat.
Also hier steht noch so viel frei, was man da
aber dann gibt es noch den Verein M1,
da ist Sven Schmidt, also den kenne ich schon
der hat ganz früh auch mit Schach gespielt und seitdem
kennen wir uns. Aber die sind auch aktiv, aber das ist insofern eine Galerie, die kann eben nur über die Sommermonate betrieben werden.
das ist in,
Ansonsten ist das noch in der Humboldtstraße über der
Deutschen Bank, ist noch eine Galerie spitzenmäßig,
also mit Fahrstuhl, mit allem was man braucht, ist aber noch nicht so bekannt. Aber jetzt mache ich mal Eigenwerbung am 16.
April, sind wir vier Leute.Wir haben dann eine Eröffnung ab 16. April über der Deutschen Bank.
Eine tolle Galerie müsste man anders nutzen,
ist aber auch bloß zwei Tage in der Woche auf. Das wird von Leipzig aus gesteuert über so eine Stiftung. Ja, also sage ich mal,
die Museen, das ist klar, die sind toll, hervorragend.
Also was wir da gerade in der Kunstsammlung haben,
diese klassischen Moderne oder im Dix-Haus, das sind wirklich Werke der Weltkunst. Das klingt immer blöd, aber das ist so, was bei Dix gerade zur Zeit hängt.
Da fehlt ein bisschen was. Sie könnten auch in Gera bleiben! Da war einmal
die Förderklasse. Das war eine ganz wichtige Geschichte. Da war
ich ja Anfang 20 oder so. Und da saßen gestandene, für meine Begriffe, gestandene Leute drin. Und dann
kam, da nannte sich Kurt Hanf,
Nationalpreisträger der DDR, und der hatte Wandbilder gemalt,
und der kam dann mit einem weißen Kittel rein, und da wurde
das Aktmodell eingerichtet, und dann kam der rein, und da war
man, also so ein richtig, wie man sich's vorstellt,
Modell, und das waren Dinge, wo man erst mal mit Ehrfurcht
dort saß, oh krieg ich jetzt was zusammen oder so,
Das war schon ein wichtiger Punkt. Und dann das Nächste, also Wszystko Jedno, wenn wir das nicht gemacht hätten, das war schon entscheidend.
Also auch diese Möglichkeit der Freiheit, selber das zu machen. Wir haben Auktionen gemacht.
Also wie gesagt, da hat keiner gefragt. Da kam die Presse, Fernsehen und das war alles. Das war schon,
das sind schon Schlüsselerlebnisse. Aber das ist, das ist schon ein wichtiger Punkt. Irgendwo, gut, man kann dann sagen,
wie lange das noch gegangen wäre, wenn der Raum noch gestanden hätte, der Kunstraum. Aber das war damit halt dann auch verloren.
Wir hatten dann hier nochmal in der Heinrichstraße, wo die
Straßenbahn vorbeifährt, nochmal ein Kunsthaus sogar. Da haben wir ein leer stehendes Haus, ich glaube das steht heute noch leer.
in Beschlag genommen mit Kasseler Künstlern zur Museumsnacht und da haben wir das ganze Haus da gestaltet und Fensterscheiben und bemalt. Also die Kasseler waren dann...
also solche Aktionen,
das sind schon Schlüsselerlebnisse.
Das ist ein wichtiges Ereignis für mich,
dass das Projekt mit den Bildern und mit den Studien und
Skizzen, dass das jetzt nochmal eine Form bekommen hat,
durch diese Förderung und diese Webseite, das ist ja das,
was letztendlich dann bleiben soll,
dass es dann nochmal eine feste Größe geworden ist,
wo man sagt, okay,
da kann ich mich dran orientieren. Und zur
Zeit, weil mich das ja jetzt bis voriges Jahr beschäftigt hat, bin ich auch noch dran, tatsächlich nochmal einen
neuen Zyklus anzufangen, der sich mit meiner Kindheit beschäftigt. Also weniger mit der Wismut, aber mit dem so. Da bin ich dran. Mal gucken, wie der wird, dann.
Aber das wird dann auch nichts Konkretes.
Da waren die gleichen Überlegungen:
Mache ich ein Abbild aus der Erinnerung mit
Häusern oder Figuren?
Das geht dann aber immer mehr in
eine emotionale Geschichte, wo man sagt, das
ist hell oder dunkel oder sowas.
Ja, ich denke insofern daran,
wenn ich jetzt mit dem Fahrrad ins Gessental fahre oder Schmirchauer
Höhe, das kennen Sie vielleicht alles,
also das sind Dinge, da haben wir schon ein Picknick oben
gemacht und das sind Erlebnisse, wo man noch guckt.
Ich war auch im Zusammenhang mit diesem Projekt mehrmals im
Bergbaumuseum Ronneburg und habe dort auch Kollegen
kennengelernt. Also insofern habe ich für mich das letztendlich dadurch nochmal aufgearbeitet. Ja,
die Neue Landschaft erlebt man, wenn es jetzt Gäste gibt,
Besuch jetzt aus Tübingen oder irgendwo,
dann geht man halt mal auf die Schmirchauer Höhe, wenn man jetzt keinen großen Ausflug machen will oder so. Also solche Dinge, da ist das noch präsent.
Dann ansonsten, erinnere ich mich daran,
da gab es vor ein paar Jahren in der Kunstsammlung eine
Ausstellung über diese Wismut-Bilder, was ich gesagt habe,
diese Sammlung, die es da gibt, die 4200 Arbeiten.
Und da waren enorme Besucher,
Ströme da,
weil letztendlich die Neubaugebiete Lusan und Bieblach-Ost
ja letztendlich auch entstanden, weil es hier
so viele Wismut-Arbeiter gegeben hat.
Und die sind jetzt, die jetzt noch da sind,
klar, die erinnern sich natürlich dann an ihre Zeit dann
zurück. Die besuchen dann auch solche Ausstellungen und
insofern gibt es also noch viele, oder weil Sie sagten, im
Sportverein, gab es ja auch Wismut-Sportvereine, die
Da gibt es also noch viele Kontakte von Leuten,
die in der Erinnerung leben und die natürlich auch gute Erlebnisse hatten. Das war ja nicht alles. Wenn die im Sportverein waren,
da weiß ich, da war noch eine Frau,
die hatte dann von den tollen Sporterlebnissen erzählt,
die sie mit der Wismut hatte.
Also das waren so Dinge,
insofern ist das noch präsent,
aber es gibt ja auch schon die
jüngste Generation,
die das jetzt gar nicht mehr wahrnimmt.
Wer 2000 geboren
wurde,
da war die Wismut-Landschaft in dem Sinne
ja gar nicht mehr da. Und 2007 als Kind erlebt, dann war das ja schon die Buga-Landschaft.
Das ist schon, ja, da weiß man nicht, wie weit das dann erhalten bleibt. Dann ist es nur noch Erinnerungskultur irgendwo.
Also auch zum Glück letztendlich. Klar, die Halden waren ja nicht ganz ohne.
Also es ist ja selbst jetzt noch wie man so sagt,
minimale Strahlung dabei.
Genau wie Sie sagen, das war letztendlich allen bekannt,
also wer auch bei der Wismut gearbeitet hat, oder speziell Untertage,
unter Tage, sag ich mal,
es gab dann welche in den 1990er Jahren, die haben gesagt,
das haben wir ja gar nicht gewusst, also das wäre naiv gewesen,
aber man wusste das schon, dass es nicht ganz ohne ist.
Aber wir selber als Kinder hatten wir natürlich versucht,
die Halde war natürlich auch so ein Ort, so was, sage ich mal, geheimnisvolles, letztendlich auch. Und da hat man versucht, so nah wie möglich ranzukommen. Da
kann ich mich entsinnen. sind wir da auch mal
so eine Halde ein bisschen hochgekrabbelt mit den
Gummistiefeln und da hieß es immer,
da gibt es Katzengold und da wollten wir
da Katzengold sammeln.
Das war aber letztendlich Waffelit oder
Bergkristall und ja, das war natürlich
dann schon ein bisschen…näher konnte man nicht ran, aber
man hat das dann trotzdem gemacht. Also das
war Aber was da dran ist,
das hat man ja gesehen durch die Bäche,
also letztendlich der Gessenbach, die Wipse,
die von Lichtenberg aus nach Liebschütz rein ging, auch in der Elster dann. Das war schon Thema.
Jetzt, es gab ja die Überlegung,
diese Kegelhalden,
weil die ja schon teilweise bewachsen waren,
die Pyramiden, ob man die abbaut,
weil dann wühlt man den ganzen Boden wieder auf und dann
kommt vielleicht die Strahlungsintensität
wieder zum Vorschein.
Und das war so eine Überlegung,
aber am Ende hat man sie dann doch weggenommen und eingefüllt. Aber insofern weiß ich jetzt nicht, wie das so ist. Ich
hab da eine Skizze,
weil da ist jetzt noch ein Buchprojekt in Vorbereitung,
also auch ausgehend davon,
und da will jemand von Erfurt, möchte da jetzt ausgehend von
meinen frühen Arbeiten bis hin zu dem auch,
und da kam auch die Frage,
die Halden, also die Kegelhalden, lassen oder weg?
Also weil da hatte ich eine Skizze dabei,
da ist das alles noch grün,
da hatte ich die Bäume wahrscheinlich mit angedeutet so, und ja,
solche, das ist so ein… Gera
naja, vielleicht noch mal kurz,
war ja Anfang des 20.
Jahrhunderts, 1906 bis 1930, eine der reichsten Städte
Deutschlands, also prozentual gesehen, mit der
zweiten Straßenbahn überhaupt. Und hier gab es ja eine Hochindustrie, Textilindustrie, Maschinenbau, hier war ja alles vorhanden.
So, dann kam
also dann die Wismut und insofern sind die,
mittlerweile haben wir kaum noch Schornsteine,
also ich kenne noch die Direktorin vom Stadtmuseum Gera,
die hat dann historische Aufnahmen gezeigt, das sind 35,
36 Schornsteine,
die alleine hier im Stadtgebiet gestanden haben.
Und heute sieht die Stadt ganz anders aus und wir haben die
beiden Neubaugebiete und die werden ja nun
noch ein Stückchen bleiben. Also
insofern ist das schon,
also Gera hat sich ganz stark geändert und man merkt es,
wenn jetzt Gäste kommen, die sagen,
ihr habt ja tolle Villen hier; Villa Schulenburg,
das sind ja alles die Fabrikantenvillen, Hirsch,
Jahr… Und die sind stehen geblieben. Und
dann kommt jemand hierher,
sieht also diese Neubauten und sagt, hier ist ja sonst nichts so, sage ich mal, Industrie oder... Aber dann sind die Villen da.
Also insofern ist das auch eine Begegnung zwischen Alt und
Neu, was noch länger bleibt.
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